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Analyse F1-Test Barcelona

McLaren opfert Top-Speed für Abtrieb

McLaren, Williams & HaasF1 - Barcelona-Test - F1 - 2018 Foto: sutton-images.com 120 Bilder

Wer liegt beim Top-Speed an der Spitze? Natürlich Mercedes. Und wer ganz hinten? Schon wieder McLaren. Trotz Renault-Motor. In unserer Analyse blicken wir hinter die Zahlen.

13.03.2018 Michael Schmidt

Die Top-Speed-Analyse ist eine haarige Angelegenheit. Man kann leicht falsch liegen in seinen Schlussfolgerungen. Weil die Maximalgeschwindigkeit verschiedene Faktoren beeinflussen können. Der Luftwiderstand des Autos, die Power den Motors, der Extra-Boost durch die MGU-H, die Stellung des DRS und natürlich auch der Windschatten. Wir haben aus 5.398 Runden aller Autos in der zweiten Testwoche von Barcelona den jeweils höchsten Top-Speed rausgesucht. Dazu den jeweils besten Wert auf dem Zielstrich. Zwischen den beiden Messpunkten liegen rund 600 Meter.

Doch Vorsicht. Die Bestwerte auf dem Zielstrich und am Ende der Zielgeraden sind meistens in unterschiedlichen Runden gefahren worden. Für den Top-Seed war bei allen Fahrern das DRS offen. Und da wurde vermutlich auch mit voller Power ohne De-Rating zum Laden der Batterie gefahren. Die Differenz in diesem Fall zeigt, wie viel Extra-Boost die Elektromaschinen im zweiten Teil der Geraden noch beisteuern können. Ein großes Delta ist ein Kompliment an die MGU-H.

Mercedes setzt mit 334,3 km/h den Bestwert

Sebastian Vettel - Ferrari - F1-Test - Barcelona - Tag 7 - 8. März 2018 Foto: sutton-images.com
Ferrari scheint in Sachen Maximal-Power nicht weit von Mercedes entfernt.

Schauen wir uns zunächst die absoluten Top-Speeds an. Mercedes führt die Rangliste mit 334,3 km/h an. Aber nur mit Valtteri Bottas. Lewis Hamilton kam nie über 324,3 km/h hinaus. Der Weltmeister fuhr wohl andere Programme. Dass der Mercedes V6-Turbo immer noch die meiste Power hat, wird von keinem bestritten. Da er auch in den Kurven zusammen mit Red Bull das Maß aller Dinge war, spricht das für eine ausgezeichnete aerodynamische Effizienz der Silberpfeile.

Am anderen Ende der Tabelle steht McLaren. Das sind wir gewohnt. Doch McLaren kann mit dem Finger nicht mehr auf Honda zeigen. Die papaya-gelben Autos werden von Renault-Motoren angetrieben. Das lässt nur den Schluss zu, dass der McLaren MCL33 voll auf Anpressdruck ausgelegt ist.

Fernando Alonso fuhr den Spitzenwert von 317,6 km/h zum Abschluss seiner Mogelrunde, als er die Schikane abgekürzt hatte. Bei seiner schnellsten Runde von 1.17,784 Minuten wurde Alonso mit 315,7 km/h gemessen. Der Spanier war also mit offenem DRS unterwegs. Das ist alles, was sein McLaren hergab. Force India ist das Gegenteil. Dem Auto fehlt es noch an Anpressdruck. Sergio Perez war mit 330,2 km/h Drittschnellster, dafür aber ziemlich langsam in den Kurven.

Toro Rosso landete mit 324,3 km/h im guten Mittelfeld. So schlecht kann der Honda-Motor also nicht sein. Auch Pierre Gaslys 287,2 km/h auf dem Zielstrich lassen sich sehen. Honda hat seinen Antrieb nicht nur standfester, sondern auf kräftiger gemacht. Auch Red Bull kann sich über mangelnden Top-Speed nicht beschweren. Max Verstappen landete mit 331,2 km/h auf Platz 2. Da Teamkollege Daniel Ricciardo mit 318,5 km/h deutlich langsamer war, liegt der Verdacht nahe, dass Verstappen in dieser einen Runde Windschatten hatte. Dafür spricht auch das extrem hohe Delta von 60,6 km/h zwischen Zielstrich und Top-Speed in dieser speziellen Runde.

