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Daniel Ricciardo & Gerard Butler - GP USA 2016
Lewis Hamilton - GP USA 2016
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Taktik-Check GP USA 2016

Red Bull-Doppelfehler kostet Platz 2

Die Doppel-Strategie von Red Bull sollte Mercedes in die Falle locken. Doch Max Verstappens Fehler machte Mercedes das Leben leicht. Verstappen kostete Teamkollege Daniel Ricciardo im doppelten Sinn den zweiten Platz.

Der GP USA war taktisch kein eindeutiges Rennen. Dazu bauten die Mischungen Supersoft und Soft zu stark ab. Und dazu musste man mit dem Medium 3 harte Runden am Anfang überstehen, um dann davon zu profitieren. Was ihn als Reifentyp für einen Undercut praktisch ausschloss. Die 18 Fahrer im Ziel kamen mit 9 unterschiedlichen Strategien an. Fünf davon allein führten zu WM-Punkten.

Soft-medium-medium als popolärste Taktik

Am populärsten war die Taktik des zweitplatzierten Nico Rosberg: Soft-medium-medium. Auch die beiden McLaren-Fahrer Fernando Alonso und Jenson Button, Sergio Perez und Pascal Wehrlein griffen auf sie zurück. Vier von ihnen landeten in den Punkten. Hamiltons Strategie mit Soft-soft-medium wurde nur von Landsmann Jolyon Palmer geteilt. Sie funktionierte an der Spitze, nicht aber im Mittelfeld. Palmer kam an Teamkollege Kevin Magnussen nicht vorbei. Der Däne war mit 3 Stopps besser bedient.

Vorne funktionierten 3 Stopps so wenig wie einer. Sebastian Vettel kam zwar als Vierter ins Ziel, doch sein dritter Stopp in der 53. Runde wäre nicht nötig gewesen. Er half ihm nur die schnellste Rennrunde zu fahren. Kosmetik für die wieder einmal geschlagene Ferrari-Truppe. Auch Räikkönens dritter Stopp hätte nichts gebracht. Die Ferrari-Piloten konnten sich den extra Reifenwechsel leisten, weil die Lücke nach hinten genügend groß war. Aber er barg auch das Risiko einer Panne. Was Räikkönen bitter bezahlte.

Verstappens früher Stopp überrascht Mercedes

Viel interessanter waren die taktischen Spielchen an der Spitze. Red Bull nahm Mercedes mit einer Doppelstrategie in die Zange. Daniel Ricciardo startete auf Supersoft, Max Verstappen wie die Mercedes-Piloten auf Soft. Als sich Ricciardo am Start zwischen die beiden Silberpfeile zwängte, war nicht nur Hamiltons Sieg besiegelt, da wurde auch die Lage am Mercedes-Kommandostand ernst.

Hamilton und Rosberg hatten jeweils einen Red Bull im Genick, der durch einen Undercut jederzeit Position gewinnen konnte. Und die Ferrari lagen näher am Spitzenquartett als erwartet. Da zahlte sich die Wahl des Soft-Reifens für den Start aus. „Er brachte ab der siebten Runde Vorteile gegenüber dem Supersoft“, analysierten die Mercedes-Strategen. „Lewis hat genau da begonnen, die Lücke zu Ricciardo zu öffnen. Der Soft-Reifen zwingt dich nicht, früh reinzukommen. Deshalb hast du die Wahl: Undercut oder draußenbleiben.“

Mercedes rechnete damit, dass Ricciardo die Serie der ersten Boxenstopps eröffnen würde. Es passierte in Runde 8. Die Taktiker im silbernen Lager wurden aber überrascht, dass Verstappen trotz seiner Soft-Reifen seinem Teamkollegen nur eine Runde später folgte. „Wir mussten mit Nico darauf reagieren, um seinen dritten Platz zu sichern. Der frühe Boxenstopp der Red Bull hatte aber auch einen Vorteil für uns. Wir konnten auf ihre Reifenwahl reagieren. Sie sind beide aggressiv auf Soft-Reifen gegangen. Deshalb haben wir den Medium-Reifen genommen, um aus dem Undercut-Dilemma zu kommen.“

Der Medium-Reifen brauchte 3 Runden, um auf Betriebstemperatur zu kommen, er war aber nach 9 Runden schneller als die Mischung Soft. „Man konnte das gut daran sehen wie die Lücke zwischen Ricciardo und Nico zuerst aufging und sich dann wieder schloss.“ Verstappen ging den zweiten Stint wieder einmal zu wild an und büßte nach 10 Runden auf dem zweiten Satz dafür. Der Abstand zu Rosberg öffnete sich innerhalb von 6 Runden von 8 Zehntel auf 3,7 Sekunden. Ricciardo machte es umgekehrt, ging den zweiten Stint sachte an, stellte aber sicher, dass Rosberg nie ins DRS-Fenster kam.

