Lewis Hamilton - GP Österreich 2019 Wilhelm

Top-Speed-Vorteil bei Ferrari

Mercedes hofft auf bessere Taktik

Der Red Bull-Ring ist wie Bahrain und Montreal keine Mercedes-Strecke. Zum dritten Mal in dieser Saison steht ein Ferrari auf der Pole Position. Die roten Autos flogen auf den Geraden allen davon. Es gab zu wenig „Mercedes-Kurven“, um das wieder wettzumachen.

Die Mercedes-Fahrer waren ehrlich. Die Bestzeit von Charles Leclerc lag außer Reichweite. Valtteri Bottas musste zugeben: „Mehr als der zweite Platz wäre nicht möglich gewesen. Wir sind auf allen Geraden langsamer als die Ferrari. Das konnten wir in den Kurven nicht aufholen, obwohl wir da fast überall schneller waren. Die meisten Kurven auf der Strecke sind zu kurz, um genügend Zeit gutzumachen.“

Die Analyse ergab, dass Ferrari in den schnellen Kurven mit den Silberpfeilen einigermaßen mithalten konnte. Mercedes war in den langsamen Passagen stärker. Schauen wir auf den GPS-Vergleich zwischen den besten Runden von Charles Leclerc und Lewis Hamilton. Ferrari gewinnt die gesamte Zeit auf den drei Geraden bis Kurve 4. Danach verlaufen die Kurven fast parallel.

Das Top-Speed-Delta beträgt 6 km/h. Allerdings über einen langen Bereich. Lewis Hamilton verliert drei Zehntel, Valtteri Bottas das Doppelte. Das lag daran, dass Hamilton den Windschatten des McLaren von Norris nutzen konnte, Bottas aber allein unterwegs war.

Wie wichtig die Geraden für die Rundenzeit sind, zeigt der Vergleich Hamilton gegen Hamilton, erster gegen zweiten Versuch. Der Engländer gewann allein wegen des Windschattens eine halbe Sekunde auf sich selbst.

Während Hamilton das Glück hatte, mit Norris ein Zugpferd zu finden, passierte Bottas das Gegenteil. Der Finne steckte am Ende der Aufwärmrunde in einem Stau. „Plötzlich haben alle fast angehalten, und am Funk habe ich gehört, dass es knapp wird, noch über die Ziellinie zu kommen. So ist Leclerc an mir vorbei, und ich bin schon schlecht in die Runde gestartet. Ich konnte in der Zielkurve nicht richtig Anlauf nehmen. Damit waren die Reifen im ersten Sektor noch nicht optimal im Fenster“, erklärte Bottas. Das Team entschuldigte sich bei dem Finnen für das Kommunikationsproblem.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 29. Juni 2019
Motorsport Images
Unglückliches Timing beim Herausfahren. Bottas musste auf einen Windschatten im Q3 verzichten.

Hoffen auf den besseren Start-Reifen

Ferrari war nicht zum ersten Mal schneller als die Mercedes. Auch in Bahrain und in Montreal stand ein rotes Auto auf dem besten Startplatz. Beides sind wie der Red Bull-Ring Strecken mit einem hohen Anteil an Geraden und Kurven mit zumeist kurzen Radien.

Teamchef Toto Wolff schloss aus den Daten: „Das Layout der Strecke passt nicht zu unserem Fahrzeug-Konzept. Wir haben nicht den Top-Speed der Ferrari, und wir sind wegen der Verpackung auf engstem Raum im Heck mit der Kühlung am Limit. Die Höhe und die Hitze zwingt uns die Verkleidung mehr zu öffnen, als wir uns das wünschen. Da haben unsere Gegner offenbar Vorteile.“

Wolff verteilt Komplimente an den Motor der Konkurrenz. „Wir müssen anerkennen, dass Ferrari im Moment den stärksten Motor hat.“ Auch Bottas glaubt, dass der Top-Speed-Vorteil der roten Autos mehr an der Power liegt als am günstigen Luftwiderstand. „Die haben auch in Monte Carlo auf den Vollgaspassagen eine halbe Sekunde auf uns gut gemacht, und da sind die Geraden eher kurz.“ Hamilton fürchtet: „Es wird im Rennen schwer werden, den roten Raketen zu folgen, selbst mit DRS. Wir haben ja schon in Montreal gesehen, dass ich nicht vorbeigekommen bin.“

Mercedes gibt das Rennen jedoch nicht verloren, auch wenn Bottas nur von Platz 3 startet und Hamilton wegen seiner Strafe auf Rang 4 versetzt wurde. Wolff hofft auf einen strategischen Vorteil: „Wir starten auf den Medium-Reifen und sollten in unserer Strategie flexibler sein als die Ferrari. Die sind entweder zu zwei Stopps gezwungen, oder sie können den ersten Stint nicht so lang ausdehnen wie wir und Verstappen.“

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 29. Juni 2019
Motorsport Images
Charles Leclerc jubelte über die Pole Position. Teamkollege Vettel hätte er wohl auch ohne dessen Technik-Pech geschlagen.

Freud und Leid bei Ferrari

Viel schwieriger wird die Aufholjagd für Sebastian Vettel. Der WM-Dritte schaute im Q3 zu und muss das Rennen vom 9. Platz in Angriff nehmen. Im linken Seitenkasten löste sich am Ende des Q2 eine Verbindung im Druckluftsystem für den pneumatischen Ventiltrieb. Teamchef Mattia Binotto vermutet, dass der Schaden bei einem Ritt über einen Randstein entstanden ist. „Leider ist das Teil sehr schwer zugänglich. So konnten wir es nicht mehr rechtzeitig reparieren.“

Umso größer war die Freude über Leclercs zweite Pole Position. Der Monegasse fühlte sich in seiner Bestandaufnahme bestätigt. „Ich baue jetzt den Speed in der Qualifikation Schritt für Schritt auf. Und ich antizipiere beim Setup besser die Streckenentwicklung.“ Die Vorstellung des 21-Jährigen erinnerte an Bahrain. Leclerc war fast das gesamte Wochenende um zwei Zehntel schneller als Vettel.

GP Österreich 2019: Die Highlights vom Qualifying

Hamilton, Leclerc & Verstappen - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 29. Juni 2019
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