Ferrari mit größten Delta von Zielstrich zu Top-Speed

Lewis Hamilton - Mercedes - F1 - Testfahrten - Barcelona 2018 Blitz-Analyse 2. F1-Testwoche Mercedes hat Gegner im Griff

Ferrari ist am Ende der Geraden mit 329,2 km/h bei der Musik. Die Differenz zu Mercedes beträgt dort 5,1 km/h. Ein ähnliches Bild auf der Ziellinie. Da gewinnt Mercedes mit 295,0 km/h zu 291,8 km/h gegen seinen roten Widersacher. Doch wie gesagt: Die Bestzeiten bei Start und Ziel wurden meistens in anderen Runden gefahren als die Top-Speeds. Der Wert bei Start und Ziel ist deshalb eher ein Fingerzeig, wie gut das Auto aus der Schikane beschleunigt und durch die Zielkurve kommt.

Deshalb haben wir die beiden Werte bei den vier Motorenherstellern auch auf der Runde miteinander verglichen, in der die höchsten Geschwindigkeiten ermittelt wurden. Das Delta ist wie schon erwähnt ein guter Indikator, wie viel der Elektroantrieb zur Gesamtleistung beisteuert. Ferrari gewann dabei 56,7 km/h dazu. Mehr als Mercedes, die es auf 53,1 km/h gebracht haben.

Renault liegt mit einem 54,5 km/h Delta dazwischen. Herausgelesen bei Verstappens Bestmarke vom Donnerstag mit 327,2 km/h am Ende der Zielgeraden und 272,7 km/h auf dem Zielstrich. Der war realistischer als seine Montags-Show. Auch Honda ist mit einer Differenz von 50,2 km/h nicht mehr meilenweit entfernt. Was beweist: Elektrisch haben die Gegner von Mercedes aufgeholt.

Top-Speed-Rangliste F1-Test Barcelona 2018

FahrerTeamSpeed Ende GeradeSpeed ZielstrichDifferenz
Valtteri BottasMercedes334,3 km/h295,0 km/h39,3 km/h
Max VerstappenRed Bull331,2 km/h285,5 km/h45,7 km/h
Sergio PerezForce India330,2 km/h287,2 km/h43,0 km/h
Kimi RäikkönenFerrari329,2 km/h288,0 km/h41,2 km/h
Robert KubicaWilliams327,8 km/h288,0 km/h39,8 km/h
Sebastian VettelFerrari327,2 km/h291,8 km/h35,4 km/h
Esteban OconForce India327,2 km/h286,4 km/h40,8 km/h
Marcus EricssonSauber326,2 km/h288,0 km/h38,2 km/h
Romain GrosjeanHaasF1326,2 km/h284,9 km/h41,3 km/h
Carlos SainzRenault325,3 km/h285,7 km/h39,6 km/h
Charles LeclercSauber324,3 km/h288,7 km/h35,6 km/h
Pierre GaslyToro Rosso324,3 km/h287,2 km/h37,1 km/h
Kevin MagnussenHaasF1324,3 km/h287,2 km/h37,1 km/h
Lewis HamiltonMercedes324,3 km/h284,9 km/h39,4 km/h
Brendon HartleyToro Rosso324,3 km/h284,9 km/h39,4 km/h
Nico HülkenbergRenault323,3 km/h281,2 km/h42,1 km/h
Sergey SirotkinWilliams320,4 km/h288,7 km/h31,7 km/h
Lance StrollWilliams320,4 km/h286,4 km/h34,0 km/h
Daniel RicciardoRed Bull318,5 km/h284,2 km/h34,3 km/h
Fernando AlonsoMcLaren317,6 km/h286,4 km/h31,2 km/h
Stoffel VandoorneMcLaren315,7 km/h285,7 km/h30,0 km/h
Neuester Kommentar

"Passt auf HaasF1 auf!"

Mir geht es genau umgekehrt, von den genannten Leuten wird im Grunde, stets Mercedes-minded, immer das Gleiche geschrieben, immer durch die Mercedes-Brille und immer gleich nichtssagend. Offenbar geht es auch nicht so sehr um die Anforderung, mit interessanten Neuigkeiten aufzuwarten, sondern treu entsprechend dem Motto: Hauptsache, der Stift bewegt sich - irgendetwas zu schreiben, leider im den gleichen Unsinn mit immer den gleichen Tendenzen.

Jeder weiß doch aber, dass man auch nach 2 Wochen ohne eigentlichen Rennbetrieb eigentlich noch gar nichts sagen kann, weil jeder in den 2 Wochen bis Melbourne noch alle Hände voll zu tun hat, das zu ändern, was sich in den Tests als änderungswürdig erwiesen hat. Bekanntlich kann man erst nach dem GP Spanien eine ziemlich treffsichere Analyse abgeben.

Daher schätze ich dieses Wetteifern von Schmidt & Konsorten um immer den gleichen Bodensatz nicht. Es stellt auch keine journalistische Qualität dar.

Nabob 14. März 2018, 18:25 Uhr
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