Lewis Hamilton - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020 xpb

Team-Check GP Eifel: Corona-Fall bei Mercedes

Team-Check Eifel-GP Nürburgring Corona-Fall bei Mercedes

Wir checken die zehn Teams vor dem Eifel-GP am Nürburgring auf Neuigkeiten ab. Hondas Abschied war ein Thema, das kalte Eifel-Wetter auch. Max Verstappen wich Fragen aus, was der Ausstieg von Honda für seine eigene Zukunft bedeutet. Mercedes hat einen Corona-Fall.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. Die Fahrerlager-Tore bleiben für uns weiter geschlossen. Die Top-Meldung seit dem GP Russland war der Ausstieg von Honda und die damit verbundenen Konsequenzen für die Vertragsteams Red Bull und Alpha Tauri. Bei Mercedes gibt es einen Corona-Fall. Der Nürburgring erwartet den Formel 1-Zirkus wie erwartet mit Regen und Kälte. Das konnte das Reifenmanagement zu einem Schlüssel für den Grand Prix der Eifel machen. Hier ist unser Streifzug durch die Garagen der zehn Teams.

Mercedes

Mercedes hat einen Corona-Fall im Rennteam. Daraufhin wurden die Sicherheitsbestimmungen im Team noch einmal verschärft. Valtteri Bottas sieht das Wochenende für Mercedes nicht in Gefahr: "Ich vertraue darauf, dass unser Team richtig darauf reagiert hat. Wir befolgen strikt unsere Protokolle, bleiben in unserer Blase und tun alles, dass wir uns nicht anstecken." Lewis Hamilton warnt davor, die Krankheit zu verharmlosen. "Sie ist immer noch da, und wir müssen uns weiter vor ihr schützen."

Beiden Fahrern wurde durch den Vorfall bewusst, dass Corona im schlimmsten Fall auch den WM-Kampf beeinflussen könnte. "Als Fahrer ist es das letzte, was du brauchen kannst", bestätigt Bottas. "Wir haben am Beispiel eines unserer Kollegen gesehen, dass es dich ein oder zwei Rennen kosten kann." Gemeint ist Sergio Perez, der zwei Grand Prix auslassen musste.

Das kalte Wetter am Nürburgring scheint die Mercedes-Piloten weniger zu stören als ihre Kollegen. Hamilton und Bottas verfügen als einzige Fahrer im Feld über die aktive Sturzverstellung vom Lenkrad aus. Das System mit dem Namen DAS macht es einfacher, die kritischen Vorderreifen auf Temperatur zu bringen. Schon ohne DAS war es immer eine der Qualitäten der Silberpfeile, die Reifen schnell in ihr Arbeitsfenster zu bringen. Deshalb auch ihre Stärke im Regen.

Ferrari

Ferrari reist mit weiteren Upgrades zum Nürburgring. Nachdem in Russland neue Flügel vorne und hinten für mehr Stabilität im Heck gesorgt haben, sollen jetzt Änderungen am Unterboden und den Leitblechen Rundenzeit bringen. "Es ist ein kleiner Schritt", relativiert Charles Leclerc, "aber er sollte mehr Wirkung zeigen wie der von Sotschi."

Möglicherweise werden die Auswirkungen des Aero-Pakets aber von den Wetterbedingungen am Nürburgring überschattet. Eine der größten Schwächen des Ferrari SF1000 ist es, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Regen und Kälte könnten ein fataler Mix für Ferrari sein. Das fürchtet auch Sebastian Vettel. "Wir erwarten Temperaturen von zehn Grad. Da werden die Reifentemperaturen der Schlüssel zum Erfolg sein. Ob wir eine Lösung haben, werden wir erst wissen, wenn wir auf der Strecke sind. Dann wird sich zeigen, ob wir mit unserer Reifenvorbereitung richtig liegen."

Vettel wird sich die Aufmerksamkeit der Deutschen Fans am Freitag mit Mick Schumacher teilen müssen. Der Ferrari-Fahrer kann damit leben: "Mick hat sich dieses Freitagstraining verdient. Er ist ein guter Junge, und ich hoffe, dass am Ende ein Cockpit für 2021 für ihn herausspringt." Leclerc fürchtet: "Das wird bei den Bedingungen ein schwieriger Start für Mick. Aber er ist es ja gewohnt, dass er neue Autos immer erstmal im Regen fährt."

Red Bull

Max Verstappen sah den Ausstieg von Honda kommen. "Es gab Anzeichen, schon deshalb, weil sie sich nur bis Ende 2021 verpflichtet haben." Der Holländer wollte sich nicht auf Fragen einlassen, ob der Abschied von Honda auch seine Vertragslaufzeit bei Red Bull verkürzt. "Honda ist ja noch bis Ende 2021 dabei. Ich konzentriere mich auf die nächsten eineinhalb Jahre. Darüber hinaus mache ich keine Pläne. Es gibt mit den neuen Autos 2022 so viele Fragezeichen, dass es keinen Sinn macht, sich heute schon festzulegen."

