Verstappen - Ricciardo - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Training - Freitag - 14.4.2017 sutton-images.com
Christian Horner - Bernie Ecclestone - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Training - Freitag - 14.4.2017
Max Verstappen -Red Bull - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Training - Freitag - 14.4.2017
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Training - Freitag - 14.4.2017
Sergio Perez - Force India - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Training - Freitag - 14.4.2017 111 Bilder

Trainingsanalyse GP Bahrain 2017

Die Auferstehung von Red Bull

Mercedes liegt in den Rennsimulationen überraschend deutlich vor Ferrari. Doch die große Überraschung war Red Bull. Daniel Ricciardo fuhr auf eine Runde und im Longrun fast auf Mercedes-Niveau.

Was für ein Trainingsergebnis. Ferrari vor Mercedes und Red Bull. Oder Sebastian Vettel vor Valtteri Bottas und Daniel Ricciardo. Alles innerhalb von 0,066 Sekunden. Auch Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton lagen mit ihren schnellsten Runden noch auf Schlagdistanz. Beide hatten keine sauberen Runden auf frischen Supersoft-Reifen.

Mercedes vorn, Red Bull mischt mit

Bei den Rennsimulationen sieht die Reihenfolge ganz anders aus. Mercedes vor Red Bull und Ferrari. Auf Soft und auf Supersoft. Mit deutlich größeren Abständen. Lewis Hamilton spulte auf Supersoft-Reifen 13 Runden mit einem Schnitt von 1.36,666 Minuten ab. Daniel Ricciardos Schnitt über 10 Runden lag mit 1.36,941 Minuten drei Zehntel dahinter. Der Australier hatte aber weniger Schwankungen in seinem Dauerlauf.

Kimi Räikkönen fehlten über 15 Runden mit einem Mittel von 1.37,047 Minuten vier Zehntel. Dazu sei gesagt: Jede Runde mehr auf der weichsten Reifenmischung drückte den Schnitt. Räikkönen begann seinen Supersoft-Longrun mit einer Zeit von 1.35,871 Minuten, und er schloss ihn mit einer Runde von 1.37,401 Minuten ab. Da er länger unterwegs war als Ricciardo und Hamilton, ist der Schnitt in Relation zu den Zeiten der Konkurrenz durchaus respektabel.

Auf den langlebigeren Soft-Reifen fielen die Abstände größer aus. Die Longruns zeigen aber ganz klar, dass der Soft der bessere Rennreifen ist, obwohl ihm in der ersten Runde 1,5 Sekunden auf den Supersoft-Gummi fehlen. Wieder führte Hamilton das Feld an, diesmal mit durchschnittlich 1.36,229 Minuten über 10 Runden. Valtteri Bottas war praktisch gleich schnell, fuhr aber 4 Runden weniger. Ricciardo büßte mit 1.36,988 Minuten knapp 8 Zehntel ein. Der Australier war 9 Runden auf dem Soft-Gummi unterwegs. Vettel kam bei einem Dauerlauf über 15 Runden mit 1.37,078 Minuten auf einen fast identischen Schnitt. Unter dem Strich leicht besser als Red Bull. Die Mischung Soft baut aber auch nach Aussage von Pirelli-Technikchef Mario Isola deutlich weniger stark ab.

Vettel verlor 15, Verstappen 37 Minuten

So weit die Zahlenwelt. Ferrari zeigte mit zwei Tagesbestzeiten, dass mit ihnen auch in Bahrain zu rechnen ist. Die Mannschaft aus Maranello verlor wegen technischer Probleme viel Trainingszeit. Kimi Räikkönen stoppte ein überhitzter Turbolader. Vorsichtshalber wurde gleich der gesamte Antriebsstrang ausgetauscht. Ferrari hofft, dass der Verbrennungsmotor keinen Schaden abbekommen hat. Am Abend verbrachte Vettel 15 Minuten in der Box. Ein Elektrikdefekt hatte seinen Ferrari lahmgelegt. Vettel hatte noch Glück, dass er bis fast in die Boxeneinfahrt rollen konnte, wo er von seinen Mechanikern in Empfang genommen wurde.

Noch schlimmer erwischte es Max Verstappen. Der Holländer musste sein Programm auf insgesamt 18 Runden und einen 10-Runden-Longrun mit Supersoft-Reifen beschränken. Er stand 37 Minuten wegen Reparaturarbeiten in der Garage, nachdem er über den T-Flügel von Bottas gefahren war. Dabei wurde der Unterboden schwer beschädigt. Teamchef Christian Horner bezifferte den Schaden auf 50.000 Pfund und meinte grimmig: „Wir schicken Mercedes die Rechnung.“

Der T-Flügel löste sich nach Shanghai nun schon zum zweiten Mal. Red Bull-Berater Marko sprach von einem „Sicherheitsrisiko“. Bei Mercedes wird noch gerätselt, warum sich der „Kleiderbügel“ immer wieder selbständig macht. „Wir sind Tausende von Kilometern gefahren und nichts ist passiert. Möglicherweise haben wir ein Fertigungsproblem“, mutmaßte Technikchef James Allison.

