Mercedes - Imola - 2020 Motorsport Images
Safety-Car - Formel 1 - Imola - GP Emilia-Romagna - 15. April 2021
Impressionen - Formel 1 - Imola - GP Emilia-Romagna - 15. April 2021
Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - Imola - GP Emilia-Romagna - 15. April 2021
Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - Imola - GP Emilia-Romagna - 15. April 2021 70 Bilder

Donnerstag-Check Imola: Ende der Mercedes-Dominanz

Donnerstag-Check Imola Mercedes-Dominanz zu Ende

Wir haben die zehn Teams am Donnerstag in Imola auf Neuigkeiten abgecheckt. Max Verstappen wünscht sich eine zweite DRS-Zone, Valtteri Bottas betrachtet die Tage der Mercedes-Dominanz als beendet und Sebastian Vettel glaubt sein Auto besser zu verstehen.

14 Jahre lang war Imola nicht mehr im Kalender. Jetzt fährt die Formel 1 schon zum zweiten Mal innerhalb von nur sechs Monaten in dem geschichtsträchtigen Autodrom. Die Fahrer schwärmten beim Comeback von der Strecke, die mit einem Qualifikationsschnitt von 240,084 km/h zu den schnellsten des Jahres zählt. Leider auch zu denen mit den wenigsten Überholmöglichkeiten.

Schuld ist hauptsächlich die geringe Streckenbreite. Der Anlauf von Rivazza zur ersten Kurve der Tamburello-Schikane misst immerhin 1,2 Kilometer. Das sollte zum Überholen reichen. Hat es aber nicht. Beim Grand Prix 2020 wurden nur zehn Positionswechsel gezählt, die meisten davon beim Re-Start nach der Safety-Car-Phase. Um etwas nachzuhelfen hat die FIA die DRS-Zone auf der Zielgerade verlängert.

Weil im Autodromo Dino e Enzo Ferrari die Boxenstopps mehr Zeit kosten als anderswo, planen die Teams in der Regel mit einem Reifenwechsel. Im Schnitt verliert man 28 Sekunden pro Boxenstopp. Da die knapp bemessenen Auslaufzonen Safety-Car-Phasen begünstigen, müssen die Teams die Möglichkeit einer Neutralisierung in ihre Strategien mit einbauen. Im letzten Jahr wirbelte ein spätes Safety-Car die Reihenfolge noch kräftig durcheinander.

Valtteri Bottas - Imola - 2021
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Laut Bottas muss Mercedes für den Titel dieses Jahr deutlich mehr kämpfen als sonst.

Mercedes

Die Vorzeichen haben sich geändert. "Wir sind jetzt die Jäger und nicht mehr die Gejagten. Der erste Grand Prix hat den Test bestätigt. Wir liegen hinter Red Bull", fasst Valtteri Bottas den Saisonauftakt zusammen. Im GPS-Vergleich verliert der Mercedes hauptsächlich in den schnellen Kurven auf den Gegner. Davon hat es in Imola einige.

Trotzdem sieht Bottas nicht schwarz: "Wir haben ein schnelles Auto mit viel Potenzial. Es gibt aber noch viel Arbeit zu tun. Das Heck ist nicht der beste Teil des Autos. Aber wenn wir die Balance hinkriegen, können wir Red Bull einholen."

Imola könnte Mercedes in die Karten spielen. "Der Asphalt bietet mehr Grip als in Bahrain, und es ist schwieriger die Reifen zum Überhitzen zu bringen. Das könnte für uns ein Vorteil sein." Die Alleinherrschaft von Mercedes ist nach Meinung von Bottas auf jeden Fall beendet: "Ich glaube nicht, dass wir dieses Jahr so wie früher dominieren können."

Ferrari

Von allen Heimspielen von Ferrari ist Imola das nächstgelegene. Mit dem Auto sind es nur 88 Kilometer zwischen Werk und Rennstrecke. Ferrari rechnet sich in Imola noch bessere Chancen aus als in Bahrain. Auch wegen der guten Vorstellung aus dem Vorjahr.

Charles Leclerc lobt: "Das Auto ist definitiv ein Riesenschritt vorwärts. Mehr Power, mehr Grip, eine bessere Balance. Aber wir können immer noch nicht um Siege fahren. Es ist ein realistisches Ziel, als Dritter hinter Mercedes und Red Bull ins Ziel zu kommen." Die Fahrer werden am Freitag Detailänderungen an Frontflügel, Unterboden und am Heckflügel ausprobieren. Bei Erfolg bleiben Sie am Auto.

