Red Bull & Ferrari - GP Mexiko 2016 sutton-images.com
Lewis Hamilton - GP Mexiko 2016
Sebastian Vettel - GP Mexiko 2016
Verstappen & Ricciardo - GP Mexiko 2016
Force India - GP Mexiko 2016 71 Bilder

Taktik-Check GP Mexiko 2016

Entscheidende Fehler am Samstag

Red Bull und Ferrari haben Mercedes das Gewinnen in Mexiko leicht gemacht. Die Rennentscheidung fiel eigentlich schon im Training. Red Bull setzte mit beiden Autos auf die gleiche Risiko-Strategie. Ferrari war am Samstag zu langsam.

Mercedes gewinnt seine Rennen nicht nur, weil sie meistens das schnellste Auto haben. Sie standen in 19 Rennen auch deshalb 17 Mal ganz oben, weil ihnen die Gegner das Gewinnen leicht machen. Aus unterschiedlichen Gründen. Red Bull geht strategisch ein hohes Risiko, mit der Gefahr, dabei auf die Nase zu fallen. Ferrari passieren zu viele Fehler beim Abstimmen der Autos, beim Reifenmanagement und der Strategie. Der Preis sind schlechte Startplätze.

Red Bull und Ferrari hatten in Mexiko den Speed, um Mercedes mit der gleichen Taktik zu ärgern. „Verstappen konnte auf dem Medium-Reifen das Tempo von Rosberg fahren“, geben die Strategen zu. Wäre der Holländer nicht in so viele Zweikämpfe verwickelt gewesen, hätte er auch für Lewis Hamilton gefährlich werden können. Max Verstappen lag nach seinem Boxenstopp in der 12. Runde 9 Sekunden hinter Hamilton und im Ziel abzüglich der Strafe 16 Sekunden. Hamilton dagegen hatte vorne freie Fahrt und frischere Reifen.

Sebastian Vettel war unter dem Strich sogar schneller als die Mercedes. Er ging nach seinem Boxenstopp in Runde 32 mit einem Rückstand von 18,6 Sekunden auf Hamilton auf die Strecke. Im Ziel betrug der Rückstand netto 17,3 Sekunden. Dabei verlor Vettel in den letzten 5 Runden hinter Verstappen und im Duell mit Daniel Ricciardo 5,8 Sekunden auf sein mögliches Renntempo.

Warum hat Red Bull die Taktik nicht gesplittet?

Die Gegner von Mercedes haben das Rennen schon am Samstag verloren. Red Bull, weil man beide Fahrer mit der gleichen Risiko-Strategie ins Rennen schickte. Verstappen und Ricciardo starteten gegen den Trend mit Supersoft-Reifen. „Das hat uns den Sieg geschenkt“, behaupten die Mercedes-Strategen. Mercedes-Teamchef Toto Wolff kann den Risiko-Ansatz von Red Bull dagegen verstehen: „Sie können sich Risiko leisten und versuchen uns so in Fehler zu hetzten. Irgendwann kann das auch mal gutgehen.“

Diesmal nicht. Die Taktikexperten bei Mercedes glauben, dass Red Bull besser beraten gewesen wäre, die Strategie wie in Austin zu splitten. „Verstappen war so schnell wie wir. Was uns gerettet hat, war sein Satz Supersoft am Anfang. Der Reifen ist wie erwartet eingebrochen, und wir hatten von da an alle Freiheiten. Wäre Verstappen auf Soft gestartet, hätte er Nico mit einem Undercut überholen können oder uns dazu zwingen können, dem Undercut zuvorzukommen.“

Red Bull-Teamchef Christian Horner gibt der Theorie zum Teil Recht. „Hinterher bist du immer schlauer. Wir haben die Taktik gewissermaßen gesplittet, indem wir Daniel nach der ersten Runde reingeholt haben. Was ihn gekillt hat, war das Safety-Car. Dadurch fiel er in den Verkehr und musste viele Autos überholen, bevor er frei fahren konnte.“

Ricciardos Stopp in der ersten Runde zwang dem Australier ein Zweistopp-Rennen auf. Er hätte zwar wie Marcus Ericsson und Jolyon Palmer durchfahren können, jedoch ohne Chance, mit Vettel und Verstappen um das Podium zu kämpfen.„ Für die Mercedes war Ricciardo mit seinem frühen Stopp keine Gefahr mehr. “Risiko kann sich auszahlen, es muss aber kreativ sein.„

