Sebastian Vettel - Ferrari - GP Mexiko 2017 - Rennen Wilhelm
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Mexiko 2017 - Rennen
Start - GP Mexiko 2017 - Rennen
Vettel - Verstappen - Hamilton - GP Mexiko 2017 - Rennen
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Taktikcheck GP Mexiko 2017

Vettel gewinnt nach Überholmanövern

Wieder ein Einstopprennen, doch diesmal mit einem extra Spannungsfaktor. Sebastian Vettel und Lewis Hamilton waren im Abstand von 25 Sekunden zu einer Aufholjagd gezwungen, die vom Überholproblem und einer VSC-Phase mitentschieden wurde. Vettel überholte 10, Hamilton 9 Autos.

Über den Sieger gab es keinen Zweifel. Max Verstappen dominierte vom Start bis zur Zielflagge. Er fuhr das perfekte Rennen. 32 Runden auf Ultrasoft-Reifen, 39 Runden auf den Supersoft-Sohlen. Hätten ihn nicht Sorgen um die Standfestigkeit seines Renault-Motors und den linken Vorderreifen zurückgehalten, wäre der Vorsprung zu Valtteri Bottas doppelt so hoch ausgefallen. Red Bull fror ihn bei 20 Sekunden ein, genau der Zeitspanne, um sich einen Sicherheitsstopp erlauben zu können. Der Speed-Vorteil des Siegers war so groß, dass er sich den Zeitpunkt des Boxenstopps aussuchen konnte. Verstappen nahm ihn idealerweise in einer VSC-Phase.

Der Holländer hätte auch gewonnen, wenn er das Startduell gegen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton nicht für sich entschieden hätte. Es hätte nur ein wenig länger gedauert, bis er an der Spitze aufgetaucht wäre. Die Red Bull waren in Mexiko dreieinhalb Zehntel schneller als Ferrari und eine halbe Sekunde als Mercedes. Daniel Ricciardo wäre ohne den MGU-H Schaden auch auf das Podium gefahren. Der Australier hatte ohne Mühe bereits den Williams von Lance Stroll überholt. Was zeigt, dass sich Red Bull auch mit dem Überholen leichter tat als die Konkurrenz.

Der GP Mexiko war ein weiteres Einstopprennen. Wahrscheinlich hätten alle Fahrer nur ein Mal die Reifen gewechselt, hätten einige von ihnen nicht die Umstände zu einer Programmänderung gezwungen. Sebastian Vettel und Lewis Hamilton standen nach ihrer Kollision schon nach einer Runde an der Box. Die VSC-Phase gab ihnen die Gelegenheit, ihre Soft-Reifen gegen Ultrasoft und Supersoft einzutauschen. „Der Soft war an diesem Tag zu langsam“, urteilten die Strategen. Sergio Perez holte sich einen zweiten Satz Ultrasoft ab, weil die Lücke nach hinten zu Kevin Magnussen groß genug war. Es gab nichts zu verlieren. Und es war die einzige Chance, Lance Stroll im Kampf um Platz 6 mit den frischeren und weicheren Reifen vielleicht doch noch zu schlagen. Es gelang nicht. Perez fehlten im Ziel 2,9 Sekunden.

Aufholjagd begann mit einer Differenz von 24,9 Sekunden

Das Herzstück des Rennens waren die Aufholjagden von Vettel und Hamilton. Sie begannen in Runde 2 mit einer Differenz von 24,9 Sekunden. Vettel verbrachte zwar 2,8 Sekunden mehr in der Boxengasse, aber er kam vom Unfallort schneller zurück an die Boxen. Bei ihm war nur die linke Seite des Frontflügels kaputt. Hamilton humpelte mit einem Plattfuß rechts hinten um die erste Runde. Beide Teams gaben ihren Fahrern Soft-Reifen und neue Nasen mit auf die Reise. Zunächst mit dem Ziel, bis zum Ende zu fahren. „Leider kamen wir nicht schnell genug nach vorne und hingen zu lange im Verkehr fest. Es machte keinen Sinn, freiwillig einen zweiten Stopp einzulegen, weil es zu früh gewesen wäre, um am Ende des Rennens gute Reifen zu haben. Wir haben deshalb auf ein Safety Car oder eine VSC-Phase gewartet“, erklärten die Mercedes-Ingenieure.

