Lewis Hamilton - GP Österreich 2018 sutton-images.com
Didi Mateschitz - Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
Lewis Hamilton - Mercedes - Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
Romain Grosjean - HaasF1 - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018 21 Bilder

Taktik-Check GP Österreich 2018

Hamilton fehlen 35 Sekunden

Die Ausfälle der Favoriten und heißeres Wetter als erwartet haben den GP Österreich spannend gemacht. Auch zwei Tage nach dem Rennen in Spielberg wird gerätselt, warum Mercedes Lewis Hamilton in der VSC-Phase nicht an die Box geholt hat.

Noch in der Startaufstellung haben uns alle Experten erzählt, dass dieser GP Österreich ein langweiliges Rennen wird. Die Favoriten standen in der ersten Reihe. Mercedes war auch bei den Longruns am Freitag stark. Zwei der drei Gummimischungen hätten am Freitag bei 28 Grad Asphalttemperatur eine Renndistanz überstanden. Und vom Ultrasoft-Reifen ließen alle bis auf Ferrari die Finger. Die Topspeed-Deltas waren so gering, dass auch mit drei DRS-Zonen wenig Chancen auf Überholmanöver bestanden. Was sollte man da groß erwarten?

82 Minuten später rieben wir uns die Augen. Der Favorit war gestrauchelt. Mercedes schrieb die erste Nullrunde seit Barcelona 2016. Herausforderer Ferrari gewann trotzdem nicht. Diesmal siegte der Hausherr. Dabei war Red Bull im Training so weit weg vom Podium wie noch nie. Auch Red Bull brachte nur ein Auto durch. Das bescherte HaasF1 den bislang größten Punktesegen seiner kurzen Formel 1-Karriere. Auch Force India sahnte mit 14 Punkten kräftig ab, und Sauber brachte zum ersten mal seit Monza 2015 wieder beide Autos in die Top Ten.

Mercedes als Einmann-Team verwundbar

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
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Mit dem Ausfall von Bottas nahm das Unglück auch für Hamilton seinen Lauf.

Man hätte eigentlich schon bei der Startrunde Verdacht schöpfen müssen. In der passierte so viel, dass man gar nicht wusste, wo man zuerst hinschauen sollte. Lewis Hamilton gewann den Sprint in Kurve 1. Kimi Räikkönen war erst Zweiter, dann Vierter. Valtteri Bottas erst Vierter, dann Zweiter. Sebastian Vettel stürzte auf den 8. Platz ab.

Und keiner ahnte, dass das rennentscheidende Manöver bereits nach 45 Fahrsekunden stattfinden würde. Max Verstappen überholte Kimi Räikkönen in Kurve 7 mit einem kleinen Stoß ans Hinterrad. Hätte der Holländer es da nicht geschafft, wäre er womöglich das ganze Rennen hinter dem Ferrari angestanden. Zum Überholen fehlte ihm der Top-Speed. Ferrari war auf den drei Geraden 5, 11 und noch einmal 11 km/h schneller als Red Bull.

Nach der hektischen Auftaktrunde lief das Rennen wie erwartet. Mercedes kontrollierte mit einer Doppelführung das Tempo. Verstappen hatte das Trio mit Räikkönen, Ricciardo und Vettel hinter ihm im Griff. Doch dann änderte der Ausfall von Bottas alles. Als die Rennleitung das VSC-Signal an die Teams schickte, befand sich Spitzenreiter Hamilton in Kurve 7. Genug Zeit um zu handeln. Doch die einfachsten Dinge sind manchmal die schwierigsten.

Mercedes hatte nur noch ein Eisen im Feuer und war deshalb verwundbar. Die Gegner konnten die Taktik splitten. Mercedes musste sich für eine Taktik entscheiden. Wie Teamchef Toto Wolff ausrechnete, wäre es zu 80 Prozent richtig gewesen, die VSC-Phase wie 60 Prozent des Feldes zum Boxenstopp zu nutzen. Der kostet während der Neutralisation acht Sekunden weniger Zeit als sonst.

Mercedes ließ Hamilton auf der Strecke. Seine vier Verfolger kamen an die Box. Dadurch wuchs der Vorsprung des Mercedes-Piloten von 4,9 auf 13,0 Sekunden. Nicht genug, um bei einem späteren Reifenwechsel in Führung zu bleiben. Dazu hätte Hamilton einen Vorsprung von mindestens 19 Sekunden gebraucht.

Ferrari und Red Bull hätten Taktik gesplittet

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
Wilhelm
Auch wenn es hier nicht so aussieht: Vettel hielt seine Reifen besser in Schuss als die Konkurrenz.

Hamilton wurde zur Eile getrieben. Jetzt kam der zweite Faktor ins Spiel, der vor dem Rennen scheinbar keine Rolle spielte. Die Kombination aus 50 Grad auf dem Asphalt und Tempoverschärfung warf plötzlich Probleme auf, die längst vergessen schienen. Die Reifen wurden zu heiß und warfen Blasen. Besonders links hinten. Hamilton konnte seinen Vorsprung nicht vergrößern.