Beide Fahrer äußerten Verständnis für Hondas Entscheidung und betonten, dass der Abschied der Japaner nicht ihre Chancen beeinträchtigen wird. "Honda baut für nächstes Jahr einen neuen Motor. Sie werden bis Ende 2021 alles in die Schlacht werfen, was sie haben", versichert Verstappen. Alexander Albon ergänzt: "Die räumen nicht kampflos das Feld."

Racing Point - GP Eifel 2020 - Nürburgring
ams
Bei Racing Point kommt neben Lance Stroll auch Sergio Perez endlich in den Genuss des neuen Aero-Pakets, das sich durch stark veränderte Seitenkästen auszeichnet.

Racing Point

Sergio Perez ist immer noch auf der Suche nach einem Cockpit. "Es gibt leichte Fortschritte, aber noch ist nichts fix. Ich muss mir alle Türen offenhalten und darf nichts überstürzen", beteuert der Mexikaner, dessen Karriere in der Formel BMW in Deutschland begann. Perez wird am Nürburgring zum ersten Mal das neue Aero-Kit des RP20 fahren. Er zweifelt aber, ob er in der Kälte das volle Potenzial spüren wird. "Lance hat gesagt, dass das neue Aero-Kit besser ist. Ich glaube ihm."

Lance Stroll ist immer noch sauer auf Charles Leclerc. Der Ferrari-Pilot hat ihn in der ersten Runde des GP Russland in die Mauer bugsiert. "Ich habe Charles genug Platz gelassen. Das war eine ziemlich unbeholfene Aktion von ihm. Ich verstehe bis heute nicht, warum er nicht bestraft wurde. Es war ein ähnlicher Zwischenfall wie die Kollision zwischen Hamilton und Albon in Österreich. Da gab es eine Strafe. Warum also diesmal nicht?" Der Kanadier kehrt übrigens als Nürburgring-Sieger in die Eifel zurück. Als er 2016 zuletzt da war, gewann er auf dem Ring ein Formel 3-Rennen.

Williams

Williams wird am Freitag neue Teile am Auto probieren. Es gilt immer noch das Problem zu lösen, dass der FW43 am Samstag stärker ist als am Sonntag. "Wir verstehen das Auto immer besser. Das sollte uns in Zukunft im Rennen helfen", hofft George Russell. Der Engländer hat sich bereits sechs Mal in dieser Saison für das Q2 qualifiziert, aber nie davon profitiert. Das Punktekonto ist noch leer. In Russland wurden die Vorderreifen zu heiß. "Wenn die Reifen nicht im Fenster sind, bist du heute genauso verloren, wie wenn das Auto zu wenig Abtrieb hat", erzählt Russell. Im kalten Eifelwetter steht Williams damit wieder eine schwere Aufgabe bevor. "Diesmal anders herum. Die Reifen werden eher zu kalt als zu heiß sein. Das erhöht die Gefahr, dass die Reifen körnen."

Daniel Ricciardo - Renault - GP Eifel 2020 - Nürburgring
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Daniel Ricciardo lobt die Fortschritte von Renault in den letzten Wochen.

Renault

Kein Mittelfeld-Team hat in den letzten vier Rennen mehr Punkte eingefahren als Renault. Platz 3 ist wieder fest im Visier. Daniel Ricciardo scherzt: "Nur die Mercedes-Fahrer haben zuletzt mehr Punkte geholt als ich. Damit bin ich der Mann, den jeder schlagen will. Die Mercedes-Fahrer sind ja zu weit weg." Der Australier lobt den Fortschritt, den Renault seit dem letzten Jahr gemacht hat. "Wir können uns jetzt auf vielen unterschiedlichen Strecken in den Top 5 qualifizieren. Das war letztes Jahr nicht möglich."

Esteban Ocon zählt zu den Fahrern, die sich Regen wünschen. "Unser Auto ist stark im Regen. Das haben wir am Samstag zum zweiten Österreich-Rennen gezeigt." Obwohl der neue Nürburgring immer im Schatten der Nordschleife stehen wird, bekam er von beiden Renault-Piloten viel Lob: "Eine Rennstrecke nach alter Schule, auf und ab, ziemlich schmal, wellig, mit Kurven unterschiedlicher Art und Kiesbetten als Auslaufzonen."

Alpha Tauri

Beide Fahrer kennen den Nürburgring aus kleineren Formeln. Daniil Kvyat aus der GP3, Pierre Gasly aus der Formel Renault. Kvyat und Gasly kommentieren den Rückzug von Honda mit Verständnis und Lob für den kompromisslosen Einsatz der Japaner. Kein Nachtreten, keine versteckte Kritik. Den beiden wurde ganz offensichtlich eingetrichtert, dass es wichtig ist, keine verbrannte Erde zu hinterlassen.

Red Bull und Alpha Tauri könnten Honda noch einmal brauchen. Vielleicht schon bald, sollte sich Red Bull für die Variante entscheiden, auf eigene Faust mit Honda-Motoren weiterzumachen. "Honda hat einen tollen Job mit dem Motor gemacht und mit beiden Teams schon Rennen gewonnen. Man muss sich nur vor Augen halten, wo sie noch vor drei Jahren waren. Ich hoffe für sie, sie können sich mit einem WM-Titel nächstes Jahr aus der Formel 1 verabschieden."

