Kimi Räikkönen - Ferrari - GP Abu Dhabi - Formel 1 - 23. November 2018 xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi - Formel 1 - 23. November 2018
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi - Formel 1 - 23. November 2018
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi - Formel 1 - 23. November 2018
Fernando Alonso - McLaren - GP Abu Dhabi - Formel 1 - 23. November 2018
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Trainingsanalyse GP Abu Dhabi 2018

Schongang wie in Mexiko

Red Bull war am Trainingsfreitag von Abu Dhabi der König der Longruns. Ferrari muss noch Hausaufgaben machen. Das Rennen könnte eine Kopie von Mexiko werden. Langsamfahren ist auf die Distanz schneller.

Da werden sich die Fahrer am Ende des letzten Rennens des Jahres wieder beschweren. Das Saisonfinale in Abu Dhabi droht ein Abziehbild des GP Mexiko zu werden. Wer langsam fährt, gewinnt. Alles wird sich am Sonntag darum drehen, das Körnen der Reifen in den Griff zu bekommen.

Die Problemzonen liegen rechts vorne und rechts hinten. Im Moment spricht bei den Longruns alles für Red Bull. Max Verstappen und Daniel Ricciardo verloren in den Dauerläufen auf den Hypersoft-Reifen über die Distanz die wenigste Zeit.

Ferrari muss noch Hausaufgaben machen. Auf Pirellis weichster Mischung war der Einbruch der Rundenzeiten massiv. Mercedes steht besser da, ist aber nicht auf Red Bull-Niveau. Je härter die Mischungen werden, desto mehr gleichen sich die Longruns an. Das Rennen wird also möglicherweise in den ersten 15 Runden entschieden und dann eine Prozession. Wie so oft in Abu Dhabi.

Überholmanöver werden also am Sonntag Seltenheitswert haben. Das Delta, um am Vordermann vorbeizufahren, liegt bei deutlich über einer Sekunde. Und dieses Delta wird nach den Erkenntnissen des Freitagstrainings bestenfalls auf den Hypersoft-Reifen groß genug ausfallen.

Sechs Dinge, die Sie nach dem Training wissen müssen:

Warum ist Ferrari bei den Hypersoft-Longruns so langsam?

Die Longrun-Zeitenliste ist trügerisch. Ferrari liegt vorne, hatte aber große Probleme mit den Hypersoft-Reifen. Zum besseren Verständnis der Diskrepanz: Die Strategieprogramme rechnen jede langsame Runde aus den Longruns heraus, weil sie normalerweise von Verkehr getrübt sind oder absichtlich zum Abkühlen der Reifen eingelegt werden. Sie dazu mit zu zählen würde das Bild verfälschen.

Bei den Hypersoft-Reifen in Abu Dhabi betrog ein extrem starker Abbau der Reifen durch Körnen den Algorithmus. Die Rundenzeiten wurden teilweise so langsam, dass sie die Software als irrelevant betrachtet hat und nicht zum Durchschnitt heranzieht. Sebastian Vettels Rundenzeiten auf Pirellis weichster Mischung brachen nach 5 Runden um bis zu 4 Sekunden ein. Gleiches Bild bei Kimi Räikkönen.

Kimi Räikkönen - Ferrari - GP Abu Dhabi - Formel 1 - 23. November 2018
xpb
Ferrari muss noch Hausaufgaben machen.

Lewis Hamilton verlor über einen Zeitraum von 7 Runden 2,5 Sekunden. Der Engländer hatte allerdings auch eine Abkühlrunde dazwischen, was den Reifen sichtlich half. Bei Max Verstappen verläuft die Zeitenlinie vergleichsweise gerade. Die achte Runde auf den Hypersoft-Gummis ist nur um 1,4 Sekunden langsamer als die erste. Kein Auto ging auf den Hypersoft-Gummis im Dauerlauf so gut wie der Red Bull.

„Die müssen massiv mehr Abtrieb haben“, stellte Vettel sachlich fest. Zu seinen Problemen meinte der Ferrari-Pilot selbstkritisch: „Vielleicht bin ich die ersten Runden zu schnell angegangen.“ Ähnlich wie bei den Ferrari sind auch die Hypersoft-Longruns von Fernando Alonso und Charles Leclerc mit Vorsicht zu genießen.

