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Team-Crash bei Sauber

Stallregie-Streit mit Vorgeschichte

Sauber erlebte in Monaco den Supergau. Marcus Ericsson und Felipe Nasr krachten sich in Runde 48 gegenseitig aus dem Rennen. Vorangegangen waren lange Diskussionen über Stallregie. Es war nicht das erste Mal, dass der Befehl zum Platztausch verweigert wurde.

Eigentlich dachten die Sauber-Fans, dass es nicht viel schlimmer kommen kann. Doch in Monaco wurden sie eines Besseren belehrt. Neben finanziellen Problemen und der schlechten Pace des Autos kämpft das Schweizer Team auch noch mit 2 Fahrern, die sich gegenseitig nicht respektieren, Befehle der Teamleitung nicht ausführen und sich gegenseitig ins Auto fahren.

Dabei hatten sich die Verantwortlichen bei Sauber für den GP Monaco mehr ausgerechnet als sonst. Beim Klassiker im Fürstentum sind Überraschungen bekanntlich immer möglich. Im sechsten Rennen des Jahres sollten endlich die ersten Punkte her. Doch nach dem Motorschaden von Felipe Nasr im Qualifying standen die Vorzeichen für das Rennen schon nicht mehr ganz so gut.

Weil einige Konkurrenten ihre Autos aber nicht von den Banden fernhalten konnten, waren Felipe Nasr und Marcus Ericsson immerhin schon auf die Plätze 15 und 16 vorgespült worden. Dann entschieden sich die Ingenieure dazu, die Reihenfolge der beiden Autos zu tauschen. Ericsson sollte Nasr überholen und zeigen, dass er schneller fahren kann. Sollte ihm das nicht gelingen, wollte man die alte Ordnung wieder herstellen.

Ericsson bekommt Strafe für Kanada

Ericsson erklärte aus seiner Sicht, wie es zu der Situation kam: "Ich war 3 bis 4 Sekunden pro Runde schneller als Felipe und habe auf ihn aufgeschlossen. Ich habe das Team deshalb gefragt, was ich tun soll. Sie haben mir gesagt, dass er den Befehl erhält, sich zurückfallen zu lassen. Sie haben es ihm 7 oder 8 Runden lang gesagt, aber nichts ist passiert. Ich wollte deshalb selbst einen Angriff starten. Mein Ingenieur hat mir dafür grünes Licht gegeben."

Doch das Manöver hatte die schlimmstmöglichen Konsequenzen. Beide Sauber krachten in der Rascasse ineinander und fielen kurz danach aus. Ericsson verteidigte sein Manöver: "Ich hatte in der gleichen Kurve zu einem früheren Zeitpunkt des Rennens schon versucht Bottas zu überholen. Dabei hätte ich ihn beinahe geschnappt."

"Ich habe gesehen, dass Felipe im letzten Sektor Probleme hat. Deshalb habe ich gedacht, dass es eine gute Stelle ist, um es noch einmal zu probieren. Man hat auch in der GP2 gesehen, dass es hier möglich ist, mit 2 Autos nebeneiander durchzufahren. Ich dachte, dass ich im schlimmsten Fall die Position halten werde. Aber das Resultat war leider etwas anders."

Am Ende bekam er auch noch Post von der FIA. Für das nächste Rennen in Kanada wird Unfallverursacher Ericsson 3 Startplätze zurückgestuft. "Die Stewards haben sich dafür entschieden, mir die Verantwortung zu geben. Das muss ich akzeptieren. Ich möchte mich beim Team für meinen Teil entschuldigen", erklärte der Schwede reumütig.

Eine direkte Schuldzuweisung an Nasr versuchte Ericsson zu vermeiden. Allerdings machte er seinen Standpunkt klar: "Ich möchte ihm keinen Vorwurf machen. Aber die ganze Situation hätte vermieden werden, wenn Anweisungen befolgt worden wären."

