Safety-Car - GP China 2017 sutton-images.com
Sebastian Vettel - Ferrari - GP China 2017 - Shanghai - Rennen
Sebastian Vettel - Ferrari - GP China 2017 - Shanghai - Rennen
Impressionen - GP China 2017 - Shanghai - Rennen
Impressionen - GP China 2017 - Shanghai - Rennen 59 Bilder

Taktikcheck GP China 2017

Raubte Safety-Car Vettel den Sieg?

Lewis Hamilton und Sebastian Vettel hatten beim GP China den gleichen Speed. Doch Vettels Hoffnungen zerplatzten in der 4. Runde. In unserem Taktik-Check erklären wir, welche Rolle das Safety-Car für den Sieg von Hamilton spielte?

Im Chaos herrschte Ordnung. Normalerweise sind solche Rennen wie der GP China prädestiniert für Pleiten der Großen und Sternstunden der Kleinen. Am Ende waren die vorne, die immer vorne stehen: Mercedes, Ferrari, Red Bull. Den Mittelfeld-Teams half nicht mal ein gewagter Reifenpoker wie der von Toro Rosso. Red Bulls B-Team schickte Carlos Sainz mit Trockenreifen auf die feuchte Bahn. Der Spanier gewann nur das Rennen hinter den drei Top-Teams. Für Überraschungen ist die Lücke nach vorn im Moment zu groß.

Trotzdem entsprach das Resultat nicht ganz der Papierform. Red Bull profitierte von den nassen Bedingungen zu Rennbeginn. Nur so konnte sich Max Verstappen innerhalb von 8 Runden von Platz 16 auf Rang 3 vorarbeiten. Nur so hatte Red Bull eine Chance, einen Podiumsplatz zu verteidigen. Unter normalen Rennbedingungen fehlte eine Sekunde auf Mercedes und Ferrari. Red Bull hatte mit Verstappen voll auf ein Regenrennen gesetzt. Dafür zahlte der Holländer, sobald die Piste vollständig trocken war. Teamkollege Daniel Ricciardo holte wieder auf.

Mit Allerwelts-Taktik zum Sieg

Die schnell abtrocknende Strecke teilte die 20 Fahrer in drei Kategorien. Die Risikospieler, die Betrogenen und die Konservativen. Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Valtteri Bottas fuhren mit der Allerwelts-Taktik: Intermediates-Soft-Soft. Sie landeten auf den Plätzen 1,2 und 6. Ohne seinen Dreher wäre Bottas Dritter geworden.

Red Bull war wegen seines Abtriebs-Mankos gezwungen, zwei Mal Supersoft-Reifen zu wählen. Die gingen auch am Red Bull nach jeweils 25 Runden in die Knie. Bei Ricciardo etwas weniger als bei Verstappen, der wegen seiner Regenabstimmung vor allem an der Vorderachse Grip verlor.

War der Supersoft eine gute Wahl? Die Red Bull-Piloten fuhren am Rennende Zeiten von 1.37 Minuten. Das war im Vergleich zu Ferrari und Mercedes um 2 Sekunden langsamer. Soll heißen: Da der wahre Abstand nur eine Sekunde betrug, hat man sich vielleicht doch ein Eigentor geschossen.

Verstappen konnte in den letzten Runden nicht einmal auf den überrundeten Romain Grosjean aufschließen. Die HaasF1-Piloten waren mit der gleichen Strategie wie Red Bull unterwegs. Sie zögerten ihren zweiten Boxenstopp marginal länger hinaus, hatten aber mit der Reifenabnutzung vergleichsweise weniger Probleme. Was für den HaasF1 spricht. Kimi Räikkönen, Esteban Ocon, und Nico Hülkenberg ließen dem Soft-Reifen in der Mitte eine Garnitur Supersoft folgen. Das war eher eine Verzweiflungstat. Geholfen hat sie nur Ocon.

10 Fahrer nutzten die VSC-Phase

Kommen wir zu den Betrogenen. 10 Fahrer nutzten die VSC-Phase in der zweiten Runde zum Reifenwechsel. Der einzige aus dem Spitzenpulk war Sebastian Vettel. Normalerweise spart ein Boxenstopp unter VSC-Team 8 Sekunden gegenüber einer normalen Rennsituation. Eigentlich Vorteil Vettel und sein Gefolge.

Doch in diesem Fall drängten sich viele Fragen auf. Wie lange dauert die VSC-Phase? Wie schnell trocknet die Strecke ab? Wie lange brauchen die Slicks der Marke Soft, bis sie auf Temperatur kommen? In welches Loch im Verkehr falle ich? Vettel auf jeden Fall hinter Bottas, Räikkönen, Ricciardo und Verstappen. Er musste damit rechnen aufgehalten zu werden und nicht gleich Attacke machen zu können.

So dachten auch die Mercedes-Strategen. „Bei einem echten Safety-Car hätten wir die Autos reingebracht. Das VSC ließ uns zögern. Wir haben uns gescheut, weil bei so einem frühen Wechsel mit kalten Slicks Dreher und Unfälle wahrscheinlich sind. Deshalb wollten wir noch 2 Runden warten, um sicher zu sein, dass die Strecke trocken genug ist. In der zweiten VSC-Runde haben wir drüber nachgedacht, aber Vettel war drauf und dran aus dem Fenster zu fallen, in dem er für Lewis gefährlich werden konnte. Er war mit seinen kalten Slicks deutlich langsamer als wir und gab so das Zeitgeschenk des VSC-Boxenstopps wieder her.“ In Runde 3 lag Vettel 17,8 Sekunden hinter Hamilton. In Runde 4 waren es schon 26,7 Sekunden.

