Charles Leclerc - Ferrari - GP Sakhir 2020 - Bahrain xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Bahrain 2020 - Sakhir
LewisHamilton - Mercedes - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Bahrain 2020 - Sakhir
Alexander Albon - Red Bull - GP Bahrain 2020 - Sakhir 16 Bilder

Teamcheck GP Sakhir 2020: Leclerc wettet auf Russell

Donnerstags-Check GP Sakhir 2020 Leclerc wettet auf Russell-Sieg

Donnerstag ist die Ruhe vor dem Sturm. Wir checken die zehn Teams auf Neuigkeiten ab. George Russell, Pietro Fittipaldi und Jack Aitken blicken auf ihr erstes Rennen in neuer Umgebung. Ein Rennen ohne Lewis Hamilton, bei dem Valtteri Bottas zeigen muss, dass ihm nicht ein Neuling die Show stiehlt.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. Die Fahrerlager-Tore bleiben für uns weiter geschlossen. Das zweite Rennen in Bahrain, das als Grand Prix von Sakhir in die Statistiken eingehen wird, ist ein ganz besonderes Rennen. Der Weltmeister fehlt krankheitsbedingt und wird durch Mercedes-Junior George Russell ersetzt. Damit bekommt eines der größten Talente der Formel 1 eine Chance, und zwei Fahrer geben sogar ihr Debüt.

Dazu auf einer Streckenvariante, die die Formel 1 noch nie gefahren ist und die wegen ihrer Streckenlänge von nur 3,543 Kilometern und der elf Kurven nach Chaos und Überraschungen schreit. Der vorletzte WM-Lauf findet ohne Lewis Hamilton und Romain Grosjean statt, aber mit Jack Aitken und Pietro Fittipaldi. Hier ist unser Streifzug durch die zehn Teams.

Mercedes

Lewis Hamilton pausiert wegen Corona. Wie lange, das muss ein Test Anfang nächster Woche zeigen. Zunächst einmal muss der Weltmeister zehn Tage in Quarantäne verbringen. Wenn die Einreisebestimmungen nach Abu Dhabi auch für ihn gelten, wäre er frühestens am Freitag nächste Woche einsatzbereit. Der komplette Formel 1-Zirkus darf erstens nur mit negativem Covid-Test die Reise nach Abu Dhabi antreten, muss dort noch einmal zwei Tage in Isolation, bevor ein weiterer Test angesetzt ist. Erst wenn der ein negatives Ergebnis bringt, darf das Hotel verlassen werden.

Hamiltons Verzicht auf den vorletzten WM-Lauf setzt alle Akteure unter Druck. Valtteri Bottas muss zeigen, dass er zur Stelle ist, wenn Hamilton ausfällt. Alles andere als ein Sieg bringt ihn in Erklärungsnot. Er darf sich auch gegen Ersatzpilot George Russell keine Blöße geben. Für Russell ist der Einsatz im Mercedes zunächst einmal eine Chance. Doch auch er muss abliefern. Sonst heißt es gleich, dass er doch nicht so gut ist, wie man glaubt. Sollte Russell wie einst Max Verstappen beim Umstieg von Toro Rosso zu Red Bull auf Anhieb gewinnen, wäre er der Superstar, und Hamilton müsste sich anhören, dass in einem Mercedes jeder halbwegs begabte Rennfahrer gewinnen kann.

Valtteri Bottas weist jeden Druck von sich: "Ich habe einen Vertrag für das nächste Jahr. Ihr macht die Dramen, Ihr interpretiert da zu viel rein. Es ist eine große Chance für George sich zu zeigen, mehr nicht. Ich muss hier noch zwei wichtige Rennen für mein Selbstvertrauen fahren." Russell verrät, dass der Anruf von Toto Wolff ihn am Dienstagmorgen um zwei Uhr erreichte. "Den ganzen Dienstag lang hatte ich 64 Anrufe und Nachrichten." Der Sitz für Russell musste extra aus England eingeflogen werden. Trotzdem wird es eng im Mercedes-Cockpit. "Ich muss kleinere Schuhe anziehen." Sein Landsmann Lando Norris traut ihm alles zu: "Er steigt in große Schuhe, aber er kann alles erreichen. Er kann auf die Pole Position fahren, er kann gewinnen." Charles Leclerc geht noch einen Schritt weiter: "Ich wette auf einen Sieg von Russell."