Carlos Sainz erlebt sein erstes Ferrari-Rennen in Italien ohne Zuschauer. "Trotzdem spürst du die Verbindung zu den Tifosi." Der Spanier befindet sich noch im Lernprozess mit seinem Ferrari. Bahrain war wegen der großen Auslaufzonen der ideale Ort sich an ein neues Auto zu gewöhnen. In Imola geht das nicht so leicht. "Das ist eine Strecke, auf der du Vertrauen ins Auto brauchst. Du musst die Limits deines Autos kennen, um schnell zu sein."

Mick Schumacher & Max Verstappen - Imola - 2021
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Mick Schumacher und Max Verstappen traten am Donnerstag gemeinsam zum Presse-Termin an.

Red Bull

Max Verstappen macht Mercedes die erste Kampfansage. "Ich sehe keinen Grund, warum unser Auto schlechter sein sollte als in Bahrain." Der Holländer würde gerne das Wochenende von Bahrain wiederholen. "Diesmal aber in der umgekehrten Reihenfolge. Wenn Bahrain ein schlechtes Ergebnis war, dann freue ich mich schon auf die nächsten 22 Rennen. Es war wichtig, Punkte zu machen. Im letzten Jahr standen wir nach einem Rennen mit leeren Händen da."

Teamkollege Sergio Perez zählt zu den Fahrern, die über den Winter das Team gewechselt haben. Noch können sie sich damit entschuldigen, dass sie in ihrer neuen Heimat erst ankommen müssen, und dass sie Zeit brauchen ihr neues Auto zu verstehen. "Es war wichtig, dass wir mein Auto in Bahrain noch zum Laufen bekommen haben und ich das Rennen zu Ende fahren konnte. Jeder Kilometer hilft mir. Ich werde in Imola sicher einen weiteren Schritt an dem Niveau dran sein, auf dem ich fahren will."

Nachdem Verstappen im letzten Jahr das halbe Rennen im Heck des Mercedes von Bottas steckte, hat er genug Gründe sich über jede Verbesserung zu freuen, die beim Überholen hilft. Doch der WM-Zweite ist nicht sicher, ob die 100 Meter extra DRS-Zone helfen. "Das macht nur wenig Unterschied. Besser wäre es uns eine zweite DRS-Zone auf der Gerade aus der Schikane raus Richtung Rivazza einzurichten. Dann könnten wir dort besser aufschließen und hätten bessere Chancen auf der Zielgerade zu überholen."

Aston Martin

Das Technikbüro unter Leitung von Andy Green hatte drei Wochen Zeit, die Schwachstellen des AMR21 aufzuarbeiten. "So viel Luxus bietet der Kalender nicht immer", stellt Sebastian Vettel nüchtern fest. Der Aston Martin muss schneller und verträglicher zu den Reifen werden. Auf die erste Gruppe im Mittelfeld fehlte in Bahrain eine halbe Sekunde.

Lance Stroll bestätigt: "Unser Auto ist im Vergleich zur Konkurrenz nicht mehr so gut wie im letzten Jahr. Wir haben unsere Schwächen identifiziert und arbeiten daran." Auch der Kanadier reitet auf dem Verdacht herum, dass schwach angestellte Autos wie der Aston Martin durch die neuen Regeln benachteiligt sind. "Wir haben klar mehr Abtrieb verloren als andere Konzepte."

Sebastian Vettel sieht trotz des missglückten Saisonauftakts keinen Grund zu übertriebener Sorge: "Wir haben unser Auto etwas besser verstanden und arbeiten jetzt Schritt für Schritt daran, die Probleme abzustellen." In der Pause legte der Heppenheimer einige Sessions im Simulator ein, um nachzuschauen, ob die Änderungen zumindest in der virtuellen Realität funktionieren.

George Russell - Williams - Formel 1 - Imola - GP Emilia-Romagna - 15. April 2021
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George Russell sieht keine besondere Konkurrenz-Situation zu Hamilton.

