Nico Hülkenberg - Racing Point - 70 Jahre F1 Grand Prix - Silverstone xpb
Daniel Ricciardo - Renault - 70 Jahre F1 GP - Silverstone - Formel 1 - 6. August 2020
Daniel Ricciardo - Renault - 70 Jahre F1 GP - Silverstone - Formel 1 - 6. August 2020
Lewis Hamilton - Mercedes - 70 Jahre F1 GP - Silverstone - Formel 1 - 6. August 2020
Lewis Hamilton - Mercedes - 70 Jahre F1 GP - Silverstone - Formel 1 - 6. August 2020 33 Bilder

Donnerstag-Check GP 70 Jahre F1

Warten auf den Corona-Test


Donnerstag ist die Ruhe vor dem Sturm. Wir checken die zehn Teams auf Neuigkeiten ab. Der Einsatz von Nico Hülkenberg entscheidet sich erst nach einem weiteren Corona-Test für Sergio Perez. Renault hofft, dass ein weiteres Upgrade endlich besser Startplätze bringt.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. Die Fahrerlager-Tore bleiben für uns weiter geschlossen. Silverstone ist zum zweiten Mal innerhalb von sieben Tagen Gastgeber der Königsklasse. Unter anderen Vorzeichen. Pirelli liefert Reifen, die eine Stufe weicher sind. Die Temperaturen sollen das ganze Wochenende um die 30 Grad Marke pendeln. Das sind die letzten News von den zehn Teams.

Mercedes

Das war keine Überraschung mehr. Mercedes bestätigte ein weiteres Mal Valtteri Bottas. Der Finne fährt 2021 seine fünfte Saison für die Silberpfeile. Bottas atmet auf: "Es ist gut zu wissen, was ich nächstes Jahr tue. Nicht, dass ich mir große Sorgen gemacht hätte. Aber jetzt kann ich mich voll auf die Rennen konzentrieren." Der neue Vertrag ist laut Bottas fast identisch mit dem vom letzten Jahr.

Lewis Hamilton hat dagegen keine Eile, seinen Vertrag zu verlängern. Die Begründung war interessant: "Ich habe das Gefühl, dass es jetzt ein falscher Zeitpunkt ist, über meinen Vertrag zu reden. So viele Leute verlieren gerade ihre Jobs." Hamilton stellt gleichzeitig klar, dass es außer Mercedes keine Option für ihn gibt. Er weiß aber auch, dass es im Moment in der Öffentlichkeit und bei Daimler nicht gut ankommen würde, wenn er das gleiche Geld wie bisher oder sogar mehr verlangt. Doch ist warten eine echte Option für den WM-Spitzenreiter? Corona und die damit verbundene Wirtschaftskrise wird uns auf jeden Fall noch bis ins Frühjahr 2021 begleiten.

Otmar Szafnauer - Racing Point - Ferrari 488 Pista - GP England 2020 - Silverstone
xpb
Otmar Szafnauer, Sebastian Vettel und der Ferrari 488 Pista: Was wurde darin besprochen?

Ferrari

Der neue Technikchef Enrico Cardile fordert: "Wir müssen es endlich schaffen, beide Autos optimal vorzubereiten." Die Fahrer schieben die ungleiche Vorbereitung der beiden Autos mehr auf das Setup-Programm als auf die Technik. "Ich habe in der Präparation des Wochenendes in Ungarn Fehler gemacht", gab Charles Leclerc zu. Sebastian Vettel stimmte zu: "Mein letztes Wochenende lief nicht rund. Da wir immer noch im Mittelfeld kämpfen, können kleine Probleme große Unterschiede ausmachen."

Vettel knabbert weiter an der 3.000 Punkte-Marke. Mit seinem 10. Platz letzte Woche in Silverstone schaffte er es nur auf 2.995 Zähler. Er braucht also einen siebten Platz, um die Schallmauer zu knacken. Über seine Zukunft gibt es weiter keine Neuigkeiten. Er selbst hat die Spekulationen angeheizt, weil er am vergangenen Sonntag nach dem GP England die Strecke im Ferrari 488 Pista von Racing Point-Teamchef Otmar Szafnauer verlassen hatte. Vettel klärte auf: "Ich bin mit ihm bis zur nächsten Tankstelle gefahren. Dort haben sich unsere Wege getrennt."

