Lewis Hamilton - GP Monaco 2021 Mercedes
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Monaco - 23. Mai 2021
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Monaco - 23. Mai 2021
Fans - Formel 1 - GP Monaco - 23. Mai 2021
Fahrerparade - Formel 1 - GP Monaco - 23. Mai 2021 48 Bilder

Taktik-Check GP Monaco 2021

Taktik-Check GP Monaco 2021 Darum änderte Mercedes die Taktik

Der GP Monaco war ein übersichtliches Rennen mit null Überholmanövern und nur einem Boxenstopp pro Fahrer. Der Overcut setzte sich durch. Mercedes hätte ihn gerne gemacht, war aber gezwungen, das Gegenteil zu tun. Im Taktik-Check erklären wir, warum Lewis Hamilton Plätze verlor.

Der GP Monaco bleibt ein Rennen, das am Samstag entschieden wird. Die Top Ten der Qualifikation waren mehr oder weniger auch die Top Ten im Rennen, minus Charles Leclerc und Valtteri Bottas. Dadurch rutschten mit Esteban Ocon und Lance Stroll zwei Fahrer in die Punkteränge, die es nicht ins Q3 geschafft hatten. Da auf der Rennstrecke nach der ersten Runde nicht ein einziges Überholmanöver stattfand, konzentrierten sich alle Verschiebungen auf den Start und das Timing der Boxenstopps.

Beim 67. Auftritt der Formel 1 im Fürstentum verlief selbst die Startrunde ungewöhnlich diszipliniert. Daniel Ricciardo gab zwei Plätze an Lance Stroll und Kimi Räikkönen ab. Fernando Alonso gewann zwei Positionen gegen Yuki Tsunoda und George Russell. Dann war die Reihenfolge eingefroren, bis in Runde 29 die Serie der Boxenstopps eingeläutet wurde.

Reifenverschleiß zwingt Mercedes an die Box

Völlig überraschend eröffnete Lewis Hamilton den Wettstreit der Boxencrews. Man hatte den Weltmeister als einen der letzten in der Boxengasse erwartet. Das war auch der Plan, wie die Strategen beteuern.

"Unser Reifenverschleiß war sehr hoch. Valtteri konnte nicht mal Vettel aus dem Boxenstoppfenster fahren. Und Sainz machte hinter uns Druck. Wir wussten, dass wir mit Valtteris Reifen bald in echten Schwierigkeiten sein würden, und bei Lewis sah es nicht viel besser aus. Der ursprüngliche Plan ließ sich nicht mehr halten. Wir hatten den Fahrern in der Früh gesagt, dass wir die ersten Boxenstopps um Runde 22 herum erwarten, und dass wir bis Runde 30 draußen bleiben wollten."

Pierre Gasly - GP Monaco 2021
xpb
Lewis Hamilton hing vor und nach dem Boxenstopp hinter Pierre Gasly fest.

Das Reifenproblem der Silberpfeile ist mit einem simplen Wort umschrieben: Verschleiß. Die Ingenieure erklärten: "Es war nicht das Körnen. Diese Phase dauerte nur ein paar Runden, und die hatten alle. Es war einfach kein Gummi mehr übrig. Das Rennen erinnerte stark an 2018. Da war Lewis auch der erste, bei dem die Reifen nachließen."

Für den sonst so reifenschonenden Mercedes ist das ein eher ungewöhnliches Problem. Es hatte seinen Ursprung schon im Training. Die Mercedes-Fahrer klagten darüber, dass sie ihre Reifen nur zögerlich in ihr Temperaturfenster brachten. Hamilton brauchte im Q3 sieben Runden dafür. Als er zum ersten Mal so etwas wie Grip spürte, wurde das Training mit der roten Flagge gestoppt.

Kein Grip und kein Vertrauen ins Auto ist bei einem Rennen, bei dem sich alles um den Startplatz dreht, das schlimmste Handikap das man sich denken kann. Mercedes nahm schon vor der Qualifikation entsprechende Änderungen am Fahrwerks-Setup und den Bremsbelüftungen vor, allerdings nicht so extrem wie es sich Hamilton gewünscht hätte.

Hätte man auf ihn gehört, wäre der Verschleiß am Sonntag noch höher gewesen. Teamchef Toto Wolff erklärte: "Im Bestreben die Reifen zu heizen, haben wir ihnen im Rennen über die Distanz geschadet."

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Monaco - 23. Mai 2021
Motorsport Images
Bei Valtteri Bottas ließ sich das Rad vorne rechts nicht lösen.

Auf Gasly fehlten zwei Zehntel

Da der Overcut nicht funktionieren konnte, blieb dem Kommandostand nichts anderes übrig, als es mit dem Gegenteil zu probieren. Auch das ging schief. "Wir sprachen mit Lewis ab, dass wir Gasly undercutten wollten, aber er kam nie näher als 1,3 Sekunden an den Alpha Tauri heran. So kam Gasly eine Runde später zwei Zehntel vor uns raus. Mit einem etwas besseren Boxenstopp, oder einer etwas besseren OUT-Runde hätten wir es geschafft. Dadurch, dass Lewis weiter hinter Gasly festhing, konnten uns Vettel und Perez mit dem Overcut überholen."

In der Not überlegte Mercedes sogar den Einsatz des Medium-Reifens, obwohl die mittlere Mischung der deutlich schlechtere Rennreifen war. "Aber er wärmt sich etwas schneller auf. Alles, was wir brauchten, war der Platzgewinn gegen Gasly."

Valtteri Bottas hätte gegen Carlos Sainz das gleiche Schicksal geblüht. Die Frage wurde nicht mehr beantwortet, weil am Mercedes mit der Startnummer 77 beim Reifenwechsel rechts vorne die Kanten der Radmutter vom Schlagschrauber abgeschmirgelt wurden, so dass sich die Mutter nicht mehr lösen ließ.

