Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Mexiko 2021 Wilhelm
Yuki Tsunoda - Formel 1 - GP Mexiko 2021
Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Mexiko 2021
Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Mexiko 2021
Max Verstappen - Formel 1 - GP Mexiko 2021 48 Bilder

Taktik-Check GP Mexiko 2021: Red Bull vs. Mercedes

Taktik-Check GP Mexiko 2021 Mercedes-Sieg nur mit Doppelführung

Max Verstappen hätte in Mexiko nur eine Doppelführung der Mercedes nach dem Start aufhalten können. Lewis Hamilton verdankt seinen zweiten Platz einem perfekt getimten Boxenstopp. Wir analysieren die unterschiedlichen Strategie-Optionen in unserem Taktik-Check.

Red Bull war in Mexiko eine Macht. Dabei spielte der Vorteil des größeren Turboladers von Honda nur eine Nebenrolle. Bei Mercedes kam man nach allen Analysen zu dem Schluss: "Wir waren nicht wegen des Motors langsamer." Red Bull schlug seinen Titelrivalen mit dem besseren Auto. Der RB16B gewann seine Zeit in den Kurven. In dem in Mexiko geforderten Abtriebsfenster hat Mercedes nichts Gleichwertiges zu bieten.

Insgesamt summierte sich der Nachteil von Mercedes im Rennen auf knapp über zwei Zehntel pro Runde. Auf beiden Reifenmischungen. Mit diesem Defizit kann man eigentlich kein Rennen gewinnen. Außer man hat zwei Autos in der ersten Startreihe.

Mercedes nutzte am Samstag eine Formschwäche von Red Bull zu einem Doppelsieg in der Qualifikation. "Wir haben einige schlaue Dinge gemacht, um unsere Reifen genau richtig in ihr Betriebsfenster zu bringen. Red Bull lag völlig daneben", resümieren die Ingenieure.

Am Renntag fand Red Bull wieder zu der Stärke zurück, die sich am Freitag schon angedeutet hatte. Und doch standen da diese beiden Silberpfeile beim Start wie eine Wand vor Max Verstappen und Sergio Perez. Verstappen wusste, dass er auf dem 811 Meter langen Anlauf in die erste Kurve mindestens einen Mercedes überholen musste, um das Rennen zu gewinnen. Dass er gleich an beiden vorbeiging, war ein Geschenk von Valtteri Bottas.

Max Verstappen - Formel 1 - GP Mexiko 2021
xpb
Der entscheidende Moment: Verstappen biegt vor Hamilton und Bottas in die erste Kurve.

Mercedes-Fahrer bremsen 20 Meter zu früh

Die Misere nahm schon beim Losfahren ihren Lauf. Bottas hatte einen mittelprächtigen Start, Hamilton einen guten, Verstappen einen sehr guten. Um nicht Schwung zu verlieren, konnte sich Hamilton nicht in den Windschatten von Bottas klemmen, sondern musste nach rechts ausscheren. Verstappen durfte sich aussuchen, welchen Mercedes er als Zugpferd nehmen wollte. Er wählte Bottas. Und der machte den Fehler, die Außenspur offenzulassen. Als Verstappen neben ihm auftauchte, war es zu spät, die Türe zuzuwerfen.

Beim Anbremsen der ersten Kurve machten beide Mercedes-Piloten ihrem Gegner eine zweite Einladung. Die GPS-Analyse ergab, dass Bottas und Hamilton 20 Meter früher in die Eisen stiegen als üblich. Verstappen bremste sich locker außen vorbei. Möglicherweise hatten die Mercedes-Fahrer noch ihre Bremsprobleme vom Freitag im Hinterkopf. Da waren sie mehrmals mit zu kalten Vorderreifen über den Bremspunkt hinausgeschossen.

Die Ingenieure zeigten für die Vorsicht ihrer Fahrer Verständnis: "Sie hatten nicht das Vertrauen, später zu bremsen, aus Angst, dass die Räder stehen bleiben. Es ist im Kalender der härteste Bremspunkt, weil du nirgendwo so schnell anfliegst. Du kannst das nicht üben. Es ist das erste Mal, dass du mit vollen Tanks da ankommst. Ricciardo hat gezeigt, wie leicht du zu spät dran sein kannst."

Hamilton & Bottas - GP Mexiko 2021
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Im Qualifying lagen die beiden Mercedes-Piloten noch vorne. Am Sonntag drehte sich das Bild.

Ein Mercedes vorne hätte nicht gereicht

Mit Verstappens Führung war das Rennen um den Sieg gelaufen. Der Holländer fuhr Hamilton im ersten Stint um 9,1 Sekunden davon, baute die Führung im zweiten Abschnitt auf 16,5 Sekunden aus und hatte noch Reserven. Doch was wäre passiert, wenn Verstappen den Start nicht gewonnen hätte? Da muss man zwischen zwei Szenarien unterscheiden.

Hypothese eins: Mercedes kommt mit einer Doppelführung aus der ersten Runde zurück. Red Bull-Technikchef Adrian Newey glaubt, dass Red Bull dann das Rennen verloren hätte. Weil Überholen extrem schwer war und man nur einen Boxenstopp gehabt hätte, durch einen Undercut oder Overcut an einem Mercedes vorbeizukommen. Den anderen Silberpfeil hätte Verstappen auf der Strecke schlagen müssen.

