Start - GP Spanien 2019 Motorsport Images

Titelduell Hamilton vs. Bottas

Starts entscheiden über WM-Titel

Der WM-Titel 2019 geht an einen Mercedes-Piloten. Bis jetzt fahren Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auf Augenhöhe. Die ersten Rennen haben jedoch gezeigt, worauf es ankommt. Weltmeister wird der Fahrer mit den besseren Starts.

Fünf Rennen, fünf Mal der gleiche Sieger. Mercedes überrollt die Formel 1. Bis jetzt teilen sich Lewis Hamilton und Valtteri Bottas den Lorbeer paritätisch auf. Hamilton gewann drei, Bottas zwei Mal. Bottas stand drei Mal auf der Pole Position, Hamilton ein Mal. Beide holten je ein Mal den Extrapunkt für die schnellste Runde. Hamilton führte bislang 666, Bottas 483 Kilometer. Eines ist jetzt schon klar: Einer der beiden Mercedes-Fahrer wird Weltmeister. Es müsste schon ein Wunder passieren, wenn Ferrari oder Red Bull an dieser Dominanz etwas ändern können.

Es ist dieser Tage viel vom „neuen Bottas“ die Rede. Einem Bottas, dem man den Titel zutraut. Tatsächlich scheint der Finne stärker denn je. Hamilton korrigiert jedoch: „Valtteri ist in jede Saison stark gestartet. Er wird dieses Jahr versuchen, diese Form länger zu konservieren.“ Das muss er auch, wenn er gegen den Titelverteidiger eine Chance haben will. Trotzdem könnte es für Hamilton eine der schwierigsten Titeljagden werden. Weil es nur diesen einen Gegner gibt. Und das macht die Aufgabe für beide Mercedes-Fahrer kompliziert.

Entscheidung nach einem Kilometer

Sie werden sagen: Ist das nicht seit 2014 so? In den letzten fünf Jahren haben die Fahrer mit dem Stern auf der Brust immer den Titel unter sich ausgemacht. Und doch gibt es einen Unterschied. 2014, 2015, 2017 und 2018 gab es auf bestimmten Strecken so etwas wie Gegenwehr von der Konkurrenz.

Die überlegenste Saison von Mercedes in der Hybrid-Ära war das Jahr 2016. Da hat Red Bull zwei Mal mit Glück gewonnen. Im Prinzip ging es bei den 19 Rennen nur um die Frage: Hamilton oder Rosberg. Diese Konstellation bot Rosberg die beste Chance. Und er hat sie genutzt.

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2019
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Die Pole Position ist nicht entscheidend. Erst einmal konnte der Pole-Setter in fünf Rennen am Ende auch gewinnen.

Wenn Störfaktoren von außen nahezu ausgeschlossen sind, dann entscheidet nicht unbedingt der bessere Speed. Noch nicht einmal die Pole Position. Dann kommt es nur darauf an, wer aus der Startrunde als erster zurückkommt.

Haben Sie Zweifel? Bottas schlug Hamilton in Melbourne beim Spurt von der Linie und gewann das Rennen. Hamilton kam in China besser vom Fleck, weil Bottas auf der Startlinie zu viel Schlupf hatte. Der Sieg ging an Hamilton. In Baku setzte sich Bottas trotz des schlechteren Starts in den ersten drei Kurven durch. Der Finne blieb bis zum Schluss vorne. Umgekehrtes Bild in Barcelona. Hamilton hatte beim Start das Glück, dass Sebastian Vettel seinen Teamkollegen in der ersten Kurve in Schwierigkeiten brachte. Bottas kam von der Linie ab, Hamilton hatte die Nase vorn. Bis zum Schluss. Vettel resümierte nach dem Rennen: „Ich habe Lewis einen Gefallen getan.“

Nur in Bahrain lief die Story des Siegers geringfügig anders. Hamilton verlor den Start, er stand auch noch nach einer Runde hinter Bottas an, hatte dann aber das Glück, dass Charles Leclerc Bottas zu Beginn der zweiten Runde mit seinem Ausbremsmanöver dazu zwang, vom Gas zu gehen und die Spur zu wechseln. Das gab Hamilton die Chance zum Angriff. Eine Runde später wäre es schon nicht mehr möglich gewesen. Bahrain ist dennoch ein Beweis für unsere These. Kaum mischen sich andere Teams ein, konzentriert sich das Duell der Mercedes nicht nur auf diesen einem Moment beim Start.