Vettel bestimmte den Zeitpunkt zum Boxenstopp

Ferrari verpasste aus anderen Gründen ein Podium. Vettel hätte vielleicht sogar um den Sieg mitfahren können. Doch von den Startplätzen 6 und 7 lässt sich kein Rennen gewinnen. Wieder einmal stellte eine Temperaturänderung Ferrari aufs Abstellgleis. “Wir haben das schon in Monte Carlo und Baku erlebt„, übte Rennleiter Maurizio Arrivabene Selbstkritik. Bei Vettel wollten die Supersoft-Reifen in der Qualifikation nicht in ihr Arbeitsfenster kommen. Kimi Räikkönen klaute ein Problem mit der Ölabsaugpumpe am Ferrari V6-Turbo einen Qualifikationsversuch.

Am Sonntag war bei Ferrari wieder alles in Ordnung. Fast alles. Vettel fuhr auf den Mischungen Soft und Medium. Beides Reifentypen, die bei hohen Temperaturen funktionieren und deshalb leicht in ihr Arbeitsfenster gebracht werden konnten. Doch Vettel bezahlte in der Anfangsphase für seinen schlechten Startplatz. Er hing allein 13 Runden hinter Felipe Massa fest.

Ferrari hat dann mit Vettel richtig taktiert. Er war schon das letzte Auto der Spitzengruppe. Warum also nicht so lange wie möglich draußen bleiben und gegen den Strom schwimmen? Das gab dem WM-Vierten die beste Chance, am Ende noch gegen Verstappen um ein Podium zu kämpfen.

Einziger Kritikpunkt: Vettel hatte ein bisschen zu lange mit dem ersten Stopp gewartet. Er selbst überstimmte seine Ingenieure, weil er sich noch wohl auf den Reifen fühlte und mit Ausnahme von Esteban Ocon gerade kein Auto vor ihm war. Die Analyse der Rundenzeiten ergab jedoch, dass Vettel in den letzten 4 Runden auf dem Soft-Reifen zu viel Zeit auf Räikkönen verloren hat. “Das ist Rennzeit, die ihm dann auch auf Verstappen fehlt„, monieren die Experten.

Räikkönens zweiter Boxenstopp sorgte für Verwunderung. Böswillige unterstellten Ferrari eine versteckte Stallorder, um Vettel vorbeizulotsen. Doch Räikkönen klärte auf: “Ich spürte auf den Medium-Reifen keinen Grip. Vielleicht war es auch ein unsicheres Gefühl, weil ich den Reifentyp im Rennen zum ersten Mal gefahren bin. Deshalb habe ich mit meinem Ingenieur diskutiert, und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es besser ist, etwas zu probieren.„

Da stellen sich zwei Fragen. Warum fährt Räikkönen im Training den Medium-Reifen nie, obwohl jeder wusste, dass die harte Mischung im Rennen der bevorzugte Reifentyp sein wird? Und warum wechselt man dann wieder auf Medium? Bei 26 Runden Restdistanz hätte es Räikkönen auch auf einem Satz Supersoft probieren können, auf dem er sich am Samstag so wohl fühlte. Räikkönen wurde auch auf dem zweiten Satz Medium nicht schneller.

Runde 17 war das einzige Fenster für Hamilton

Der Fairness halber muss gesagt werden. Auch die Mercedes hatten kein sauberes Rennen. Ihr Problem entstand schon in der ersten Kurve. Hamilton trug einen Bremsplatten rechts vorne davon, Rosberg eine verbogene Lenkung (-> Story). Das hatte in beiden Fällen Einfluss auf die Strategie.

„Der Bremsplatten zwang uns, Lewis früher reinzuholen als geplant. Wir wollten ihn aber wenigstens so weit bringen, dass er sich mit dem Satz Medium bis ins Ziel retten kann. Deshalb haben wir ihn bei der erstbesten Gelegenheit reingeholt und gerade noch vor dem Punkt, an dem die Vibrationen unvertretbar stark wurden. Bei Nico mussten wir warten, bis wir ihn im Feld in eine Lücke ohne viel Verkehr einsortieren konnten. Und sicherstellen, dass er vor den Red Bull, Hülkenberg, Bottas, Massa und Perez wieder rauskommt.“

