Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1 - GP Monaco - 25. Mai 2017 sutton-images.com
Stoffel Vandoorne - Formel 1 - GP Monaco 2017
Sebastian Vettel - Formel 1 - GP Monaco 2017
Marcus Ericsson - Formel 1 - GP Monaco 2017
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Taktikcheck GP Monaco 2017

Räikkönen zu langsam für den Overcut

Hat Ferrari Sebastian Vettel mit der Overcut-Taktik zum Sieger bestimmt? Wahrscheinlich ja. Aber bei Kimi Räikkönen hätte diese Taktik nicht funktioniert. Für einen Overcut war der Finne zu langsam.

Der GP Monaco war ein Einstopp-Rennen. Mit der Hausfrauen-Taktik: Ultrasoft-Supersoft. Nur die beiden Sauber-Piloten gingen mit Supersoft-Reifen an den Start. Die Spannung nährte sich aus der Frage: Wann ist der ideale Zeitpunkt zum Wechsel? Ein Safety Car hätte die Frage beantworten können, doch es kam erst in Runde 60. Viel zu spät, um davon zu profitieren. Bis dahin hatten alle Fahrer längst ihren Boxenstopp abgespult. Lewis Hamilton war in der 46. Runde der letzte.

Die ersten 30 Runden des Rennens verliefen nahezu ereignislos. Die beiden Ferrari waren ihren Verfolgern schon bis auf 7,8 Sekunden enteilt, als sie zu heiße Hinterreifen vorübergehend zu einer langsameren Gangart zwangen. So holten Valtteri Bottas, Max Verstappen und Daniel Ricciardo wieder auf. Bis sie aufgeschlossen hatten, lagen die Reifen der Ferrari wieder im grünen Bereich. In Runde 31 lagen die Top 5 so eng zusammen wie zuletzt in Runde 7. Nur 8,3 Sekunden trennten Spitzenreiter Kimi Räikkönen vom fünftplatzierten Daniel Ricciardo.

Red Bull verlor als erster die Nerven. Max Verstappens Rückstand von nur 1,3 Sekunden auf Valtteri Bottas lud zum Undercut ein. Ein verständlicher Schachzug, auch wenn ihn Verstappen später wütend am Funk kommentierte. Auf der Strecke wäre er nie an Bottas vorbeigekommen. Und dass ein Overcut, also der spätere Boxenstopp die bessere Lösung sein könnte, war zu dem Zeitpunkt nicht abzusehen.

Auch klar, dass Red Bull Verstappen auswählt. Ricciardo war von Bottas viel zu weit weg. „Hätte Daniel mit einem Undercut einen Platz gegen Max gewonnen, hätten wir noch mehr erklären müssen“, wiegelte Teamchef Christian Horner die Kritik von Verstappen ab.

Vettel auf alten Reifen extrem schnell

Verstappens Boxenstopp zog andere nach. Mercedes reagierte mit Bottas, Ferrari mit Räikkönen. Die Gewinner waren am Ende die Fahrer, die länger draußenblieben. Sebastian Vettel machte eine Position gut, Daniel Ricciardo zwei, Lewis Hamilton sogar fünf. Oberflächlich betrachtet war also der Overcut die bessere Strategie.

Stimmt nicht, sagen die Mercedes-Strategen und nehmen damit Ferrari in Schutz. „Das hing vom Fahrer und von der Rennsituation ab. Bei Lewis hat es funktioniert. Er hatte den Speed. Valtteri war für einen Overcut zu langsam. Er konnte mit alten Reifen nicht mehr schneller als 1.17,2 Minuten fahren. Seine Reifen haben schon abgebaut. Ricciardo hat zur gleichen Zeit 1.16,1 Minuten geschafft.“

Das gleiche trifft im Vergleich Räikkönen gegen Vettel zu. „Alles hing davon ab, wer seine Reifen wie gut am Ende des ersten Stints in Schuss hatte. Bei Vettel, Ricciardo und Hamilton waren sie sehr gut, bei Räikkönen und Bottas sehr schlecht.“ Ein Vergleich der letzten fünf Runden vor den Boxenstopps der Ferrari-Piloten auf alten Ultrasoft-Reifen zeigt, dass die Strategie-Experten Recht haben.

