Max Verstappen - GP Mexiko 2018 ams
Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Mexiko 2018
Max Verstappen - Formel 1 - GP Mexiko 2018
Max Verstappen - Formel 1 - GP Mexiko 2018
Sebastian Vettel - Formel 1 - GP Mexiko 2018 78 Bilder

Taktik-Check GP Mexiko 2018

Die Angst vor dem Safety-Car

Zum ersten Mal seit dem GP England gewann wieder ein Fahrer mit zwei Boxenstopps. Max Verstappen hätte den zweiten Reifenwechsel nicht nötig gehabt. Er war eine Sicherheitsmaßnahme für den Fall eines Safety-Cars.

Die Zahl der Boxenstopps erzählt bereits die Geschichte des GP Mexiko. 28, so viele wie seit dem GP Deutschland nicht mehr. Doch da provozierten ständige Wetterwechsel die hohe Zahl an Reifenwechseln. Beim GP Mexiko waren es die Strecke und die Reifen, die Pirelli bereitstellte.

Der Hypersoft war zu weich, der Ultrasoft an der Grenze. So blieb der Supersoft als der ideale Rennreifen übrig. Und ausgerechnet von dem hatten die Teams das geringste Kontingent bestellt. Valtteri Bottas, Daniel Ricciardo, Lance Stroll, Nico Hülkenberg, Kevin Magnussen und Marcus Ericsson hatten überhaupt nur jeweils einen Satz in ihrem Bestand.

Schwachpunkt linker Vorderreifen

Die Teams rechneten einfach nicht damit, dass die weicheren Mischungen so stark vom Körnen betroffen sein würden. Schwachpunkt war der linke Vorderreifen. Beim Hypersoft kam noch Körnen auf den Hinterreifen dazu.

Die meisten Teams konnten aus Mangel an Reifen am Freitag nur einen Longrun auf dem Supersoft-Reifen abspulen. Manche gar keinen. Renault stellte bei Carlos Sainz fest: Der Reifen hält ewig. Sainz fuhr eine Garnitur 97 Runden lang. Im Rennen schaffte Sergey Sirotkin 58 Runden.

Am Renntag hatten nur noch Max Verstappen und Fernando Alonso zwei Satz Supersoft in der Reserve. Ein Luxus, wie sich später rausstellen sollte. Für Alonso nicht mehr. Der McLaren-Pilot parkte schon nach drei Runden. Doch für Verstappen wurde der zweite Satz der härtesten Mischung zur willkommenen Absicherung.

Als Sebastian Vettel in Runde 47 von Supersoft auf Ultrasoft wechselte, um Red Bull aus der Reserve zu locken, da konnte Verstappen seinen zweiten Satz auspacken. „Wir hätten es nicht nötig gehabt. Max hätte mit dem ersten Satz Supersoft durchfahren können. Aber wir wollten uns gegen ein Safety-Car absichern. Da wären wir sonst auf gebrauchten Supersofts gegen Vettel mit frischen Ultrasofts gestanden“, erklärte Motorsportchef Helmut Marko.

Ferrari zurück zu alter Stärke

Ein Einstopp-Rennen war prinzipiell kein Problem. Kimi Räikkönen wurde damit Dritter. Nach 17 Runden tauschte der Finne seine Ultrasoft-Sohlen gegen Supersoft-Gummis ein. Räikkönen hielt damit am längsten auf der mittleren Mischung durch. Sebastian Vettel konnte im Mittel-Stint am längsten von allen Fahrern Attacke reiten. Der Ferrari-Pilot verkürzte in der Zeit seinen Rückstand auf Verstappen von 14,1 auf 8,2 Sekunden.

In den Runden 41, 42 und 43 fuhr er auf 24 Runden alten Supersofts drei Mal in Folge Bestzeit. Was zeigt, dass Ferrari seine frühere Stärke zurückgewonnen hat. Das Auto schont seine Reifen, obwohl der Ferrari in der Konfiguration für maximalen Abtrieb Boden auf Red Bull und Mercedes verloren hat.

Sebastian Vettel - GP Mexiko 2018
Aktuell

Das ideale Rennauto für das Autodromo Hermanos Rodriguez stellte Red Bull. Renault verlor in der dünnen Luft weniger Leistung als sonst gegen Mercedes und Ferrari. Mercedes drehte aus Sicherheitsgründen die Power zurück. Man war mit der Kühlung am Limit, was die riesige Öffnung auf dem Kamm der Airbox deutlich zeigte.

