Barcelona Top-Speed-Hitliste 2016

Ferrari fehlt noch Power

Ferrari - Barcelona - F1-Test - 2016 Foto: sutton-images.com

Bei den Rundenzeiten hat Ferrari die Nase vorn. In der Top-Speed-Hitliste Mercedes. Doch das ist nicht der entscheidende Punkt. Mercedes schlägt Ferrari deutlich bei der Differenz zwischen Zielstrich und Top-Speed-Messung. Und das ist ein guter Indikator für Motorleistung.

Die Rundenzeiten-Tabelle der ersten Testwoche von Barcelona kennt einen klaren Sieger. Ferrari fuhr an 3 von 4 Tagen Bestzeit. Jeweils auf Ultrasoft-Reifen. Ein Mal war Force India Sieger. Nico Hülkenberg hatte dabei Supersoft-Reifen aufgezogen. Und ihm fehlten nur 0,3 Sekunden auf Sebastian Vettel.

Mercedes begnügte sich mit Dauerläufen auf Medium-Reifen. Die Silberpfeile lagen in ihrer schnellsten Runde mit 1.24,867 Minuten deutlich zurück. Nico Rosberg und Lewis Hamilton waren immer schwer unterwegs. Und sie durften wie ihre Kollegen von den Mercedes-Kundenteams noch nicht auf den scharfen Motor-Modus schalten.

So analysieren die Teams die Test-Zeiten

Im direkten Vergleich mit Medium-Reifen war Vettel mit 1.24,939 Minuten nur um 73 Tausendstel langsamer als Rosberg. Ist das ein Hoffnungsschimmer für die Saison? Möglicherweise ja. Die Chefanalysten der Teams haben eine spezielle Software entwickelt, um die Unwägbarkeiten bei Testfahrten auszuschalten. Die da wären: Tankinhalt, Motor-Modus, Ers-Modus, Antriebs-Level, Reifentyp, Reifenabnutzung, Testprogramm.

Während wir 4 Speed-Messungen und die Sektorzeiten interpretieren müssen, rechnen die Analyseprogramme von Mercedes, Ferrari, Red Bull und Co. schon ziemlich genau aus, wer wann in welchem Betriebszustand unterwegs war. Die Fehlerquellen sind mit Verfeinerung der Software immer kleiner geworden.

Diese Programme stützen sich hauptsächlich auf GPS-Daten. Damit erkennt man bei jedem Auto , wie es beschleunigt, bremst und durch die Kurven fährt. Daraus lassen sich dann wieder Rückschlüsse auf das Gewicht, die Aero-Spezifikation und Motorprogramme ziehen. Die Reifendaten bekommen die Teams ja sowieso von Pirelli zugespielt.

Ferrari hat Rückstand halbiert

Wir haben bei einem Team nachgefragt und uns erkundigt, was die Kristallkugel so sagt. Demnach hat Ferrari den Rückstand auf 4 Zehntel halbiert. Allerdings hat Mercedes den Großteil seiner Aero-Upgrades schon verschossen. Und Ferrari hat vermutlich noch ein oder zwei Pfeile im Köcher. Die ersten Ausbaustufen werden für die zweite Barcelona-Woche erwartet. Fazit: "Wenn Ferrari da entsprechend Zeit findet, könnte es zu Saisonbeginn eine enge Kiste zwischen Mercedes und Ferrari werden."

Doch bei Ferrari gibt es auch noch Sorgenfalten im Gesicht. Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen legten an 4 Tagen nur 1.643 Kilometer zurück. Ungefähr die Hälfte des Pensums von Mercedes. Über die Hintergründe lässt Ferrari nicht viel raus. Es soll Probleme mit dem Benzinsystem geben. Das ist die offizielle Lesart.

Den Rest verraten die Speed-Messungen. Dem neuen Ferrari V6-Turbo fehlt offenbar noch Power. Vergessen sie den Top-Speedwert von 331,2 km/h. Er liegt um 8,4 km/h unter Rosbergs Rekordmarke von 339,6 km/h. Das Werksauto von Renault kommt immerhin auf 332,3 km/h. Nur McLaren-Honda fällt mit 324,3 km/h immer noch deutlich ab.

Top-Speed nicht so aussagekräftig wie Beschleunigung

Der absolute Top-Speed sagt laut Experten noch nicht viel über die Motorleistung aus. Die entscheidende Größe dafür ist die Speed-Differenz zwischen dem Zielstrich und der Top-Speedmessung etwa 400 Meter dahinter.

