Sebastian Vettel - Barcelona F1-Test - 2019 Motorsport Images

Ferrari in Frühform

Ein fast perfekter Auftakt für Vettel

Sebastian Vettel und sein Ferrari SF90 haben sich schon angefreundet. Der Heppenheimer drehte zum Barcelona-Testauftakt die schnellsten und die meisten Runden. Noch will Vettel aber nicht zu viel hineininterpretieren.

Von so einem Start ins neue Jahr träumen Rennfahrer. Sebastian Vettel drehte beim Shakedown am Sonntag seine ersten Runden im neuen Ferrari SF90 und spürte sofort eine Verbindung. Die ersten Eindrücke und Gedankengänge der Jungfernfahrt auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya verfestigten sich einen Tag später an gleicher Stelle. Die neue rote Göttin ist gesund geboren.

Vettel strahlt. Er lacht. Er wirkt gelöst. Er schwärmt. Vom besten Testauftakt seiner Karriere. Und der Heppenheimer hat seit 2008, seit er damals für Toro Rosso seinen ersten Testwinter bestritt, bereits elf erlebt. „Ich bin ohne große Erwartungen ins Auto gestiegen. Das ist die beste Herangehensweise. Ich wollte mich überraschen lassen. Schon auf den ersten Metern gestern hatte ich ein positives Gefühl. Heute war es ein fast perfekter Tag. Das Team hat großartige Arbeit beim Bau des Autos geleistet. Ich werde nachher direkt ein paar positive Nachrichten nach Maranello schicken.“

Vettel kann mit dem SF90 spielen

Die Bestzeit von 1:18.161 Minuten möchte Vettel noch nicht überbewerten. „In ein paar Wochen ist es bedeutungslos. Was zählt ist dann der Saisonstart.“ Wer weiß schon, was die anderen gemacht haben. Bei Testfahrten ist es schwer zu vergleichen. Vor allem am ersten Tag. Die Teams sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf unterschiedlichen Programmen auf unterschiedlichen Reifen mit unterschiedlichen Spritmengen und Leistungsstufen unterwegs. Zu viele Variablen.

Doch die Art und Weise, wie sich der SF90 über die 4,655 Kilometer und durch die 16 Kurven bewegte, reichert Vettels Appetit an. „Ich konnte mit dem Auto spielen, es in die Kurven schmeißen, wie ich es wollte. Ehrlich gesagt hätte ich nicht mehr verlangen können. Wir verstehen unser Auto schon ganz gut.“

Ferrari SF90 - F1-Auto - 2019
Aktuell

Auch optisch gefällt dem viermaligen Weltmeister sein neuer Dienstwagen. Bis auf eine Ausnahme. „Der Frontflügel sieht hässlich aus. Ich verstehe nicht, wieso er breiter wurde. Vor ein paar Jahren haben wir ihn verkleinert, um besser überholen zu können. Jetzt wird er vergrößert, um besser überholen zu können.“ Den Abtriebsverlust durch die vereinfachte Form mit nur noch fünf Elementen und einer Endplatte aus dem Lego-Baukasten hat Ferrari bereits gut aufgefangen. Der Frontflügel fühle sich besser an, als er aussehe.

Ohnehin gehe es um die Frage, wer durch die neuen Aerodynamikregeln am meisten Anpressdruck verloren habe, und am schnellsten am meisten wiedergutmache. Ferrari scheint nach dem ersten Testtag auf dem richtigen Weg. Das Auto kam ohne technische Gebrechen durch die acht Teststunden und über die 169 Runden. Vettel lag nicht weit vom eigenen Rekord von 188 Runden an einem Tag aus dem Vorjahr entfernt.

Vettel nimmt Leclerc sehr ernst

Der Fahrer hingegen leistete sich einen Dreher. Am Vormittag rutschte Vettel im letzten Streckenabschnitt aus, konnte aber direkt weiterfahren. „Ich war anfangs noch ein bisschen eingerostet nach dem langen Winter. Aber ich hatte heute genügend Zeit, mich freizufahren.“

Bei Ferrari wurde im Winter an der Spitze umstrukturiert. Maurizio Arrivabene musste an der Spitze des Teams abtreten. Technikchef Mattia Binotto entschied den internen Machtkampf für sich. Der Italiener mit Schweizer Wurzeln führt jetzt nicht mehr nur die Technikabteilung, sondern den ganzen Rennstall. Eine Mammutaufgabe, bei der ihn Vettel so gut es möglich ist unterstützen möchte. Vettel sieht keine Gefahr, dass die Umstrukturierung ins Negative ausschlagen könnte. „Die Mannschaft, die das Auto baut, ist dieselbe.“

Am Dienstag muss er sein Auto an Neu-Teamkollege Charles Leclerc abtreten. Wie sieht Vettel den Neuen? „Als Teamkollege kenne ich ihn noch nicht. Er wird mich sicherlich unter Druck setzen wollen. Aber als Neuzugang hat er andere Sachen auf dem Teller wie ich. Ich nehme ihn sehr ernst. Für uns beide wird es aber die erste Priorität sein, das Team weiterzuentwickeln und nach vorne zu bringen. Natürlich wollen wir, will ich, Weltmeister werden. Aber dieses Ziel liegt zu diesem Zeitpunkt noch weit entfernt.“

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Kimi Räikkönen - Alfa Romeo - Barcelona - F1-Test - 18. Februar 2019
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