Vettel kam schneller durch den Verkehr. Weil er günstiger im Feld lag, und weil sein Auto weniger empfindlich in den Turbulenzen ist als der Mercedes. Er lief in Runde 8 auf Felipe Massa auf. Hamilton erreichte in Runde 15 das Ende des Feldes, das zu dem Zeitpunkt aus Carlos Sainz und Pascal Wehrlein bestand. Vier Runden vorher hatte Vettel die Straßensperre Massa schon mit der Brechstange geknackt und stand jetzt hinter Pierre Gasly an. Bis zu diesem Zeitpunkte konnte Hamilton 9,1 Sekunden auf Vettel gutmachen. Doch dann musste auch er anfangen zu überholen. Und da ging die Schere innerhalb von fünf Runden wieder um 3,8 Sekunden auf. „Lewis hatte mit Sainz den härteren Brocken vor sich. Der war schnell genug, um vor Lewis zu bleiben, und er hatte den DRS-Effekt von Wehrlein. Da haben wir massiv Zeit verloren. Hätten wir das geahnt, wären wir wahrscheinlich auf eine aggressive Zweistopp-Strategie gegangen und hätten Lewis für den zweiten Stint einen Ultrasoft-Reifen gegeben, um später noch einmal zu wechseln.“

Tatsächlich brauchte Hamilton bis zur 29. Runde, bis er das Duo Sainz/Wehrlein geknackt hatte. Da war er bereits überrundet. Vettel steckte gerade hinter Fernando Alonso fest, der aber schneller unterwegs war als Wehrlein und Sainz. Das durch den Ausfall von Brendon Hartley ausgelöste virtuelle Safety Car löste einen Massenansturm auf die Boxen aus. Gegenüber einem Boxenstopp unter Renntempo schenkte die VSC-Phase den Fahrern 6 Sekunden. Zehn Einstopper nutzten das Geschenk, dazu noch Vettel und Hamilton.

Rückstand zu Verstappen

Runde Vettel Hamilton Differenz Vettel-Hamilton
2 35,172 s 59,095 s 23,923 s
10 45,542 s 65,353 s 19,811 s
15 55,567 s 70,367 s 14,800 s
20 61,862 s 80,450 s 18,588 s

Vettel egalisiert Verstappen-Zeiten

Jetzt machte sich bezahlt, dass Ferrari sich einen frischen Satz Ultrasoft aufgehoben hatte. Mercedes konnte wählen zwischen einer gebrauchten Ultrasoft-Garnitur und einem frischen Satz Supersoft. Erklärung von Mercedes: „Wir haben uns für den Supersoft entschieden, aber zwischen den Reifen war wirklich nicht viel Unterschied. Außerdem lag der Satz Supersoft schon bereit. Deshalb kam er drauf.“ Nach den Boxenstopps lag Vettel 71,623 Sekunden hinter Verstappen. Im Ziel waren es 70,078 Sekunden. Daraus zu schließen, Vettel hätte Verstappens Tempo fahren können, wäre vermessen. Verstappen fuhr an der Spitze so schnell wie möglich langsam. Vettel hatte die weicheren Reifen, allerdings auch mehr Verkehr. Eine Momentaufnahme aus Runde 38, als alle Spitzenfahrer einigermaßen freie Fahrt hatten:

GP Mexiko 2017: Rundenzeiten

  Rundenzeit Reifen
Verstappen 1.20,278 supersoft neu
Bottas 1.20,719 supersoft neu
Räikkönen 1.21,234 soft neu
Vettel 1.19,792 ultrasoft neu
Hamilton 1.20,17 supersoft neu