George Russell - Mercedes - GP Sakhir 2020 - Bahrain
Aktuell

Ferrari

Normalerweise trennen Zehntelsekunden das Mittelfeld. Charles Leclerc erwartet einen Kampf um Hundertstel und Tausendstel: "Jeder noch so kleine Fehler kann einen Unterschied ausmachen." Das gilt auch für das Setup und die Rennstrategien. Die Reifenmischungen sind zwar die gleichen wie am vergangenen Wochenende und der Asphalt natürlich auch, und doch gelten ganz andere Parameter. Einsatzleiter Matteo Togninalli erklärt: "Die Reifen müssen 20 bis 30 Prozent weniger Energie aufnehmen. Sie haben zwischen den Kurven längere Erholungsphasen. Damit ist das Überhitzen der Hinterreifen ein kleineres Problem als vergangene Woche."

Ob das gut oder schlecht für Ferrari ist, vermag Toginalli noch nicht zu sagen. "Es ist bekannt, dass wir uns auf Strecken schwer tun, die vom Auto aerodynamische Effizienz verlangen. Das wird auch diesmal der Fall sein. Andererseits hatten wir auf dem Originalkurs große Probleme, die Hitze aus den Reifen zu halten. Das wird diesmal einfacher werden."

Charles Leclerc liegt mit 98 Punkten nur vier Zähler hinter Platz 4. Schon die letzte Saison beendete der Monegasse als Vierter. "Wenn ich dieses Jahr Vierter werden sollte, wäre der viel mehr wert als 2019. Da hatte ich ein viel besseres Auto als dieses Jahr. Was ich besser machen würde? Die erste Runde beim zweiten Rennen in Österreich und die letzte Runde in der Türkei." Sebastian Vettel dämpft die Hoffnungen, Ferrari könnte sein Punktekonto am vorletzten GP-Wochenende groß ausbauen: "Diese Strecke ist nicht unser Favorit." Auf seine eigene Person bezogen meint der scheidende Ferrari-Piloten. "Ich befinde mich seit einigen Rennen im Aufwärtstrend und würde das gerne fortsetzen."

Red Bull

Max Verstappen sieht sich nach dem Ausfall von Lewis Hamilton nicht automatisch als Favorit: "Da fahren immer noch Russell und Bottas im schnellsten Auto im Feld. Wir erwarten eine einfache Strecke mit geringen Unterschieden. Da kann es auch passieren, dass die Autos hinter uns aufschließen. Motorleistung wird auf jeden Fall helfen." Der Holländer hofft, dass es kein zweites Monza gibt: "Da fährst du mit minimalem Abtrieb und alles reduziert sich auf die Geraden. Ich gehe davon aus, dass wir hier mit mehr Anpressdruck unterwegs sind und dass wir bessere Chancen haben."

Sergio Perez - Racing Point - GP Sakhir 2020 - Bahrain
xpb
Sergio Perez hofft, in spätestens zwei Wochen Bescheid zu wissen, ob er 2021 im Red Bull sitzt.

Racing Point

Racing Point fehlen 17 Punkte auf McLaren. Lance Stroll sieht trotzdem noch Chancen: "Ein gutes Rennen, und wir sind wieder dran. Wir haben das Auto dazu, das zu schaffen." Sein eigener Überschlag in der ersten Runde des GP Bahrain ist schon wieder vergessen. "Der Unfall war nicht schlimm. Es war nur frustrierend, dass ich wieder mit leeren Händen dastand. Das ist meine Story seit meinem Podium in Monza." Sergio Perez trauert ebenfalls verpassten Chancen nach: "Ich hätte drei Mal in Folge auf dem Podium stehen können. Leider ist nur eines draus geworden."

