Taktikcheck GP Belgien 2018

Vettel 31 Mal schneller als Hamilton

Sebastian Vettel - Formel 1 - GP Belgien 2018 Foto: xpb 21 Bilder

Taktisch war der GP Belgien ein Fall für Anfänger. Start auf Supersoft, Wechsel auf Soft. Acht Fahrer aus den Top Ten kamen so ins Ziel. Nur ein Fahrer hat von einem Undercut profitiert. Carlos Sainz trickste so die Williams-Piloten aus.

Den Strategen bescherte der GP Belgien einen geruhsamen Nachmittag. Die Fahrer mussten es diesmal auf der Strecke selbst richten. Der Kommandostand konnte ihnen nicht helfen. Die 44 Runden von Spa waren ein klassisches Einstopp-Rennen. Geringer Verschleiß und niedriger Gripverlust machten zwei Stopps obsolet. Nur zwei Fahrer stoppten zwei Mal. Valtteri Bottas notgedrungen, weil er sich beim Stau vor La Source den Frontflügel zerdepperte. Bei Stoffel Vandoorne war es mehr eine Verzweiflungstat, in der Hoffnung, dass gegen den Strom zu schwimmen sich auszahlt.

Alle anderen hielten sich an die Hausfrauen-Taktik. Ein Mal stoppen zwischen den Runden 21 und 31. Acht Fahrer aus den Top Ten setzten auf die Reifenfolge Supersoft-Soft. Bottas eigentlich auch, denn der auf Soft gestartete Finne bekam bei seinem Notstopp in der 2. Runde Supersoft-Reifen mit, die er später wieder gegen Soft-Gummis tauschte. So war Marcus Ericsson der einzige im Feld, der mit der Strategie Soft-Supersoft WM-Punkte holte. Carlos Sainz auf Platz 11 verfuhr noch extremer. Start auf Medium, Finale auf Supersoft.

Hamilton mit Blasen auf Hinterreifen

Sainz war noch aus einem anderen Grund erwähnenswert. Nur der Spanier gewann einen Platz durch gutes Timing des Boxenstopps. Sainz stoppte eine Runde vor Lance Stroll und zwei vor Sergey Sirotkin. Der Undercut brachte knapp zwei Sekunden. Stroll überholte der Renault-Pilot direkt dank Taktik. Im Vergleich zu Sirotkin brachte der zwei Runden frühere Stopp 2,7 Sekunden. Den Positionswechsel erledigte Sainz kurz darauf auf der Strecke. Es war einer von 25 Überholvorgängen.

Im Duell zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton bestimmte der Speed auf der Strecke den Ausgang. Sebastian Vettel war in vergleichbaren Runden 31 Mal schneller als Hamilton. Umgekehrt gingen nur 7 Runden an den Mercedes-Piloten. Zu allem Überfluss ging der Ferrari auch noch schonender mit seinen Reifen um. Bei Hamilton begannen sich nach der 16 Runden links hinten Blasen zu bilden. Eine Folge von den Traktionsproblemen, hauptsächlich aus La Source heraus.

Fotos GP Belgien (Rennen)
Alonso spielt Abrissbirne

Als die zunächst leicht schrumpfenden Abstände plötzlich wieder anstiegen, holten die Mercedes-Strategen ihren Star-Piloten an die Box. Ferrari reagierte eine Runde später mit Vettel. Der Vorsprung schrumpfte von 3,2 auf 1,9 Sekunden. Doch kaum gab Vettel ernsthaft Gas, ging die Lücke schnell wieder auf fünf Sekunden auf. Im zweiten Abschnitt hielt der WM-Spitzenreiter nicht mehr lange dagegen. „Nach etwa 15 Runden hat Lewis zurückgesteckt. Da konnte ich auch ein bisschen relaxen“, erzählte Vettel. Am Ende hatte der WM-Zweite 11 Sekunden Vorsprung.

Die Mercedes-Ingenieure glauben, dass bei einem Zweikampf bis zum Ende ein Delta von etwa vier Sekunden herausgekommen wäre. Wahrscheinlich ein bisschen optimistisch, da auch Vettel zurücksteckte. „Wenn Seb ernst gemacht hat, ist er mir eine Sekunde pro Runde davongefahren“, jammerte Hamilton.

Valtteri Bottas wiederholte fast das Kunststück von Hamilton aus dem Jahr 2016. Der Finne fuhr aus der vorletzten Reihe auf Rang 4. Vor dem Rennen hatte er von einem Podium geträumt. Da tat er sich mit seiner Kollision mit Sirotkin beim Start keinen Gefallen. Der Boxenstopp warf Bottas erneut nach hinten, und er verlangte Plan B. Das Team gab ihm Supersoft-Reifen auf die Reise mit, um schnell Boden gutzumachen. Bottas trug mit 11 Überholmanövern den Löwenanteil zur Show mit bei.

Sebastian Vettel - GP Belgien 2018 Mercedes droht WM zu verlieren Ferrari mit Tricks zum Sieg

Die Fahrt durch das Feld verlief nicht kontinuierlich. Zwischen den Runden 12 und 17 und den Runden 18 und 22 nahm sich der WM-Vierte jeweils eine kleine Auszeit. „Valtteri musste die Reifen managen“, erklärten die Ingenieure. Überholen war auch in einem überlegenen Auto kein Selbstläufer. „Selbst gegen Autos, die zwei Sekunden langsamer waren. Deshalb ist Valtteri ein tolles Rennen gefahren“, attestierte Teamchef Toto Wolff. Auf Soft-Reifen drehte Bottas erst so richtig auf und drehte am Ende die schnellste Runde.

Was natürlich auch daran lag, dass aus dem Rest des Rennens die Luft raus war. Vettel und Hamilton haben sich nicht mehr weh getan. Max Verstappen hatte 20,3 Sekunden Rückstand auf Hamilton und 32,2 Sekunden Luft auf Bottas. „Den hätten wir nur noch mit einem SafetyCar gekriegt, aber in diesem Fall hätte Red Bull genug Zeit gehabt, noch einmal auf frische Reifen zu gehen“, hieß es aus dem Mercedes-Lager.

Force India blickt nur auf HaasF1

Force India musste einsehen, dass nicht nur Bottas, sondern auch Verstappen zu stark war. „Keine Chance, sie hinter uns zu halten. Wir haben uns auf die Gegner konzentriert, die wir im Hinblick auf den Konstrukteurs-Pokal schlagen müssen“, resümierte Otmar Szafnauer.

Sergio Perez und Esteban Ocon richteten ihr Rennen an den HaasF1 aus. „Als Grosjean reinkam, haben wir mit Ocon reagiert. Es war keine Eile, weil wir 5 Sekunden Vorsprung hatten. Mit Checo haben wir eine weitere Runde gewartet, um nicht hinter Gasly auf die Strecke zu kommen“, erklärte Szafnauer.

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