Alpha Tauri hat immer noch Ferrari im Blick. Der große Bruder aus dem nahen Maranello hat in der Konstrukteurs-WM nur 15 Punkte Vorsprung. Der AT01 war in den letzten Rennen das schnellere und konstantere Auto. Kvyat und Gasly landeten zuletzt regelmäßig in den Punkterängen. Gasly gibt zu: "Es war mein persönliches Ziel für diese Saison, permanent zu punkten, und ich bin happy, dass ich bis jetzt im Fahrplan bin." Für den Nürburgring wünscht sich der Monza-Sieger neben der Kälte auch noch Regen. "Das macht den Zuschauern und uns mehr Spaß."

Haas

Romain Grosjean muss im Freitagstraining aussetzen. Seinen Platz nimmt Ferrari-Junior Callum Ilott ein. Der Auftrag von Teamchef Guenther Steiner ist klar. "Nicht auf Bestzeit fahren, nichts kaputtmachen. Er soll sich in Ruhe an die Aufgabe heranarbeiten." Der 21-jährige Engländer ist einer der möglichen Kandidaten für die kommende Saison. Steiner schließt selbst ein Team mit zwei Rookies nicht mehr aus.

Romain Grosjean sucht bereits Alternativen: "Es ist einfache Mathematik. Vier Plätze sind noch frei, und es gibt viel mehr Fahrer dafür. Ich schaue mich auch außerhalb der Formel 1 um." Kevin Magnussen hat sich keine Frist gesetzt. "Es wäre nicht hilfreich, jetzt über die Medien Druck aufzubauen." Die erwartet kühlen Temperaturen sind auch bei Haas das große Thema. Magnussen sieht das größte Problem in einem Re-Start nach einer SafetyCar-Phase. "Da wird es extrem schwierig, die Reifen wieder auf Temperatur zu bringen."

McLaren

McLaren wirft eine Evolution des Aero-Pakets von Russland in die Schlacht. Lando Norris probierte in Sotschi eine neue Nase und einen neuen Frontflügel. "Die neuen Teile sind ein Schritt weiter in die neue Richtung, in die wir jetzt gehen. Wir erwarten keinen Erdrutsch, aber doch eine kleine Verbesserung", berichtet der Engländer. Beide McLaren-Piloten betonen, dass es ein langer Weg war, den MCL35 zu verstehen. "Es ist ein Auto, das schwierig zu fahren und abzustimmen ist. Erst in den letzten Rennen habe ich ein besseres Bild bekommen", verrät Carlos Sainz.

Der Spanier knabbert immer noch an den letzten beiden Rennen, die mit Unfällen endeten. Besonders der Crash von Sotschi schmerzt: "Wie jeder Unfall, der dein eigener Fehler ist." Der künftige Ferrari-Pilot ist mit seiner Saison nicht ganz zufrieden. "Es gab zu viel Auf und Ab. Ich hatte richtig gute Rennen, aber auch Enttäuschungen. Für den Rest der Saison wünsche ich mir konstantere Ergebnisse." Dann machte Carlos Sainz dem Nürburgring ein Kompliment. "Ich bin froh, dass wir wieder hierher zurückkommen. Der Nürburgring gehört in den Formel 1-Kalender."

Mick Schumacher - Alfa Romeo - GP Eifel 2020 - Nürburgring
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Mick Schumacher darf für Alfa Romeo im ersten Training an der Seite von Kimi Räikkönen fahren.

Alfa Romeo-Sauber

Am Nürburgring könnte eine große Karriere beginnen. Mick Schumacher wird zum ersten Mal an einem GP-Wochenende an den Start gehen, auch wenn es nur die erste Trainingssitzung ist. Sein Kurzzeit-Teamkollege Kimi Räikkönen ist mit 40 Jahren der älteste Fahrer im Feld. Obwohl man sich nur flüchtig kennt, lobt Kimi: "Er scheint in vielerlei Hinsicht eine Kopie seines Vaters zu sein."

Kimi Räikkönen musste zum zweiten Mal die Fragen zu seinem Teilnahmerekord beantworten. Der Finne macht sich über seine 324 GP-Starts weniger Gedanken als seine Umwelt: "Ich habe nie auf diesen Rekord hingearbeitet. Es hat sich einfach so ergeben." Antonio Giovinazzi sieht es als Ehre an, an der Seite des Methusalems zu fahren. "Vielleicht bin ich ja sein letzter Teamkollege." Wie er das wohl meint? Hört Räikkönen auf, oder muss Giovinazzi gehen? Experten glauben, dass die zweite Variante die wahrscheinlichere ist. Obwohl WM-Punkte nur möglich sind, wenn andere Fehler machen, bekräftigt Räikkönen: "Es macht immer noch Spaß. Wir werden Schritt für Schritt besser. Wenn alles passt, können wir auf Platz 10 landen."

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