Sebastian Vettel -  Ferrari - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 2. Juli 2020 xpb
Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 2. Juli 2020
Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 2. Juli 2020
Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 2. Juli 2020
Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 2. Juli 2020 52 Bilder

Team-Check GP Österreich 2020

Stallregie nur, wenn es sinnvoll ist

Wir haben die zehn Teams auf Neuigkeiten abgecheckt und dabei gehört, dass Sebastian Vettel einer Stallregie nur folgt, wenn sie sinnvoll ist, dass Lewis Hamilton weiter gegen Rassismus kämpft und dass George Russell den ersten Pokal des Jahres bekommt.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. In Corona-Zeiten läuft er anders ab als sonst. Das Fahrerlager ist für uns diesmal geschlossen. Die FIA präsentiert uns dafür alle 20 Fahrer am Tag vor dem ersten Training. Wir sehen sie allerdings nur auf dem Bildschirm.

Obwohl im Pressezentrum genug Platz für ein Frage- und Antwortspiel selbst unter den strengsten Corona-Vorschriften wäre, gilt für die Piloten eine Sonderregel. Sie dürfen wirklich nur mit ihren Teammitgliedern in Kontakt kommen.

Und sie mussten auch bei der Pressekonferenz unter Ausschluss der Medien Masken tragen. Ein Corona-Fall unter den Stars des Geschäfts wäre fatal. Auch wenn wir Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Co. nur auf dem Bildschirm sehen, haben wir ihre Antworten für Sie niedergeschrieben.

Mercedes

Ist das ein schlechtes Omen? Gerade als der erste Mercedes die Garage zu Technischen Abnahme verließ, öffnete der Himmel über Spielberg seine Schleusen. So schnell konnten die Mercedes-Mechaniker gar nicht reagieren, rechtzeitig eine schützende Plane über ihr Auto zu werfen. Mercedes tritt mit revidierten Motoren in Spielberg an. Die Ingenieure mussten bei der Lösung der Standfestigkeitsprobleme, die bei den Testfahrten aufgetreten waren, noch einmal nachbessern. Das gilt nicht als neue Spezifikation, weil der erste Saisonmotor nach der Absage von Melbourne nie in den Pool gekommen ist.

Lewis Hamilton nutzte die erste Pressekonferenz des Jahres zu einem politischen Statement. Er mahnte noch einmal an, das Diskriminierungs-Thema nicht nach ein paar wohlgemeinten Gesten wieder zu vergessen. "Ich habe zum Beispiel noch nichts von den anderen Teams gehört."

Die Fahrer, so Hamilton, würden sich vor dem Rennen schon noch auf eine Aktion einigen. Hamilton sieht Minderheiten in der Formel 1 unterrepräsentiert: "Es gibt so viele Jobs hier, aber kaum einer ist mit Menschen aus Minderheiten besetzt. Wenn nur ein Vertreter meiner Hautfarbe im Fahrerlager herumläuft, hat das nichts mit Vielfalt zu tun."

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 2. Juli 2020
Motorsport Images
Hamilton trug eine schwere Kette mit Schloss. Der Schmuck hat wohl auch symbolischen Charakter.

Zu seinem Sport fiel dem Weltmeister wenig ein. Dass er Red Bull und Max Verstappen als stärksten Gegner sieht, ist keine Überraschung. Hamilton erwartet auch keine grundlegend andere Saison als sonst. "Etwas intensiver mit vielen Rennen in kurzer Zeit."

Valtteri Bottas machte einen zuversichtlichen Eindruck. Der Finne wirkt wie immer vor der Saison extrem motiviert: "Ich bin so bereit, wie man bereit sein kann. Dass die Saison mit zwei Rennen in Spielberg beginnt, ist eine gute Nachricht für mich. Ich war auf dieser Strecke immer stark."

Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen erwartet Bottas in diesem Jahr eine andere Herausforderung: "Wir dürfen uns bei keinem Grand Prix Fehler erlauben und müssen das Auto noch schneller verstehen als sonst, um notfalls richtig zu reagieren. Die Reaktionszeiten werden viel kürzer sein als in einer normalen Saison."