Räikkönen vs. Vettel (Monaco 1)

Räikkönen Vettel
1.16,876 min (29) 1.16,592 min (34)
1.17,105 min (30) 1.16,446 min (35)
1.17,074 min (31) 1.16,264 min (36)
1.17,663 min (32) 1.15,587 min (37)
1.17,034 min (33) 1.15,238 min (38)

Vettel ist im Durchschnitt um 1,14 Sekunden schneller, obwohl seine Reifen zu dem Zeitpunkt durchschnittlich um fünf Runden älter sind. Vettel war auch in den vier Runden zwischen den beiden Ferrari-Stopps auf gebrauchten Ultrasoft-Gummis flotter unterwegs als Räikkönen auf frischen Supersoft-Gummis. Um insgesamt 4,1 Sekunden. Knapp zwei Sekunden hat der Finne beim Überrunden von Pascal Wehrlein und Jenson Button in seiner ersten Runde nach dem Boxenstopp verloren.

Hier muss die Frage erlaubt sein, ob es nötig war, Räikkönen schon eine Runde nach Bottas an die Box zu holen. Er hatte virtuell ein Polster von 6 Sekunden auf den Finnen. Nur eine oder zwei Runden mehr, und Räikkönen hätte nach seinem Reifenwechsel wenigstens freie Fahrt gehabt. Doch auch in diesem Fall gibt der direkte Gegner Rückendeckung: „Kimi hat Vettel zu stark aufgehalten. Deshalb haben sie den Fahrer an die Box geholt, der Probleme mit den Reifen hatte. Mit Blickrichtung WM haben sie genau das gemacht, was richtig war.“

Ferrari nicht unglücklich über Platztausch

Es wäre wahrscheinlich nicht zum Platztausch gekommen, wenn Ferrari zuerst Vettel und dann Räikkönen an die Box beordert hätte. Im Zeitvergleich mit frischen Supersoft-Reifen hatte Räikkönen den Speed seines Teamkollegen. Dazu wieder eine Zeitenliste der ersten fünf Supersoft-Runden bei freier Fahrt. Räikkönen gewinnt in Summe knapp mit 1,16 Sekunden. Man kann also durchaus argumentieren: Ferrari war nicht unglücklich darüber, dass Vettel in Führung ging.

Räikkönen vs. Vettel (Monaco 2)

Räikkönen Vettel
1.16,114 min (36) 1.16,190 min (41)
1.16,133 min (37) 1.16,352 min (42)
1.15,606 min (38) 1.16,754 min (43)
1.15,527 min (39) 1.16,387 min (44)
1.17,709 min (40) 1.16,566 min (45)

Das Ferrari-Thema ist also durch. Doch wie steht es mit Ricciardo? Der Australier fuhr auf alten Reifen vier schnellste Rennrunden am Stück, alle innerhalb einer Zehntelsekunde mit 1.16,0 Minuten. Hätte er nicht noch länger mit seinem Boxenstopp warten sollen, umso vielleicht noch an Räikkönen vorbeizukommen? Ein klares Nein. In Runde 37 fuhr Räikkönen erstmals fast gleich schnell wie der Australier. Damit war klar, dass sich der Trend ab der nächsten Runde umkehren würde. Die Lücke zwischen Räikkönen und Ricciardo war mit 14,5 Sekunden noch viel zu klein.