So sehen es auch die Strategen von Mercedes. "Das wäre unsere einzige Siegchance gewesen. Mit zwei Autos vorne kannst du auch ein schnelleres Auto austricksen. Der eine kann Verstappen aufhalten, während der andere davonfährt. Da reichen fünf Sekunden schon aus, um das andere Auto beim Boxenstopp zu schützen."

Komplizierter wäre es gewesen, wenn nur einer der beiden Silberpfeile die Führung behauptet hätte. Nach Ansicht der Männer vom Mercedes-Kommandostand hätte das nicht gereicht, Verstappen in die Knie zu zwingen. "Wären wir in der Konstellation ein Mercedes gegen zwei Red Bull gefahren, hätten sie ein Auto ganz früh reingeholt, um uns aus der Reserve zu locken. Irgendwann hätten wir reagieren müssen. Dann wäre Verstappen vorbei gewesen. Ihr Speed war zu stark, um sich dagegen zu wehren."

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Mexiko 2021
Motorsport Images
Lewis Hamilton erwischte den perfekten Zeitpunkt zum Boxenstopp.

So trickste Mercedes Perez aus

Für Mercedes ging es nach der Startrunde nur noch darum, Hamilton vor Perez zu halten. Das war ein hartes Stück Arbeit. Entscheidend war das Timing des Boxenstopps. Ein Undercut konnte erst funktionieren, wenn es das nachfolgende Auto in ein Fenster von 1,5 Sekunden geschafft hat. Das war im Duell Hamilton gegen Perez zum ersten Mal in der 28. Runde der Fall.

Zum Glück für Hamilton. Hätte Perez schon in Runde 23 oder 24 so nah aufgeschlossen, hätte es weniger Zwänge gegeben, den Undercut zu versuchen. Da hätte Perez ein Loch im Feld gefunden, das ihm ein paar Runden freie Fahrt garantiert hätte. In Runde 29 wurde die Ausgangslage für Hamilton kritisch. Er selbst lag noch im Boxenstopp-Fenster von Charles Leclerc, und Perez war gerade aus dem Fenster des zweiten Ferrari von Carlos Sainz gefahren. Außerdem lief Hamilton auf eine Gruppe Überrundeter mit Ocon, Stroll und Russell auf.

Die Mercedes-Strategen mussten die Reißleine ziehen. "Es war unsere beste Chance. Die Reifen von Lewis waren schon am Abbauen. Wir wussten, dass wir hinter Leclerc fallen. Aber als Perez auf 1,6 Sekunden rangekommen war, lag er auf dem Papier schon vor Sainz. Er hätte ab da jede Runde stoppen können, hätte drei Sekunden Luft auf Leclerc gehabt, während wir auf eine Gruppe von drei Hinterbänklern gelaufen wären. Game over." Leclerc machte Mercedes keine großen Sorgen. "Seine Reifen waren am Ende. Wir wären schnell an ihm vorbeigekommen." Mit Leclercs Boxenstopp in der Runde darauf erledigte sich das Problem von selbst.

Red Bull machte mit Perez folgerichtig das Gegenteil. Ein Stopp eine Runde nach Hamilton hätte ihm nach Rechnung beider Teams nicht den zweiten Platz gebracht. Perez war mit einer Runde von 1.22,118 Minuten zu langsam. Das zeichnete sich schon nach zwei Sektoren ab. Jetzt musste Red Bull nur noch darauf aus sein, das Reifendelta zu dem Mercedes so groß wie möglich zu gestalten.

Daniel Ricciardo - McLaren - GP Mexiko 2021
Wilhelm
Bottas versauerte hinter Ricciardo. Dann ging auch noch der zweite Boxenstopp schief.

Zwei Chancen für Bottas

Die zweite Rennhälfte erinnerte an Austin, nur mit anderen Darstellern. Beim GP USA versuchte Hamilton mit einem Reifenvorteil von acht Runden Verstappen einzuholen. Diesmal war Hamilton der Gejagte, und Perez der Jäger. Seine Reifen waren 11 Runden frischer. Perez hatte 30 Runden Zeit einen Rückstand von 9,5 Sekunden aufzuholen. Innerhalb von 20 Runden hing er dem Mercedes zum ersten Mal im DRS-Bereich.

Dann war Schluss. Überholen war bei einem Vorteil von zwei Zehnteln unmöglich. Der Windschatteneffekt ist in der dünnen Luft geringer als anderswo. Drei Runden im Heck eines anderen Autos lassen die Temperaturen von Reifen, Bremsen und Motor in den roten Bereich steigen. Der Verfolger muss sich dann eine Auszeit von ein paar Runden genehmigen, um alles abkühlen zu lassen.

Der zweite Platz von Hamilton mutete Mercedes im Rückblick wie ein kleiner Sieg an. Und als Trostpreis gab es noch die schnellste Runde von Bottas dazu, obwohl sie keinen Extra-Punkt brachte, weil der Finne nach seinem Dreher nie mehr in die Top Ten zurückfand.

