Lewis Hamilton - Mercedes - GP Australien - Melbourne - 24. März 2017 sutton-images.com
Jolyon Palmer - Renault - GP Australien - Melbourne - 24. März 2017
Jolyon Palmer - Renault - GP Australien - Melbourne - 24. März 2017
Marcus Ericsson - Sauber - GP Australien - Melbourne - 24. März 2017
Marcus Ericsson - Sauber - GP Australien - Melbourne - 24. März 2017 93 Bilder

Trainingsanalyse GP Australien 2017

Mercedes schockt die Konkurrenz

Beginnt die neue Saison, wie die alte aufgehört hat? Die Bestzeit von Lewis Hamilton lässt es vermuten. Bei den Longruns war der Vorsprung der Silberpfeile auf Ferrari und Red Bull noch größer.

Ist Mercedes zu gut für die Formel 1? Die Regelreform konnte die Silberpfeile offenbar nicht stoppen. Der erste Trainingstag zum GP Australien brachte alle Träumer zurück auf den Boden der Tatsachen. Ein gutes Team bleibt auch dann ein gutes Team, wenn die Autos 20 Zentimeter breiter werden und die Reifen 25 Prozent mehr Auflagefläche bekommen.

Lewis Hamilton stanzte mit 1.23,620 Minuten eine Bestzeit in den Asphalt von Melbourne, die zwar noch ein Zehntel über der letztjährigen Pole Position lag, den Gegnern aber den Atem raubte. Sebastian Vettel fehlten 0,547 Sekunden auf Hamilton. Immerhin fuhr der Ferrari-Pilot damit in der gleichen Liga wie der zweite Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas. Was die Konkurrenz noch mehr beunruhigen sollte: Die beiden Mercedes W08 waren noch mit jeweils fünf Kilogramm Übergewicht unterwegs. Das sind weitere zwei Zehntel auf der Uhr.

Testkönig Sebastian Vettel sprach von einem guten Tag, der besser hätte laufen können. „Wir sind nicht so schnell, wie wir sein sollten. Wegen eines Problems am Vormittag haben wir etwas den Rhythmus verloren.“ Welche Probleme das waren, wurde nicht kommuniziert. Ferrari mauert sich weiter ein. Man war auf Gerüchte angewiesen. Die einen sprechen von einem Schaden an der MGU-K, die anderen machten ein DRS-Problem verantwortlich.

Red Bull unter Wert geschlagen

Red Bull hinkte mit Daniel Ricciardo bereits mit Sekundenrückstand zurück. Max Verstappen spielte den Rasenmäher und brachte sich selbst um eine gute Rundenzeit. Bei einem Ausritt in der schnellen Schikane beschädigte der Holländer den Unterboden seines Autos. „Wir hatten Glück, das dabei das Chassis nicht gebrochen ist“, bilanzierte Teamberater Helmut Marko.

Max Verstappen - Red Bull- GP Australien - Melbourne - 24. März 2017
Red Bull

Red Bull stand sich am ersten Trainingstag selbst im Weg. Marko erklärte warum: „Am Morgen lief das Auto gut. Da waren wir nur sechs Zehntel weg. Wir haben am Nachmittag etwas am Auto verändert, das nicht funktioniert hat. Es hatte größere Auswirkungen, als es zu erwarten war.“ Ricciardo hofft: „Wir fahren in einer Gruppe mit Ferrari und Bottas, wenn wir unser Auto so einstellen wie am Vormittag. Nur Lewis war ein bisschen außer Konkurrenz.“

Mercedes überraschte sich selbst mit seiner guten Form. Bei den Testfahrten in Barcelona rätselten die Ingenieure noch über starke Formschwankungen des Autos. „Wir haben die richtigen Schlüsse aus den Daten gezogen“, lobte Niki Lauda. Teamchef Toto Wolff warnte: „Es war ein sehr guter Freitag. Aber ich bin erst beruhigt, wenn es auch ein guter Samstag ist.“

Was hat Ferrari noch im Köcher?

