Trainingsanalyse GP Mexiko 2018

Red Bull dominiert auch im Longrun

Daniel Ricciardo - GP Mexiko 2018 Foto: Red Bull 96 Bilder

Red Bull präsentierte sich schon oft am Freitag stärk. Doch diesmal fuhren Max Verstappen und Daniel Ricciardo so überlegen, dass sie nun als Favoriten in den GP Mexiko gehen. Auch wenn der Vorsprung in den Longruns geringer ausfällt als auf eine Runde.

Das war einmal ein ungewöhnliches Trainingsergebnis. Zwei Red Bull an der Spitze, und dann 1,2 Sekunden lang nichts. Nein, weder Ferrari noch Mercedes sind auf Platz 3 gelandet. Es war der Werks-Renault von Carlos Sainz. Dann erst Sebastian Vettel mit einem Fehler, aber nur einem Tausendstel Rückstand.

Die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas nahmen

Die ungewöhnliche Reihenfolge und der eklatante Zeitvorsprung der Red Bull verlangt Erklärungen. „Wir haben die perfekte Balance zwischen Kühlung und Abtrieb gefunden“, lobte Motorsportchef Helmut Marko. Der Trainingsschnellste Max Verstappen schloss sich an: „Wir haben ausreichend Abtrieb und guten mechanischen Grip. Die anderen offenbar nicht. Nur so sind solche Zeitdifferenzen erklärbar.“

In den Longruns ist die Reihenfolge ähnlich, allerdings sind die Abstände zwischen Red Bull, Ferrari und Mercedes geringer. Ein Mercedes-Ingenieur rechnete vor: „Red Bull liegt da zwei Zehntel vor Ferrari und ein weiteres Zehntel vor uns.“

Austin-Sieger Kimi Räikkönen auf den Plätzen 7 und 9 in ein silbernes Sandwich. Noch hinter Brendon Hartley, dessen Toro Rosso nur mit dem Spec 2-Motor von Honda ausgerüstet ist. Und der soll 40 PS weniger haben als die jüngste Spezifikation.

Stoffel Vandoorne - McLaren - GP Mexiko 2018 Reifen-Roulette im Qualifying Einstopper trotz Kaugummi-Reifen

Von Hamilton, Bottas, Vettel und Räikkönen hörte man immer das gleiche. Kein Grip. Als Ferrari Vettel aufforderte, schneller zu fahren, kam zur Antwort: „Ich kann nicht.“ Hamilton jammerte am Funk über Leistungsverlust. Die Wahrheit: Mercedes drehte seine Motoren auf den niedrigsten Stand. Man wollte bei 24 Grad Außentemperatur und der dünnen Luft nichts riskieren. Die Verkleidung war offen wie ein Scheunentor. „Das hat uns massiv Anpressdruck gekostet“, räumte Teamchef Toto Wolff ein.

Wenn man bei Renault und Toro Rosso nach dem Grund der starken Zeiten nachfragte, bekam man als Antwort nur Achselzucken zur Antwort. „Wir haben nichts anders gemacht als sonst“, beteuerte Renault-Einsatzleiter Alan Permane. Nico Hülkenberg staunte: „Nach den GPS-Messungen verlieren wir fast keine Zeit auf den Geraden. Die Höhe scheint die Motoren zu nivellieren.“

Sechs Dinge, die Sie nach dem Freitagstraining wissen müssen:

Ist Red Bull wirklich Favorit?

Motorsportchef Helmut Marko sagt klipp und klar: „Wir können gewinnen.“ Er traut sich sogar zu, dass Max Verstappen auf die Pole Position fährt und sich so gerade noch rechtzeitig zum jüngsten Trainingsschnellsten aller Zeiten kürt. Mit einer Einschränkung: „Wenn wir sehen, dass es aus taktischen Gründen besser ist, auf die Pole Position zu verzichten, machen wir es.“

Mercedes - Formel 1 - GP Mexiko - 25. Oktober 2018 Foto: ams
Mercedes scheint mit dem speziellen Mexiko-Kühlpaket mehr Probleme zu haben als Red Bull.

Damit ist die Fahrzeugabstimmung gemeint. Ausnahmsweise gibt es auch keine Querschläger gegen Renault: „Hier in der dünnen Luft hat sich die Leistung der Motoren fast ausgeglichen.“ Was ist dann anders als im Vorjahr? Antwort des Doktors: „Da war unser Chassis nicht so gut wie im letzten Jahr.“ Red Bull montierte den Unterboden mit den Zacken nach Ferrari-Vorbild wieder ab. Es geht auch ohne.

Für die Longruns (siehe Tabelle unten) müssen die Zeiten von Daniel Ricciardo herhalten. Von den nackten Zahlen her war der Australier auf den Hypersoft-Reifen zwar nur Drittschnellster, doch die Dauerläufe von Hamilton und Vettel waren mit Vorsicht zu genießen. Wegen des rasanten Reifenabbaus rechneten die Strategieprogramme zu viele der immer langsamer werdenden Rundenzeiten heraus.