Auf den Supersoft-Sohlen waren beide Ferrari dagegen bei der Musik. Vettel legte 17 extrem konstante Runden auf die Bahn. Räikkönen fuhr in Runde 17 von 19 seine schnellste Supersoft-Zeit. Der Vergleich mit Lewis Hamilton hinkt etwas. Hamilton unterbrach seine Supersoft-Rennsimulation nach 7 Runden mit einer Boxendurchfahrt, um Verkehr auf der Strecke aus dem Weg zu gehen. Die ersten 7 Runden legte der Weltmeister mit einem Schnitt von 1.43,084 Minuten zurück, die zweiten mit einem Mittelwert von 1.42,736 Minuten.

Kann Red Bull wie in den letzten drei Rennen überraschen?

Die Reifen werden in Abu Dhabi eine geringere Rolle spielen als in den letzten Rennen. „In den Abendstunden wird kaum einer mit Blasen auf den Reifen zu kämpfen haben“, bedauert Red Bull-Teamchef Christian Horner. Schlussfolgerung: „Das hilft den anderen.“ Und bittere Erkenntnis: „Ein Rennen mit Start um 14 Uhr hätten wir wahrscheinlich gewonnen.“

Trotzdem meint Motorsportdirektor Helmut Marko: „Mit uns ist neuerdings immer zu rechnen. Wir sind aerodynamisch und mechanisch die besten. Kein Auto bremst so gut, keines hat eine so gute Traktion. Mit den Longruns sind wir extrem zufrieden. Sowohl von den Rundenzeiten als auch vom Ausmaß des Körnens, das wir am besten von allen im Griff haben.“

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Abu Dhabi - Formel 1 - 23. November 2018
xpb
Im Qualifying müssen wohl auch die Top-Teams Hypersoft-Reifen aufziehen.

Genau dieses Körnen wurde für die Konkurrenz am Freitag zum Problem. Wird es am Sonntag auch so sein? Ja, aber mit geringeren Auswirkungen. Erstens kommt immer mehr Gummi auf die Bahn, zweitens haben die Teams aus den Fehlern vom Freitag gelernt und drittens soll es am Sonntag etwas wärmer werden.

Max Verstappen verkürzte seine Trainingszeit mit einem wilden Ritt über den Randstein zwischen Kurven 20 und 21. Der Red Bull mit der Startnummer 33 stand 18 Minuten zum Unterboden-Check in der Garage. Trotzdem war der Holländer in den Longruns mit Hypersoft- und Ultrasoft-Reifen der schnellste Mann auf der Strecke. Obwohl Max Verstappen und Daniel Ricciardo mit den Ultrasoft-Sohlen oft im Verkehr festgesteckt sind.

Von den Supersoft-Gummis ließ Red Bull die Finger, was darauf schließen lässt, dass man das Rennen mit den weicheren Mischungen fahren will. Die größte Sorge von Red Bull ist das Überholproblem. „Wenn wir von unseren üblichen Plätzen 5 und 6 starten müssen, wird es schwer. Wir haben es schon probiert. Selbst wenn du eine Sekunde schneller fährst, kommst du nicht vorbei. Wir können da nur auf den Überholfaktor unserer Fahrer setzen.“

Wer ist in den Kurven am schnellsten?

GPS-Messungen bestätigen Vettels These, dass die Red Bull den meisten Abtrieb produzieren. Verstappen und Ricciardo gewinnen auf die Mercedes eine halbe Sekunde in den langsamen Kurven. Die verlieren sie aber wieder auf den Geraden. Dieser Verlust wird in der Qualifikation mit mehr Power bei Ferrari und Mercedes größer werden.

Ferrari büßt in den langsamen Kurven 4 Zehntel auf die Mercedes und 9 Zehntel auf Red Bull ein. Der Vorsprung auf den Geraden fällt geringer aus als sonst. Zwei Zehntel auf Mercedes, 0,7 Sekunden auf die Red Bull. Ferrari steht damit vor einem ähnlichen Problem wie in Mexiko. Dort, wo maximaler Abtrieb gefordert ist, bezahlen die roten Autos für den Rückgriff auf eine Aerodynamik-Spezifikation vom Sommer.