Ferrari

Ferraris großes Upgrade wurde nicht fertig. Erst beim dritten Rennen in Ungarn soll es am Start stehen. Sebastian Vettel fühlt sich wie vor dem ursprünglichen Saisonstart in Melbourne. "Nach dem Test in Barcelona war klar, dass wir nicht das schnellste Auto haben. Wir wollten in Melbourne herausfinden, ob das wahr ist oder nicht. Das werden wir jetzt tun müssen." Charles Leclerc gibt Ferrari Rückendeckung: "Es ist vernünftig, dass wir zuerst die Probleme analysieren anstatt blind etwas Neues in die Schlacht zu werfen."

Die Situation bei Ferrari ist brisant. Vettel geht, Leclerc bleibt. Wird Vettel da bei Stallregie noch richtig zuhören? "Ich war immer ein Teamplayer", erinnert der Deutsche. "Wenn es zu der Situation kommt und Stallregie Sinn macht, werde ich sicher für das Team fahren. Das hat nichts damit zu tun, dass mein Vertrag ausläuft."

Ganz so harmonisch ist das Verhältnis zwischen Vettel und seinem Arbeitgeber jedoch nicht mehr. Der vierfache Weltmeister ließ durchblicken, dass es gar keine richtigen Verhandlungen über einen neuen Vertrag gab. Ferrari hat ihn vor vollendete Tatsachen gestellt.

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 2. Juli 2020
xpb
Wie harmonisch kommen Charles Leclerc und Sebastian Vettel dieses Jahr durch die Saison?

Red Bull

Max Verstappen muss ziemlich ausgehungert sein. Der Holländer saß seit den Testfahrten von Barcelona in keinem echten Rennauto mehr. Und er war auch nicht mehr im Simulator von Red Bull. "Da hätte ich für 50 Kilometer Fahren erst einmal zwei Wochen in Quarantäne gehen müssen. Das war es mir nicht wert. Da war es sinnvoller in Monte Carlo zu trainieren."

Prognosen wollte der große Herausforderer der Mercedes nicht abgeben: "Wir haben ein besseres Auto und einen besseren Motor als letztes Jahr. Das ist das einzige, was wir wissen. Alles andere ist zum jetzigen Zeitpunkt Kaffeesatzleserei."

Verstappen sieht auch in der verkürzten Saison keine besondere Herausforderung: "Egal ob du acht, 15 oder 22 Rennen fährst, willst du immer ins Ziel kommen. Du fährst immer mit einer gewissen Risikoabwägung. Der einzige Unterschied bei einer kürzeren Saison ist, dass jeder Fehler und jeder Ausfall schwerer wiegt als sonst."

Racing Point

Sergio Perez entdeckte in der Krise auch gute Seiten. "Ich habe so viel Zeit wie schon lange nicht mehr mit meiner Familie verbracht. Zum ersten Mal seit ewig habe ich ein ganz normales Leben geführt, nicht ständig aus dem Koffer gelebt. Das war eine interessante neue Erfahrung. Jetzt weiß ich: Es kann auch ein tolles Leben außerhalb der Formel 1 geben."

Williams

George Russell ist der erste Fahrer, der in dieser Saison einen Pokal bekommt. Der Williams-Pilot hat den Titel im Simracing gewonnen. Der Pokal soll an diesem Wochenende überreicht werden. Nicholas Latifi plagten andere Sorgen: "Ich hatte mich auf diese Saison wirklich intensiv vorbereitet, alle Abläufe studiert, das Lenkrad auswendig gelernt. Jetzt sind wir 112 Tage weiter. Die Herausforderung bestand darin, das Gelernte im Kopf zu behalten und jetzt abzurufen."

Renault - GP Österreich 2020 - Spielberg - Impressionen
ams
Renault wird in Spielberg den ersten Teil seiner Upgrade-Serie bringen.

Renault

Auch Renault kommt mit einem größeren Upgrade nach Spielberg. Der französische Rennstall war so schlau, mit einem alten Auto auf dem Red Bull-Ring alle Abläufe zu üben. Dabei hat Renault rund 500 Kilometer abgespult.