Da beginnen sich die Einflüsse der Geschwindigkeit, mit der das Auto aus der letzten Kurve kam zu nivellieren. Da zeigt sich, ob der Motor bei Vollgas noch Punch hat. Und wie viel die MGU-K und MGU-H noch Elektrokraft beisteuern können. Natürlich spielt auch der Luftwiderstand eine Rolle. Doch im Vergleich zwischen Ferrari und Mercedes muss man annehmen, dass er wie der Abtrieb annähernd gleich ist. Beide Autos sind im Gegensatz zum Red Bull moderat angestellt.

Jetzt also zu der ominösen Speed-Differenz. Mercedes legte auf den 400 Metern Messstrecke an den 4 Tagen relativ konstant Geschwindigkeit zu: 50,6 km/h (Montag), 53,2 km/h (Dienstag), 52,6 km/h (Mittwoch) und 49,3 km/h (Donnerstag). Das spricht für gleichbleibende Motoreinstellungen und keine großen Setup-Veränderungen am Auto.

Bei Ferrari steigerte sich der Speed zwischen Zielstrich und Ende Zielgerade an drei Tagen nur mäßig: 42,4 km/h (Montag), 42,8 km/h (Dienstag) und 42,8 km/h (Donnerstag): Einziger Ausreißer war der Mittwoch mit 47,0 km/h. Was immer noch um 6,2 km/h unter dem Mercedes-Bestwert liegt.

Reifen bestimmen Speed-Messung in Sektor 1

Die Geschwindigkeiten an den anderen beiden Messpunkten auf der Strecke sind nach der ersten Testwoche noch mit Vorsicht zu genießen. Da spielen der verwendete Reifentyp und der eingestellte Abtrieb eine große Rolle. Sektor 1 liegt am Ausgang der lang gezogenen Kurve 3. Die Sektor 2-Grenze kurz vor dem Bremspunkt am Ende der Gegengeraden. Offenbar haben sich die Force India-Piloten oft verbremst, weil sie die Rangliste an allen 4 Tagen mit deutlichem Vorsprung auf den Zweitbesten anführten.

Nimmt man die realistischen Werte, hat beim Top-Speed auf der Gegengeraden Ferrari mit 275,5 km/h die Nase vor Red Bull (274,8 km/h) und McLaren (274,1 km/h). Der Speed am Messpunkt 1 hat durchaus Aussagekraft, wie schnell die Autos aus Kurve 3 kommen. Doch da spielt auch die Reifenmischung mit hinein. So früh in der Runde bieten Ultrasoft und Supersoft im Vergleich zum Medium-Gummi noch richtig Klebstoff. So kommt es nicht von ungefähr, dass mit Force India (284,9 km/h), Ferrari (283,4 km/h) und Red Bull (281,9 km/h) 3 Autos vorne liegen, die mit den weichsten Mischungen aus dem Pirelli-Angebot unterwegs waren.

Hier die Tabelle mit allen Daten. Die Sektorgrenzen sind wie beim Grand Prix: Sektor 1 vor T4, Sektor 2 vor T10. Bei Toro Rosso gab es offenbar ein Problem mit dem Transponder. Deshalb haben wir keine Messdaten von den Sektor-Top-Speeds.

Top-Speeds Barcelona Test 1 2016

Team Top-Speed Team Sektor 1 Team Sektor 2
Mercedes 339,6 km/h Force India 284,9 km/h Force India 281,2 km/h
Williams 338,5 km/h Ferrari 283,4 km/h Ferrari 275,5 km/h
Sauber 338,5 km/h Red Bull 281,9 km/h Red Bull 274,8 km/h
HaasF1 337,5 km/h Williams 281,2 km/h McLaren 274,1 km/h
Force India 336,4 km/h Renault 281,2 km/h HaasF1 272,7 km/h
Manor 335,4 km/h HaasF1 275,5 km/h Renault 272,7 km/h
Renault 332,3 km/h Mercedes 275,5 km/h Mercedes 270,6 km/h
Ferrari 331,2 km/h Sauber 275,5 km/h Williams 269,3 km/h
Toro Rosso 327,3 km/h McLaren 279,0 km/h Manor 265,3 km/h
Red Bull 325,3 km/h Manor 271,3 km/h HaasF1 262,1 km/h
McLaren 324,3 km/h Toro Rosso keine Messung Toro Rosso keine Messung
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