Nasr bemängelt fehlenden Respekt

Hört man sich die Version des Teamkollegen an, dann klingt der Ablauf der Geschehnisse etwas anders: "Ich bin mein eigenes Rennen gefahren. Es gab nur eine trockene Linie auf dem Asphalt. Daneben war es nass. Überholen war noch schwieriger als sonst. Ich musste zudem einen alten Motor fahren. Dafür, dass ich aus der Boxengasse gestartet bin, lief es richtig gut. Ich habe auf der Strecke einige Plätze gutgemacht."

"Direkt nachdem ich von Intermediates auf die Ultrasofts gewechselt habe, kam von hinten die Führungsgruppe an und wollte vorbei. Ich musste 3 oder 4 Runden lang viele Autos vorbeilassen. Die Temperatur in meinen Reifen ging dadurch runter. Dazu hatte ich noch mit Fehlzündungen zu kämpfen. Das hat meiner Pace natürlich nicht geholfen."

"Als die Motor-Probleme behoben und meine Reifen wieder auf Temperatur waren, konnte ich eine Sekunde schneller als Grosjean vor mir fahren. Eine Runde vor dem Unfall war ich schon direkt hinter ihm. Dann hat mich Marcus in Rascasse versucht zu überholen und ist in mich reingecrasht."

Dass die Ingenieure trotz der Probleme einen Platztausch angewiesen haben, konnte Nasr nicht nachvollziehen: "Sie können ja alle Daten sehen. Sie wussten, dass meine Reifen zu kalt waren und ich Motorprobleme hatte. Und als keine blauen Flaggen mehr geschwenkt wurden, war meine Pace wieder da. Ich bin auch sicher, dass sie gesehen haben, dass ich auf meine Vorderleute aufgeholt habe."

Zudem hatte Nasr auch nicht das Vertrauen, dass er den Platz von Ericsson anschließend wie geplant zurückbekommt: "Letztes Jahr kam es zweimal vor, dass Marcus aufgefordert wurde, die Plätze zu tauschen. Aber er hat es nicht gemacht. Einmal davon war in Abu Dhabi. Ich habe damals mit den McLaren gekämpft, die am Ende einen Punkt geholt haben. Danach ist aber nichts passiert. Das Team hätte mit ihm reden und den Respekt zwischen Teamkollegen wieder herstellen müssen."

Ericsson sei, so die Verteidigung Nasrs, in Monaco nicht auf einer anderen Strategie gefahren. Und um Punkte sei es auch nicht gegangen. "Jetzt müssen wir darüber reden, damit sich so etwas nicht wiederholt. Wir müssen wieder das Vertrauen herstellen. Ich habe nichts gegen Marcus persönlich. Ich denke, wir sind reif genug zu analysieren, was passiert ist. Es gibt hier kein richtig oder falsch. Klar ist nur: Wir hätte nicht beide ausfallen dürfen."

Kaltenborn spricht von unakzeptablem Verhalten

Die Verantwortlichen gaben sich nach dem Zwischenfall wortkarg. Teamchefin Monisha Kaltenborn stand für Nachfragen nach dem Rennen nicht zur Verfügung. Per Pressemitteilung erklärte das Sauber-Oberhaupt: "Ein unakzeptables Verhalten beider Fahrer. Die Arbeit des gesamten Teams endete in einer Kollision. So etwas wollen wir nicht erleben. Marcus und Felipe wissen, wie viel harte Arbeit in jedem Rennwochenende steckt. Sie haben die Verantwortung, die Autos ins Ziel zu bringen."

Kaltenborn verteidigte zudem die Stallregie-Entscheidung: "Als wir die Gesamtsituation bewertet haben, war es wichtig, dass schnellere Auto so weit wie möglich nach vorne zu bringen, um eine aufkommende Chance nutzen zu können. Unsere Entscheidung basierte auf den Daten beider Autos. Wir haben die Situation intern geklärt. Die Fahrer sind sich ihrer Verantwortung bewusst, solch ein Zwischenfall wird sich nicht wiederholen."

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Das verrückte Rennen in Monaco hat auch einige verrückte Statistiken...

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