Nico Rosberg - Mercedes - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 26. August 2016 sutton-images.com
Nico Rosberg - Mercedes - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 26. August 2016
Nico Rosberg - Mercedes - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 26. August 2016
Nico Rosberg - Mercedes - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 26. August 2016
Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 26. August 2016 92 Bilder

Trainingsanalyse GP Belgien 2016

„Ich bete für die Supersoft-Fahrer“

Selten haben die Teams ihre Reifen so unterschiedlich gewählt. Ferrari setzt voll auf Supersoft, Mercedes auf die harten Mischungen. Red Bull und Force India liegen in der Mitte und scheinen den goldenen Griff getan zu haben. Der Supersoft-Reifen geht zu schnell in die Knie.

Das gab es in dieser Saison noch nie. Wer auf einen guten Startplatz will, braucht den Supersoft-Reifen. Ausnahme Mercedes. Die weichste Reifenmischung ist in der ersten Runde zwar um 1,1 Sekunden schneller als der Soft-Reifen, aber im Rennen unbrauchbar. Bei Nico Hülkenberg war die Lauffläche der Hinterreifen nach 10 Runden mit großen Blasen übersät. „Und dabei bin ich gefahren wie ein Mädchen.“

Es ist ein unheilvoller Mix, der alle Teams vor große Probleme stellt. Der aber das Rennen beleben kann. Pirelli hat zum ersten Mal den Supersoft nach Spa gebracht. Die Luftdrücke sind nach den Reifendramen vom letzten Jahr mit 23,5 und 22,0 PSI extrem hoch.

Dazu kommt eine für Spa ungewöhnliche Hitze. Die Asphalttemperaturen kletterten auf 41 Grad. „Das ist ein Teufelskreis, der automatisch eine starke Abnutzung der Reifen nach sich zieht“, zieht Sergio Perez nach dem ersten Trainingstag zum GP Belgien Bilanz.

Die Teams mussten sich bis spätestens zum 30. Juni festlegen, wie sie ihre 13 Reifengarnituren pro Fahrer aufteilen. Da wusste natürlich noch keiner, dass der GP Belgien ein Hitzerennen wird. Ferrari, Williams, Renault, Toro Rosso, Sauber und HaasF1 setzten mit jeweils 7 Satz Supersoft für ihre Piloten auf die Karte Risiko. Und die wird jetzt schon fast zum Selbstmordkommando.

Ferrari hat zu viele Supersoft im Kontingent

Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen zum Beispiel haben nur eine Garnitur Medium in der Hinterhand. Sie ließen am Freitag die Finger davon. Man könnte den Medium am Sonntag noch brauchen.

Der Medium-Gummi hat den Nachteil, dass er schwer auf Temperatur kommt und in der Anfangsphase zu viel rutscht. Damit könnte auch er überhitzen. Man muss schon mindestens 9 Runden damit fahren, bis der Medium-Reifen in der Rennsimulation bessere Rundenzeiten als die Variante Soft produziert. Im Vergleich zum Supersoft sind es nur 4 Runden.

So wird die Mischung Soft wahrscheinlich für alle zum Favoriten. Williams, Red Bull und Renault haben sich davon nur je 3 Exemplare reserviert. Mercedes dagegen 5 respektive 6. Hamilton hat einen Satz Soft mehr als Rosberg, wird aber bis zum Rennbeginn auf das gleiche Restkontingent kommen wie sein Teamkollege. „Die unterschiedliche Aufteilung hängt nur damit zusammen, dass beide am Freitag unterschiedliche Programme fahren“, erklären die Strategen.

Hamilton notgedrungen. Der Weltmeister konzentrierte sich wegen seiner Motorstrafen ausschließlich auf Longruns. Für ihn spielt die Quali-Platzierung keine Rolle. Er wird sowieso von hinten losfahren. Nico Rosberg trainierte mit einem Auge auch für die Qualifikation. „Ein Balanceakt“, urteilte Technikchef Paddy Lowe. Deshalb schneidet der WM-Zweite in den Dauerläufen auch schlechter ab als sein Stallrivale.

Mercedes will mit Soft-Reifen durchs Q2

Da beide Mercedes-Piloten auf den Einsatz von Supersoft-Reifen verzichteten, ist die Taktik für die Qualifikation bereits klar. Rosberg wird versuchen, mit einem Satz Soft das Q2 zu überstehen, damit er auf diesem Reifen auch starten kann.

Dann müssen Hamilton und Rosberg im Rennen die Supersoft-Sohlen nicht anrühren. „Ich bete für alle, die mit Supersoft-Reifen ins Rennen müssen“, scherzte Rosberg, verbunden mit der Frage: „Ob die überhaupt die erste Runde überleben?“

So schlimm ist es nicht. Reifenstreichler Sergio Perez schaffte mit seinem Satz Supersoft 8 Runden und fuhr dabei mit 1.54,454 Minuten den besten Longrun mit dem Superkleber. Knapp gefolgt von den Red Bull-Piloten Daniel Ricciardo und Max Verstappen.