Williams

George Russell dient sein drittes Jahr bei Williams ab. Der Engländer wird weiter glückliche Umstände brauchen, um in die Punkte zu fahren. Der Williams ist schneller als der Haas, aber langsamer als Alfa Romeo. Für Russell werden in diesem Jahr die Weichen der Zukunft gestellt. Alle erwarten, dass der Mercedes-Schützling im nächsten Jahr im Werksteam landet.

Und wenn nicht? Wird Russell dann die Mercedes-Familie verlassen? "Ich bin seit 2016 in der Mercedes-Familie. Die Situation hat sich seitdem nicht geändert. Ich muss meine Leistung auf der Strecke zeigen, um mir meine Chance verdienen. An etwas anderes denke ich nicht."

Der Williams-Pilot bestreitet, dass es Spannungen mit Lewis Hamilton gibt, seit er den Weltmeister letztes Jahr in Bahrain im Mercedes ersetzt hat. "Ich habe Lewis seitdem nicht mehr im Fahrerlager getroffen. Er ist an einem Ende, ich am anderen. Würde ich ihn treffen, würden wir miteinander sprechen."

Russell glaubt, dass sein Williams näher an Alfa Romeo dran sein wird, wenn es nicht so windig ist wie in Bahrain. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Abstand die ganze Saison so groß bleiben wird." Kimi Räikkönen wundert sich über die Aussage. "Wenn Williams von weniger Wind profitiert, dann tun wir das auch."

Alpine

Alpine sitzt im gleichen Boot wie Aston Martin. Die Franzosen haben Rückstand auf McLaren, Ferrari und Alpha Tauri. Alpine zündet schon beim zweiten Rennen das erste Upgrade. Unter anderem mit einem neuen Frontflügel. Und ein weiteres wird laut Technikdirektor Marcin Budkowski mit Testkomponenten im Freitagstraining für einen späteren Einsatz vorbereitet.

Fernando Alonso mahnt seine Techniker: "Wir müssen ein paar Dinge an diesem Auto noch verstehen, zum Beispiel warum es sich in unterschiedlichen Konfigurationen so unterschiedlich benimmt. Ich hoffe, die nächsten Upgrades helfen uns das Potenzial des Autos zu zeigen." Dann eine überraschende Aussage von dem Mann mit 313 GP-Starts: "Ich muss mich selbst mehr verbessern als das Auto. Speziell in den Abläufen. In Bahrain waren viele Dinge für mich neu. Von der Formationsrunde bis zu den Boxenstopps."

Yuki Tsunoda - Alpha Tauri - Formel 1 - Imola - GP Emilia-Romagna - 15. April 2021
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Die Alpha-Tauri-Piloten werden plötzlich von Kameras verfolgt. In Bahrain wurden Tsunoda und Gasly aber noch unter Wert geschlagen.

Alpha Tauri

Red Bulls Schwesterteam verkaufte sich in Bahrain unter Wert. Nur zwei WM-Punkte waren zum Auftakt eine Enttäuschung. "Wir hatten das Auto für Big Points. Deshalb war das Ergebnis schwer zu schlucken", sagt Pierre Gasly. Der Franzose zerstörte sich das Rennen mit einem Auffahrunfall.

Für Rookie Yuki Tsunoda wäre von einem besseren Startplatz mehr drin gewesen als der neunte Platz. Die Strategen hatten ihm mit der falschen Reifenwahl den Aufstieg ins Q3 verbaut. Doch er fasst sich auch an die eigene Nase: "Ich habe das Team gebeten, auf dem Mediumreifen zu bleiben." Außerdem war der Japaner unzufrieden mit seinem Start. "Bahrain ruft gemischte Gefühle in mir hervor. Einerseits bin ich glücklich, im ersten Rennen gleich gepunktet zu haben. Andererseits hatte ich mir vor dem Wochenende ein besseres Resultat vorgestellt. Die Top 6 wären machbar gewesen."

Alpha Tauris Selbstvertrauen ist vor dem Heimspiel groß, weil den Ingenieuren mit dem AT02 ein guter Wurf gelungen ist. Gasly und Tsunoda haben ein Auto in den Händen, in dem sie gegen McLaren und Ferrari um die Mittelfeld-Krone kämpfen können. Ein Upgrade soll es noch schneller machen, und Imola sollte dem Auto an sich liegen. Im Vorjahr raste Gasly hier in die zweite Startreihe, wurde aber durch ein Wasserleck aus dem Rennen gerissen. Der damalige Teamkollege, Daniil Kvyat, verpasste als Vierter das Podest um nur acht Zehntelsekunden.