Damit rangierte Ricciardo auch in dieser Wertung vorne. Ein Zehntel vor Esteban Ocon, der zwei Mal mit Hypersoft-Reifen zum Longrun ausrückte. Auf Ultrasoft-Sohlen dagegen lag Ricciardo eine Sekunde vor Bottas. Ferrari hat die mittlere Reifenmischung von Pirelli im zweiten Training nicht angerührt. Red Bull dagegen ließ die Supersoft-Gummis im Lager. „Die könnten am Sonntag unser Joker werden“, ist Marko überzeugt.

Der erste Trainingstag endete für Red Bull mit einer kleinen Schrecksekunde. Verstappen rollte sieben Minuten vor Trainingsende mit einem Hydraulikschaden aus. „Wir sind nicht allzu besorgt, dass es Folgeschäden gibt“, machte sich Verstappen Hoffnungen. „Ich bin mir sicher, die Jungs finden das Problem und beheben es heute Abend schnell.“

Hat Mercedes ein Motorenproblem?

Lewis Hamilton wunderte sich am Funk über die ungewöhnlich niedrige Motorleistung. Mercedes hat trotzdem kein Motorenproblem. Die Triebwerke wurden am Freitag auf ein Minimum an Leistung getrimmt, um sie für wichtigere Aufnahmen zu schonen. Das zeigen auch die Top-Speeds. Lewis Hamilton war auf der Zielgeraden 10 km/h langsamer als die Ferrari. Und sie verloren sogar auf die Renault. „Wir gehen davon aus, dass Ferrari die Leistung etwas weniger weit heruntergedreht hat als wir. Und Renault möglicherweise noch weniger“, analysieren die Mercedes-Ingenieure.

Der massive Abtriebsverlust wegen der stark geöffneten Heckverkleidung könnte sich am Samstag und Sonntag ebenfalls reduzieren. Die Lufttemperatur soll um 7 Grad, die Asphalttemperatur um 15 Grad sinken. Das wird auch Einfluss auf die Kühlkonfiguration haben. Was den Mercedes-Technikern Sorge macht ist der massive Zeitverlust auf den Hypersoft-Reifen. Nach vier bis fünf Runden geht nichts mehr. „Da können die Red Bull wesentlich länger fahren.“ Mercedes trat nach der Freigabe der Sportkommissare übrigens mit den gelochten Hinterradfelgen an.

Mit welchem Auto fährt Ferrari?

Ferrari - Formel 1 - GP Mexiko - 25. Oktober 2018 Foto: ams
Ferrari wird den neuen Unterboden mit den vertikalen Finnen im Rennen nicht verwenden.

Ferrari hat wie schon in Austin den neuen Unterboden mit den vertikalen Finnen wieder abgebaut. Die Fahrer fühlten sich mit der alten Version wohler. Vettel unterlief in seiner schnellsten Runde in Kurve 13 ein Fehler. „Sonst wäre ich vor den Renault gelandet.“ Ferrari scheint nach den Erkenntnissen des ersten Trainingstages vor den Mercedes zu liegen.

Im Supersoft-Longrun nahm Vettel seinem WM-Gegner Hamilton im Schnitt 0,153 Sekunden ab und fuhr dabei noch drei Runden länger. Das hilft aber nicht viel, wenn die Red Bull weiter so stark unterwegs sind. Vettel braucht zur Wahrung seiner theoretischen Titelchancen unbedingt einen Sieg. Die Frage aller Fragen lautet, wie weit Ferrari und Mercedes im Vergleich zu Renault von der Motorleistung am Samstag noch aufdrehen können.

Warum sind die Werks-Renault so gut?

Darauf wüsste Nico Hülkenberg auch gerne Antwort. „Im Auto fühlt es sich nicht so toll an. Dann muss es den anderen einfach noch schlechter gehen. Du fährst mit maximalem Abtrieb und denkst du bist auf einer Strecke mit mittlerem Anpressdruck unterwegs. Und vom Asphalt kommt auch nicht viel Grip. Wenn die Reifen nachlassen fühlt es sich an wie im Regen.“

Zwei Gründe sind für das Renault-Wunder denkbar. Die vielen langsamen Kurven kommen dem Auto entgegen. Der mechanische Grip ist gut. Und Renault hat die Motorleistung weniger stark reduziert als die Konkurrenz. Das lassen die Top-Speeds vermuten. Vettel wurde mit 353 km/h gemessen, Hülkenberg mit 351 km/h und Hamilton nur mit 343 km/h.

F1-Fotos GP Mexiko - Freitag
Rutschpartie in dünner Luft

Die Renault-Piloten glauben jedoch, dass wie in Austin der vierte Platz hinter den Top-Teams möglich ist. Hülkenberg warnt trotzdem: „Unterschätzt mir die Force India nicht. Die haben etwas Schlaues gemacht und sind beide Longruns auf den Hypersoft-Reifen gefahren. So haben sie sich Ultrasoft-Reifen für das Rennen gespart.“

Möglicherweise wird Force India sogar versuchen, sich im Q2 mit Ultrasoft-Reifen zu qualifizieren. Lieber Platz 11 und 12 in der Startaufstellung, dafür die bestmöglichen Reifen am Start. So könnte man vom Hypersoft im Rennen komplett die Finger lassen. Toro Rosso hat übrigens das gleiche wie Force India gemacht.