Insgesamt überholte Vettel auf der Strecke 10 Kontrahenten: Massa, Gasly, Grosjean, Hartley und Vandoorne vor seinem zweiten Stopp. Alonso, Magnussen, Perez, Stroll und Ocon danach. Für Hamilton lief es nicht so rund. Er traf nach seinem Reifenwechsel auf Grosjean und erneut auf Wehrlein. Der neue Weltmeister kämpfte sich auf seinem Weg zu Platz 9 an 9 Gegnern vorbei. An Sainz und Wehrlein vor dem Boxenstopp, an Grosjean, Wehrlein, Gasly, Ericsson, Vandoorne, Massa und Alonso in der zweiten Rennhälfte. Der Zweikampf mit Alonso war einer der Höhepunkte des Rennens. Er kostete Hamilton Platz 8, war aber auch ein taktisches Meisterstück, weil von langer Hand vorbereitet. Lassen wir die Mercedes-Strategen erzählen: „Wir mussten warten, bis wir seinen DRS-Effekt hinter Magnussen gebrochen hatten. Dann war er schutzlos. In den letzten Runden kamen wir nicht mehr in Magnussens DRS-Fenster. Uns fehlte nur ein Zehntel.“

Warum war das Überholen so schwer in Mexiko?

Hamilton brauchte acht Runden und fünf Kurven, bis er Alonso endlich geknackt hatte. Trotz eines Topspeed-Vorteils von 361,5 km/h zu 348,0 km/h. Doch das spielt beim Überholen auf der 1,2 Kilometer langen Zielgeraden nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist das nötige Zeit-Delta, um ein Überholmanöver mit Aussicht auf Erfolg vorzubereiten. Das liegt im Autodromo Hermanos Rodriguez bei 1,2 Sekunden. In Austin waren es noch 0,7 Sekunden. Weil Alonso nicht um so viel langsamer war, musste es Hamilton in den langsameren Kurvenpassagen versuchen. In Kurve 5 war das Manöver, das in Kurve 1 begann, endgültig abgeschlossen.

Schuld am Überholproblem sind die Höhenlage und das Streckenlayout, wie die Ingenieure erklären: „Es ist sehr schwer, anderen Autos durch die letzte Kurve zu folgen. Sie beginnt langsam, ist ab Kurvenmitte aber eine Highspeed-Kurve. Bis zur DRS-Linie verlierst du drei Zehntel, und danach ist die DRS-Zone zu kurz. Dazu kommt, dass in der dünnen Luft der DRS-Effekt geringer ist, weil der Luftwiderstand generell kleiner ausfällt. Und du musst auf die Bremsen und die Motortemperatur aufpassen. Nach ein, zwei Versuchen, musst du aus dem Windschatten raus, um Motor und Bremsen zu kühlen.“ Hamilton schlägt deshalb vor: „Für dieses Rennen brauchen wir weichere Reifen und noch größere Flügel, um das Überholen einfacher zu machen.“

Force India stoppt unter Renntempo

Im Mittelfeld hatte die VSC-Phase einen geringeren Effekt als gedacht. Force India hatte seine Fahrer schon in den Runden 18 (Perez) und 20 (Ocon) aus Angst vor einem Undercut an die Boxen gerufen. Womöglich ein Fehler, denn in Mexiko war der Overcut die stärkere Waffe. Also der spätere Boxenstopp. Auch Sauber-Pilot Marcus Ericsson kam vor der VSC-Phase. Sie wurden um 6 Sekunden bestraft. Man könnte argumentieren, das Warten von Ferrari bis zum richtigen Zeitpunkt hat Kimi Räikkönen an Esteban Ocon vorbeigebracht, doch das ist müßig, findet Force India-Teammanager Andy Stevenson: „Räikkönen hätten wir so oder so nicht gehalten. Er lag vor der VSC-Phase schon über 20 Sekunden vorn.“

Ein bisschen anders sieht es mit Sergio Perez und Lance Stroll aus. „Den Platz an Stroll haben wir hergeschenkt.“ Als die Lücke von Perez auf Kevin Magnussen groß genug war, versuchte Force India Perez mit einem zusätzlichen Stopp und Ultrasoft-Reifen für das große Finale gegen Stroll aufzurüsten. Doch Perez hätte in 21 Runden 25 Sekunden gutmachen müssen. Er schloss die Lücke nur um 22 Sekunden. Das perfekte Timing erwischte wieder einmal HaasF1. Kevin Magnussen kam in dem Augenblick in die Box, als die VSC-Lampe anging. Der Däne behielt seinen 7. Platz und seine 12 Sekunden Vorsprung auf Alonso.

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