Red Bull

Die Hitzewelle, die auf England zurollt, könnte Red Bull in die Karten spielen. Mercedes hatte bislang in den beiden Freitagstrainings Schwierigkeiten, in denen das Thermometer über 32 Grad stieg. Max Verstappen glaubt nicht, dass er deshalb gleich das Rennen gewinnen kann: "Es kann ein bisschen helfen, aber es macht nicht eine Sekunde im Training und eine halbe Sekunde im Rennen aus. Ich kann nur schauen, dass ich so nah wie möglich an ihnen dran bleibe und sie beschäftigte."

Der Holländer bestreitet, dass ihm die aussichtslose Lage im Duell mit Mercedes den Schlaf raubt: "Mercedes macht einen exzellenten Job. Das muss man anerkennen. Ich bin nicht frustriert. Wir fahren immer noch um das Podium. Da wären viele andere froh."

Racing Point

Das britische Gesundheitsamt hat bestätigt, dass die siebentägige Quarantäne für Sergio Perez abgelaufen ist. Der Mexikaner unterzog sich heute einem weiteren Corona-Test und wartet nun auf das Ergebnis, das spätestens morgen Vormittag vorliegen soll. Sollte er negativ ausfallen, fährt Perez den Racing Point mit der Nummer 11. Wenn nicht, muss er zehn Tage in Isolation. Damit würde für ihn auch der GP Spanien flachfallen.

Nico Hülkenberg könnte damit leben, wenn sein Comeback schon wieder beendet wäre. "Checo ist der Stammpilot. Es ist logisch, dass er fährt, wenn er gesund ist. Mir war immer klar, dass ich nur ein Aushilfsfahrer auf Zeit bin." In der FIA-Nennliste steht vorerst mal der Name Hülkenberg und die Startnummer 27.

Sergio Perez - Racing Point
Aktuell

Williams

Williams hat seine Abstimmungs-Philosophie geändert. Beim GP England wurden die Autos zum ersten Mal mehr Richtung Rennen abgestimmt. Das hat am Sonntag geholfen und am Samstag nicht geschadet. George Russell schaffte es trotzdem ins Q2. Nur eine Strafe verbannte ihn in die Letzte Startreihe. Im Rennen kam er als Zwölfter ins Ziel. "Ein Platz, den wir uns auf der Strecke verdient haben."

Der Williams FW43 fühlte sich prompt etwas besser in den Turbulenzen an als in den Rennen zuvor. Aber auch die Fahrer haben noch Nachholbedarf. Williams fuhr im letzten Jahr ein eigenes Rennen hinter dem Feld. "Jetzt haben wir richtige Zweikämpfe. Das ist in der Formel 1 ein anderes Spiel als in den Nachwuchsserien und zählt für mich zum weiteren Lernprozess", gibt Russell zu.

Renault

Chefingenieur Matt Harman tut geheimnisvoll: "Wir testen einige interessante mechanische Neuentwicklungen in speziellen Bereichen am Auto. Das sollte unsere Leistungen auf der Strecke verbessern und uns auch helfen, unser nächstjähriges Auto besser zu verstehen, das ja eine Evolution des aktuellen sein wird."

Gute Nachrichten für die Renault-Fahrer, die immer noch über einer Frage brüten: Warum ist der R.S.20 am Sonntag generell besser als am Samstag? "Wenn wir uns am Samstag auf den Plätzen fünf und sechs qualifizieren könnten, hätten wir im Rennen ein einfacheres Leben", meint Daniel Ricciardo.

Esteban Ocon analysiert die Schwächen seines Autos: "Uns fehlt noch etwas in den schnellen Kurven. Dafür sind wir schnell auf den Geraden, was uns im Rennen hilft." Nach dem 20 Punkte-Segen vom letzten Rennen hält Ricciardo den dritten Platz in der Konstrukteurs-WM immer noch für möglich, auch wenn McLaren 19 Punkte Vorsprung hat. "Dazu brauchen wir aber mehr so Wochenenden wie das erste Rennen in Silverstone."

Alpha Tauri

Alpha Tauri feiert den 100. Grand Prix von Daniil Kvyat. Das ist eine Geschichtsfälschung. Der Russe schaffte es 2015 und 2016 in Melbourne wegen technischer Probleme zwei Mal nicht an den Start. Kvyat hat somit nur 98 GP-Starts in seinen Büchern. Der Grund für seinen Highspeed-Unfall in der Maggotts-Kurve ist inzwischen geklärt. Pirelli erklärte nach einer Analyse mit Alpha Tauri, ein mechanisches Problem habe dazu geführt, dass sich die Felge zu stark erhitzte und das Reifenbett verbrannte. Der Fehler lag also beim Team.

