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Trainingsanalyse GP Bahrain 2018

Drei Top-Teams gleichauf

Charles Leclerc - Sauber - Formel 1 - GP Bahrain - Training - 6. April 2018 Foto: sutton-images.com 83 Bilder

Wenn der Sonntag hält, was der Freitag verspricht, dann könnte der GP Bahrain ein Knüller werden. Nach den Longruns liegen Mercedes, Ferrari und Red Bull praktisch gleich auf.

06.04.2018 Michael Schmidt

Freitagstabellen können trügerisch sein. In der Endabrechnung liegen die beiden Ferrari mit Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel in Front. Eine halbe Sekunde vor den beiden Mercedes, 9 Zehntel vor Red Bull. Doch so klar wie es die Rundenzeiten vermuten lassen, ist das Bild nicht.

Mercedes will anhand der GPS-Messungen bei Ferrari einen höheren Power-Modus als üblich erkannt haben. Red Bull tippt bei den roten Autos auf weniger Benzin im Tank. Den Mercedes-Ingenieuren fiel aber auch auf: „Ferrari hat sich speziell in den langsamen Kurven im Vergleich zu Melbourne verbessert.“

Aussagekräftiger sind die Rennsimulationen. Da rangieren Ferrari, Mercedes und Red Bull nach Herausrechnen aller Störfaktoren praktisch gleichauf. Das wäre ein gutes Zeichen auf einer Strecke, auf der man besser überholen kann als in Melbourne und bei einer Rennstrategie, die sich noch nicht auf ein oder zwei Stopps festlegt.

Das schnellere Rennen fährt man nach Einschätzung von Pirelli mit zwei Reifenwechseln. Aber ist es auch das bessere? Bei zwei Stopps muss man das Rennen von der Spitze weg bestimmen und sein Tempo fahren zu können.

Und Ferrari muss ohne Boxenpannen durch das Rennen kommen. Räikkönen rollte mit dem gleichen Problem auf der Strecke aus wie die HaasF1-Piloten in Melbourne. Die Radmutter verkantete beim Reifenwechsel. Weil das Team dem Fahrer trotz des lockeren Rades die Freigabe erteilte, wandern jetzt 5.000 Euro in die FIA-Kasse.

Riskiert Mercedes ein Einstopp-Rennen?

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain - Training - 6. April 2018 Foto: sutton-images.com
Die Longruns im zweiten Training waren nicht einfach zu lesen.

Auch bei den Longruns müssen gewisse Dauerläufe aussortiert werden. Entweder, weil der betreffende Fahrer zu oft das DRS geöffnet hat, mit weniger Benzin als üblich unterwegs war, an der Power-Schraube gedreht oder zu wenig auf das Spritsparen Rücksicht genommen hat.

So wie bei Vettels Supersoft-Dauerlauf mit 1.34,688 Minuten über 7 Runden. Der war eine glatte Sekunde schneller als der von Max Verstappen. Lewis Hamilton lag sogar 1,3 Sekunden zurück. Das ist nicht das wahre Bild.

Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko ließ sich nicht blenden: „Max ist bei seinem Longrun fünf Runden innerhalb von wenigen Hundertstelsekunden gefahren.“ Den großen Rückstand auf eine Runde erklärt der Grazer mit Verkehr: „Da stand uns ein Mercedes im Weg.“

Bei der Analyse der Dauerläufe fällt auf, dass Ferrari schnell loslegt, dann aber im Vergleich zu Mercedes und Red Bull stärker abbaut. Der Mercedes fühlt sich auf den härteren Mischungen wohler als auf dem Supersoft-Reifen. Als bester Reifen für das Rennen hat sich die Mischung Soft herauskristallisiert. Spannt man sie mit einem Medium-Reifen zusammen, ist das Einstopp-Rennen perfekt.

Hamilton zeigte mit seinem Medium-Longrun über 7 Runden, dass die Silberpfeile auf dem härtesten Reifentyp über eine längere Distanz kaum Zeit einbüßen. Das Mittel von 1.35,327 Minuten konnte sich im Vergleich mit den beiden anderen Reifentypen durchaus sehen lassen. Marko vermutet: „Das spricht für ein Einstopp-Rennen bei Mercedes.“

Fernando Alonsos 6-Runden-Stint auf den Supersoft-Reifen lässt den McLaren ein bisschen besser aussehen als er ist. Der Spanier rangiert damit auf Rang 4 vor den Mercedes-Piloten. Bei den weichen Reifen wird das Bild auch durch die Länge des Dauerlaufs verzerrt. Die Reifen bauen stärker ab als in Melbourne, insbesondere der Supersoft-Gummi. Hamilton war auf der weichsten Reifenmischung 16 Runden lang unterwegs, Bottas sogar 20 Runden. Bei Alonso zählten nur 6 Runden zum Durchschnitt.

McLaren ist Best of the rest

Fernando Alonso - McLaren - Formel 1 - GP Bahrain - Training - 6. April 2018 Foto: sutton-images.com
McLaren hat im Mittelfeld die Nase vorne.