Der Mexikaner wird erst nach der Saison wissen, wie seine Zukunft aussieht. Red Bull oder Pause. Es gibt zwar ein Angebot für eine Reservefahrer-Rolle von einem Topteam, doch Perez ist sich nicht sicher, ob er dafür zu jedem Grand Prix reisen will. "In dem Stadium, in dem ich mich in meiner Karriere befinde, wäre es hart, nur zuzuschauen. Das ist nur mein Plan C. Ich werde erst drüber nachdenken, wenn ich weiß, ob Plan A funktioniert."

Über das Team kann nur spekuliert werden. Es dürfte sich um Mercedes handeln. Perez kennt die handelnden Personen, den Motor und auch ein bisschen die Fahrzeugphilosophie. Der WM-Fünfte wäre der beste Ersatzfahrer, den man sich wünschen kann. Aber noch besser wäre er als Stammfahrer.

Williams

Wenn Williams in diesem Jahr noch Punkte holen will, wird das jetzt schwierig. Ihr aussichtsreichster Punktekandidat fährt am Wochenende für Mercedes. Und das ausgerechnet an einem Ort, an dem man noch einmal ein Chaosrennen erwarten könnte. Russell-Ersatz Jack Aitken gibt sein GP-Debüt. Da ist von dem englischen Formel 2-Piloten nicht gleich eine Überraschung zu erwarten. Aitken liegt derzeit auf Platz 14 der Formel 2-Saison. In seiner Vita stehen nach fast drei Jahren in der zweiten Kategorie vier Siege. Aitken rief selbst bei Williams an, als durchsickerte, dass George Russell den an Corona erkrankten Lewis Hamilton ersetzen könnte. "Da haben sie mich noch vertröstet. Am Mittwoch kam dann der erlösende Anruf."

Daniel Ricciardo - Renault - GP Sakhir 2020 - Bahrain
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Renault will es am zweiten Bahrain-Wochenende besser machen. Man hat Platz drei in der WM noch nicht aufgegeben.

Renault

Renault rätselt immer noch, warum letzten Sonntag der gute Speed vom Samstag verloren ging. "Von den Startplätzen aus durften wir mit vielen Punkten rechnen. Die McLaren waren ganz klar schneller als wir. Der Ausfall von Perez hat uns am Ende gerettet. Wir dürfen uns aber dieses Wochenende nicht darauf verlassen, dass andere Pech haben." Der Australier weiß nicht, was er vom zweiten Rennen in Bahrain halten soll. "Die Runde ist so kurz. Vielleicht hat einer etwas gefunden, das ein Zehntel wert ist. Das kann ein großer Vorteil sein." Esteban Ocon hofft, dass auf dem Outer Circuit mit weniger Abtrieb gefahren wird. "Das hilft normalerweise unserem Auto. Ich bete, dass die Realität die Papierform bestätigt."

Alpha Tauri

Pierre Gasly stuft den GP Bahrain trotz des Sieges in Monza als eines der besten Rennen des ganzen Jahres ein. "Wir waren in der Qualifikation nur zwei Zehntel von Platz fünf weg. Im Rennen haben wir es geschafft, die Reifen über 30 Runden lang am Leben erhalten. Am Ende habe ich die Runden gezählt. Ich sah Ricciardo im Rückspiegel näher kommen. Sicher hat mich das Safety Car gerettet, aber das war irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit für die verlorenen Punkte in Imola."

Der Franzose lobt sich als besseren Rennfahrer als noch vor einem Jahr: "Ich weiß jetzt, was ich brauche, um schnell zu fahren. In diesem Jahr habe ich viel an meiner Konstanz gearbeitet. Das Ziel war es, in jedem Rennen in die Punkte fahren zu können. Das habe ich erreicht." Daniil Kvyat nennt das Rennen in Imola als sein persönliches Highlight: "Ich habe drei Autos in einer Runde überholt. Das vergisst du nicht so schnell."

Romain Grosjean - Haas - GP Sakhir 2020 - Bahrain
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Romain Grosjean war am Donnerstag an der Rennstrecke und bedankte sich bei seinen Helfern.

