Toro Rosso

Buemi wird endlich erwachsen

Buemi GP China 2011 Foto: Red Bull 17 Bilder

Im Schatten von Sieger Sebastian Vettel lieferten beim Türkei GP zwei Fahrer im Mittelfeld exzellente Leistungen ab. Kamui Kobayashi und Sebastien Buemi. Beide hätten noch weiter vorne landen können, hätten ihnen die Reifen nicht einen Streich gespielt.

Red Bull, McLaren, Ferrari, Mercedes und Renault sind Stammgäste in den Punkterängen. Für die anderen Teams zählt eine Platzierung in den Top Ten fast schon wie ein Podestplatz. Über Kamui Kobayashis Aufholjagd von 23 auf 10 wurde alles gesagt. Ohne den Reifenschaden in Runde 23 wäre noch mehr drin gewesen. Der Japaner festigte seinen Ruf als Kämpfer, sein Sauber als Reifenflüsterer.

Eine Auszeichnung verdient auch Sebastien Buemi. Der Schweizer schwimmt sich im Toro Rosso-Duell langsam frei. Jaime Alguersuari sah bei den ersten vier Grand Prix kein Land gegen den Teamkollegen. Sollte es in diesem Jahr noch zu einem Einsatz von Testfahrer Daniel Ricciardo kommen, dann ist aktuell  eher der Platz von Alguersuari in Gefahr.

Buemis Punktekonto steht seit Istanbul auf sechs, das des Spaniers auf Null. Teamchef Franz Tost urteilte nach dem Rennen: "Sebastien lieferte die bislang beste Saisonleistung ab."

Toro Rosso als Reifenflüsterer

Beim Toro Rosso STR6 ist eine ähnliche Qualität zu erkennen wie beim Sauber C30. Beide Autos gehen sehr pfleglich mit den Reifen um. Deshalb schlägt die Stunde der Toro Rosso auch immer erst im Rennen. Technikchef Giorgio Ascanelli hatte wie sein Kollege James Key von Sauber den richtigen Denkansatz. Wer im Mittelfeld um die letzten WM-Punkte fährt, der baut besser ein Auto, das die Reifen schont.

Williams machte genau das Gegenteil. Das blau-weiße Auto ist auf eine Runde vermutlich schneller, aber im Dauerlauf frisst es die Reifen. Der Punktestand gibt Sauber und Toro Rosso Recht.

Der Toro Rosso erlaubt es den Strategen am Kommandostand mit einem Boxenstopp weniger zu planen. Buemi wurde wie Jenson Button und Kamui Kobayashi mit einer Dreistoppstrategie ins Rennen geschickt. Auf den drei gebrauchten Sätzen für die ersten drei Turns setzte der 22-jährige Schweizer die Taktik seines Teams optimal um. Er war von Startplatz 16 auf Rang sieben nach vorne gestürmt. Bis zur 53. Runde lag Buemi vor den beiden Renault.

Buemi mit eckigen Reifen chancenlos

Der letzte Reifensatz zahlte es dem Toro Rosso-Piloten heim. Es war ein neuer der harten Mischung. Geplant waren 18 Runden. Die Renault-Piloten hatten für das Finale gebrauchte weiche Reifen aufgezogen. Mit deutlich geringerer Restdistanz. Vitaly Petrov musste 13, Nick Heidfeld zwölf Runden damit bis ins Ziel zurücklegen.

Buemi fuhr am Ende mit dem Rücken zur Wand: "Meine Reifen waren am Ende so eckig, dass ich vor lauter Vibrationen nicht mehr vernünftig in die Kurven einlenken konnte. Sonst hätten Heidfeld und Petrov keine Chance gegen mich gehabt. Ich hatte den Speed von Button." Technikchef Ascanelli nahm die Reifen in Augenschein: "Bis auf die Karkasse abgefahren." Und dann wurde der bärbeißige Ingenieur noch ein Lob für seinen Fahrer los: "Er ist heute erwachsen geworden."

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