Sebastian Vettel - GP Österreich 2021 xpb
Sergio Perez - Charles Leclerc - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen
Lando Norris - McLaren - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen
Valtteri Bottas - Mercedes - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen 56 Bilder

Taktik-Check GP Österreich 2021

Taktik-Check GP Österreich 2021 Zwei Stopps waren ein Reinfall

Auch auf den weichsten Reifen war der GP Österreich ein Einstopp-Rennen. Max Verstappen kam nur deshalb zwei Mal an die Box, weil er konnte, Lewis Hamilton, weil er musste. Wer es wie Aston Martin oder Alpha Tauri von vornherein so geplant hatte, war angeschmiert. Der Taktik-Check.

Zwei Grands Prix auf der gleichen Rennstrecke innerhalb von sieben Tagen hätten vor 40 Jahren vielleicht noch völlig unterschiedliche Rennen geliefert. Bei der Perfektion der Teams heute musste es ein Spannungskiller sein. Auch wenn Pirelli eine Stufe weichere Reifen lieferte und die Asphalttemperaturen beim zweiten Mal 20 Grad kühler waren als die Woche davor.

Nur vier Fahrer rührten den C5-Reifen von Pirelli am Rennsonntag überhaupt an. Und sie taten sich keinen Gefallen damit. Umgekehrt wäre es vielleicht besser gewesen. Das Hitzerennen auf dem weichen Gummi, das kühlere mit den härteren Mischungen.

So ist es keine große Überraschung, dass der GP Österreich in vielen Teilen eine Kopie des GP Steiermark war. Acht Fahrer schafften es zwei Mal in die Punkteränge. Max Verstappen gewann beide Rennen überlegen. Bei den Mercedes-Fahrern dahinter kehrte sich die Reihenfolge nur um, weil Lewis Hamilton ab der 29. Runde mit einem Schaden am Unterboden fuhr.

Lando Norris war besser platziert als in der Vorwoche, Sergio Perez schlechter. Die Ferrari-Piloten und Fernando Alonso landeten ungefähr dort, wo sie beim ersten Spielberg-Grand Prix auch waren. Neu im Top Ten-Club waren Daniel Ricciardo und Pierre Gasly. Sie ersetzten Lance Stroll und Yuki Tsunoda.

Start - Formel 1 - GP Österreich 2021
xpb
Zwei Rennen in sieben Tagen, zwei Mal die gleiche Strecke, zwei Mal der gleiche Sieger.

Aero-Schaden an der schlimmsten Stelle

Max Verstappen war wieder mit keiner Taktik der Welt zu schlagen. Der Holländer hatte wie früher die Mercedes-Piloten den Luxus eines freien Boxenstopps. So konnte er sich gegen ein Safety-Car absichern und die schnellste Rennrunde, die ihm ohnehin schon gehörte, noch einmal verbessern. Der Red Bull-Pilot musste sich zu keiner Zeit die Frage stellen, wie lange die weicheren Reifen halten würden. Er wurde nie so weit unter Druck gesetzt, als dass er am Limit hätte fahren müssen.

Für Mercedes war die Ausgangslage schwieriger. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas mussten an Lando Norris und Sergio Perez vorbei. Die Strafen für die beiden machten die Aufgabe einfach. Hamilton arbeitete sich trotzdem 20 Runden lang an seinem Landsmann ab.

Bis er endlich vorbei war, lag er schon 9,3 Sekunden hinter Verstappen und seine Reifen hatten entsprechend gelitten. Der Rückstand wuchs bis Runde 29 auf 11,3 Sekunden an. Hamilton verlor also im Schnitt zwei Zehntel auf seinen WM-Gegner. Stand Vorwoche.

Ab Runde 29 musste sich der Weltmeister nach hinten orientieren. Durch das Überfahren der Randsteine brach links hinten am Unterboden die Umrandung der Hinterräder ab. Das ist aerodynamisch eine der heikelsten Stelle am Auto. Damit konnte ungehindert die vom linken Hinterrad erzeugte turbulente Luft in den Diffusor eindringen.

Die Ingenieure bezifferten den Zeitverlust auf eine halbe bis eine Sekunde. Abhängig davon, in welchem Zustand der linke Hinterreifen war. Der nutzte sich mangels Abtrieb stärker ab als sonst.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Österreich 2021 - Speilberg - Rennen
Wilhelm
Mercedes lotste Bottas schließlich an Hamilton vorbei, als der Weltmeister durch den Unterboden-Schaden eingebremst wurde.

