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Taktik-Check GP Italien

Red Bull schwimmt gegen den Strom

Max Verstappen - GP Italien 2017 Foto: sutton-images.com 68 Bilder

Der GP Italien war strategisch das einfachste Rennen des Jahres. 14 von 18 Fahrern waren mit der Reifenfolge Supersoft-Soft unterwegs. Nur die Red Bull-Piloten fuhren gegen den Trend. Mit Erfolg. Der Taktik-Check.

Mein Gott, waren das Zeiten, als in Monza noch echte Windschattenrennen abgehalten wurden. Das ist 46 Jahre her. Der letzte Grand Prix ohne Schikanen fand 1971 statt. Damals gab es pro Runde so viele Überholmanöver, dass man sie gar nicht alle zählen konnte. Diesmal war es übersichtlicher. Insgesamt 35 Positionswechsel fanden sich in der Statistik. 13 davon steuerten die beiden Red Bull-Piloten bei.

Für die Strategen war es ein geruhsamer Nachmittag. Obwohl nach der verregneten Qualifikation freie Reifenwahl bestand, griffen 14 von 18 Fahrern zur logischen Lösung. Start auf Supersoft, zweite Rennhälfte mit Soft-Reifen. Der Medium-Gummi blieb in den Regalen. Die Boxenstopps streckten sich über 24 Runden. Nico Hülkenberg war in Runde 9 der erste, Valtteri Bottas in Runde 33 der letzte der Fahrer, der das Rennen auf Supersoft-Reifen in Angriff genommen hatten.

Die Boxenstopps der Mercedes-Piloten ließen lange auf sich warten. „Wir haben nur auf Vettel gewartet, weil wir ihm nicht die Führung geben wollten. Auch um zu vermeiden, dass sich Lewis und Vettel auf der Strecke nahe kommen“, hieß es bei Mercedes. Erstaunlich war, dass Mercedes diesmal die zwei schnellsten Boxenstopp im ganzen Feld abwickelte. 2,15 Sekunden für Bottas, 2,33 Sekunden für Hamilton. Bei einer so komfortablen Führung ist so viel Risiko eigentlich gar nicht nötig.

Später Stopp bringt Ricciardo 3 Positionen

Sebastian Vettel - GP Italien 2017 Foto: Wilhelm
Mercedes wartete auf den Vettel-Stopp.

Die Reifen schienen ewig zu halten. Trotzdem wäre nach Aussage der Mercedes-Strategen eine ganze Renndistanz auf einem Satz Reifen nicht möglich gewesen. „Die Abnutzung war zu groß. Man hat es nur nicht gemerkt, weil die Rennstrecke am Anfang so langsam war. Wir haben mit 1.28er Zeiten angefangen. Das war viel langsamer als am Freitag. Wegen des gemächlichen Tempos am Anfang sah es so aus, als würden die Reifen später im Stint nicht so stark einbrechen.“

Hätte Ferrari aus der dritten Startreihe nicht gegen den Trend taktieren sollen? Auch hier winken die Taktikexperten ab: „Supersoft und Soft waren über die Distanz ungefähr gleich schnell. Man hätte nicht viel gewonnen, das Rennen mit Soft-Reifen zu beginnen.“

Das lohnte sich nur für Red Bull. „Wenn du so weit hinten stehst, macht es Sinn. Weil du die erste Zeit des Rennens im Verkehr verbringst. Da nimmst du den etwas langsameren Soft-Reifen ohne Zeit zu verlieren und kannst am Ende mit Supersoft-Gummis Attacke machen.“

Bei Daniel Ricciardo funktionierte die Taktik. Der Australier kam auf Platz 15 aus der ersten Runde zurück. Er überholte Vandoorne, Sainz, Hülkenberg, Kvyat, Magnussen und Perez, bevor die Spitze mit ihren Boxenstopps begann.

Ricciardo hielt bis zur 37. Runde durch. Da betrug sein Vorsprung auf die Gruppe Ocon, Stroll und Massa 25,3 Sekunden. Genug, um nach dem drittschnellsten Boxenstopp des Rennens vor dieser Gruppe wieder auf die Strecke zugehen. Der späte Stopp brachte drei Positionen. Kimi Räikkönen hat Ricciardo dann noch auf der Rennstrecke überholt.

Verstappen verlor 64 Sekunden durch Reifenschaden

Max Verstappen - GP Italien 2017 Foto: xpb
Verstappen hätte aufs Podium fahren können.

Bei Max Verstappen hätte die Taktik noch besser funktionieren können, hätte sich der Holländer in der ersten Schikane im Zweikampf mit Felipe Massa nicht einen Reifenschaden zugezogen. Allein auf der Runde zurück an die Box verlor Verstappen 24 Sekunden. Dann noch einmal knapp 40 Sekunden in der Box. „Max wäre Dritter geworden“, ist Teamberater Helmut Marko überzeugt.

Ricciardo hätte in den letzten 13 Runden 11,5 Sekunden auf Sebastian Vettel gutmachen müssen. Nachdem der Red Bull eine Zeitlang eine Sekunde pro Runde auf den Ferrari aufholte, schaltete Vettel wieder auf ein höheres Motorprogramm. Seine Rundenzeiten verbesserten sich um 5 Zehntel.

Im Feld gab es nur wenige Verschiebungen. Was daran lag, dass man je nach Top-Speed um 0,9 bis 1,1 Sekunden schneller sein musste, um überholen zu können. Red Bull hatte seine Autos auf Top-Speed getrimmt, ohne Zeit in den Kurven zu verlieren. Mit 355,2 und 353,0 km/h waren Ricciardo und Verstappen gut gerüstet im Zweikampf. Sie wurden nur geschlagen von Sergio Perez mit 357,4 km/h und Felipe Massa mit 356,7 km/h.

Diese Top-Speeds sind auch ein Kompliment an den Mercedes-Motor. Williams und Force India hatten während des Wochenendes immer mehr Abtrieb draufgepackt. Sie hätten eigentlich langsamer sein müssen. Aber in der höchsten Power-Stufe entwickelt keine andere Antriebseinheit so viel Dampf. Und ein Flügel mit viel Abtrieb hat einen größeren DRS-Effekt. Das kann in Monza von einem Extrem zum anderen 12 km/h ausmachen.

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