Ist Renault die Nummer 4?

Auf dem Papier ja. In Wirklichkeit bereitet Esteban Ocon den Renault-Strategen die meisten Sorgen. „Der ist ernsthaft schnell.“ Sergio Perez hinkt seinem Teamkollegen noch hinterher. „Am Morgen hatten wir ein Problem mit dem Auto. Wir haben massiv Abtrieb verloren und danach umgebaut. Im zweiten Training lief es besser. Aber ich war immer noch nicht mit der Balance zufrieden. Am Kurveneingang übersteuert das Auto.“

Esteban Ocon - Force India - GP Abu Dhabi - Formel 1 - 23. November 2018
sutton-images.com
Ocon macht den Renault-Piloten Sorgen.

Die HaasF1 könne man schlagen, meint Renault-Einsatzleiter Alan Permane. Wie alle Teams hatte auch Renault seine Probleme mit dem Körnen der Vorderreifen auf der Hypersoft-Mischung. Nico Hülkenberg mehr als Carlos Sainz. „Die Vorderreifen sind regelrecht auseinandergefallen“, wunderte sich Hülkenberg. Permane meinte: „Jetzt wissen unsere Fahrer, was sie am Sonntag nicht machen dürfen.“ Er prophezeit ein Rennen wie in Mexiko: „Jeder wird nur herumrollen, um das Körnen hinauszuzögern.“

Es kann einen selbst auf den Supersoft-Reifen erwischen, wie Carlos Sainz erfuhr. Der Spanier hatte einen extrem konstanten Dauerlauf auf der härtesten Mischung. Bis er auf einen Williams traf und überholen musste. „Bei der geringsten Überbelastungen stellt sich vorne Körnen ein.“ Permane erklärt, was das Problem ist. „Wenn du in den schnellen Kurven 3 und 4 zu aggressiv bist, schält sich gleich der Gummi von der Lauffläche.

Was konnte man im ersten Training lernen?

Eigentlich nichts. Im ersten Training, das von 13.00 bis 14.30 Uhr abgehalten wurde, lagen die Asphalttemperaturen nahe 50 Grad. In den Abendstunden sanken sie auf knapp 30 Grad ab. Deshalb nutzten viele Teams das erste Training zu Testfahrten für 2019. Ferrari probierte einen Frontflügel ohne vertikale Strömungsausrichter, so wie es 2019 verlangt ist. Hinter den Vorderrädern war ein großes Strömungsgitter angebracht. Auch der Unterboden mit den vertikalen Finnen war wieder im Einsatz. Er wurde zum vierten Mal gegen die alte Version getauscht.

Mercedes ließ sein Auto unberührt, probierte aber mit Hinblick 2019 unterschiedliche Varianten von Aerodynamik-Einstellungen aus, um die Auswirkungen auf die Balance zu testen. Außerdem waren wieder die Felgen mit den Löchern im Einsatz, die für mehr Kühlung sorgen sollen. Einen Ferrari-Protest fürchtet man im letzten Rennen, wo die WM schon entschieden ist, nicht mehr. Red Bull hatte seine Aero-Tests für die kommende Saison schon einige Rennen früher durchgeführt.

Kann man einen Ultrasoft-Start riskieren?

Wenn das Reifenbild so bleibt wie am Freitag, dann nicht. Der Hypersoft-Reifen erlaubt Rundenzeiten, die um 1,3 Sekunden schneller sind als die Ultrasoft-Bestwerte. Zwischen Ultrasoft und Supersoft liegen dagegen nur zwei bis drei Zehntel. Helmut Marko schließt daraus: “Bei dem großen Delta wird keiner riskieren, auf Ultrasofts durch das Q2 zu kommen.„

Das wäre gut für Red Bull: “Dann können wir im ersten Stint unseren Hypersoft-Vorteil ausspielen.„ Red Bull hat aber wahrscheinlich nur den ersten Stint dazu. Wer es bis Runde 15 schafft, kommt mit einem Stopp über die Distanz. Egal ob mit Ultrasoft oder Supersoft.

In der Galerie zeigen wir noch einmal die besten Bilder vom Trainingsfreitag.