Hamilton verzichtet auf Risiko-Strategie

Kommen wir zu Lewis Hamilton. Für den Mann vom 13. Startplatz gab es zwei Szenarien. Start gegen den Trend auf Supersoft-Reifen und auf ein frühes Safety Car hoffen. Oder das gleiche tun wie die Spitze, auf Ultrasoft losfahren und so lange wie möglich auf der Strecke bleiben. Mercedes hat sich für die zweite Variante entschieden. „Weil sie mehr taktische Optionen offenhielt.“

Die Simulationen ergaben, dass Hamilton höchstens Zehnter geworden wäre, wäre er mit Supersoft-Reifen am Start gegen den Strom geschwommen. „Wir waren uns sicher, dass Lewis bei einem frühen Safety Car nicht der einzige gewesen wäre, der stoppt. Vermutlich hätten das auch einige Fahrer vor ihm getan. Wenn dann einer von denen das Rennen durchfährt, bist du gefangen.“

Den Boxenstopp in Runde 46 diktierte der Reifenverschleiß und auch der Abstand zu Romain Grosjean. Acht Runde lang war Hamilton mit zwei kleinen Ausreißern 1.16er Zeiten gefahren, als die Rundenzeit in der 45. Runde plötzlich auf 1.17,469 Minuten einbrach. Da betrug der Vorsprung auf Grosjean 21.5 Sekunden. „Seine Hinterreifen waren am Ende. Da kannst du auf einen Crash warten. Wenn Lewis draußengeblieben wäre und zwei Sekunden mehr verloren hätte, wäre er hinter Grosjean gelandet. Das war für uns das Signal zum Boxenstopp“, erklärten die Strategen. Die Lücke zu Carlos Sainz war mit 10,3 Sekunden zu klein, um den Spanier mit einem Undercut zu schlagen.

Buttons Pech hieß Wehrlein

Ansonsten war der GP Monaco das übliche überschaubare Rennen. Sergio Perez verlor seinen 7. Platz wegen eines Frontflügelwechsels in Runde 16. Das warf den Mexikaner tief ins Feld auf den 16. Rang. Bis zur Safety Car-Phase hatte sich Perez schon wieder auf den 10. Platz vorgekämpft, als Force India-Strategin Bernie Collins im Feld eine Lücke von über 20 Sekunden erspähte.

Force India machte das, was Red Bull mit Max Verstappen und Williams mit Felipe Massa vorexerziert hatten. Man gab dem Fahrer ohne Platzverlust für die letzten 15 Runden Ultrasoft-Reifen mit. Auch Mercedes überlegte diesen Schritt, zumal Hamiltons Vorsprung auf Grosjean zu diesem Zeitpunkt weiterhin 21,5 Sekunden betrug. Doch den Strategen war die Nummer zu heiß.

Sergio Perez - GP Monaco 2017
xpb
Sergio Perez kollidierte mit Daniil Kvyat.

Die spätere Erfahrung zeigte: Weder Verstappen, noch Massa machten im Finale mit dem Reifenvorteil Plätze gut. Perez hätte es fast geschafft. Er war schon zu drei Viertel an Daniil Kvyat vorbei, als sich der Toro Rosso und der Force India verhakten. „Ich war zwei Sekunden schneller als Daniil. Da musst du angreifen“, verteidigte sich Perez.

Auch Esteban Ocon und Kevin Magnussen waren Opfer der Umstände. Beiden zwangen Reifenschäden einen zusätzlichen Boxenstopp auf. Ocon verlor damit endgültig die Chance auf WM-Punkte. Magnussen schaffte es dank der Kollision zwischen Perez und Kvyat in die Top 10 zurück.

Die größte Risiko-Strategie hatte ebenfalls keinen Erfolg. Jenson Button wechselte schon nach einer Runde auf Supersoft-Reifen. Sein Pech: Der vor ihm liegende Pascal Wehrlein machte das gleiche. Und fuhr dann 57 Runden vor seiner Nase herum. So konnte Button den guten Speed seines McLaren nicht nutzen. Genau dieses Szenario hielt Mercedes davon ab, bei Hamilton auf einen frühen Boxenstopp zu setzen.

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