So wurde Bottas die Nummer eins

Das zwang Hamilton einen zweiten Boxenstopp auf. Bei dem wurden auch die Frontflügel-Flaps signifikant nach unten gestellt, um das Auto auszubalancieren. Der Eingriff reduzierte vorne den Abtrieb und sorgte für eine bessere Anströmung des Hecks. So konnte Hamilton in der 55. Runde immerhin noch eine Runde mit 1.08,126 Minuten fahren. Für Lando Norris reichte es nicht mehr. Nach hinten waren 10,6 Sekunden Luft.

Hamiltons Schwierigkeiten beförderten Valtteri Bottas ausnahmsweise mal zur Nummer eins im Stall. In solchen Situationen zählt dann nicht das Schicksal des einzelnen, sondern der Teamerfolg. "Da hat dann die Absicherung von Platz zwei Priorität. Lewis konnte ihn nicht halten. Also mussten wir die Karten auf Valtteri setzen und verhindern, dass uns Norris den Platz noch wegnimmt."

Der Funkverkehr bis zum Platztausch war etwas verwirrend, ist aber erklärbar. Hören wir den Strategen zu. "Die erste Frage, die wir uns stellten, war: Kann Hamilton die Reifen bis ans Ende bringen? Kann Bottas die Position gegen Norris verteidigen? In einem DRS-Zug ist das möglich. Wir wollten aber auch nicht, dass Valtteri Lewis unter Druck setzt. Er hat ja ziemlich schnell auf ihn aufgeholt. Uns war auch klar, dass Lewis keine Chance mehr gegen Norris haben würde, wenn Valtteri einmal an ihm vorbei sein würde. Deshalb haben wir uns erst einmal Zeit gekauft, um herauszufinden wie stark die Reifen von Lewis tatsächlich abbauen." Das erklärt das Kommando: "Positionen halten."

Weil die Reifen von Hamilton immer stärker nachließen, bekam Bottas schließlich freie Fahrt. "Lewis hat das verstanden. Er wusste ja, wie es um sein Auto stand. Als wir sahen, dass Lewis keine Chance gegen Valtteri und Lando haben würde, ließen wir die Positionen tauschen. Wir haben das in Kurve 3 arrangiert, weil man da am wenigsten Zeit verliert. Hätten wir das nicht gemacht, hätten wir vielleicht Platz zwei an Norris weggeworfen."

Carlos Sainz - Formel 1 - GP Österreich 2021
Wilhelm
Sainz gewann das Ferrari-Duell auch deshalb, weil Leclerc zwei Mal von Perez ins Kiesbett geschickt wurde.

Darum war Überholen so schwer

Ohne die Fünf-Sekunden-Strafe hätte Mercedes den McLaren wohl nicht geknackt. Hamilton fuhr mit stumpfen Waffen, und Bottas fehlte der Speed um ein Überholmanöver zum Gelingen zu bringen. Das Rundenzeiten-Delta für eine 50-Prozent Überholchance betrug 0,9 Sekunden. Eigentlich zählt der Red Bull-Ring zu den Strecken, auf denen Überholen einfach ist, doch speziell in diesem Jahr war das nicht der Fall. Erklärung eines Ingenieurs: "Die Reifen haben zu wenig stark abgebaut, und die Rundenzeiten lagen zu eng beieinander."

Für Sergio Perez war das Rennen um einen Podiumsplatz mit dem Zweikampf gegen Lando Norris beendet. Man kann dem Mexikaner in dem Fall nichts vorwerfen. Er musste vorbei, um sich einerseits vor den Mercedes zu schützen und andererseits Verstappen nicht zu weit davonziehen zu lassen. Ein Angriff auf der Außenspur muss nicht grundsätzlich falsch sein. Man hatte wegen des Überholproblems nicht so wahnsinnig viele Optionen.

Norris hätte dem Angreifer mehr Platz lassen müssen. Deshalb auch die Strafe. Perez wurde konsequenterweise für das gleiche Vergehen zwei Mal bestraft. Da fuhr schon der Frust im Red-Bull-Cockpit mit. Das Abrutschen auf Platz zehn hat Perez das Rennen zerstört.

Pierre Gasly - GP Österreich 2021
Red Bull
Von den Soft-Startern schaffte es am Ende nach zwei Stopps nur Pierre Gasly in die Punkte.