Bottas fuhr immerhin auf Podiumskurs. Der Finne kam mit dem Temperaturproblem am Samstag besser zurecht als sein Teamkollege. Hamilton verlor schon in Ste.Dévote eine Zehntel auf den Teamkollegen. Damit passten auch die nächsten Kurven nicht, weil die entscheidenden Grade Temperatur fehlten. Ohne Grip vom Reifen ist auch ein Champion wir er einfach nur ein ganz normaler Rennfahrer.

Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Monaco - 22. Mai 2021
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Vettel gab im richtigen Moment Gas, als die Konkurrenz vor ihm zum Boxenstopp abbog.

Wie Kam Vettel nach vorne?

Ohne Charles Leclerc am Start konnte Max Verstappen das Tempo fahren, das es ihm erlaubte den Boxenstopp nach seinen Wünschen festzulegen. Es sah ganz danach aus, als hätte der Holländer noch Reserven. Sainz war zwar zeitweise schneller, aber nie eine wirkliche Gefahr. Genauso wenig wie es Lando Norris für Sainz war. Das zeigt das Boxenstopp-Timing. Sainz reagierte erst zwei Runden nach Norris, und Verstappen zwei Runden nach Ferraris Reifenwechsel mit Sainz.

Eine Frage wird für immer auf eine Antwort warten. Hätte Verstappen auch gewonnen, wenn Leclerc auf Pole gestartet und in Führung gegangen wäre? Wahrscheinlich nicht. Auch der Ferrari ging pfleglich mit seinen Reifen um.

Was Sainz konnte, hätte auch Leclerc gekonnt. Er hätte mit dem Boxenstopp vermutlich so lange gewartet, bis Red Bull entweder die Reißleine gezogen hätte oder Verstappens Reifen so abgefahren gewesen wären, dass dann auch der Overcut nicht mehr funktioniert hätte.

Sebastian Vettel hatte sich seinen ersten Stint clever eingeteilt. In der 18. Runde sah es noch gar nicht danach aus, dass er Gasly und Hamilton mit egal welcher Taktik austricksen würde. Da lag der Aston Martin-Pilot 5,7 Sekunden hinten dem Tandem, das zu dem Zeitpunkt um Platz fünf kämpfte. Zehn Runden später hatte er den Abstand auf 3,2 Sekunden verkürzt.

Als Hamilton in die Boxen abbog, drehte Vettel mit drei 1.16er Zeiten auf. Der Zeitverlust von Hamilton und Gasly auf Vettel betrug in den ersten zwei Runden auf frischen Reifen vier Sekunden. Das war das Delta, das der zweifache Monaco-Sieger zum Platzgewinn brauchte.

Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Monaco - 23. Mai 2021
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Perez wartete lang mit seinem Boxenstopp und machte dadurch drei Positionen gut.

Bei Sergio Perez sah es noch extremer aus. Kaum hatte der Mexikaner freie Fahrt, fuhr er mit 1.14,552, 1.14,670 und 1.15,062 Minuten die schnellsten Runden im Feld. Die Nummer zwei von Red Bull kletterte mit seinem Stopp sechs Runden nach Hamilton um drei Plätze nach oben.

Nach dem Reifenwechsel fror Perez den Abstand zu Teamkapitän Verstappen bei 20 Sekunden ein. "Ich muss nur den Samstag besser hinkriegen. Im Rennen läuft es", ärgerte sich der Mann aus Guadalajara später.

Alpines seltsame Reifenwahl

Lance Stroll brauchte für seinen Aufstieg von Startplatz 13 zu Rang acht mehr als nur eine gute Startrunde. Der Kanadier startete als einziger neben Yuki Tsunoda mit den harten Reifen. Es war eine weise Entscheidung, die Alpine besser auch verfolgt hätte. Pirellis harte Mischung erwies sich als der mit Abstand beste Rennreifen. Robust, konstant, langlebig.

Stroll konnte trotz der härteren Reifen locker das Tempo von Antonio Giovinazzi und Esteban Ocon halten. Als die sich frische Reifen abgeholt hatten, musste der zweite Aston Martin-Pilot nur genügend lange warten, bis ihm Ocon den 8. Platz schenkte. Der Franzose war auf den Medium-Reifen so langsam, dass Stroll in Runde 58 das Fenster nach hinten hatte und sich bei der Restdistanz von 20 Runden auch einen Satz Soft-Reifen leisten konnte.

Esteban Ocon - Alpine - Formel 1 - GP Monaco - 20. Mai 2021
Motorsport Images
Alpine setzte als einiges Team auf die Medium-Reifen. Die Taktik ging nicht auf.

Es wird ein Rätsel bleiben, warum Alpine so stur seine Jetons auf den Medium-Reifen setzte. Fernando Alonso fuhr ihn beim Start, Esteban Ocon im zweiten Stint. Damit schwammen die Franzosen wie in Barcelona gegen den Strom, als man als einziges Team beharrlich an einem Einstopp-Rennen festhielt, obwohl andere längst gezeigt hatten, dass zwei Stopps besser sein würden.

Auf jeder normalen Rennstrecke hätte Ocon im Finale noch Plätze an Giovinazzi, Räikkönen, Ricciardo und Alonso verloren. Der lange Franzose fuhr eine Sekunde langsamer als die Gegner vor ihm und zog eine Schlange hinter sich her, die immer größer wurde. Monaco schenkte ihm den 9. Platz. Es hätte ein 8. Rang werden können, hätte ihn sein Team auf harte Reifen gesetzt. Und davon hätte auch Giovinazzi in seinem Windschatten profitiert.

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