Wolff und Lauda wiesen darauf hin, dass es immer noch Unsicherheitsfaktoren gibt. „Wir wissen nicht, wie schwer Ferrari unterwegs war und ob sie den Motor schon voll aufgedreht haben.“ Genau davor hat die Konkurrenz Angst. In aller Regel packt Mercedes erst in der Qualifikation den Hammer aus. Nicht nur der Tankinhalt und die Motoreinstellungen beeinflussen die Longruns. Auch, ob die Fahrer schon fleißig das Spritsparen geübt haben, das am Sonntag zu erwarten ist. Wer dabei nicht aufpasst, verliert schnell Temperatur im Vorderreifen.

Die Reifen taugen nicht als Ausrede. Obwohl die Strecke von Melbourne die Reifen weniger stark fordert, hatte keiner im Feld Probleme, die Pirelli-Sohlen auf Temperatur zu bringen. Eine Runde reichte aus, sie anzuzünden. Die Abnutzung ist wie erwartet gering. Beim Ultrasoft etwas mehr als ein Zehntel pro Runde, beim Supersoft etwas weniger. Der Soft-Reifen hält locker ein ganzes Rennen. Pirelli rechnet mit einem Einstopp-Rennen.

Die schnellsten Runden spiegelten sich auch in den Longruns wieder. Mercedes allein auf weiter Flur. Kimi Räikkönen verlor auf den Ultrasoft-Reifen im Schnitt eine Sekunde auf Valtteri Bottas und Lewis Hamilton. Sebastian Vettel auch, doch war der Deutsche auf den härteren Supersoft-Sohlen unterwegs. Pirelli-Sportchef Mario Isola schätzte den Unterschied der beiden Reifentypen in der ersten Runde auf sieben Zehntel ein. Im Vergleich zu Bottas fehlten Vettel auf dem gleichen Reifentyp nur vier Zehntel. Ricciardo lag bereits 1,6 Sekunden zurück. Red Bull hofft, dass es nur am Umbau des Autos für die zweite Trainingssitzung lag.

Ericsson & Vettel- GP Australien - Melbourne - 24. März 2017
xpb

Obwohl Bottas bei der Addition der Rundenzeiten auf der weichsten Gummimischung der Schnellste war, bewertete das Team Hamiltons Longrun besser. Vermutlich hat man den Finnen mit weniger Benzin in den abschließenden 11-Runden-Turn geschickt. Teamchef Wolff sagte jedenfalls: „Lewis war extrem schnell und stabil unterwegs. Es war einer der besten Dauerläufe, die ich je gesehen habe.“

Der Abstand von Bottas zu dem dreifachen Weltmeister in der schnellsten Runde beunruhigt die Mercedes-Chefs noch nicht. „Bottas ist gut gefahren“, lobt Lauda. „Keiner kann erwarten, dass er auf Anhieb den Welt-, Welt-, Weltmeister schlägt, der schon vier Jahre im Team ist.“ Hamilton setzte seinen Nadelstich auf der Rennstrecke ganz bewusst. Er wollte dem Teamkollegen und allen anderen frühzeitig zeigen: Ich bin der Chef im Ring.

Toro Rosso im Longrun die zweite Kraft

Im Mittelfeld machte Toro Rosso die beste Figur. Carlos Sainz kam den Silberpfeilen auf den Ultrasoft-Reifen am nächsten. Und war auf dem Supersoft-Gummi praktisch so schnell wie Vettel. Doch Red Bulls B-Team hatte schon im letzten Jahr am Freitag Longruns auf die Bahn gezaubert, die man am Sonntag nicht mehr bestätigen konnte.