Sebastian Vettel verlor im Supersoft-Dauerlauf nur 2 Zehntel auf Verstappen. Auf den Soft-Reifen betrug der Abstand eine halbe Sekunde. Der Deutsche haderte wie so oft an einem Freitag mit der Fahrzeugabstimmung: „Die Balance passt nicht. Ich bin noch nicht dort, wo ich hin will.“ Sorgenvolle Miene auch bei Kimi Räikkönen. „Der Tag fing gut an. Dann verloren wir die Richtung. Die Longruns waren ein einziger Kampf.“

Red Bull-Sieg nur wenn Mercedes überheblich wird

Ferrari hat im Moment noch Mercedes, Red Bull und Force India vor der Nase. Valtteri Bottas lag in seinem Soft-Longrun auf dem Niveau von Vettel. Das sagt alles. „Die Ferrari sollten wir im Griff haben“, schätzt Teamchef Christian Horner. „Auf Mercedes fehlen uns spritbereinigt rund 3 Zehntel.“ Die nackten Zahlen sagen etwas anderes. Da lagen Verstappen und Ricciardo mit 1.54,383 Minuten respektive 1.54,484 Minuten mit den Soft-Reifen vor den Silberpfeilen.

Aber selbst Teamberater Helmut Marko ist skeptisch: „Mercedes können wir nur schlagen, wenn sie überheblich werden.“ Er sprach dabei die Taktik des Gegners an, auf Supersoft-Reifen komplett zu verzichten.

Marko betrachtet die Supersoft-Mischung nicht unbedingt als einen Reifen, den man schnell loswerden will. „Da hängt alles vom Fahrstil ab. Ein Mal zu viel Gas gegeben, und der Reifen ist kaputt. Da braucht es Fahrer, die ein gutes Gefühl haben, wann sie attackieren können und wann nicht. Ricciardo ist so einer.“

Der Australier warnt aber sich ausschließlich auf Mercedes und Ferrari zu konzentrieren. „Force India könnte hier ein Gegner für uns werden.“ Tatsächlich machte Force India eine ganz starke Figur. Hülkenberg lag in der schnellsten Runde der zweiten Trainingssitzung auf Platz 3 hinter Max Verstappen und Daniel Ricciardo. Perez war im Supersoft-Longrun der schnellste. Mit den Medium-Reifen fehlte Hülkenberg im Schnitt nur eine halbe Sekunde auf Hamilton.

Verstappens Bestzeit von 1.48,085 Minuten war noch nicht das letzte Wort. Der Holländer wurde in seiner besten Runde von Kimi Räikkönen aufgehalten. Hamiltons Pole Position von 1.47,197 Minuten aus dem Vorjahr ist also in Gefahr. Rekordhalter Mark Webber mit 1.45,778 Minuten aus dem Jahr 2010 kann dagegen ruhig schlafen.

Longruns GP Belgien 2016 (FP2)

Fahrer Ø längster Longrun Runden Reifentyp
1. Perez 1.54,454 8 supersoft
2. Ricciardo 1.54,546 8 supersoft
3. Verstappen 1.54,934 7 supersoft
4. Vettel 1.55,096 7 supersoft
5. Hülkenberg 1.55,270 10 supersoft
6. Wehrlein 1.55,907 6 supersoft
7. Button 1.55,940 5 supersoft
8. Kvyat 1.56,241 7 supersoft
9. Palmer 1.56,787 9 supersoft
--- --- ---  
1. Verstappen 1.54,383 10 soft
2. Ricciardo 1.54,484 9 soft
3. Hamilton 1.54,542 14 soft
4. Rosberg 1.54,722 12 soft
5. Bottas 1.54,953 9 soft
6. Vettel 1.54,966 10 soft
7. Button 1.56,008 7 soft
8. Massa 1.56,262 9 soft
9. Räikkönen 1.56,561 13 soft
10. Palmer 1.56,583 10 soft
11. Gutierrez 1.56,719 6 soft
12. Ericsson 1.56,880 12 soft
13. Sainz 1.57,048 11 soft
14. Wehrlein 1.57,036 10 soft
15. Nasr 1.57,264 9 soft
16. Magnussen 1.57,551 16 soft
--- --- --- ---
1. Hamilton 1.54,563 14 medium
2. Hülkenberg 1.55,036 13 medium
3. Perez 1.55,587 11 medium
4. Rosberg 1.55,700 12 medium
5. Alonso 1.56,148 10 medium
6. Kvyat 1.56,638 8 medium
7. Ocon 1.58,523 13 medium
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