Fernando Alonso - GP Abu Dhabi 2017 xpb
Sebastian Vettel - GP Abu Dhabi 2017
Feuerwerk - GP Abu Dhabi 2017
Impressionen - GP Abu Dhabi 2017
Impressionen - GP Abu Dhabi 2017 74 Bilder

Taktik-Check GP Abu Dhabi 2017

Alonso mit Batterie-Trick

Der GP Abu Dhabi war aus Sicht der Strategen eines der einfachsten Rennen des Jahres. Ein Stopp, kaum Reifenabnutzung, kaum Überholchancen. So wurde das Saisonfinale zur Prozession mit wenigen Fragezeichen.

Das Pirelli-Reifenschema für alle Autos sagt alles. 16 der 20 Fahrer starteten mit Ultrasoft-Reifen in den letzten Grand Prix des Jahres, und sie fuhren auf Supersoft-Sohlen ins Ziel. Darunter die Plätze 1 bis 13. So viel Einigkeit gab es unter den Strategen noch nie.

Nur die Sauber-Piloten und Brendon Hartley kehrten die Abfolge der Reifen um. Auch sie kamen mit einem Stopp über die Distanz. Aus der Reihe schlug lediglich Lance Stroll. Der Kanadier brachte seine Reifen nicht zum Arbeiten. Er stand drei Mal an der Box.

Wenigstens unterschied sich der Zeitpunkt der Boxenstopps. Die Fahrer mit der Sequenz Ultrasoft-supersoft kamen zwischen den Runden 12 (Vandoorne) und 32 (Grosjean) an die Box. Länger blieb auch nicht die Fraktion auf der Bahn, die mit Supersoft-Reifen ins Rennen gegangen war.

Als Letzter der Alternativen erschien Marcus Ericsson in Runde 30 vor der Sauber-Garage. Man kann nicht einmal sagen, dass diese Taktik falsch gewesen wäre. Pascal Wehrlein wurde immerhin auf Rang 14 abgewinkt. Die Sauber fuhren mit dieser Strategie munter mit den Toro Rosso und HaasF1 mit. Die Mercedes-Strategen gaben zu: „Es war von der Boxenmauer aus nach Monza das einfachste Rennen.“

Nur 15 Überholmanöver in 55 Runden

Abu Dhabi bietet nur auf dem Papier viele Überholstellen. Doch meistens werden den Fahrern die beiden langen Geraden zu kurz. Rennstrecken-Designer Hermann Tilke weiß, was auf seiner Strecke geändert werden müsste: „Die Kurven, die in die Geraden führen, sind zu langsam. Der Vordermann hat beim Beschleunigen einen Zeitvorteil von zwei Zehnteln. Um das aufzuholen, müssten die DRS-Zonen länger oder die Kurven davor schneller sein.“

Das Delta für ein erfolgreiches Überholmanöver wurde mit 1,4 Sekunden berechnet. Bei 0,8 Sekunden spricht man von einer fairen Überholchance. Der DRS-Vorteil auf dem Yas Marina Circuit beträgt lediglich 6 Zehntel. Dazu bauen die Reifen kaum ab. „Es gibt zu wenig Grip-Unterschiede“, klagten die Ingenieure und Fahrer.

In Abu Dhabi funktionieren weder Undercut noch Overcut. Meistens kamen die Fahrer aus der Box in der gleichen Reihenfolge raus, in der sie hineingefahren waren. „Ein alter Ultrasoft-Reifen war nicht langsamer als ein frischer Supersoft. Deshalb hat es bei Lewis auch nicht viel ausgemacht, dass wir Valtteri drei Runden vor ihm an die Box holen musste“, sagen die Mercedes-Strategen. Vor den Mercedes-Reifenwechseln betrug der Abstand 2,6 Sekunden, Danach trennten 1,8 Sekunden die beiden Silberpfeile.

Insgesamt wurden 22 Boxenstopps und 15 Überholmanöver gezählt. Wie sollte man angesichts der ohnehin schon aussichtslosen Lage erwarten, dass Hamilton einfach an Bottas vorbeikommt? Bei zwei Gegnern, die im gleichen Auto sitzen und annährend gleich schnell waren.

„Was ich im Windschatten auf den beiden Geraden gewonnen habe, habe ich im Sektor 3 wieder verloren“, klagte Hamilton. Das ständige Hinterherfahrerei Im Abstand von 1,5 Sekunden stresste auf die Dauer die Hinterreifen. Deshalb fiel Hamilton am Ende zurück. „Valtteri konnte besser auf seine Reifen aufpassen. Er hat sie dann angezündet, als er sie brauchte“, erklären die Strategen.

Geraden zum Abkühlen der Reifen

Valtteri Bottas - GP Abu Dhabi 2017
xpb
Vettel verlor schnell den Anschluss auf den Mercedes-Zug an der Spitze.