Haas

Romain Grosjean wird am Wochenende als Zuschauer in der Haas-Garage stehen. Sein Ersatz Pietro Fittipaldi kennt das Team und das Auto. Das waren auch die Hauptgründe, warum sich Teamchef Guenther Steiner gegen Nico Hülkenberg aussprach. "Wir haben kurz darüber nachgedacht. Aber Nico hätten wir zuerst einfliegen müssen, er hätte einen Sitz und einen Corona-Test gebraucht, und am Ende hätte es mehr Geld gekostet als einen Fahrer zu nehmen, der schon unter Vertrag ist und der alles schon kennt und mit dem Auto vertraut ist."

Ob Grosjean in Abu Dhabi fährt wird am Montag nach dem zweiten Bahrain-Grand Prix entschieden. Seinem Ersatz Pietro Fittipaldi wurde zwar während der Saison immer wieder versprochen, dass er im Ernstfall einspringen muss, doch die Bestätigung gab es erst am Montag nach dem Unfall. "Ich habe Teamchef Steiner immer vertraut. Guenther ist ein Mann, der Wort hält."

Fittipaldi erfuhr von seiner Nominierung am Montag an der Rennstrecke. "Ich habe gleich danach viele Nachrichten von brasilianischen Kollegen bekommen. Mein Großvater Emerson hat gesagt: Genieße es. Du fährst nur einmal deinen ersten Grand Prix. Gehe Schritt für Schritt an die Aufgabe heran, und dann gib einfach Vollgas." Der 24-jährige Brasilianer weiß, dass ihm ein harter Job bevorsteht. "Im letzten Jahr habe ich noch sechs bis sieben Mal das Auto getestet, dieses Jahr nicht mehr. Das wird eine harte Nummer, weil du im Fitnessstudio nicht die Fliehkräfte simulieren kannst."

Für Kevin Magnussen steht die Zukunft fest. Der Däne wechselt in die IMSA-Serie in das Ganassi-Team. Sein erstes Rennen sind die 24 Stunden von Daytona. "Ich freue mich darauf, mal wieder in Autos zu fahren, mit denen ich gewinnen kann", hofft Magnussen auf eine erfolgreichere Zukunft. Der Däne blickt noch einmal auf letztes Wochenende zurück: "Es fühlte sich irgendwie falsch an, nach dem Unfall ein Rennen zu fahren. Das ist wie wenn du aus einem Traum aufwachst. Es macht dir mit einem Schlag klar, was alles passieren kann."

McLaren

McLaren hat 17 Punkte Vorsprung und 27 Zähler auf Renault im Kampf um Platz 3. Für Lando Norris kein Grund, die letzten zwei Rennen auf die leichte Schultern zu nehmen: "Wir können ein bisschen Luft holen, dürfen jetzt aber nicht nachlassen. Auf dieser Rennstrecke ist alles möglich. Es wird das engste Rennen des Jahres." Carlos Sainz will den Outer Circuit von Bahrain nicht mit Monza vergleichen. "Wir werden hier nicht mit der gleichen Abstimmung fahren wie in Monza. Deshalb wäre es fahrlässig zu glauben, dass wir hier automatisch so gut sind wie dort."

Der Spanier ist nach den letzten zwei Rennen sofort frei für Ferrari. Theoretisch könnte er wie Fernando Alonso an dem Young Driver-Test für seinen neuen Arbeitgeber in Abu Dhabi teilnehmen. Wenn es nur darum ginge, bei der FIA um eine Sondergenehmigung zu fragen, würde sie Sainz beantragen. "Aber nach dem aktuellen Stand sieht es so aus, als würden Ilott und Shwartzman dort für Ferrari testen."

Alfa Sauber

Die Alfa-Sauber-Piloten haben sich untereinander ausgesprochen. Antonio Giovinazzi war in der Startphase in das Auto seines Teamkollegen gefahren. "Ich wollte einem langsamen Racing Point ausweichen und habe dabei Kimi übersehen. Nach dem Rennen habe ich mich bei ihm entschuldigt." Kimi Räikkönen nahm es nicht krumm: "Solche Dinge passieren." Mit der Kollision war auch sein Rennen beeinträchtigt. Der Unterboden an seinem Auto nahm Schaden. Giovinazzi erwartet ein hektisches und kompliziertes Wochenende. Nicht nur wegen des erwarteten starken Verkehr im Q1. "Auch das Rennen wird nicht einfach. Wir werden dauernd blaue Flaggen sehen."

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