Sergio Perez - GP Katar 2021 Motorsport Images
Perez - Leclerc - Alonso - GP Katar 2021 - Rennen
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Taktik-Check GP Katar 2021: Fehler bei Red Bull

Taktik-Check GP Katar 2021 Zweiter Stopp kostet Perez Podium

Lewis Hamilton machte Max Verstappen mit dem Luxus der Überlegenheit alles nach. Red Bull verspielte Platz drei für Sergio Perez, weil man das Tempo von Fernando Alonso bei seiner Einstopp-Strategie unterschätzte. Im Taktik-Check blicken wir noch einmal auf die unterschiedlichen Strategie-Optionen.

Der GP Katar war ein Rennen an der Schwelle zwischen einem und zwei Boxenstopps. Nur sieben Fahrer wählten die rein rechnerisch schnellere Variante mit zwei Reifenwechseln. Zwei Piloten wurden durch Reifenschäden dazu gezwungen.

Die Strecke von Losail war für alle Teams Neuland. Deshalb muss es nicht verwundern, dass sich einige Teilnehmer verrechnet haben. Zum Beispiel mit dem Überholen. Es war am Ende viel einfacher als gedacht. Weil es große Reifen-Deltas gab, weil der gute Grip vom Asphalt verhinderte, dass die Reifenoberfläche überhitzte und weil die DRS-Zone 800 Meter lang war.

Nicht die Abnutzung der Reifen bestimmte die Boxenstopps, sondern der Verschleiß. Der limitierende Faktor war der linke Vorderreifen, der vor allem in den drei schnellen Rechtskurven 12, 13 und 14 gequält wurde. Wer die Gummischicht zu weit abhobelte, riskierte einen Reifenschaden. Vor allem dann, wenn er in dieser Phase irgendwann einen der aggressiven Randsteine am Kurvenausgang traf.

Die Reifenplatzer von Valtteri Bottas, Lando Norris, George Russell und Nicholas Latifi passierten alle aus heiterem Himmel. Keine Warnzeichen, keine Vibrationen. Die Temperatursensoren meldeten mit schwindender Gummischicht fallende Temperaturen, doch das war noch lange kein Grund zur Panik.

"Du hast in der Mitte der Lauffläche immer noch genug Gummi. Kritisch sind die Schultern innen und außen. Deshalb musste man die Reifen in den schnellen Kurven streicheln und den Kerbs fernbleiben", erzählte ein Mercedes-Ingenieur. Beide Williams-Vorderreifen zeigten Einschläge an der Innenschulter.

Nicholas Latifi - Formel 1 - GP Katar 2021
Motorsport Images
In Katar erwischte es gleich vier Piloten mit Reifenschäden.

WM-Gegner in einer Klasse für sich

Aston Martin-Chefingenieur Tom McCullough schüttelte nur den Kopf: "Einige sind in den kritischen Kurven gefahren wie die Verrückten, obwohl sie auf einem Stopp unterwegs waren. Sie haben das Schicksal herausgefordert." Aston Martin und Alpine schärften ihren Piloten ein, besonders in den Killer-Kurven 12, 13 und 14 Vorsicht walten zu lassen.

Lewis Hamilton hatte den Luxus, jede Taktik fahren können. Bis Max Verstappen auf Platz zwei aufgetaucht war, wurden dem Mercedes-Piloten bereits 4,2 Sekunden Vorsprung angezeigt. Den baute er sukzessive auf acht bis neun Sekunden aus.

Der Mercedes war in Losail auch im Rennen das schnellere Auto. Er hat über die Distanz immer dann einen Vorteil, wenn der Vorderreifen mehr gefordert ist als der Hinterreifen. Red Bull hatte nach seiner kurzfristigen Setupänderung am Samstag tendenziell mit mehr Untersteuern zu kämpfen. Dem Monaco-Heckflügel fehlte vorne das Gegenstück.