Longruns Training GP Abu Dhabi 2018

Fahrer Ø längster Longrun Runden Reifentyp
1. Räikkönen 1.43,222 5 hypersoft
2. Vettel 1.43,473 6 hypersoft
3. Alonso 1.43,514 8 hypersoft
4. Hamilton 1.43,562 8 hypersoft
5. Bottas 1.43,686 7 hypersoft
6. Verstappen 1.43,867 9 hypersoft
7. Ricciardo 1.44,030 8 hypersoft
8. Hülkenberg 1.44,050 8 hypersoft
9. Magnussen 1.44,500 6 hypersoft
10. Ocon 1.44,514 8 hypersoft
11. Sainz 1.44,693 9 hypersoft
12. Sainz 1.44,723 7 hypersoft
13. Perez 1.45,213 7 hypersoft
14. Hartley 1.45,389 8 hypersoft
15. Grosjean 1.45,494 9 hypersoft
16. Sirotkin 1.45,947 4 hypersoft
17. Gasly 1.46,603 10 hypersoft
--- --- --- ---
1. Verstappen 1.43,183 12 ultrasoft
2. Ricciardo 1.43,308 10 ultrasoft
3. Bottas 1.43,756 15 ultrasoft
4. Gasly 1.44,841 10 ultrasoft
5. Magnussen 1.45,149 11 ultrasoft
6. Hülkenberg 1.45,284 18 ultrasoft
7. Ericsson 1.45,502 11 ultrasoft
8. Stroll 1.46,267 17 ultrasoft
--- --- --- ---
1. Hamilton 1.42,898 7+8 supersoft
2. Vettel 1.43,533 17 supersoft
3. Grosjean 1.43,934 8 supersoft
4. Räikkönen 1.43,960 19 supersoft
5. Ocon 1.44,275 12 supersoft
6. Leclerc 1.44,505 10 supersoft
7. Perez 1.44,579 11 supersoft
8. Hartley 1.44,787 14 supersoft
9. Sainz 1.44,798 18 supersoft
10. Alonso 1.45,477 15 supersoft
11. Sirotkin 1.45,764 19 supersoft
Fahrer Ø längster Longrun Runden Reifentyp
1. Räikkönen 1.43,222 5 hypersoft
2. Vettel 1.43,473 6 hypersoft
3. Alonso 1.43,514 8 hypersoft
4. Hamilton 1.43,562 8 hypersoft
5. Bottas 1.43,686 7 hypersoft
6. Verstappen 1.43,867 9 hypersoft
7. Ricciardo 1.44,030 8 hypersoft
8. Hülkenberg 1.44,050 8 hypersoft
9. Magnussen 1.44,500 6 hypersoft
10. Ocon 1.44,514 8 hypersoft
11. Sainz 1.44,693 9 hypersoft
12. Sainz 1.44,723 7 hypersoft
13. Perez 1.45,213 7 hypersoft
14. Hartley 1.45,389 8 hypersoft
15. Grosjean 1.45,494 9 hypersoft
16. Sirotkin 1.45,947 4 hypersoft
17. Gasly 1.46,603 10 hypersoft
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1. Verstappen 1.43,183 12 ultrasoft
2. Ricciardo 1.43,308 10 ultrasoft
3. Bottas 1.43,756 15 ultrasoft
4. Gasly 1.44,841 10 ultrasoft
5. Magnussen 1.45,149 11 ultrasoft
6. Hülkenberg 1.45,284 18 ultrasoft
7. Ericsson 1.45,502 11 ultrasoft
8. Stroll 1.46,267 17 ultrasoft
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1. Hamilton 1.42,898 7+8 supersoft
2. Vettel 1.43,533 17 supersoft
3. Grosjean 1.43,934 8 supersoft
4. Räikkönen 1.43,960 19 supersoft
5. Ocon 1.44,275 12 supersoft
6. Leclerc 1.44,505 10 supersoft
7. Perez 1.44,579 11 supersoft
8. Hartley 1.44,787 14 supersoft
9. Sainz 1.44,798 18 supersoft
10. Alonso 1.45,477 15 supersoft
11. Sirotkin 1.45,764 19 supersoft
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