Sebastian Vettel - Ferrari - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen xpb
Max Verstappen - Red Bull - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
Renault - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen 54 Bilder

Imola, Tag der Verlierer: Defekte, Pannen und Fahrfehler

Der Tag der Verlierer Defekte, Pannen und ein Fahrfehler

Die Gewinner sind immer die gleichen. Dazu gibt es noch belohnte und unbelohnte Helden. Pierre Gasly, Sergio Perez, Sebastian Vettel und George Russell hätten mehr verdient gehabt, als sie bekamen. Drei von ihnen durften die Schuld bei anderen suchen, einer musste sich an die eigene Nase fassen.

An Mercedes-Siege hat man sich gewohnt. Und normalerweise holt sich Max Verstappen den dritten Platz auf dem Podium. Die Helden dahinter sind oft unsichtbar. Wenn vorne einer ausfällt, wird einer vom großen Rest mit dem Podium belohnt. Diesmal wieder Daniel Ricciardo. Der Renault-Pilot hatte aber das Gefühl, dass sein zweiter dritter Platz in den letzten drei Rennen ein Geschenk war.

Als er Sergio Perez in der SafetyCar-Phase in die Boxen abbiegen sah, um sich mit weichen Reifen für das Finale einzudecken, da konnte sich der immer fröhliche Australier ein dickes Grinsen unter seinem Sturzhelm nicht verbeißen: "Ich wusste, dass war meine Chance. In Imola war die Position auf der Strecke wichtiger als der Reifenvorteil. Ich musste nur sicherstellen, die harten Reifen beim Re-Start schnell auf Temperatur zu bringen."

Perez fühlte sich am Ende um den neunten Podestplatz in seiner Karriere betrogen. Der Mexikaner ist einer von vier unbelohnten Helden dieses Grand Prix. Auch Pierre Gasly, Sebastian Vettel und George Russell konnten sich am Ende des Rennens die Frage stellen: "Was wäre gewesen, wenn..." Alle drei hätten WM-Punkte geholt. Gasly wäre mit seinem Speed sogar ein Kandidat für das Podium gewesen. Doch in allen drei Fällen hatte die Regie eines verrückten Rennens etwas dagegen. Schauen wir bei den wahren Verlierern dieses Rennens etwas genauer hin.

Daniel Ricciardo - Renault - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
xpb
Daniel Ricciardo staubte das Podest nach dem Ausfall von Max Verstappen ab.

Honda-Motorärger stoppt Gasly

Das Drama bahnte sich schon auf dem Startplatz an, und es passiert Honda nicht zum ersten Mal. Der Wasserdruck im System befand sich im freien Fall. Eine ähnliche Baustelle sind die Zündkerzen, die Max Verstappen im Q2 der Qualifikation fast aus dem Rennen um die besten Startplätze geworfen hätten. Wie schon bei Verstappen schaffte es Honda, das Problem gerade noch rechtzeitig zu lösen. Dachte man. Es meldete sich nach acht Runden zurück. Bis dahin hatte Gasly alles richtig gemacht. Der Vierte der Startaufstellung verlor beim Start zwar eine Position gegen Daniel Ricciardo, hätte den Renault-Piloten beim Boxenstopp aber wahrscheinlich mit einem Overcut geschlagen.

Am Ende der achten Runde hörte Gasly den Funkspruch, den er nicht hören wollte. "Du musst sofort an die Boxen kommen. Wir haben einen Schaden, der nicht zu beheben ist." Die Dringlichkeit des Befehls lässt befürchten, dass diesmal auch der Honda-Motor etwas abgekriegt haben könnte. Gasly ist mit allen sechs Antriebselementen am Limit. Ein Tausch, und schon startet er in der Türkei von hinten. Das wäre für den Überraschungsmann dieser Saison eine doppelte Niederlage. Die Analyse des Problems ergab, dass ein defekter Kühler den Ausfall verursacht hatte. Gasly trauerte: "Es war unser bestes Training, unsere beste Qualifikation, und das Auto fühlte sich auch die ersten paar Runden im Rennen wieder stark an. Da tut so ein Ausfall besonders weh."

Sergio Perez - Racing Point - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
F1/FIA
Ein Strategiefehler brachte Sergio Perez um das Podium.

Strategiefehler kostet Perez

Wenn Racing Point am Ende des Jahres Bilanz zieht, dann wird man die vielen Strategiefehler verfluchen, die Punkte gekostet haben. Meistens traf es Sergio Perez. Erst in Portimao war der Mexikaner über die falsche Reifenwahl beim zweiten Boxenstopp gestolpert. Diesmal lag Perez nach dem Ausfall von Max Verstappen auf dem dritten Platz. Eine kluge Taktik hatte ihn dorthin gebracht. Perez fuhr als Elfter los, hielt 27 Runden mit dem ersten Reifensatz durch und hatte nach Beendigung aller Boxenstopps das komplette Mittelfeld überholt, ohne selbst auf der Strecke ein Auto zu überholen.

Doch als die Safety Car-Phase dem Rennen nach Verstappens Unfall neues Leben einhauchte, da brannten Racing Point die Sicherungen durch. Man nutzte den Gratis-Boxenstopp für einen Wechsel auf Soft-Reifen, opferte dabei aber drei Positionen an Ricciardo, Leclerc und Albon. An Alexander Albon kam Perez mit dem Extra-Grip der Soft-Reifen noch vorbei. Bei Charles Leclerc stand er an. Man hätte sich denken können, dass man bei sechs Runden im Renntempo nicht mehr drei Gegner überholt. Nicht Fahrer von der Qualität eines Leclerc oder Ricciardo.