"Wir haben mit dem Auto eine gute Basis", sagt Gasly. "Wir sind mit unserem Speed gut dabei, weil das Paket besser zusammenpasst." Gleichzeitig bremst der 25-Jährige: "Wir müssen noch vorsichtig sein. Wir sind erst auf einer einzigen Strecke gefahren. Wir müssen sicherstellen, dass wir auch bei den nächsten Rennen konkurrenzfähig sind. Erst in Imola, dann in Portimao und Barcelona. Das sind Strecken mit einem unterschiedlichen Anforderungsprofil an das Auto."

Haas - GP Imola 2021
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Haas kommt mit neuen Bremshutzen nach Imola. Reicht das um Williams etwas mehr zu ärgern?

Haas

Das Upgrade war von langer Hand geplant. Der Haas VF-21 wird mit neuen Bremsbelüftungen ins Rennen geschickt. Der Windkanal ist längst für das 2022er Auto reserviert. Für Mick Schumacher und Nikita Mazepin wird die Lehrstunde weitergehen. Mit dem Unterschied, dass Imola viel weniger verzeiht als Bahrain. Fahrfehler enden in der Regel im Kiesbett oder in der Mauer.

Schumacher kam nach seinem Premieren-Wochenende zu dem Schluss: "Die größte Unbekannte waren die Reifen." Nikita Mazepin will die vier Dreher und den einen Unfall von Bahrain vergessen machen. "Als Rennfahrer hast du hin und wieder schlechte Rennen. Du musst daraus lernen und sie dann abhaken. Es bringt nichts, sich ewig darüber den Kopf zu zerbrechen. So wirst du nie besser." Und was hat der Russe bei seinem ersten Grand Prix gelernt? "Das Formel 1-Autos am Limit bei ständig wechselndem Wind schwer zu fahren sind."

McLaren

Trotz des guten Resultats beim Saisonauftakt sieht Lando Norris noch Raum für Verbesserung: "Es gibt noch Bereiche am Auto, an denen wir arbeiten müssen. Zum Beispiel der Speed in der Qualifikation. In Imola werden wir am Sonntag nicht mehr so viele Positionen gutmachen können."

Daniel Ricciardo ist optimistisch, dass er im zweiten Rennen enger mit seinem McLaren zusammenwächst. Er will die Umstellung auf das neue Auto auch nicht zu lange als Ausrede missbrauchen. "Ich fühle mich jetzt schon besser als in vergleichbaren früheren Jahren. Die letzten Prozent kommen mit der Erfahrung."

Kimi Räikkönen - Alfa Romeo - Formel 1 - Imola - GP Emilia-Romagna - 15. April 2021
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Kimi Räikkönen hat aus alten Ferrari-Zeiten immer noch jede Menge Fans in Imola.

Alfa Romeo

Ein Saisonziel ist bereits geschafft. Alfa Romeo hat zum Mittelfeld aufgeschlossen. "Das ist aber keine Garantie für WM-Punkte", warnt Kimi Räikkönen. Der Unterschied zwischen Platz 10 und 11 betrug in Bahrain zwei Sekunden. "Deshalb müssen wir sicherstellen, dass alles perfekt abläuft", fordert der Veteran. Zufrieden stellte Räikkönen fest: "Das neue Auto ist definitiv ein Schritt vorwärts." Antonio Giovinazzi präzisiert: "Wir sind an Aston Martin und Alpine dran. Alpha Tauri liegt noch zu weit weg."

Für Teamchef Frédéric Vasseur liegt der Schlüssel in der Qualifikation am Samstag. Wer nach dem Start in den Top Ten fährt, hat gute Chancen auch nach 63 Runden noch dort zu sein. Auf der Strecke sind Überholmanöver nur bei einem Delta ab 1,5 Sekunden möglich. Auch taktisch gibt es nicht viele Optionen. Wenn das Safety-Car in der Garage bleibt, werden die Teams auf ein Einstopp-Rennen setzen. Gutes Omen für die Schweizer Truppe. In Imola lieferten Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi im letzten Jahr das beste Teamergebnis ab. Beide Fahrer landeten in den Punkterängen.

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