Die Red Bull spielten ihre Überlegenheit vor allem beim mechanischen Grip und dem Abtrieb aus. Die schnellen Kurven in Sektor 2 und die enge Stadionpassage waren das Revier der Sieger. Ferrari dominierte auf den Geraden. Der große Zeitverlust in den Kurven nivellierte sich im Rennen etwas.

Vettel fand nur einen Meister, und das war Verstappen. Red Bull-Teamchef Christian Horner war allerdings der Meinung: „Seb hätte Ricciardo nicht mehr gekriegt. Seine Ultrasoft-Reifen waren schon am Einbrechen.“ Vettel bestätigte: „Die Ultrasofts haben nur wenige Runden einen Vorteil gebracht.“

Seine einzige Waffe gegen Ricciardo war der um 8 km/h bessere Top-Speed. Das Problem erledigte sich von selbst. Ricciardo fiel mit einem Kupplungsdefekt aus. Es war schon der achte Nuller in dieser Saison, der siebte technisch bedingt. Diesmal wieder Baustelle Red Bull.

Guter Start als Schlüssel zum Sieg

Der Schlüssel zum Sieg für Max Verstappen war der Start. Vettel konnte den Vorteil auf der Geraden auf den ersten 890 Metern nicht ausspielen: „Ich war eingeklemmt. Vor mir fuhren Max und Lewis nebeneinander, links von mir war Bottas.“ Hätte Verstappen auch gewonnen, wenn er beim Start nicht in Führung gegangen wäre? Mit Ricciardo vor der Nase auf jeden Fall. Der Australier kam nicht ins Ziel, war außerdem deutlich langsamer. Mit Hamilton als Spitzenreiter auch. Die Mercedes fraßen ihre Reifen.

Mit Vettel wäre es zumindest interessant geworden. Doch Verstappen hatte mit seinen zwei Satz Supersoft einen strategischen Trumpf in der Hand. Er hätte den Undercut beim ersten Stopp so früh wie möglich wählen können, weil er genug frische Reifen in der Reserve hatte. Das Boxenstoppfenster zum Mittelfeld ging schon nach 9 Runden auf.

Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Mexiko 2018
Aktuell

Die Mercedes waren am Sonntag in Mexiko kein Siegkandidat. „Wir waren heute nur die Nummer drei“, konstatierte Teamchef Toto Wolff. Beide Fahrer litten unter extremen Reifenverschleiß als Folge starken Körnens. Vorne links und hinten, durch alle Mischungen hindurch.

„Das fraß sich so tief rein, dass am Ende kein Gummi mehr da war. Deshalb haben sich bei uns die Reifen nie wieder erholt. Bei allen anderen war das Körnen irgendwann wieder weg“, erzählten die Ingenieure. Am Ende gingen Mercedes fast noch die Reifen aus. „Der Satz Hypersoft für Valtteri im vierten Stint war der letzte, den wir hatten.“

Für die Mercedes-Piloten war ein Einstopprennen unmöglich. Das stellte den Kommandostand vor eine schwierige Aufgabe. „Der Plan war natürlich, mit je einem Satz Ultrasoft und Supersoft über die Distanz zu kommen. Wir haben schon früh im ersten Stint gemerkt, dass es nicht reicht.“

Hamilton und Bottas standen in Runde 11 als erste aus der Spitzengruppe an der Box. Das zog Verstappen, Ricciardo und Vettel nach. Sie konnten ja nicht ahnen, welches Reifendrama sich bei Mercedes anbahnen würde. Nur Räikkönen fuhr sechs Runden länger. Ferrari deckte so zwei Taktiken ab.

VSC-Phase lädt Bottas zum dritten Stopp ein

Die frühen Boxenstopps brachten Mercedes in die Zwickmühle. Die Fahrer mussten auf ihren Supersoft-Reifen trotz der Probleme so lange wie möglich überleben. „Wenn wir in Runde 25 Ultrasoft-Reifen aufziehen, halten wir nicht bis zum Ende durch. Unsere Vorhersage war eine Lebensdauer von maximal 20 Runden für die Ultrasofts.“

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Mexiko 2018
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Die Mercedes fuhren mit dem Reifenproblem auf verlorenem Posten.

Hamilton zögerte den zweiten Stopp bis Runde 47 hinaus, Bottas eine Runde länger. Trotzdem musste der Finne ein drittes Mal an die Box. Die Erklärung der Strategen: „Die VSC-Phase hat uns dazu eingeladen. Wir haben uns über starke Vibrationen der Hinterreifen Sorgen gemacht.“ Hätte Mercedes mit zwei Satz Supersoft in der Hinterhand nicht leichteres Spiel gehabt. Bei Hamilton wäre es immerhin möglich gewesen. Der Weltmeister hatte zwei Garnituren der härtesten Mischung im Pool.