Die Konkurrenz vermutet, dass Sainz seine Dauerläufe mit 30 Kilogramm weniger Benzin im Tank begonnen hat. Sie stuft Daniil Kvyats Rennsimulation realistischer ein. Der Russe rangiert mit 1.29,524 Minuten knapp vor Sergio Perez und Daniel Ricciardo. Auch Romain Grosjean und Esteban Ocon lagen mit 1.29,812 Minuten respektive 1.29,883 Minuten noch in Reichweite. Force India-Technikchef Andy Green ärgerte sich: „Wir holen aus den Ultrasoft-Reifen nicht die Zeit raus wie die anderen. Ich schätze uns derzeit auf Platz 5 ein.“

Marcus Ericsson und Stoffel Vandoorne konnten die 1.30er Marke nicht knacken. Pascal Wehrlein verlor noch einmal 1,7 Sekunden auf Sauber-Kollege Ericsson. Der Deutsche war jedoch auf einem anderen Programm unterwegs. Wehrlein fuhr seinen Longrun auf der härtesten Reifenmischung. Zwischen Soft und Ultrasoft lagen laut Pirelli 1,4 Sekunden pro Runde. Hülkenberg war auf den Soft-Reifen zwei Sekunden schneller als der Sauber-Pilot. Allerdings fehlten ihm auch vier Zehntel auf seinen früheren Teamkollegen Perez. Lance Stroll bezahlte Lehrgeld. Er war nach Felipe Massas Ausfall der einzige Williams-Pilot mit einem Longrun. Der Kanadier legte vielversprechend los, doch dann brachen seine Rundenzeiten nach nur 5 Runden um 2 Sekunden ein.

Lance Stroll - Williams - GP Australien - Melbourne - 24. März 2017
sutton-images.com

Vier Fahrer hatten vorzeitig Dienstschluss

Vandoorne und Alonso legten in den beiden Trainingssitzungen 85 Runden zurück. Für McLaren-Honda ist das gemessen an den Winter-Testfahrten fast ein Marathon. „Es war ein guter Arbeitstag. Wir haben mehr Runden als beim Test geschafft, aber weniger als erhofft. Immerhin bekommen wir ein immer besseres Bild von unserem Auto. Unsere Fahrer sind durchweg zufrieden“, resümierte Teamchef Eric Boullier. Honda betrieb die Motoren aus Sicherheitsgründen auf der untersten Powerstufe. Eine Steigerung im Vergleich zu den Testfahrten, aber immer noch nicht der Stand vom Saisonfinale in Abu Dhabi 2016.

Den McLaren-Piloten ging es besser als Felipe Massa, Jolyon Palmer, Kevin Magnussen und Marcus Ericsson. Sie sahen die Zielflagge nicht. Massas zweites Training war nach 6 Runden wegen eines Kurzschlusses in der Elektrik beendet. Magnussen kam zwei Runden weiter. Dann stoppte den HaasF1-Piloten ein Wasserleck.

Auf das Konto von Jolyon Palmer geht der erste Crash. Der Engländer feuerte seinen Renault in der Zielkurve in die Reifenstapel. Ericssons Longrun endete im Kiesbett von Kurve 6. Zuvor hatte der Schwede mit Vettel im Rückspiegel demonstriert, wie schwer das Überholen ist. Vettel war deutlich schneller, kam aber nicht vorbei.

Longrun-Analyse GP Australien 2017

Longrun-Analyse GP Australien 2017: Freitagstraining

Fahrer Ø längster Longrun Runden Reifentyp
1. Bottas 1.28,170 8 ultrasoft
2. Hamilton 1.28,237 11 ultrasoft
3. Sainz 1.28,891 8 ultrasoft
4. Räikkönen 1.29,179 10 ultrasoft
5. Kvyat 1.29,524 8 ultrasoft
6. Perez 1.29,601 9 ultrasoft
7. Ricciardo 1.29,792 9 ultrasoft
8. Grosjean 1.29,812 11 ultrasoft
9. Ocon 1.29,883 11 ultrasoft
10. Ericsson 1.30,375 13 ultrasoft
11. Vandoorne 1.30,661 9 ultrasoft
12. Stroll 1.30,766 7 ultrasoft
       
1. Bottas 1.28,721 9 supersoft
2. Vettel 1.29,172 11 supersoft
3. Sainz 1.29,188 10 supersoft
       
1. Perez 1.29,761 6 soft
2. Hülkenberg 1.30,150 14 soft
3. Wehrlein 1.32,144 11 soft
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