Mit 12,8 Sekunden Luft auf Verstappen kam er in Runde 25 als Führender an die Box und fuhr als Vierter wieder raus. Hinterher ärgerte sich Sebastian Vettel, dass er in der Anfangsphase mit Rücksicht auf die Reifen ein bisschen zu viel gebummelt hat. „Als ich Lewis so direkt vor mir sah, hätte ich lieber etwas früher Gas gegeben.“

Spätestens da wurde jedem der Fehler am Mercedes-Kommandostand klar. Wer glaubte, Hamilton würde die drei Autos vor ihm mit seinem Speedvorteil mit links aufschnupfen, sah sich getäuscht. Im Verkehr war der Silberpfeil ein ganz normales Rennauto. „Wir haben zu viel nachgedacht“, zog Wolff einen Schlussstrich unter die Affäre. Bei genauerem Nachfragen kam heraus, dass es doch durchaus nachvollziehbare Gründe gab, abzuwarten.

Was wäre passiert, wenn Hamilton an die Box gegangen wäre? Ferrari und Red Bull hätten das jeweils besser platzierte Auto auf der Bahn gelassen, um gegen Hamilton Positionen zu gewinnen. Unter dieser Prämisse hätte in Runde 16 Verstappen mit 3 Sekunden vor Räikkönen und 4 Sekunden vor Hamilton geführt.

Für Ricciardo und Vettel hätte es sich nicht gelohnt auf der Strecke zu bleiben, weil sie zu weit hinter Hamilton lagen um auf der Strecke einen Platz zu gewinnen. Mit dieser Taktik hätten Ferrari und Red Bull Hamilton in der Zange gehabt. Das hätte Ricciardo und Vettel aufschließen lassen. Immer mit der Gefahr für Hamilton, aus dem Hinterhalt angegriffen zu werden.

Es gab noch einen zweiten Grund, warum die Mercedes-Strategen auf Abwarten spielten: Man ging davon aus, dass die Bergung des Autos von Bottas länger dauert. Dann hätte es noch eine zweite Chance zum Boxenstopp unter begünstigten Bedingungen gegeben. Zu dem Zeitpunkt hätte man die Taktik der Gegner besser abschätzen können. Doch das VSC-Signal wurde 35 Sekunden vor der nächsten Zielpassage von Hamilton aufgehoben.

Ausfall hat nichts mit Aero-Upgrade zu tun

Sauber - Formel 1 - GP Österreich - 1. Juli 2018
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Bei Sauber wurde die Taktik gesplittet. Am Ende kamen Leclerc und Ericsson dennoch direkt hintereinander ins Ziel.

Die ungewöhnliche Konstellation führte dazu, dass schneller gefahren wurde, als vorausberechnet. Mit Schäden für die Reifen. Verstappen und Räikkönen konnten in sauberer Luft noch einigermaßen ihr Tempo so anpassen, damit die Reifen möglichst wenig leiden. Ricciardo und Hamilton waren im Pulk gefangen und mussten attackieren. Nur Vettel behielt kühlen Kopf. Er ließ sich Zeit damit, zu dem Pulk vor ihm aufzuschließen. „Ich war am Anfang vorsichtig, weil ich am Ende gute Reifen haben wollte.“

Die Reifen dankten es ihm. Je älter sie wurden, desto stärker Ferrari. So blieben am Ende nur noch Verstappen, Räikkönen und Vettel übrig. Der zweite Boxenstopp warf Ricciardo und Hamilton aus dem Rennen um die Podiumsplätze. Sie mussten sich nicht lange grämen. Noch vor der Zielflagge holte sie der Defektteufel ein. Auch ohne den Ausfall wäre Hamilton höchstens auf Platz 4 gelandet. Sein Rückstand auf Vettel betrug 9 Runden vor Schluss 24 Sekunden.

Bei Mercedes wurde noch gerätselt, warum die beiden Autos liegenblieben. „Der eine Schaden hat nichts mit dem anderen zu tun. Auch nichts mit dem Aero-Upgrade. Im Fall von Bottas nistete sich ein Hydraulikleck in der Servolenkung ein. Bei Hamilton ging wohl eine Benzinpumpe kaputt.

Werfen wir noch einen Blick auf die Teams, die ihre Strategie tatsächlich gesplittet haben. Und sei es nur um einen Doppelstopp zu vermeiden, der das zweite Auto je nach Abstand zwischen 2 und 5 Sekunden kostet. HaasF1 holte Romain Grosjean an die Box und ließ Kevin Magnussen draußen. Force India machte mit Esteban Ocon und Sergio Perez das gleiche. Sauber fertigte Charles Leclerc in der VSC-Phase ab, Marcus Ericsson 30 Runden später. Alle kamen am Schluss in die Punkte.

In Runde 14 lag Grosjean auf Rang 6 und Magnussen auf Platz 7. Ocon war Achter und Perez Neunter. Leclerc und Ericsson fuhren auf den Positionen 16 und 17. Perez und Magnussen holten sich in den Runden 27 und 28 frische Soft-Reifen ab. Danach rangierten sie auf den Positionen 9 und 11. Mit Ericsson als Puffer dazwischen. Der Schwede war antizyklisch auf Soft-Reifen losgefahren.

Keinem der drei hat die vermeintlich schlechtere Taktik geschadet. Sie holten sich die Positionen dank der frischeren Reifen wieder zurück. Bis zur 50. Runde waren alle wieder auf die Plätze vorgerückt, die sie vorher hatten. Ohne, dass ihnen ein Ausfall geholfen hätte. Das passierte erst später.

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