Doch Chefingenieur Andrew Shovlin erklärt das Dilemma: „Wir hätten uns nur einen zweiten Satz Supersofts zurückhalten können, wenn wir im zweiten Training auf einen Supersoft-Longrun mit Lewis verzichtet hätten. Aber dann hätten wir keine Informationen über diesen Reifentyp gehabt. Und am Freitag sah es für uns auch noch nicht danach aus, dass wir vielleicht zwei Mal Supersoft-Reifen brauchen könnten.“

Kontrolliertes Langsamfahren schneller

Der GP Mexiko bestand einmal mehr aus zwei separaten Rennen. Diesmal offensichtlicher als sonst. Alle ab Nico Hülkenberg auf Platz 6 wurden zwei Mal überrundet. Deutlich lässt sich der Klassenunterschied nicht dokumentieren. Es ist das größte Problem, das die Formel 1 bekämpfen muss. Leider tut sie es nur halbherzig.

Die Teams aus dem Mittelfeld waren doppelt gehandikapt. Ihnen fehlte der Speed, und das zwang ihnen eine Einstopp-Strategie geradezu auf. Obwohl zwei Stopps bei voller Attacke auf dem Papier schneller gewesen wären.

Nico Hülkenberg - Renault - Formel 1 - GP Mexiko - 27. Oktober 2018
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Hülkenberg stellte mit gemäßigtem Tempo sicher, dass er mit einem Stopp über die Runden kommt.

Die Top-Teams hatten den Luxus der Wahl, weil sie nicht Angst haben mussten, in den Verkehr zu fallen. Renault, Sauber, Toro Rosso, McLaren und Force India mussten zu allererst ihre Position auf der Strecke verteidigen. „Aus unserer Sicht war Rumrollem mit einem Stopp besser als Attacke mit zwei Stopps“, fasste Nico Hülkenberg die Situation in der Formel 1B zusammen.

Die beiden Renault hatten somit das einfachste Spiel. Sie lagen gleich nach dem Start an der Spitze des Mittelfeldes. Es ging darum, wenigstens 10 Runden durchzuhalten, dann von Hypersoft auf Supersoft zu wechseln und diesen Reifen bis ins Ziel zu managen.

„Das hat unser Rennen natürlich langsamer gemacht als es hätte sein können. Aber selbst wenn ich voll hätte fahren können, wäre ich immer noch eineinhalb Runden hinter Max ins Ziel gekommen“, ist sich Hülkenberg sicher. Dass es schneller ging, haben Hülkenberg und Leclerc in den letzten Runden gezeigt. Als klar war, dass die Reifen halten, drehten sie plötzlich auf und waren zwei Sekunden flotter unterwegs.

McLarens Taktikcoup bringt vier Punkte

Hülkenberg fuhr ein Rennen für sich. Die Meute dahinter musste kämpfen. Der Schlüssel für Charles Leclercs 7. Platz war gutes Teamwork. Marcus Ericsson wurde angewiesen, die Verfolger einzubremsen. Als Leclerc in Runde 13 an die Box kam, hatte er schon 13 Sekunden Vorsprung auf den Pulk dahinter.

So lag er auch nach der Serie der ersten Stopps komfortabel vor seinen Gegnern. Ericsson wurde für die gute Tat nicht belohnt. Ein Problem links vorne beim Boxenstopp kostete den Schweden 9 Sekunden. „Sonst wäre Marcus Achter geworden“, ist Teamchef Beat Zehnder überzeugt.

Die große Unbekannte in dem Spiel waren die Force India und die HaasF1, die mit Supersoft-Reifen ins Rennen gingen. Für Sergio Perez hätte es sich gelohnt. Er wäre Siebter geworden, hätten ihm die Bremsen nicht einen Streich gespielt. Kevin Magnussen und Romain Grosjean hatten zwar nie eine Chance auf WM-Punkte, sie stauchten aber das Mittelfeld zusammen und gaben Hülkenberg so zusätzlich Deckung.

So wurde Stoffel Vandoorne kurzfristig sogar für Leclerc zur Gefahr. McLaren hatte den Belgier in der ersten VSC-Phase zum Boxenstopp gerufen. Das schenkte ihm 10 Sekunden. Der Bummelzug hinter Magnussen half auch den Toro Rosso-Piloten. Sie kamen aus den Tiefen des Feldes wieder nach vorne und mischten im Kampf um WM-Punkte mit. Für Pierre Gasly reichte es immerhin noch zum 10. Platz.

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