Mit Vorsicht ist auch der schnellste Longrun auf Soft-Reifen von Valtteri Bottas zu genießen. Der Finne war eine halbe Sekunde schneller als der Rest, drehte auch nur 4 Runden auf den gelb markierten Reifen. Da sind die Dauerläufe der Red Bull-Piloten über 14 und 10 Runden schon aussagekräftiger. Daniel Ricciardo war mit 1.35,113 Minuten immerhin 8 Zehntel schneller als Vettel, obwohl der nur 3 Runden länger auf seinem Reifensatz fuhr.

Bei den Rennsimulationen mit dem Soft-Gummi fällt der 4. Platz von Pierre Gasly aus dem üblichen Raster. Der Toro Rosso zeigte sich dank eines Aero-Pakets im Vergleich zu Melbourne deutlich verbessert, doch die Platzierung schmeichelte dem Franzosen. Gasly fuhr die neuen Teile übrigens exklusiv. Brendon Hartley soll sie am Samstag bekommen. Das erklärt den großen Zeitunterschied der beiden Toro Rosso-Fahrer.

Force India hatte nur einen neuen Frontflügel nach Bahrain gebracht. Sergio Perez sammelte zu Vergleichszwecken Daten, wird im Rennen aber wahrscheinlich mit dem alten Flügel antreten. Solange der Force India seinen Ingenieuren noch Fragezeichen aufgibt, fährt man lieber mit Komponenten, die man kennt.

Sportdirektor Otmar Szafnauer erkennt einen leisen Aufschwung: „Auf eine Runde liegen wir auf den Plätzen 13 und 14 und damit nicht da, wo wir hinwollen. Bei den Longruns sind wir gleichauf mit Renault und etwas schneller als HaasF1. McLaren hat hier das schnellste Auto im Mittelfeld.“

McLaren will 2 Zehntel mit einem neuen Unterboden und Modifikationen an den Aufhängungen gefunden haben. „Das Paket kam verspätet, weil wir erstmal die Zuverlässigkeitsprobleme von den Testfahrten auskurieren mussten. Das Auto ist jetzt auf dem Stand, wo es eigentlich in Melbourne sein sollte“, erklärte Teamchef Eric Boullier.

Die HaasF1-Piloten hatten Mühe, die Reifen in ihr Arbeitsfenster zu bekommen. „Wir haben unterschätzt, wie stark es am Abend abkühlt und deshalb nicht genug auf die fallenden Temperaturen reagiert“, verriet Teamchef Guenther Steiner.

Am Ende des Feldes kommt es wieder zu einem Duell zwischen Williams und Sauber. Lance Stroll, Marcus Ericsson und Sergey Sirotkin lagen bei den Supersoft-Longruns innerhalb von nur 0,037 Sekunden. Dabei legte Ericsson mit 18 Runden die mit Abstand längste Distanz zurück.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die besten Bilder des Trainingsfreitags in Bahrain.

Longrun-Analyse GP Bahrain 2018

FahrerØ längster LongrunRundenReifentyp
1. Vettel1.34,6887supersoft
2. Verstappen1.35,67510supersoft
3. Ricciardo1.35,7029supersoft
4. Alonso1.35,7436supersoft
5. Hamilton1.35,93916supersoft
6. Bottas1.36,01420supersoft
7. Räikkönen1.36,08511supersoft
8. Hülkenberg1.36,6519supersoft
9. Perez1.36.6549supersoft
10. Magnussen1.36,6797supersoft
11. Gasly1.36,68715supersoft
12. Grosjean1.36,74513supersoft
13. Sainz1.36,77710supersoft
14. Ocon1:36,7818supersoft
15. Vandoorne1.37,07614supersoft
16. Stroll1.37,52411supersoft
17. Ericsson1.37,55518supersoft
18. Sirotkin1.37,5619supersoft
19. Hartley1.37,9718supersoft
1. Bottas1.34,6884soft
2. Ricciardo1.35,11314soft
3. Verstappen1.35,27710soft
4. Gasly1.35,31910soft
5. Vettel1.35,93217soft
6. Vandoorne1.36,0888soft
7. Alonso1.36,26112soft
8. Sainz1.36,66411soft
9. Magnussen1.36,68112soft
10. Ocon1.36,69811soft
11. Perez1.36,73510soft
12. Leclerc1.37,40121soft
1. Hamilton1.35,3277medium
2. Grosjean1.36,6386medium
3. Hartley1.36,77515medium
4. Sirotkin1.37,57313medium
Neuester Kommentar

Gleichauf ist, wenn drei Teams (sprich sechs Plätze) gut durchgemischt sind. Ein lupenreines Beispiel dafür, sowohl im Qualifying, aber VOR ALLEM auch im Rennen, war 2011 auf'm Nürburgring (RedBull, Ferrari, McLaren absolut ähnlich stark). Das, was wir z.B. 2018 in Bahrain gesehen haben, ist, ähhh, WEIT davon entfernt.

donington93 7. April 2018, 20:01 Uhr
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