Aber so bekam Verstappen wenigstens nicht den Bonuszähler. Mercedes rief Bottas für das Unternehmen ungewöhnlich früh an die Box. Acht Runden vor Schluss holte sich Bottas seinen ersten von zwei übriggeblieben angefahrenen Garnituren Soft-Reifen ab.

Die Strategen erklären warum: "Es war keiner da, der uns noch kontern konnte. Wir wollten Valtteri eine zweite Chance geben für den Fall, dass der erste Versuch nicht funktioniert. Das ist dann auch so passiert. Verstappen hat sich da ein bisschen blöd benommen. Er hat drei Sekunden hergeschenkt, nur damit er uns im Stadion durch Zickzackfahren aufhalten kann. Valtteri musste ihn überholen. Dann hat er auch noch blaue Flaggen gefordert."

Kimi Räikkönen - Alfa Romeo - Formel 1 -GP Mexiko - 5. November 2021
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Kimi Räikkönen war auf der richtigen Strategie. Antonio Giovinazzi auf der falschen.

Giovinazzi zu früh an der Box

Daniel Ricciardo und Valtteri Bottas hatten ihre Chancen durch die Kollision zwar verspielt, doch die beiden spielten trotzdem noch eine entscheidende Rolle im Verfolgerfeld. Die Unfallgegner hingen 40 Runden lang wie die Kletten zusammen. Bottas fand keinen Weg vorbei, obwohl Ricciardos McLaren beschädigt war.

Da alle Kommandostände davon ausgehen mussten, dass Ricciardo und Bottas nach ihren frühen Boxenstopps in der ersten Runde durchfahren würde, musste man eine genügend große Lücke schaffen, um vor dem Duo wieder auf die Strecke zu kommen. Der Mindestvorsprung, um das Vorhaben gelingen zu lassen, betrug 22 Sekunden.

Alfa Romeo war mit Antonio Giovinazzi in Runde 16 viel zu früh am Abzug. "Im Nachhinein ein Fehler", gab Teammanager Beat Zehnder zu. "Wir hatten aber unsere Gründe dafür. Antonio hat geklagt, dass seine Hinterreifen zu heiß sind. Außerdem gingen wir davon aus, dass uns Ricciardo und Bottas sowieso nicht aufhalten würden, weil sie zu schnell für uns sein würden. Wir haben zu spät gemerkt, dass Daniel Bremsprobleme hatte und langsamer war als das Mittelfeld." Der überhastete Boxenstopp hat mindestens einen WM-Punkt gekostet.

Charles Leclerc - Formel 1 - GP Mexiko 2021
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Ferrari konnte Gasly auch mit Stallregie nicht in die Knie zwingen.

Ferrari tauscht zwei Mal Plätze

Das spielte Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen, Fernando Alonso und Lando Norris in die Karten. Sie mussten nur warten, bis ihr Vorsprung auf Ricciardo groß genug war. Bei Vettel war das schon in Runde 21 der Fall, bei Räikkönen in Runde 24, bei Alonso in Runde 28 und bei Norris in Runde 38, exakt zu dem Zeitpunkt, in dem Ricciardo zum zweiten Mal an die Boxen abbog.

An den Kommandoständen von Aston Martin, Alfa Romeo, Alpine und McLaren wurde mit Argusaugen darauf geschaut, ob es Bottas nicht doch einmal vorbeischafft. Der Finne hätte ohne Ricciardo vor der Nase 1,3 Sekunden pro Runde schneller fahren können. Das hätte auch die Vier auf den Plätzen 7 bis 10 wieder in Bedrängnis bringen können.

Solange Ricciardo vorne lag konnte man die Boxenstopps hinauszögern, obwohl alle längst aus dem Boxenstopp-Fenster lagen. Für Alpine war Ricciardos Boxenstopp der Moment, auch Alonso an die Box zu holen. "Wir wollten kein Risiko eingehen. Bottas hat in der Runde darauf gezeigt, wie schnell er sein konnte. Was wir nicht erwartet haben, dass auch er kurz darauf seinen zweiten Boxenstopp machen würde.", erklärte Einsatzleiter Alan Permane.

Ferrari schrieb in diesem Rennen seine eigene Story. Charles Leclerc versuchte 57 Runden lang vergeblich, die Lücke zu Pierre Gasly zu schließen. Die betrug vor dem Boxenstopp 3,1 Sekunden, wurde dann aber auf den harten Reifen immer größer. Als Ferrari endlich dem Drängen von Carlos Sainz nachgab, ihn an Leclerc vorbei zu lotsen, war sie schon auf 11,8 Sekunden angewachsen.

Sainz war an diesem Tag der schnellere Ferrari-Fahrer. Und er hatte zwölf Runden frischere Reifen. Sainz holte tatsächlich ein bisschen auf den Alpha Tauri auf, aber nicht genug. Als der Abstand drei Runden vor Schluss immer noch 8,9 Sekunden betrug, revidierte Ferrari den Platztausch wieder. Dem Teamfrieden zuliebe.

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