Trainingsanalyse GP Brasilien 2016

Kampfansage von Hamilton

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Brasilien 2016 - Interlagos - Freitag - 11.11.2016 Foto: xpb 105 Bilder

Lewis Hamilton tut alles für eine erfolgreiche Titelverteidigung. Zwei Bestzeiten, und klar die schnellsten Longruns auf beiden Reifentypen. Nico Rosberg dagegen muss in den Dauerläufen auf Max Verstappen und Sebastian Vettel aufpassen.

Lewis Hamilton will es wissen. Sein Freitagstraining war eine Kampfansage an WM-Gegner Nico Rosberg. Bestzeit im ersten Training, Bestzeiten in der zweiten Sitzung, bestzeit im Longrun auf den weichen Reifen, Bestzeit im Dauer-Lauf auf den Medium-Gummis. Klarer kann man nicht zeigen, dass man um den WM-Titel kämpfen will.

Hamilton weiß aber auch, dass ihm ein Sieg nichts nützt, solange sein WM-Gegner weiter Zweiter wird. Um mindestens 13 Punkte auf Rosberg aufzuholen, braucht er Verbündete. Zum Beispiel die Technik. Im Rosberg-Lager gibt es einige Bedenken, ob alle Antriebskomponenten bis zum Finale in Abu Dhabi durchhalten. Die Wettervorhersage spricht immer noch von einer 30 prozentigen Chance auf Regen am Samstag und Sonntag. Und bei den Longruns waren Sebastian Vettel und Max Verstappen dem zweiten Mercedes dicht auf den Fersen. Vettel mit den Soft-Reifen, Verstappen mit dem Medium-Sohlen.

Vettel gut im Longrun, mittelmäßig auf eine Runde

Ferrari muss aber noch auf eine Runde schneller werden. Die Italiener konzentrierten sich am Freitag voll auf die Rennsimulation. Kimi Räikkönen musste jedoch seinen Dauerlauf auf der härtesten Mischung nach 9 Runden wegen Bremsproblemen abbrechen. Ein Visier hatte einen Kühlschacht verstopft. Vettel erledigte den Job mit den Soft und Medium-Reifen. Auf der weichsten Mischung kam er mit 1.16,177 Minuten über 11 Runden sogar in die Nähe von Hamilton. Auf dem Medium-Gummi fehlten ihm jedoch 8 Zehntel auf den Mercedes-Piloten.

Ferrari muss jedoch den Wettersturz fürchten, der für Samstag und Sonntag angekündigt ist. Während der Asphalt sich am Freitagnachmittig noch auf bis zu 52 Grad aufheizte, sollen die Temperaturen am Samstag auf 30 und am Sonntag auf 25 Grad sinken. „Somit könnte vieles irrelevant sein, was wir heute getestet haben“, wirft Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin ein.

Die Reifen kamen am Freitag bei allen im Feld problemlos auf Temperatur. Der Temperatursturz könnte am Samstag zu einem Balanceakt werden. Vor allem für Ferrari, die in dieser Saison bei wechselnden Bedingungen schon mehrfach danebenlagen. Laut Shovlin könnte der weiche Reifen bei 20 Grad weniger ein Problem aufwerfen, das am Freitag gar nicht auftraten. „Die Reifen könnten körnen.“ Vettel resümierte: „Gut im Longrun, noch ausbaufähig auf eine Runde. Die Kunst wird es wieder sein, das Reifenfenster im entscheidenden Moment genau zu treffen.“

Red Bull hofft auf Regen

Red Bull lag am Freitag noch außer Reichweite von Hamilton, wie Helmut Marko analysierte: „Vorne liegt ganz klar Hamilton. Dann kommt eine Gruppe aus Rosberg Vettel und Verstappen.“ Und was ist mit Daniel Ricciardo, der im Mittel seiner Runden im Bereich seines Teamkollegen lag? Marko verrät: „Bei Daniel haben die Reifen hinten raus stärker abgebaut alas bei Max. Daran müssen wir noch arbeiten.“ Red Bull glaubt nicht, dass tiefere Temperaturen die Hackordnung auf den Kopf stellen. „Wir hoffen auf Regen. Das würde uns mehr helfen“, so Marko.

Hinter den drei Topteams klafft eine große Lücke. Williams katapultierte sich im zweiten Training war auf die Plätze 3 und 4, doch die guten Zeiten von Valtteri Bottas und Felipe Massa sind mit weniger Sprit im Tank zu begründen. In den Rennsimulationen gibt es wieder ein heißes Rennen mit den Force India. Mit dem Soft-Reifen lagen Nico Hülkenberg, Sergio Perez und Felipe Massa innerhalb von 0,121 Sekunden. Auf den Medium-Sohlen war es noch enger. Nur 88 Tausendstel trennten die zwei Force India- und zwei Williams-Piloten.

Auf dem harten Reifen fuhren am Nachmittag nur Kimi Räikkönen und Esteban Gutierrez. Die meisten Fahrer haben sich nur einen Satz von der härtesten Mischung reserviert und heben ihn für das Rennen auf. Gemessen an den Rundenzeiten ist der harte Gummi zu langsam. Doch das kann sich ändern, wie die Mercedes-Strategen warnen: „In Sepang und Suzuka stellte sich der harte Reifen am Sonntag als gute Wahl heraus. Auch wenn die Strecke von Interlagos die Reifen nicht so hart belastet, dürfen wir uns nicht zu sicher sein. Die letzten Jahre auf dieser Strecke haben uns vor allem eines gelehrt. Die Reifen haben sich im Rennen noch jedes Mal anders verhalten, als wir es vorausgesagt hatten.“

Longrun-Analyse GP Brasilien 2016

Fahrer Ø längster Longrun Runden Reifentyp
1. Hamilton 1.16,064 13 soft
2. Vettel 1.16,177 11 soft
3. Verstappen 1.16,421 12 soft
4. Ricciardo 1.16,449 10 soft
5. Rosberg 1.16,493 16 soft
6. Sainz 1.16,967 14 soft
7. Hülkenberg 1.17,146 13 soft
8. Perez 1.17,189 11 soft
9. Massa 1.17,267 12 soft
10. Grosjean 1.17,430 6 soft
11. Magnussen 1.17,590 15 soft
12. Bottas 1.17,635 12 soft
13. Kvyat 1.17,708 12 soft
14. Button 1.18,045 7 soft
15. Gutierrez 1.18,282 12 soft
16. Ocon 1.18,506 11 soft
1. Hamilton 1.16,127 18 medium
2. Rosberg 1.16,290 10 medium
3. Verstappen 1.16,570 23 medium
4. Ricciardo 1.16,781 20 medium
5. Vettel 1.16,973 18 medium
6. Hülkenberg 1.17,520 17 medium
7. Massa 1.17,525 20 medium
8. Perez 1.17,590 14 medium
9. Bottas 1.17,608 24 medium
10. Kvyat 1.17,970 20 medium
11. Sainz 1.18,078 19 medium
12. Magnussen 1.18,188 14 medium
13. Nasr 1.18,313 23 medium
14. Grosjean 1.18,464 15 medium
15. Wehrlein 1.18,578 9 medium
16. Palmer 1.18,962 23 medium
1. Räikkönen 1.17,669 9 hart
2. Gutierrez 1.18,438 11 hart
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