Hamilton und Verstappen waren so schnell unterwegs, dass sie im ersten Stint ab der 14. Runde und im zweiten Abschnitt nach 23 Runden einen freien Boxenstopp hatten. Das hohe Tempo an der Spitze war aber nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass der Rest zweitklassig unterwegs war.

"Viele hinter Lewis und Max hatten sich früh auf ein Einstopp-Rennen festgelegt. Sie mussten extrem ihre Reifen managen. Das heißt, sie sind freiwillig um mindestens vier Zehntel pro Runde langsamer gefahren", erklärte der Mercedes-Chefstratege.

Lewis Hamilton & Max Verstappen - Formel 1 - GP Katar 2021
xpb
Hamilton folgte Verstappen in Sachen Strategie. Es gab keinen Grund, ein Risiko einzugehen.

Hamilton macht Verstappen alles nach

Red Bull hatte nur eine Chance Hamilton herauszufordern. Frühe Reifenwechsel, aufs Tempo drücken und das Beste hoffen. Obwohl nie die Gefahr eines Undercuts bestand, folgte Hamilton seinem WM-Gegner immer eine Runde später.

Begründung aus dem Mercedes-Camp: "Es gab keinen Grund, etwas anderes zu tun. Wir waren happy mit zwei Stopps, weil es das Risiko minimierte die Reifen zu stark zu verschleißen. Außerdem wollten wir bei einem Safety-Car im gleichen Boot mit Max sitzen."

Der riesige Vorsprung der beiden Titelkandidaten spielte Verstappen wenigstens eine Trumpfkarte zu. Nur er hatte den Luxus eines dritten Boxenstopps, um weiche Reifen für die schnellste Runde aufzuziehen. Red Bull holte den Holländer schulbuchmäßig zwei Runden vor Schluss an die Box, so dass Hamilton nicht mehr kontern konnte.

Nur eine VSC-Phase wegen des liegengebliebenen Williams von Latifi hätte Verstappen noch den Extra-Punkt streitig machen können. Sie wurde aber rechtzeitig aufgehoben.

Das Duell der Stellvertreter wurde bereits beim Start entschieden. Valtteri Bottas rutschte vom sechsten auf den elften Rang ab. Sergio Perez verbesserte sich vom elften Startplatz um zwei Positionen. Und er fing eher mit dem Überholen an als Bottas, der im Zweikampf immer etwas zögerlich ist. Perez fertigte innerhalb von 16 Runden Tsunoda, Sainz, Ocon, Gasly und Norris ab. Erst Alonso bremste den Vorwärtsdrang.

Bottas hatte es zu dem Zeitpunkt erst auf Rang sieben geschafft. Ihm fehlten 5,5 Sekunden auf die Nummer zwei von Red Bull. In der 19. Runde bog Perez überraschend früh in die Boxengasse ab. Teamchef Christian Horner sprach davon, dass man zu viel Respekt vor dem hohen Reifenverschleiß hatte.

Im Rückblick war es eine Fehlentscheidung. Sie hat Alonso den dritten Platz gesichert, und sie hätte auch eine Position gegen Bottas kosten können, hätte sich am Mercedes nicht der linke Vorderreifen abgemeldet. Perez musste sich zwei Mal durch Verkehr kämpfen. Da blieb viel Zeit liegen.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Katar 2021 - Freitag - 19.11.2021
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Valtteri Bottas zögerte seinen Boxenstopp zu lange heraus.

So raste Alonso aufs Podium

Als Perez erkennbar auf zwei Stopps geschickt wurde, war für Bottas ein einziger Reifenwechsel Gesetz. Eine Runde vor seinem Reifenplatzer hatte er 19,2 Sekunden Vorsprung auf den Mexikaner. Der Stopp hätte ihn zwar wieder hinter den Red Bull mit der Startnummer 11 geworfen, doch Perez musste ja auch noch einmal an die Box. Bei einem perfekten Reifenwechsel wäre Bottas aber vor Alonso auf die Strecke zurückgekehrt. Und das mit frischeren Reifen.