Technikchef Andy Green erklärte die Entscheidung aus der Sicht des Ingenieurs: "Es war eine schwierige Entscheidung. Wir hatten Angst, dass unser Auto die harten Reifen nicht schnell genug anzündet. Unsere Fahrzeugabstimmung war auf Reifenschonen angelegt, deshalb konnte Perez auch so lange so schnell mit den Medium-Reifen fahren. Es erschien uns als sicherste Lösung, auf den Soft zu gehen, auch weil wir dachten, die anderen würden das gleiche tun." Haben Sie aber nicht.

Ricciardo, Leclerc und Albon blieben auf der Strecke. Und sie bekamen mit dem Unfall von George Russell ein zweites Geschenk. "Dadurch hat die Safety Car länger gedauert und die Restdistanz unter Renntempo verkürzt. Das konnten wir nicht ahnen", fluchte Green. Perez merkte man den Frust an: "Ich will das Team nicht kritisieren, aber es wäre besser gewesen, die Position auf der Strecke zu sichern."

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
xpb
Ein langsamer Boxenstopp von mehr als 13 Sekunden ruinierte Sebastian Vettel das Rennen.

Vettel stolpert über Boxen-Panne

WM-Punkte wären für Sebastian Vettel so wichtig gewesen. Sie hätten ihn für sein bestes Rennen seit dem GP Spanien belohnt. Und hätten dokumentiert, dass es langsam aufwärts geht. "Im Rennen waren wir immer ganz gut dabei. Mein Problem ist der Samstag", bestätigt Vettel. Und das wird dann am Sonntag oft zum Problem. So ließ es sich auch diesmal an Vettel kam auf Platz 15 aus der ersten Runde zurück. Er hatte sich im Zweikampf mit Kevin Magnussen die halbe rechte Endplatte des Frontflügels abgefahren, spürte am Auto aber keine Veränderung.

Zunächst ging es nur mühsam vorwärts. Obwohl Vettel klar schneller war als die Autos vor ihm, musste er sich geduldig hinter ihnen anstellen. Erst 13 Runden hatte der Ex-Champion endlich freie Fahrt. Seine Gegner waren zum Reifenwechsel an die Boxen abgebogen. In den nächsten 24 Runden drehte der Deutsche auf. Trotz älterer Reifen war er 13 Mal schneller als Leclerc. Wie Perez, der eine Position und sieben Sekunden vor ihm fuhr, machte der Ferrari-Pilot virtuell Platz um Platz gut. Als er schließlich in Runde 39 zum Reifenwechsel an die Box gerufen wurde, wäre er bei einem normalen Boxenstopp zwischen den beiden McLaren wieder ins Rennen zurückgekehrt. Doch der Boxenstopp dauerte 13,1 Sekunden. Rechts vorne verkantete die Radmutter.

Vettel stürzte wieder auf den Platz ab, von dem er ganz am Anfang gekommen war. Als das Safety Car ausrückte, sah Ferrari die Chance den Fehler zu korrigieren. Vettel bekam noch einmal Soft-Reifen für das Finale. Doch der gut gemeinte Schachzug erwies sich als Eigentor. Er warf Vettel hinter beide Alfa Romeo und Nicholas Latifi zurück. Wäre er auf der Strecke geblieben, wäre er hinter Kimi Räikkönen Zehnter geworden. So geht Vettel zum siebten Mal in dieser Saison leer aus. Es bleibt die Erkenntnis, dass der Speed immer noch da ist, wenn die Reifen mal in ihrem Arbeitsfenster sind.

Russell wirft Punkte in die Mauer

Wie oft fuhr George Russell grandiose Rennen, und er wurde nicht dafür mit Punkten belohnt? Wie oft gab es Rennen, wo viele Autos ausgefallen sind, und gerade da war sein Williams nicht in Form? Diesmal passte alles. Russell schnell, Williams schnell. Der Engländer lag auf Platz 9 vor Räikkönen, als das Safety Car das Feld einbremste und die Abstände neutralisierte. Williams entschied sich richtigerweise den Platz zu sichern und Russell auf der Strecke zu lassen. Der Engländer war sich sicher, dass er seine Position auch auf den 40 Runden alten harten Reifen hätte verteidigen können. "Wir hatten den Topspeed dazu."

Im Bestreben die harten Reifen auf Temperatur zu halten, unterlief dem Mercedes-Schützling ein Blackout, den er selbst als "Amateurfehler" bezeichnete. "Ich gebe Gas und schalte gleichzeitig hoch, da werde ich im Bergabstück Richtung Acque Minerali von einer Bodenwelle ausgehebelt. Ich konnte gar nicht schnell genug schauen, da bin ich schon in der Mauer geklebt. Das war der größte Fehler meiner Karriere. Es gibt absolut keine Entschuldigung dafür." So bleibt dem Formel 2-Meister von 2018 nur eine Genugtuung. Fernando Alonso bezeichnet ihn als den Star der Zukunft. Das ist aus dem Mund des Spaniers ein Ritterschlag.

Mehr zum Thema Sebastian Vettel
Sebastian Vettel - Müllsammeln / Recycling - GP England 2021
Aktuell
Sebastian Vettel - Aston Martin - GP Steiermark - Spielberg - Formel 1 - 25. Juni 2021
Aktuell
Sebastian Vettel - Mick Schumacher - Formel 1 - 2021
Aktuell
Mehr anzeigen