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Technik-Tricks am Rande des Reglements

FIA ändert ihre Politik

Ferrari - GP Ungarn - Budapest - Formel 1 - 28.7.2017 Foto: ams 16 Bilder

In diesem Jahr wurden bereits mehrere Teams mit Techniktricks in den Grauzonen des Reglements erwischt. Doch statt wie früher direkt Strafen auszusprechen, klopft die FIA den Teams nur auf die Finger und zwingt zu Nachbesserungen.

10.08.2017 Michael Schmidt 13 Kommentare

Wann wurde das letzte Mal ein Team wegen Verletzung des Reglements disqualifiziert oder strafversetzt? Stimmt. Auch wir mussten nachdenken. Uns fällt nur Red Bull in Abu Dhabi 2014 ein. Da mussten beide Autos aus der Boxengasse ins Rennen gehen, weil sich die Flaps des Frontflügels zu stark verbogen hatten.

Red Bull hatte damals ganz dreist beschissen. Die Verstellleiste für die Flaps war nicht aus Metall, sondern aus Gummi mit einer eingebauten Feder. Die Aufnahmen der in den Nasen versteckten TV-Kameras hatten die FIA-Kommissare damals stutzig gemacht. Heute sind es meistens Informanten der Konkurrenz, die den Wettbewerbshütern die entscheidenden Beweise zuspielen. Oder Lobbyarbeit bestimmter Teams.

Ferrari stieß die FIA im Winter mit der Nase auf die vernetzten Fahrwerke. Deren Existenz war bekannt. Nicht aber unbedingt, was sie theoretisch können. Als sich die FIA genauer damit befasste, wurden die entsprechenden Paragrafen exakter definiert. Mit Folgen für Mercedes und Red Bull.

Whistleblower haben Hochkonjunktur

Im Verlauf der Saison ging es im gleichen Stil weiter. Mercedes, Ferrari und Red Bull belauern sich gegenseitig, immer in der Angst der andere könnte einen Trick gefunden haben, den man selbst nicht kennt. Weil sich die Ingenieure vermehrt in Grauzonen bewegen, haben Whistleblower Hochkonjunktur.

Red Bull mahnte schon zu Saisonbeginn an, dass bestimmte Motorenhersteller Öl dem Benzin beimischen, um so im Sinne der Leistungssteigerung unerlaubte Additive in den Verbrennungsprozess zu bringen.

Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1 - GP England - 14. Juli 2017 Foto: Wilhelm
In Sachen Ölverbrauch führte die FIA neue Grenzwerte ein, um Tricksereien mit Additiven zu verhindern.

Die FIA teilte daraufhin den Herstellern mit, dass man die Grenze des Ölverbrauchs von 1,2 Litern pro 100 Kilometer innerhalb eines Jahres auf 0,6 Liter senken wolle. Doch dann wurde in Montreal einer erwischt, der den Grenzwert überschritt. Man nahm an, dass es sich dabei um Ferrari gehandelt hat. Deshalb wurden die Bestimmungen verschärft. Über 1,2 Liter/100 Kilometer wird bestraft. Nach der Sommerpause muss jeder neue Motor im Pool auf einen Verbrauch von 0,9 Liter/100 km gesenkt werden. Ab 2018 gilt unwiderruflich 0,6 Liter/100 km. Außerdem wird die FIA im September Motoröl genau spezifizieren. Dann verschwinden auch die Additive, die man nicht im Brennraum sehen will.

Schon in diesem Fall zeigte sich, dass die FIA Milde walten ließ statt streng nach Gesetz vorzugehen. Der gleiche legere Ansatz war auch nach Protesten gewisser Teams in Shanghai zu beobachten, dass sich bei einigen Autos die Unterböden an den Seiten zu stark Richtung Straße bogen, die Heckflügel nach hinten klappten und die Airbox-Finnen samt T-Flügel wie ein Fuchsschwanz im Wind wedelten. Nachdem bei Mercedes zwei Mal ein T-Flügel abgefallen war, verordnete die FIA mit zwei Rennen Vorlauf neue Richtwerte für die Biegsamkeit der Finnen und Mini-Flügel. An dem GP Spanien war es Gesetz.