Daniel Ricciardo ist schon gespannt, wie sich der modifizierte R.S.20 auf der Strecke anfühlen wird. "Letztes Jahr hatten wir auf dieser Strecke Probleme. Ich bin schon neugierig, ob unser neues Auto besser mit der Strecke zurechtkommt."

Die lange Rennpause macht dem Australier nichts aus. "Ich bin jetzt zehn Jahre in der Formel 1. Aber Rennfahren ist wie Fahrradfahren. Das verlernst du nie. Alle Sinne und Muskeln wissen was zu tun ist." Heimkehrer Esteban Ocon ist seit 19 Monaten kein Rennen mehr gefahren. Kein Problem für den Franzosen. "Nach vier Runden hatte ich meinen Speed wiedergefunden."

Alpha Tauri

Pierre Gasly verbrachte zwei Monate der Corona-Krise in Dubai. Der Franzose war auf der Rückreise von Australien in den Arabischen Emiraten hängengeblieben. Gasly machte das Beste daraus. Intensives Training bei angenehmen Temperaturen.

Daniil Kvyat verbrachte seine Zeit in seiner Wahlheimat Monte Carlo und verbesserte sich im Gitarre spielen. "Ich habe viel geübt. Hauptsächlich Heavy Metal. Aber um zehn Uhr abends war spätestens Schluss. Ich wollte keinen Streit mit meinen Nachbarn."

George Russell & Nicholas Latifi - Williams - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 2. Juli 2020
Motorsport Images
Die Piloten mussten bei der Pressekonferenz Abstand halten.

Haas

Haas zählt zu den wenigen Teams, die ohne Upgrade nach Österreich gereist sind. Kevin Magnussen macht sich trotzdem keine Sorgen: "Ich hatte bei den Testfahrten ein gutes Gefühl mit dem Auto. Es gibt keinen Grund nervös zu sein. Wir müssen das Beste aus unserer Situation machen."

Der Däne nutzte die ruhige Zeit ohne Rennen dazu, seinen Lebensrhythmus etwas runterzufahren. "Ich hasse es nur rumzuhängen, aber ich musste mich an dieses Gefühl gewöhnen." Er lenkte sich mit neuen Aufgaben ab, baute zwei Wochen lang ein Spielhaus für seine Nichte. Fit hielt er sich mit Kartfahren. Romain Grosjean spielte den Lehrer für seine Kinder. "Leider musste ich feststellen, dass ich kein guter Lehrer bin", gab der in Genf lebende Franzose zu.

McLaren

Carlos Sainz und Lando Norris reisten zusammen mit dem Team im Flugzeug an. "Es war mein schönster Tag in den letzten fünf Monaten", atmet Sainz auf. Der Spanier kann es gar nicht mehr erwarten, seine letzte Saison mit McLaren zu beginnen.

McLaren war zwar eines der vier Teams, die vor dem Saisonauftakt nicht mit einem alten Auto geübt oder einen Filmtag eingelegt hat, doch Sainz geht nicht unvorbereitet in das erste Rennen der Saison. "Ich bin mit einem Formel-3-Auto ungefähr 100 Runden im Regen in Silverstone gefahren und fühle mich gut vorbereitet, speziell wenn es auch in Österreich regnen sollte."

Der Spanier sieht McLaren mitten im Kampf um Platz 4. "Das Auto hat einen Sprung nach vorne gemacht, doch ich war überrascht, wie stark auch unsere Gegner waren. Wir müssen das absolut Beste aus uns herausholen, wenn wir Platz vier verteidigen wollen." Lando Norris nutzte die Pause, in sich zu gehen. "Ich hatte viel Zeit über meine Schwächen nachzudenken und wie ich daran arbeiten muss."

Alfa Sauber

Kimi Räikkönen verbrachte die Zwangspause halb in Finnland und halb in der Schweiz. "Mir kam es wie eine verlängerte Sommerpause vor. Mit weniger Leuten auf der Straße und mehr geschlossenen Geschäften", blieb der Iceman cool. Er nutzte die Zeit zum Training und seinen Sohn beim Kartfahren zu begleiten. "Es scheint ihm zu gefallen", stellte der Weltmeister von 2007 nüchtern wie eh und je fest.

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