Überraschend war der große Vorsprung von Mercedes auf Ferrari und Red Bull. Damit hatten auch die Mercedes-Ingenieure nicht gerechnet. Nicht auf einer Strecke für maximalen Abtrieb. „Erste Anzeichen gab es am Freitag in den Longruns, aber da gingen wir von einem Zehntel auf Ferrari und ein bisschen mehr auf Red Bull aus. Das Bild am Samstag war auch noch irgendwie normal. Es ist nicht so, dass wir uns mehr als üblich gesteigert hätten. Die anderen wurden zum Q3 hin nicht wie sonst schneller. Im Rennen war der Unterschied viel größer als erwartet.“

Die Erklärung dafür? Die Techniker versuchen es mit einem Vergleich mit Singapur: „Auch ein Nachtrennen, auch Asphalttemperaturen von um die 30 Grad. Von unserer Seite aus gleicher Radstand, gleicher Abtrieb. Aber viel weniger Geraden. Die Reifen haben in Singapur nie Zeit sich zu erholen. Sie überhitzen leicht. In Abu Dhabi werden sie nach den schnellen Kurve zu Beginn der Runde zwar auch heiß, können dann aber auf den Geraden schön abkühlen.“

„Auch in Sektor 3 sind immer kurze Geraden dazwischen und auf drei Rechtskurven folgen zwei Linkskurven, was den inneren Reifen die Möglichkeit zum Runterkühlen gibt. Ferrari sollte mit den Reifentemperaturen kein Problem gehabt haben. Sicher nicht im Rennen. Bei Red Bull haben wir in der Qualifikation das gleiche wie in Brasilien beobachtet. Die Reifen fielen aus dem Fenster raus.“ Die Antwort dafür ist simpel: Red Bull reduzierte den Abtrieb, um auf der Geraden nicht zu viel Zeit einzubüßen. Dafür rutschten die Autos in den Kurven. Und die Reifen protestierten.

Der Reifenwechsel wurde für das Spitzentrio zum Bruch des Rennens. Als Sebastian Vettel nach 20 Runden seine Ultrasoft-Reifen los wurde, hatte er 8,1 Sekunden Rückstand auf Valtteri Bottas. Zehn Runden später waren es schon 13,6 Sekunden. Auch Kimi Räikkönen und Max Verstappen verloren zu der Zeit massiv Zeit auf die Silberpfeile. Alle mussten Sprit sparen. Die Mercedes-Piloten nicht.

Hülkenbergs Vorsprung glich Boxenpanne aus

Nico Hülkenberg - GP Abu Dhabi 2017
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Hülkenberg konnte sich vor den Force India halten.

Das Saisonfinale bot wenig Aufreger. Nico Hülkenberg musste nach seinem Überholmanöver gegen Seregio Perez durch Abkürzen der Strecke Zeit für eine Fünfsekunden-Strafe reinholen. Als Hülkenberg 7,8 Sekunden vor Perez lag, zog Force India den Stecker. Umsonst. Der Undercut funktionierte nicht. Obwohl Hülkenberg 7,9 Sekunden mehr Zeit in der Boxengasse liegenließ. Erst die Strafe, dann Probleme mit dem rechten Hinterrad. Der Renault fädelte sich trotzdem knapp vor dem Force India auf die Strecke ein.

Da der Boxenstopp von Perez eine aufgezwungene Maßnahme war, Hülkenberg doch noch zu überholen, disponierte Force India bei Esteban Ocon um. Der Franzose wurde 31 Runden lang auf der Strecke gehalten. „Wir haben auf ein Safety-Car gehofft, aber es kam nicht. Das hätte uns 10 Sekunden geschenkt“, ärgerte sich Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer.

Ocon war Achter und blieb Achter. Romain Grosjean profitierte davon, bis zur 32. Runde mit dem Reifenwechsel zu warten. Der HaasF1-Pilot hatte auf den gebrauchten Ultrasoft-Reifen den Speed, Boden auf die frisch bereifte Supersoft-Liga gutzumachen. Für Punkte reichte es dennoch nicht.

Der Undercut ging eigentlich nur bei Fernando Alonso gut. Der Spanier kam eine Runde vor Felipe Massa an die Box und hatte sich seinen kompletten Energiehaushalt für die eine Runde nach dem Boxenhalt gebunkert. Zunächst schien der Plan schiefzugehen. Massa reihte sich vor Alonso wieder ein.

Doch auf der langen Geraden schlug der McLaren-Pilot dann zu. Mit einem Honda-Motor gegen Mercedes-Power. Aber volle gegen null Batterie-Power, wie Williams-Technikchef Paddy Lowe bestätigte. Die 163 PS Unterschied kann nicht mal ein Mercedes-Motor wettmachen.

Motorsport Aktuell Sebastian Vettel - GP Abu Dhabi 2017 Vettel muss Sprit sparen im GP Abu Dhabi 2017 Mercedes beim Benzinverbrauch haushoch überlegen

Ferrari hat in Abu Dhabi eine empfindliche Niederlage eingesteckt.

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