Valtteri Bottas vs. Sebastian Vettel - GP Malaysia 2017 xpb
Kevin Magnussen & Jolyon Palmer - GP Malaysia 2017
Fernando Alonso & Kevin Magnussen - GP Malaysia 2017
Max Verstappen - GP Malaysia 2017
Impressionen - GP Malaysia 2017 64 Bilder

Taktik-Check GP Malaysia 2017

Bottas als Bremsklotz für Vettel

Malaysia bot wieder ein Einstopprennen. Und das auf einer Strecke, die früher einmal als reifenmordend galt. Taktisch gab es kaum Möglichkeiten. Ferrari pokerte für ein Podium. Mercedes setzte Bottas ein, um Hamilton vor Vettel zu schützen.

Sepang ist auch nicht mehr die Strecke, die sie früher einmal war. Da waren zwei oder drei Boxenstopps Normalität. Der Belag, die Hitze und die schnellen Kurven fraßen Reifengummi. Mit den aktuellen Autos wurde auch der GP Malaysia zum Einstopprennen. Der zweite Reifenwechsel von Nico Hülkenberg und Romain Grosjean war nicht geplant, sondern eine Verzweiflungstat. Sie brachte wie erwartet keinen Erfolg.

Für 17 der 20 Fahrer gab es nur eine Taktik. Supersoft-soft, ein Boxenstopp. Die regulären Reifenwechsel zogen sich über einen Bereich von der 9. bis zur 30. Runde. Esteban Ocon zählt nicht. Er kam wegen eines Reifenschadens schon in Runde 2 an die Boxen. Dass er danach das Rennen mit einem Satz Soft zu Ende fuhr, sagt viel über die Haltbarkeit der Pirelli-Sohlen in Malaysia. Genauso, dass Ocons Teamkollege Sergio Perez mit der Garnitur Supersoft bis Runde 30 durchhielt.

Vettel mit alternativer Strategie

Sebastian Vettel hatte beim Start das gesamte Feld vor seiner Nase. Ferrari gab ihm Soft-Reifen mit auf den ersten Teil seiner Reise. Das macht deshalb Sinn, weil man im Verkehr ohnehin Zeit verliert. Dann lieber auf dem langsameren Reifen.

Theoretisch hätte Vettel mit seinen Soft-Gummis ewig fahren können. Den Zeitpunkt für seinen Boxenstopp bestimmten andere. In Runde 23 ergab sich folgende Konstellation: Max Verstappen führte 8,8 Sekunden vor Lewis Hamilton, 13,9 Sekunden vor Daniel Ricciardo, 30,3 Sekunden vor Valtteri Bottas und 31,8 Sekunden vor Sebastian Vettel.

Sebastian Vettel - GP Malaysia 2017
sutton-images.com
Vettel ging an die Box, bevor ihn Bottas lange aufhalten konnte.

Bottas hatte die Aufgabe, Vettel aus dem Boxenstopp-Fenster von Hamilton zu halten. Der Finne machte seine Sache gut. Innerhalb von drei Runden stieg Vettels Rückstand auf Hamilton von 17,7 auf 23,2 Sekunden. Damit konnte Hamilton seinen Reifenwechsel absolvieren, ohne hinter den Ferrari zu fallen. Bottas wurde geopfert. Als Ferrari den Trick durchschaute, holte man Vettel an die Box. Eine Runde vor Bottas.

Der Undercut funktionierte. „Seb wäre auch so an Valtteri vorbeigekommen. Wir wollten Vettel in einen möglichst langen Stint auf Supersoft-Reifen zwingen, um Lewis am Ende des Rennens bessere Chancen zu geben“, erklärten die Mercedes-Ingenieure.

Aus Vettels Sicht sah es so aus: „Hätte ich Bottas überholt, um länger draußen zu bleiben, hätte er mich über den Undercut wieder geholt. Dann hätte ich ein zweites Mal auf der Strecke an ihm vorbei müssen. Der Zeitverlust war für beide Spielarten gleich groß.“

Ferrari geht bei der Jagd auf Hamilton volles Risiko

Nach den Boxenstopps waren die Karten neu gemischt. Vettel fuhr jetzt antizyklisch mit Supersoft-Reifen gegen seinen Gegner auf Soft-Gummis. Seine Rundenzeiten waren je nach Gegner zwischen 0,4 Sekunden und einer Sekunde besser als die der Konkurrenz. Der Rückstand auf den drittplatzierten Ricciardo betrug 26 Runden vor Schluss 13,9 Sekunden. Zu Hamilton fehlten dem Ferrari-Piloten 26,4 Sekunden.

Hätte Vettel seinen WM-Gegner bei einem optimalen zweiten Stint ohne Beeinträchtigungen einholen können? Mercedes sagt nein:„ Lewis hatte den Speed, auf Vettels Angriff zu reagieren. Er ist nur so schnell gefahren, wie wir es ihm gesagt haben. Wenn bei Vettel alles glatt gelaufen wäre, wäre er bis auf 2 Sekunden an Lewis herangefahren.“

Vettel schaffte es nur bis in Ricciardos Windschatten. Nach einem fehlgeschlagenen Angriff musste der Ferrari-Pilot abreißen lassen. Die Supersoft-Reifen hatten ihre Schuldigkeit getan. Und Vettel war mit dem Benzinverbrauch deutlich im Minus. Ein Ferrari-Mann verrät:„ Das ganze Team hatte beschlossen, bei der Jagd auf Riccardo ohne Rücksicht auf Verluste zu fahren. Wenn Seb den Red Bull überholt hätte, hätte er irgendwie schauen müssen, Sprit zu sparen und Ricciardo hinten zu halten.“

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