Wer fährt mit welchem Motor?

Mercedes hat wie in Singapur wieder den Spec-2-Motor ausgepackt. Man will dem Spec3-Triebwerk nur sieben Wochenenden zumuten. Deshalb muss der Titelverteidiger zwei Mal nach der Sommerpause auf die ältere Motorenspezifikation zurückgreifen. Ferrari fährt tapfer mit der Spec-3-Version. Das heißt, dass man den Motoren acht GP-Wochenenden zutraut.

Max Verstappen - GP Mexiko 2018 Foto: sutton-images.com
Red Bull fährt in Mexiko nicht mit der letzten Renault-Ausbaustufe.

Red Bull hat auf die B-Motoren von Renault zurückgerüstet und gibt damit rund 15 PS auf. Außerdem macht man sich Sorgen um die Turbolader im Pool von Daniel Ricciardo. Der von Austin könnte nach dem Batterieschaden von Austin etwas abbekommen haben. Bei einem anderen hatte Renault Verschleißspuren festgestellt. Renaults Vorschlag, einen neuen Lader einzubauen, lehnte Red Bull ab. „Das kennen wir vom letzten Jahr. Da ging uns ein neuer Turbolader nach fünf Runden kaputt.“

Honda geht ebenfalls einen Schritt zurück und setzt in der Höhe von Mexico-City die zweite Spezifikation ein. Was in der Höhenluft kein großer Schaden ist. Da ist weniger Power manchmal mehr. Pierre Gasly brachte am Freitag einen brandneuen Spec-3-Motor in seinen Pool, der aber für Brasilien geschont werden soll. Für den Franzosen bedeutet die jeweils achte Einheit von Motor, Turbolader und MGU-H die bereits vierte Motorenstrafe in diesem Jahr.

Wie lange halten die Reifen?

Verstappens Bestzeit mit 1.16,720 Minuten lag noch drei Zehntel über der letztjährigen Pole Position. Das war auch den Hypersoft-Reifen zu verdanken, die am ersten Trainingstag zumeist schon am Ende der ersten Runde in die Knie gingen. „Der Hypersoft ist zwei Stufen weicher als der letztjährige Ultrasoft“, gibt Pirelli-Sportchef Mario Isola zu bedenken. Den Hypersoft-Gummis werden im Rennen höchstens 7 Runden zugetraut. Dann kann man sich ein Einstopp-Rennen abschminken.

„Der Trend geht hier eher zu zwei und drei Stopps“, glaubt Helmut Marko. Interessant wird sein, wer im Q2 das Risiko gehen wird, mit Ultrasoft-Reifen anzutreten, um auf der mittleren Gummimischung zu starten und so mehr Flexibilität bei der Anzahl der Boxenstopps zu haben. Laut Berechnungen von Pirelli sollte das Delta zwischen Hypersoft und Ultrasoft bei sieben Zehntelsekunden liegen. Dann wäre das Q2 für die Top-Teams auf Ultrasoft-Gummis machbar. Am ersten Trainingstag waren die Hypersoft-Kleber jedoch vielfach eine Sekunde schneller als die nächste Stufe Reifen. Und dann wird es schon eine Zitterpartie, das Q2 zu überstehen.

In der Galerie haben wir die besten Trainingsbilder aus Mexiko für sie gesammelt.

Longrun-Analyse GP Mexiko 2018

Fahrer Ø längster Longrun Runden Reifen
1. Vettel 1.22,102 8 hypersoft
2. Hamilton 1.22,709 7 hypersoft
3. Ricciardo 1.23,085 11 hypersoft
4. Ocon 1.23,186 6 hypersoft
5. Hülkenberg 1.23,368 9 hypersoft
6. Grosjean 1.23,539 8 hypersoft
7. Perez 1.23,875 7 hypersoft
8. Sirotkin 1.23,951 6 hypersoft
9. Bottas 1.24,072 9 hypersoft
10. Sainz 1.24,374 7 hypersoft
11. Hartley 1.24,486 8 hypersoft
12. Gasly 1.24,844 9 hypersoft
13. Ericsson 1.25,350 10 hypersoft
--- --- --- ---
1. Ricciardo 1.22,708 12 ultrasoft
2. Bottas 1.23,740 12 ultrasoft
3. Hülkenberg 1.23,950 18 ultrasoft
4. Magnussen 1.24,633 13 ultrasoft
5. Vandoorne 1.24,721 8 ultrasoft
6. Ericsson 1.25,286 15 ultrasoft
--- --- --- ---
1. Vettel 1.22,649 19 supersoft
2. Hamilton 1.22,802 16 supersoft
3. Räikkönen 1.23,316 20 supersoft
4. Sainz 1.23,385 16 supersoft
5. Leclerc 1.23,810 14 supersoft
6. Alonso 1.23,851 15 supersoft
7. Grosjean 1,24,423 17 supersoft
8. Sirotkin 1.24,604 22 supersoft
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