FIA führt neuen Unterboden-Test ein

In Baku zeigten die Technikkommissare Ferrari die rote Karte. Die Luftdurchleitung durch die Vorderachse wurde auf der Geraden trickreich geschlossen, um den Luftwiderstand zu reduzieren und den Top-Speed zu erhöhen. Das fällt in die Kategorie bewegliches aerodynamisches Hilfsmittel, ist also illegal. Ferrari musste zurückrüsten. Zwei Konkurrenten hatten die Beweis-Fotos geliefert.

Beim GP Aserbaidschan führten Tipps eines Teams zu einer weiteren „Entdeckung“. Bei der Mehrzahl der fünf Teams, deren Autos mit einem hydraulischen Fahrwerk ausgerüstet sind, wurden die Aktuatoren in der Garage vorgeheizt, um das Hydrauliköl auf Betriebstemperatur zu bringen. Das sollte eine konstante Bodenfreiheit garantieren. Die Praxis wurde untersagt.

Ob einige der Teams die Temperatur des Hydrauliköls durch geschickte Platzierung der Stellglieder im Getriebegehäuse „zufällig“ beeinflussen, wurde nicht geklärt. Es wäre auch nicht strafbar. Höchstens clever. „Wir können den Teams nicht vorschreiben, wo sie welche Teile im Auto verstauen“, bedauerte ein FIA-Mann.

Ferrari - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2017 Foto: ams
Die FIA schaut bei Ferrari mittlerweile etwas genauer auf den Unterboden.

Weil es ständig Ärger mit den Unterböden gab, führte der Weltverband in Österreich einen neuen Biegetest ein. Jetzt können die Kommissare den Boden an jeder beliebigen Stelle testen und nicht mehr nur dort, wo es zuvor festgelegt worden war. Das schränkt den Spielraum der Trickser drastisch ein. Die FIA hängt dazu Gewichte von zwei Kilogramm an unterschiedliche Partien des Bodens. Sie dürfen sich maximal einen Millimeter verbiegen. Bei Stichproben am Red Bull-Ring wurden fünf Teams erwischt. Ansage der FIA-Technikexperten: Bis zum GP England ist das Problem gelöst.

Red Bull erwischte es wieder mal mit dem Frontflügel. Ein Dauerthema bei diesem Team. Die Endplatte des RB13 ist hinten vom Rest des Flügels getrennt. Im Stand ist das Konstrukt stabil. Bei entsprechender Last bog sich die Endplatte samt Flaps nach hinten. Was auf der Geraden einen Top-Speed-Gewinn ergab.

Die FIA klopfte Red Bull nach dem GP England auf die Finger. In Ungarn war eine Verstärkung des Teils zu beobachten. Mercedes monierte nach dem ersten Trainingstag, dass sich der Flügel immer noch zu viel verbiege. Also wurde ein weiteres Mal nachgebessert. Bis am Samstag alle zufrieden waren.

Die Politik der langen Leine kommt bei den großen Teams gut an. Sie können am Rande der Regeln experimentieren, ohne gleich disqualifiziert zu werden. Die kleineren Teams ärgert der neue Kurs des Weltverbandes. Weil sie nicht die Mittel haben, riskante Technik-Tricks ans Auto zu bringen, immer mit der Angst, dass sie am Ende in der Mülltonne landen.

Neuester Kommentar

Da steht aber auch keines von dem Nonsens von euch drin...

Der Nonsens erinnert mich an einen Satz von einem User:
"...da spielt bei dir lediglich Empathie und Antipathie eine entscheidende Rolle..." --> Glashaus-Kommentare

Butter_my_Butt 11. August 2017, 12:12 Uhr
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