Trotzdem gab sich Kvyat zunächst selbst die Schuld. "Ich hatte Probleme mit dem Getriebe und musste über zwei, drei Runden jede Menge Einstellungen am Lenkrad verändern. In dem Moment, als der Unfall passierte, habe ich gerade auf das Display geschaut. Weil der Abflug so komisch war und ich mir das nicht erklären konnte, habe ich gedacht, dass ich vielleicht einen Randstein oder das Gras berührt habe." Es war neben Suzuka 2015 der bislang schwerste Unfall von Kvyat. "Er passierte auch noch an einer der dümmsten Stellen. Ich hatte Glück, dass ich gerade noch die Reifenstapel und nicht eine solide Mauer getroffen habe."

Daniil Kvyat - GP England 2020
Wilhelm
Die Ursache für den Highspeed-Unfall von Daniil Kvyat ist geklärt.

Haas

Teamchef Guenther Steiner ist immer noch überzeugt, dass Romain Grosjean letztes Wochenende in die Punkteränge gefahren wäre, hätte er beim Boxenstopp nicht Probleme gehabt, den ersten Gang einzulegen. "Das hat uns 9,7 Sekunden gekostet. Ohne das Problem wären wir knapp hinter Vettel auf die Strecke gekommen. Wir hatten im letzten Rennen den Speed, ihn zu schlagen."

Grosjean nahm Stellung zu seiner Verwarnung, die er für späte Spurwechsel im Zweikampf mit Daniel Ricciardo und Carlos Sainz verpasst bekam: "Wir kämpfen nicht so oft um WM-Punkte. Deshalb verteidige ich meinen Platz so hart wie möglich. Das ist mein Job. Ja, es stimmt, dass ich zwei Mal die Spur gewechselt habe, aber beide Male vor der Bremszone. Bei Daniel muss ich zugeben, dass ich sehr spät dran war. Ich habe ihm zwar eine Wagenbreite Platz gelassen, aber das konnte er nicht wissen. Bei Carlos Sainz war gar nichts. Er hat sich nur laut genug am Funk beschwert."

Ricciardo ist nicht ganz einverstanden: "Nichts gegen einen Spurwechsel, um die Position zu verteidigen. Doch den sollte der Verteidiger machen, bevor der Angreifer seine Seite wählt." Sainz bestätigte: "Es geht nicht, dass der Verteidiger auf die Aktion des Angreifers reagiert. Ich bin mir sicher, dass Romain das auch eingesehen wird, wenn er sich die Fernsehaufnahmen anschaut."

McLaren

Lando Norris ärgert sich immer noch darüber, dass er letzte Woche den vierten Platz an Daniel Ricciardo verloren hat. "Ich hatte Probleme mit meinen Reifen in den letzten Runden, aber das hätte nicht passieren dürfen. Ich habe mich nicht mal verteidigt. Einmal, weil der linke Spiegel zerbrochen war und ich auf der Seite nicht nach hinten sehen konnte. Dann, weil mich Einstellungen am Lenkrad abgelenkt haben. Beim ersten Mal schien mir Daniel zu Beginn der Gerade noch weit weg. Als ich das nächste Mal geschaut habe, lag er schon neben mir."

Carlos Sainz zählte zu den drei Reifenopfern beim GP England. Seine Lehre daraus: "Wir müssen diesmal vorsichtiger und konservativer an die Sache herangehen. Wir wussten, dass es mit den Reifen knapp werden könnte, dachten aber nicht, dass es so eng wird. Jetzt gilt es herauszufinden, ob es vielleicht nur an der C1-Mischung lag oder ob die Reifentypen C2, C3 und C4 genauso reagieren."

Alfa-Sauber

70 Jahre Formel 1. Da liegt die Frage auf der Hand, was die Formel 1 im Leben der Helden bedeutet. Kimi Räikkönen hatte wie immer eine kompakte Antwort dazu: "Die Formel 1 war ein großer Teil meines Lebens, aber sie ist nicht mein Leben." Im Moment steckt der älteste Fahrer im Feld in der Krise. In der Qualifikation ist immer schon im Q1 Schluss. Und das Punktekonto ist noch leer. Räikkönen fordert: "Unser Speed ist nicht gut genug. Deshalb müssen wir sicherstellen, dass drumherum alles passt, dass wir keinerlei Fehler machen. Das ist uns bis jetzt noch nicht gelungen. Wenn wir in die Top Ten fahren wollen, dann muss alles zu 100 Prozent funktionieren." Auch auf die Frage, ob man sich wegen der Reifenschäden Sorgen machen müsse, hatte Räikkönen eine Lebensweisheit parat: "Irgendwann ist jeder Reifen am Limit."

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