Alle Trümpfe für den Spitzenreiter

Wenn sich der Pulverdampf der Startrunde einmal gelegt hat, ist das Rennen gelaufen. Bei zwei nahezu gleichwertigen Fahrern im gleichen Auto ist an ein Überholmanöver nicht mehr zu denken. Da muss schon ein Ausfall, ein technisches Gebrechen oder ein total verpatzter Boxenstopp dazwischen kommen.

Die moderne Formel 1 verbietet einen echten Zweikampf unter Teamkollegen. Man kann an der Spitze zwei Zehntel langsamer fahren und kommt trotzdem problemlos davon. Der Hintermann kann nur ein Mal kurz aufschließen, dann muss er wieder Abstand halten. Da hat sich auch mit den simpleren Frontflügeln und den neuen Pirelli-Reifen nicht viel geändert. Die Turbulenzen sind immer noch so heftig, dass dem nachfolgenden Fahrer Abtrieb fehlt. Das bedeutet Rutschen und höhere Reifentemperaturen. Der Gripverlust kommt zwar nicht ganz so schnell wie früher, aber er ist nach wie vor spürbar.

Bottas & Hamilton - Formel 1 - GP Spanien 2019
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Der Hintermann hat im gleichen Auto keine Chance zum Überholen.

Unter dem Strich haben Pirellis neuen Sohlen das Überholen fast ein bisschen schwerer gemacht. Weil die Unterschiede bei der Abnutzung der Reifen nicht mehr so groß sind. „Den Teamkollegen zu überholen kannst du gleich vergessen. Er hat das gleiche Auto, die gleichen Reifen, die gleiche Abstimmung“, winkt Nico Hülkenberg ab.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass der Spitzenreiter alle Trümpfe in der Hand hält und sein eigenes Rennen fährt. Barcelona lieferte den krassen Beweis. Bottas ließ sich freiwillig um 3,5 Sekunden hinter Hamilton fallen. Um das Ziel eines Einstopp-Rennens zu erfüllen, brauchte er saubere Luft. Jedes Rutschen hätte den Verschleiß der Reifen erhöht. Da Mercedes seine Fahrer aus Fairnessgründen immer mit der gleichen Strategie ins Rennen schicken wird und dem Spitzenreiter das bessere Boxenstopp-Timing gewähren muss, ist es eigentlich unmöglich, dass sich die Reihenfolge nach der ersten Runde noch einmal ändert.

Hamilton will nicht mehr nett sein

Also hängt alles am Start oder an den ersten Kurven. Und da kommt es darauf an, wer die Ellbogen besser ausfährt. Nachdem sich Bottas in Baku mit einer Härte, die man ihm gar nicht zugetraut hatte, durchsetzen konnte, kündigte Hamilton an: „Ich war zu nett. Beim nächsten Mal werde ich nicht mehr so schnell nachgeben.“ Spätestens seit Baku weiß auch der Weltmeister, dass der Titel auf dem ersten Kilometer entschieden wird. Die beste Gelegenheit ist der Start selbst. Ein Ingenieur erklärt uns: „Bei den fünf Starts in diesem Jahr hatte immer einer von unseren Fahrern ein Problem.“

Das kann der Fahrer selbst sein wie Hamilton in Melbourne. Oder eine weiße Linie auf der Zielgerade, die der Trainingsschnellste früher trifft als der Zweite, wie bei Bottas in Shanghai. Oder eine Kupplung, die sich nicht entscheiden kann, ob sie greift oder rutscht wie bei Bottas in Barcelona. Formel 1-Kupplungen sind so empfindlich, dass kleine Temperaturunterschiede einen großen Unterschied ausmachen, wie aggressiv die Kraft übertragen wird. Es wäre am Ende unbefriedigend, wenn der Weltmeister nur über diese eine Disziplin gekürt würde.

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