Der Medium gab Mercedes für Rosberg wieder zwei taktische Optionen. Noch einmal Medium oder einen Soft-Reifen am Ende des Rennens, um dann Ricciardo auf der Strecke zu schlagen. „Es war klar, dass er zum letzten Stopp früh reinkommen musste. Wir wussten aber auch: Wenn Verstappen auch früh stoppt, hätte er uns zu einem Konter zwingen können, bei dem wir wegen der langen Restdistanz einen Medium hätten nehmen müssen.“

Rosberg hätte ein Speed-Delta von 1,5 Sekunden gehabt

Drei Dinge machten Mercedes das Leben leicht. Verstappen kam unangemeldet an die Box. „Damit konnte ihn Red Bull als taktische Waffe gegen uns nicht mehr einsetzen.“ Ricciardo wechselte schon in Runde 25 auf den Medium-Reifen. Nach Ansicht von Mercedes zu früh.

Red Bull-Teamchef Christian Horner glaubte zwar, dass Ricciardo das Duell um Platz 2 ohne die VSC-Phase gewonnen hätte, doch die Mercedes-Strategen widersprechen: „Ricciardo bekam mit 31 Runden auf einem Satz Reifen am Ende Probleme. Rosberg wäre ohne den geschenkten Stopp in der VSC-Phase 4 Sekunden hinter Ricciardo mit einem frischen Satz Soft-Reifen rausgekommen und hätte am Ende ein Speed-Delta von 1,5 Sekunden gehabt. Er hätte Ricciardo easy überholt.“

Als Ricciardo schon in der 25. Runde seinen letzten Reifenwechsel abwickelte, verwarf Mercedes die Idee eines Undercuts. „Er hätte für uns nur Sinn gemacht, wenn wir bis zu einer Runde gekommen wären, bei der der letzte Stint nicht so lange ausgefallen wäre. In dem Fall war es besser zu warten. Die Historie zeigt, dass die Safety-Car-Wahrscheinlichkeit in Austin mit 4 Einsätzen von 5 Rennen sehr hoch ist.“

Und prompt passierte es. Der Stopp in der Neutralisation schenkte Hamilton und Rosberg 8 Sekunden. Somit spuckte Verstappen seinem Teamkollegen gleich zwei Mal in die Suppe. Der unangemeldete Boxenstopp erlaubte es Mercedes, Rosberg im zweiten Stint bis zur geplanten Zielrunde warten zu lassen. Das Druckmittel von hinten war weg.

Und Verstappen löste auch noch mit seinem Ausfall die VSC-Phase aus. Selbst im Red Bull-Lager war man hinterher der Meinung, Verstappen hätte sein Auto ein bisschen früher und strategisch besser parken können. Auch wenn es nicht geholfen hat, dass die Ingenieure zu lange darüber diskutierten, ob sie ihren Fahrer noch zurück an die Boxen bringen sollten.

Im Fahrerlager wurde heiß debattiert, ob Verstappen tatsächlich wegen eines Missverständnisses an die Boxen gekommen ist, oder aus eigenem Antrieb. Weil er glaubte, seine Chancen gegen Ricciardo steigen, wenn er sofort nach ihm den letzten Reifenwechsel vollzieht. In dem Fall hätte er seine eigene Taktik gemacht, seinem Teamkollegen einen zweiten Platz gestohlen und sich selbst noch hinter die Ferrari gebracht.

Vettels Ausweich-Taktik hätte Podium bringen können

Red Bull reagierte auf den unangemeldeten Boxenstopp erstaunlich schnell. Er dauerte nur 13 Sekunden länger als geplant. Die Panne von Monte Carlo hatte zur Folge, dass Red Bull sich besser für Notfall-Szenarien präparierte.

Auch Mercedes wäre für so einen Fall gerüstet, wie die Ingenieure erklären: „Für uns wäre so ein Fall noch schlimmer, weil wir die erste Box und deshalb die kürzeste Reaktionszeit haben. Wir hätten nur 7 Sekunden Zeit gehabt, sobald der Fahrer die Boxeneinfahrt passiert. Red Bull hatte 4 Sekunden mehr. Wir haben für diese Fälle pro Fahrer einen Not-Satz Reifen bereitliegen, der dann ans Auto kommt. Auch wenn du super schnell reagierst, verlierst du 12 Sekunden.“

Mercedes sichert sich gegen eigenmächtige Aktionen der Fahrer ab, indem man ihnen einbläut, dass sie sich dabei selbst schaden. „Unsere Fahrer sind genau instruiert: Wer auch immer versucht, eigenmächtig an die Box zu kommen, verliert das Rennen. So verhindern wir, dass sie die Taktik bestimmen und nicht wir.“

Ferrari spielte im Kampf um die Podiumsplätze keine Rolle, war aber nicht so chancenlos wie es das Resultat ausweist. Sebastian Vettel wurde bewusst auf eine Offset-Strategie gesetzt. Der neue WM-Vierte legte seine Supersoft-Reifen erst nach 14 Runden ab. Die Absicht dahinter leuchtet ein. Wegen des starken Reifenabbaus bot es sich an, eine alternative Boxenstopp-Sequenz zu erzwingen. Und dann darauf hoffen, dass ein Safety-Car oder eine VSC-Phase kommt.

Vettel hatte nichts zu verlieren, weil die Lücke nach hinten groß genug war. Ferrari wollte den Offset so groß wie möglich gestalten, weil sie wussten, dass sich vorne alle wegen der Undercut-Gefahr in frühe Boxenstopps hetzen. „Wenn für Vettel alles gepasst hätte, wäre er vor Ricciardo gelandet“, glauben die Mercedes-Experten.

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