Ferrari splittet die Strategien

Ferraris zweites Österreich-Wochenende war ein Spiegelbild des ersten. Mäßige Startplätze, starke Rennen. Ferraris Taktik war schon am Samstag klar. Der WM-Vierte wollte auf alle Fälle einen Start auf den Soft-Reifen vermeiden und ließ auch die Medium-Reifen am Auto als klar war, dass es schwer werden würde ins Q3 aufzusteigen. Motto: Besser Startplatz 11 mit Medium-Reifen als Startplatz 6 auf Soft.

Am Ende ärgerte sich Ferrari sogar noch, dass Sebastian Vettel eine Strafe bekam. So mussten Carlos Sainz und Charles Leclerc auf geraden Startplätzen, sprich der schlechteren Spur auf der Innenseite, losfahren. Sainz dazu noch vom gefürchteten Startplatz zehn, der nach einhelligen Messungen der Platz mit dem geringsten Grip ist. Prompt kehrte der Spanier nur auf dem 14. Platz aus der ersten Runde zurück.

Ferrari splittete von Anfang an die Taktik. Sainz wurde mit den harten Reifen losgeschickt und hielt bis Runde 48 durch. Leclerc mit den Medium-Gummis in der 34. Runde an die Box. Am Ende landete Sainz drei Plätze vor seinem Teamkollegen.

Sieht nach der besseren Strategie aus, doch bei Leclerc muss man mit einrechnen, dass er zwei Mal von Perez in die Wüste geschickt wurde. Das hat ihm der relativ späte Boxenstopp eingebrockt. Perez war zwei Runden früher dran und hat damit den Sprung vor den Ferrari geschafft.

Fernando Alonso - Formel 1 - GP Österreich 2021
xpb
Alonso wurde in der Qualifikation blockiert. Am Start zog die Konkurrenz neben der Strecke vorbei. So gab es am Ende nur einen Punkt für Rang zehn.

Der Absturz der Zweistopper

Prinzipiell war Ferraris Strategie richtig. Alpha Tauri und Aston Martin haben bewiesen, dass eine Zweistopp-Strategie der falsche Weg war. Auch wenn sie Pirelli vor dem Rennen als empfehlenswerte Taktik gepriesen hat. Pierre Gasly, Yuki Tsunoda, Sebastian Vettel und Lance Stroll mussten nach dem Start auf den weichen Reifen schon früh an die Box. Tsunoda in Runde 12 als erster, Vettel in Runde 17 als Letzter.

Nach dem Wechsel auf harte Reifen traf sich das Quartett auf den Plätzen 14, 16, 17 und 18 wieder. Das Feld war in der frühen Phase des Rennens einfach noch zu eng zusammen. Den vier Soft-Startern blieb nichts anderes übrig als darauf zu warten, dass der Rest an die Boxen kam. Dann durften sie kurz wieder auf Punkte hoffen, die sie aber nur bekommen hätten, wenn ihnen das Schicksal ein Safety-Car zugespielt hätte.

Nur Gasly schaffte noch den Sprung in die Punkteränge. Der Schlüssel war, dass der Franzose im zweiten Stint vier Autos überholte und Tempo machen konnte, als Fernando Alonso und Kimi Räikkönen ihre Reifenwechsel abwickelten. Er hatte als einziger den Speed, mit den Einstoppern mitzuhalten.

Gaslys Leidensgenossen steckten dazu noch im Verkehr fest. Und Tsunoda kassierte noch zwei Strafen für das Kreuzen der weißen Linie an der Boxeneinfahrt. Der Japaner war der Meinung, das sei erlaubt, weil er im Freitagstraining dafür nur verwarnt worden war.

Gasly profitierte auch von einem unglücklichen Wochenende für Alonso. Der Spanier hätte sich nach eigener Aussage in den Top 5 qualifizieren können, die er sich aber auch mit Soft-Reifen erkauft hätte. Da er wegen der Behinderung durch Vettel im Q2 rausflog, hatte er freie Reifenwahl. Vor der ersten Kurve war der Alpine-Pilot schon an Leclerc und Ricciardo vorbei.

"Beide haben die erste Kurve nicht geschafft und sind in die Auslaufzone. Als sie wieder auf die Strecke zurückkehrten, lagen sie 50 Meter vor mir und ich war eingeklemmt und habe weitere Plätze verloren", beschwerte sich Alonso. Noch schlimmer für ihn war, dass er 32 Runden lang hinter Kimi Räikkönen festhing. Hätte er die erste Runde vor Leclerc beendet, hätte er um Platz sechs kämpfen können.

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