Drei oder vier Motoren pro Saison

Was ist die beste Motor-Taktik?

Marcus Ericsson - Sauber - F1-Test - Barcelona - Tag 5 - 6. März 2018 Foto: Stefan Baldauf 33 Bilder

Das Reglement schreibt in diesem Jahr nur noch drei Motoren, Turbolader und MGU-H pro Fahrer vor. Doch das ist keine Pflicht. Einige Teams könnten von Beginn an mit vier Motoren und einer Strafe kalkulieren.

Für die Motoreningenieure war es eine Titanenaufgabe. Das Reglement schreibt eine weitere Reduzierung der Motorkomponenten pro Fahrer vor. Je drei Verbrennungsmotoren, Turbolader und MGU-H, je zwei MGU-K, Batterien und Steuergeräte pro Fahrer. Wer das einhalten will, muss die Laufleistung um mindestens 30 Prozent steigern.

Renault rechnet pro Einheit mit 7.000 Kilometern Lebensdauer, Mercedes sogar mit 8.000 Kilometern. „Das Ziel war es, mit dem Motor nicht größer und schwerer zu werden und keine Leistung zu verlieren“, umschreibt Mercedes-Motorenchef Andy Cowell die Aufgabenstellung.

In Theorie muss eine Motor-Einheit sieben GP-Wochenenden halten, die Batterie und MGU-K idealerweise sogar bis zur Sommerpause. Mittlerweile halten die meisten Teams und Hersteller die Motorendiät für eine Schnapsidee, weil sie den Autokonzernen nicht Geld spart, sondern kostet. Jede Motormodifikation muss jetzt über mindestens 7.000 Kilometer am Prüfstand getestet werden.

Bei der Suche nach den Schuldigen will es natürlich keiner gewesen sein. Die Beteiligten schieben den Ball hin und her. Im Verdacht steht Mercedes, weil der Klassenbeste naturgemäß am meisten von einer Verschärfung der Regeln profitiert. Mercedes-Teamchef Toto Wolff wehrt sich: „Diese Regel ist geboren worden, weil man die Motorkosten für die Kundenteams senken wollte. Sie zahlen jetzt für einen Motor weniger. Uns kostet es mehr Geld.“

Nur ein Motor-Upgrade mit drei Einheiten

Stoffel Vandoorne - McLaren - Formel 1 Test - Barcelona - Tag 4 - 1. März 2018 Foto: ams
Wer kommt mit nur drei Motoren über die Runden?

Der Schuss, die Antriebseinheiten zu rationieren, könnte nach hinten losgehen. Experten erwarten eine Flut von Strafen. Schon 2017 gab es zum Ärger der Fans in Summe über 800 Strafversetzungen in der Startaufstellung . Nur Mercedes blieb im Kontingent von vier Motoreinheiten. Ferrari musste einen Ersatzmotor auspacken. Renault und Honda haben die doppelte Menge und mehr verbraucht.

Da ist die Frage erlaubt: Wie sollen sie nur ein Jahr später eine noch viel höhere Hürde schaffen? Muss deshalb die Maximalleistung innerhalb des Lebenszyklus noch weiter portioniert werden? „Jetzt dauert es länger zu demonstrieren, ob eine neue Entwicklung das hält, was sie verspricht. Weil die Lebensdauer länger ist. Das bremst die Entwicklung“, erklärt Renault-Sportchef Cyril Abiteboul.

Es gibt laut Abiteboul noch ein zweites Problem: „Du musst mit zwei Motoren pro Auto nach Melbourne kommen, um den Notfall abzusichern. Damit bleibt die nur noch eine Ausbaustufe. Das heißt, dass wir zwei Drittel unserer Motoren schon für das erste Rennen bauen müssen. Die Balance zwischen Zuverlässigkeit und Weiterentwicklung für mehr Power ist unheimlich schwer zu finden.“ Schlecht für die Hersteller, die Probleme lösen oder ein PS-Defizit wettmachen müssen.

Klarheit erst nach der Sommerpause

Bei den Teams wird deshalb schon eifrig diskutiert, ob es über die gesamte Saison nicht besser wäre, die Drei-Motoren-Regel zu vergessen und von vornherein mit vier oder fünf Einheiten zu planen.

„Wenn du die Strafen strategisch gut planst, dann verlierst du nicht einmal so viel. Wir sind in Monza letztes Jahr von hinten gestartet und Vierter geworden. Wäre Verstappen nicht mit Massa kollidiert, wären wir aufs Podium gefahren“, erinnert Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko.

Toro Rosso STR13 - Screenshot - Honda-Motor Soundcheck-Video - 2018 Mercedes, Ferrari, Honda & Renault So klingen die 2018er F1-Motoren

Sein Technikchef Adrian Newey wird noch deutlicher: „Wenn du ein Racer bist, dann planst du mit vier Motoren. Weil die Vorteile in Summe größer sind als die Nachteile. Dau fährst länger mit maximaler Power, und du hast mehr Entwicklungsspielraum.“ Dann fügt das Superhirn seufzend hinzu: „Aber Automobilhersteller ticken anders. Für sie geht es ums Image. Sie wollen sich nicht nachsagen lassen, dass sie es mit drei Motoren nicht schaffen.“

Mercedes-Motorenpapst Andy Cowell hält nichts davon, mit vier Motoren zu pokern. Aus sportlichen Gründen, wie er sagt: „Eine Motorenstrafe bedeutet, dass du ein Rennen verlierst. Das kann dich den WM-Titel kosten.“ Auch Ferrari legt seine Saison auf drei Triebwerke aus.

Renault überlegt noch

Renault sah die Beschränkung auf drei Antriebseinheiten zunächst auch als alternativlos an. Nach der peinlichen Defektserie im letzten Jahr wollte man kein zweites Mal Hohn und Spott ernten. Inzwischen weicht Abiteboul die guten Vorsätze schon wieder auf. Man werde je nach Situation entscheiden.

McLaren-Teamchef Eric Boullier kündigte bereits an: „Wir machen immer, was die beste Lösung für uns ist. Erst einmal müssen wir herausfinden, wo wir mit den Motoren stehen. Dann entscheiden wir. Die Frage ob drei oder vier Motoren steht auf jeden Fall zur Debatte.“

Wer mit vier Motoren plant, muss seine Saison von Anfang an darauf auslegen. Mitten drin umdisponieren bedeutet, bis dahin mit den Nachteilen zu leben. Die Mercedes-Strategen glauben, dass man die Wahrheit über die Taktik der einzelnen Hersteller wahrscheinlich erst nach der Sommerpause erfährt.

„Am Anfang wird jeder versuchen, mit der ersten Antriebseinheit bis zum GP Kanada zu überleben. Das sind zwar schon sieben Rennen, aber machbar, weil Barcelona und Monte Carlo für den Motor einfache Aufgaben sind. Erst wenn der dritte Motor zum Einsatz kommt, ergibt sich vielleicht ein Anhaltspunkt.“

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