Verkehr hat Vettel den Sieg gekostet

Das Safety-Car nach dem Unfall von Antonio Giovinazzi war trotzdem ein Geschenk für Mercedes und Red Bull. So konnten die ersten 5 Fahrer ohne Risiko die Reifen wechseln. Alle blieben vor Vettel. Für Mercedes und Ferrari war die Wahl klar. Nur Soft kam in Frage. Erstens, weil beide Teams je einen frischen Satz Soft in der Reserve hatten, vom Supersoft jedoch nur noch gebrauchte Garnituren. Zweitens, weil die weichste Mischung bei 15 Grad auf dem Asphalt zu körnen drohte. „Der Zeitvorteil des Supersoft-Reifens war schnell aufgebraucht. Der Soft gab uns mehr Spielraum mit der Strategie.“

Vettel brauchte bis zur 28. Runde, bis er endlich auf Platz 2 auftauchte. Da betrug der Rückstand auf Hamilton schon 10,6 Sekunden. Uneinholbar gegen einen Hamilton in Hochform in einem gleichwertigen Mercedes. Expertenurteil: „Nicht das Safety-Car hat Vettel die Siegchance gekostet, sondern dass ihn Räikkönen und die Red Bull so lange aufgehalten haben.“

Hamilton musste Räikkönen abschütteln

Ab Runde 25 unterhielten sich Hamilton und Renningenieur Pete Bonnington über die Möglichkeit, mit dem Satz Soft durchzufahren. Hamilton hielt das zu diesem Zeitpunkt noch für möglich. Die Ingenieure redeten ihm diesen Plan schnell wieder aus. „Es war besser, die Lücke so weit zu öffnen, dass wir uns die Möglichkeiten auf einen zweiten Stopp offenhalten. Wir mussten dann nur noch warten, bis Ferrari den Zug machte.“

So kam es. Ferrari holte Vettel an die Box. Mercedes antwortete mit Bottas und Hamilton. Der Shanghai-Sieger musste eine Runde länger ausharren, um Räikkönen genügend weit abzuschütteln. Ferrari hielt den Finnen länger als nötig auf der Bahn, um Hamiltons Boxenstopp hinauszuzögern. Erst als der Vorsprung in der 35. Runde 25,4 Sekunden betrug, war sicher dass Hamilton vor Räikkönen wieder auf die Strecke geht.

Der späte zweite Stopp in Runde 39 zerstörte Räikkönens Rennen gegen die Red Bull. Trotz Supersoft-Reifen konnte der Ferrari-Pilot nur noch bis auf 2 Sekunden auf Daniel Ricciardo aufschließen. Zum Schluss ließen Räikkönens Supersoft-Gummis schon wieder nach. Dafür flog Bottas von hinten heran.

Im Ziel trennten die beiden Finnen nur 0,7 Sekunden. „Ohne den Dreher hinter dem Safety-Car wäre Bottas Dritter geworden“, ist Niki Lauda überzeugt. Die Ingenieure bestätigen: „Wenn das Rennen 3 Runden länger dauert, geht Valtteri an Räikkönen, Ricciardo und Verstappen vorbei.“

Ein Stopp zahlte sich nur für Sainz aus

Nun zu den Risikospielern. Sainz war nicht der einzige Fahrer, der mit nur einem Boxenstopp über die Distanz kommen wollte. Er war nur der einzige, der von Anfang an mit Slicks startete. Renault korrigierte mit Jolyon Palmer gleich nach der Einführungsrunde seine Reifenwahl. Marcus Ericsson wurde in Runde 2 die Intermediates los und tauschte sie gegen Slicks der Marke Soft ein. Der Schwede hielt durch und wurde trotzdem nur Letzter. Zwei Positionen hinter Palmer. So zahlte sich die Risiko-Strategie am Ende nur für Sainz aus.

Sergio Perez, Nico Hülkenberg und Felipe Massa zählten zu den Opfern der ersten Runden. Perez und Hülkenberg waren selbst schuld. Der eine fing sich in der Startrunde einen Platten ein und musste später noch drei Mal an die Box. Perez fuhr 3 Stints mit 18, 29 und 8 Runden auf Supersoft-Reifen. Der Force India ruinierte die weiche Reifenmischung zu schnell. Ein Satz Soft zwischendrin wäre besser gewesen. Teamkollege Esteban Ocon hat es gezeigt.

Nico Hülkenberg wurde bereits nach einer Runde auf Slicks umgerüstet. Mit ihm kann man solche Stunts riskieren. Der Rheinländer ist stark bei gemischten Bedingungen und hält das Auto auch auf der Strecke. Wenn er nur nicht unter Safety-Car-Bedingungen überholt hätte. Felipe Massas Boxenstopp kam zu früh. Die Wahl der Soft-Reifen war ein Fehler. Der Williams brachte die härtere Mischung nicht zum Arbeiten. Bis Massa endlich Supersoft-Reifen bekam, war es schon zu spät.

Motorsport Aktuell Start - GP China 2017 - Shanghai Rennanalyse GP China 2017 Warum stand Vettel neben der Startbox?

Der GP China bot Taktikspielchen, eine Menge Überholmanöver und gute...

Mehr zum Thema Lewis Hamilton
Lewis Hamilton - GP Belgien 2019
Aktuell
Charles Leclerc - Sebastian Vettel - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps - Qualifying
Aktuell
Sebastian Vettel - GP Belgien 2018
Aktuell