Alpine hatte sich wie Aston Martin vor dem Rennen auf einen Stopp festgelegt. Fernando Alonso schaffte für sein erstes Podium seit sieben Jahren schon beim Start optimale Voraussetzungen. Er setzte sich gegen Pierre Gasly durch und konnte sich ohne ein Auto vor seiner Nase auf das Reifenmanagement konzentrieren. Als Verstappen in seinem Rückspiegel auftauchte, ließ er ihn ohne Gegenwehr vorbei. Ein Zweikampf hätte nur Zeit und Reifengummi gekostet. Und er hätte ihn sowieso nicht gewonnen.

Alonso fuhr das ganze Rennen mit Blick auf Perez und Bottas. Alle anderen waren keine Gegner für ihn. Der Stopp in Runde 23 war perfekt getimt. Der Spanier fiel in eine Lücke hinter die beiden Ferrari. Als er zu ihnen aufgeschlossen hatte, bogen sie in die Boxengasse ab.

Die Initialzündung aber war, dass Perez an Sebastian Vettel vorbeigegangen war. "Da mussten wir fürchten, dass Sergio sein Tempo fahren kann und uns Probleme macht, wenn wir zu lange warten. Deshalb haben wir Fernando und Esteban etwas früher reingeholt als geplant", erklärte Alpine-Einsatzleiter Alan Permane.

Sergio Perez - GP Katar 2021
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Perez konnte zwischenzeitlich an Alonso vorbeigehen, musste anschließend aber noch einmal an die Box.

Vettels Weg zu einem WM-Punkt

Im Finale belebte das Fernduell Alonso gegen Perez das Rennen. An der Spitze war die Messe längst gelesen. Der zweite Reifenwechsel warf Perez wieder 19,5 Sekunden hinter Alonso. Noch schlimmer für den WM-Vierten: Norris, Ocon und Stroll lagen als Puffer dazwischen. Es dauerte bis zur 49. Runde, bis er das Trio überholt hatte. Das Alpine-Teamwork funktionierte. Ocon hatte Perez durch bewusstes Langsamfahren 5,5 Sekunden gekostet.

Neun Runden vor Schluss trennten Perez immer noch 13 Sekunden von Platz drei. Das lässt sich ein ausgefuchster Fahrer wie Alonso nicht mehr nehmen, auch wenn seine Reifen 18 Runden älter waren und er aufpassen musste, dass ihm nicht auch der linke Vorderreifen um die Ohren fliegt. Die späte VSC-Phase entspannte die Mission etwas, war aber gar nicht nötig. Alonso ließ seinen Verfolger kontrolliert näherkommen.

Im Kampf um Platz fünf gab sich der zweite Alpine-Fahrer keine Blöße. Dabei hatte Ocon an der Spitze der Viererkette mit Stroll, Sainz und Leclerc als einziger kein DRS zur Verfügung. Ihn schützte, dass Lance Stroll in der Schlussphase auf die beiden Ferrari aufpassen musste. Carlos Sainz und Charles Leclerc wurden erst spät von der Kette gelassen. Ferrari betrieb aus Angst vor Reifenschäden die meiste Zeit extremes Reifenmanagement.

Dort wo Stroll am Ende landete, hätte auch Sebastian Vettel sein können. Der Deutsche kam aus der ersten Runde nur auf Rang 17 zurück. Er wurde im Startgetümmel zwischen den Kurven 1 und 2 eingeklemmt.

Vettel kämpfte sich mit gutem Reifenmanagement und drei Überholmanövern bis an die neunte Stelle nach vorne und hatte Pierre Gasly trotz älterer Reifen jederzeit unter Kontrolle. Drei Runden vor Schluss musste Vettel doch noch den McLaren von Lando Norris vorbeilassen. Die Reifen des Engländers waren um 23 Runden frischer.

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