Doch wie konnte Mercedes wissen, dass die beiden Garnituren Medium 54 respektive 51 Runden lang halten würden? „Wir haben Rechenmodelle, die uns nach ein paar Runden anhand der Reifendaten und unserer Erfahrungswerte sagen, wie lange der Reifen bei unterschiedlichen Bedingungen überlebt. Da geht es um Temperaturen innen und außen, Luftdrücke, Verschleißraten. Wir haben für jeden einzelnen Reifen 8 externe und 3 interne Temperaturmessungen. Das kommt alles in einen Algorithmus, der abhängig von der Streckentemperatur eine sehr genaue Prognose abliefert.“

Hamilton und Rosberg durften deshalb auch nicht lustig darauf losheizen. „Unsere Fahrer mussten zu Beginn des zweiten Stints das Tempo managen, und deshalb konnte Vettel auf alten Soft-Reifen schneller fahren als wir auf frischen Medium-Gummis.“

Obwohl die Silberpfeile in der Schlussphase scheinbar sicher vor der Konkurrenz lagen, wurde am Kommandostand noch gezittert. Ein spätes Safety-Car hätte das Rennen noch einmal richtig spannend machen können, geben die Strategen zu. „Ab 6 Runden nach Ricciardos zweitem Stopp hätte es uns böse erwischen können. Wir hätten Lewis und Nico nicht mehr reinholen können. Das hätte uns zu viele Positionen gekostet. Ricciardo wäre beim Re-Start direkt hinter uns gewesen, mit einem Reifen, der pro Runde um 9 Zehntel schneller war. Er hätte uns zwar immer noch auf der Strecke schlagen müssen, aber es wäre für uns sehr schwer gewesen, uns zu verteidigen.“

70 Runden mit einem Reifensatz

Der GP Mexiko war ein klassisches Einstopp-Rennen. Das zeigen lediglich 28 Boxenstopps. Nur 7 von 21 Fahrern probierten es mit 2 Stopps. Der erfolgreichste war Daniel Ricciardo, der dank der ganzen Strafen noch den Sprung auf Rang 3 schaffte. Ansonsten kam nur noch Kimi Räikkönen mit einem Zweistopp-Rennen in die Punkteränge. Er wäre auch mit nur einem Reifenwechsel auf Platz 6 gelandet.

Bei den Einstoppern gab es interessante Varianten. Jolyon Palmer und Marcus Ericsson kamen wegen Unfallschäden notgedrungen schon am Ende der ersten Runde an die Box. Und hielten mit ihrem zweiten Reifensatz bis zum Ende durch. Der Medium-Reifen erlaubte auch nach 70 Runden noch 1.24er Zeiten. Sauber-Teammanager Beat Zehnder verrät, dass man darauf während des Rennens reagierte. „Als wir gesehen haben, dass Marcus mit den Reifen immer noch sehr gute Rundenzeiten fahren kann, haben wir auf den eigentlich geplanten zweiten Stopp verzichtetet.“

Sauber-Kollege Felipe Nasr wurde mit der umgekehrten Taktik ins Rennen geschickt. Medium am Start, Soft am Ende. Auch das schien lange aufzugehen. Nasr fuhr bis zur 32.Runde auf Platz 11 und bis zu seinem Boxenstopp in Runde 49 auf Rang 12. Im Endergebnis verbesserte sich der Brasilianer mit seiner Alternativ-Strategie immerhin um 4 Positionen gegenüber seinem Startplatz.

Die beliebteste Reifenfolge war Soft-medium. Sieger Hamilton und 6 weitere Fahrer vertrauten auf das Gesetz der Logik. Sechs weitere Fahrer fuhren mit Supersoft-Reifen los. Max Verstappen wurde ihn schon in der 12.Runde los. Valtteri Bottas streichelte die weichste Gummimischung immerhin bis Runde 19. Und wurde noch Achter. Nico Hülkenberg stoppte 5 Runden früher, musste sich um Bottas aber keine Sorgen machen. Dem Williams fehlte der Speed.

Sergio Perez beklagte sich am Funk, dass sein Team zu lange mit dem Stopp gewartet hätte. Das hätte ihn hinter Massa geworfen, hinter dem er das ganze Rennen lang anstand. Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer korrigiert: „Da liegt Sergio falsch. Vor Runde 20 gab es nach hinten kein Fenster. Er wäre so oder so hinter den Williams geblieben.“

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