Red Bull überrascht sich mit gutem Topspeed

Für Red Bull war es trotz Verstappens Missgeschick ein erfolgreicher Tag. Ausgerechnet auf einer Strecke, auf der man am wenigsten mit den Autos aus Milton Keynes gerechnet hatte, feierten sie eine Auferstehung. Auf eine Runde und in den Longruns. Da suchten selbst die Bosse nach Antworten. „Wir verstehen unser Auto immer besser“, erklärte Helmut Marko. Damit kommt auch mehr Sicherheit bei der Abstimmung. „Das Auto reagiert jetzt wieder logisch.“

Bei den ersten beiden Rennen kam es vor, dass eine kleine Setup-Änderung die Rundenzeiten um eine Sekunde absteigen ließ, und trotzdem waren die Fahrer mit der Balance zufrieden. „Das schlimmste, was dir passieren kann“, so Marko. Zufrieden resümiert der Grazer: „Wir wissen jetzt, was am Chassis faul ist. Bis Barcelona haben wir eine Lösung.“ Dann lobte er seinen Fahrer: „Heute haben wir auch ein bisschen vom Ricciardo-Faktor profitiert. Daniel war immer stark hier. Er ist vor ein paar Jahren hier mal im Toro Rosso auf den sechsten Startplatz gefahren.“

Es muss aber noch andere Gründe haben, warum Red Bull auf einer Strecke plötzlich die Lücke schließen konnte, auf der Power und Topspeed zählt. „Wir sind auf der Geraden viel zu schnell für unsere Verhältnisse“, wunderte sich Marko. Das kann zwei Gründe haben. Der Renault-Motor ist nicht so schlecht, wie er geredet wird. Mercedes schätzt die Differenz im Renntrim auf 25 PS. Die Schere wird erst am Samstag wieder aufgehen, wenn Mercedes und Ferrari extra Power abrufen können. Der Red Bull RB13 ist aber auch ein Auto, das bewusst auf wenig Luftwiderstand ausgelegt wurde. Das zahlt auch auf den vier langen Geraden des Kurses von Sakhir aus.

Hülkenberg unzufrieden und trotzdem schnell

Das Trainingsergebnis des ersten Tages lieferte auch noch einige faustdicke Überraschungen. Nico Hülkenberg stellte den Renault mit nur 0,573 Sekunden Abstand zur Spitze auf Platz 6. Dabei ließ Renault den neuen Frontflügel zuhause. Er wird jetzt erst in Sochi Premiere feiern. Hülkenberg freute sich über den geringen Abstand, bemängelte aber: „Für eine schnelle Runde können wir uns nichts kaufen. Meine Longruns haben mich nicht beeindruckt. Das ist unsere Schwachstelle. Da müssen wir besser werden.“ Einsatzleiter Alan Permane notierte zufrieden: „Was kann uns Besseres passieren, wenn der Fahrer trotz guter Rundenzeiten klagt?“

Ein Blick in die Longrun-Tabelle widerlegt die Kritik des Piloten. Auf den Supersoft-Reifen war Hülkenberg Dritter, obwohl er mit 15 Runden am Stück eine der längsten Distanzen zurückgelegt hatte. Auch die 1.37,896 Minuten auf der härteren Mischung soft über 12 Runden konnte sich im Vergleich zu Force India, HaasF1 und Toro Rosso noch sehen lassen. Auf den Dauerläufen mit der Mischung Soft stach aus dem Mittelfeld nur Felipe Massa hervor. Der Brasilianer platzierte sich hinter den beiden Mercedes-Piloten aber noch vor dem schnellsten Red Bull und Ferrari mit 1.36,520 Minuten über 12 Runden überraschend auf dem 3. Platz.

Hülkenbergs subjektives Gefühl der Unzufriedenheit zog sich fast durch das ganze Feld. „Auch unsere Fahrer haben über die Longruns gejammert, dabei waren ihre Rundenzeiten im Vergleich zur Konkurrenz bei der Musik“, erzählte HaasF1-Teamchef Guenther Steiner. Seine Vermutung: „Die Autos sind mit viel Sprit bei den hohen Temperaturen einfach schwer zu fahren, weil die Hinterreifen schnell überhitzen und dir dann das Heck wegschmiert.“

Longrun-Analyse GP Bahrain 2017

Trainingsanalyse GP Bahrain 2017

Fahrer Schnitt längster Longrun Runden Reifen
1. Hamilton 1.36,666 13 supersoft
2. Ricciardo 1.36,941 10 supersoft
3. Hülkenberg 1.37,035 15 supersoft
4. Räikkönen 1.37,047 15 supersoft
5. Verstappen 1.37,076 10 supersoft
6. Bottas 1.37,221 18 supersoft
7. Massa 1.37,478 15 supersoft
8. Magnussen 1.37,690 6 supersoft
9. Kvyat 1.37,808 15 supersoft
10. Grosjean 1.37,907 13 supersoft
11. Perez 1.38,028 10 supersoft
12. Stroll 1.38,049 5 supersoft
13. Ocon 1.38,064 14 supersoft
14. Alonso 1.38,275 14 supersoft
15. Palmer 1.38,291 16 supersoft
16. Ericsson 1.39,496 20 supersoft
17. Magnussen 1.37,690 6 supersoft
     
1. Hamilton 1.36,228 12 soft
2. Bottas 1.36,290 6 soft
3. Massa 1.36,520 12 soft
4. Ricciardo 1.36,988 9 soft
5. Vettel 1.37,078 15 soft
6. Alonso 1.37,470 7 soft
7. Grosjean 1.37,480 6 soft
8. Kvyat 1.37,503 10 soft
9. Perez 1.37,707 13 soft
10. Ocon 1.37,781 12 soft
11. Hülkenberg 1.37,896 12 soft
12. Palmer 1.38,169 10 soft
13. Stroll 1.38,769 16 soft
14. Magnussen 1.38,781 13 soft
15. Wehrlein 1.38,811 18 soft
Motorsport Aktuell Sebastian Vettel - Ferrari - GP Bahrain - Sakhir - Freitag - 14.4.2017 GP Bahrain 2017 (Ergebnis Training 2) Vettel knapp vor Bottas

Ferrari gewinnt den Trainingsfreitag von Bahrain.

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