Trainingsanalyse GP Spanien 2018

Red Bull-Upgrade bringt halbe Sekunde

Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2018 Foto: Red Bull 97 Bilder

Das große Upgrade von Red Bull zeigt Wirkung. Max Verstappen und Daniel Ricciardo führen die Rangliste der Longruns vor Mercedes und Ferrari an. Ferrari sucht noch Speed in gewissen Kurven. Mercedes hadert mit den Supersoft-Reifen.

Red Bull hat seine WM-Gegner mit einem großen Upgrade überrascht. Neben zahlreichen neuen Aero-Teilen rund um die Seitenkästen macht sich vor allem das neue Kühlkonzept und die bessere Durchströmung unterhalb der Verkleidung bemerkbar.

Das Konstruktionsziel mehr Abtrieb bei weniger Luftwiderstand wurde erreicht. Die Red Bull haben beim Top-Speed einen Sprung nach vorne gemacht und sind in den Kurven trotzdem die Schnellsten. Daniel Ricciardo fuhr in seiner schnellsten Runde mit einem Rückstand von nur 0,133 Sekunden hinter Lewis Hamilton auf Platz 2. Max Verstappen dominierte die Longruns auf den Mischungen Supersoft und Soft.

Der Supersoft-Reifen bereitete auf der reifenmordenden Strecke von Barcelona vielen Teams großes Kopfzerbrechen. Er war bestenfalls um zwei Zehntel schneller als der Soft-Reifen. Mercedes fuhr seine schnelleren Runden sogar auf der härteren Mischung. „Ich vermute, dass sich die Reifenoberfläche beim Supersoft mehr bewegt. Das mögen die Fahrer nicht so. Sie haben auf den härteren Mischungen mehr Vertrauen“, grübelte Pirelli-Sportchef Mario Isola.

Die wenigsten Probleme mit der weichsten Mischung hatte Red Bull. „Wir konnten in den ersten zwei Sektoren voll attackieren, ohne im dritten Sektor dafür bezahlen zu müssen“, freute sich Motorsportchef Helmut Marko. Das große Upgrade, das laut Teamchef Christian Horner eine siebenstellige Summe gekostet hat, ist voll eingeschlagen. Alle Windkanal-Prognosen wurden bestätigt. „Mindestens eine halbe Sekunde“, bestätigte Marko. Und er warnt die Konkurrenz: „Wir befinden uns noch beim Feintuning für das neue Paket.“

Party-Modus bei Ferrari?

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2018 Foto: sutton-images.com
Die Ferrari-Pace lässt sich noch nicht richtig einschätzen.

Auch in Baku hatte Red Bull die Rennsimulationen dominiert. Am Samstag ging die Reise rückwärts. Das wird aus zwei Gründen diesmal nicht passieren, erklärt Marko. „Erstens gibt es hier weniger Geraden als in Baku. Zweitens haben wir auf eine Runde noch nicht das Maximum aus unserem umgebauten Auto herausgeholt.“ Max Verstappen und Daniel Ricciardo führen trotzdem die Longrun-Liste mit den Supersoft-Reifen an. Drei Zehntel vor Sebastian Vettel, der aber ziemlich unbeständig unterwegs war.

Der Ferrari-Pilot streute immer mal wieder eine langsame Runde in seinen Dauerlauf. „Ich bin immer mal wieder im Verkehr gesteckt.“ Für Kimi Räikkönen war das Nachmittagstraining schon nach 16 Runden beendet. Deshalb steht er ganz ohne Longrun da. Der Finne rollte ohne Motorkraft zurück an die Box. „Wir analysieren im Bereich der Antriebseinheit“, hieß es bei Ferrari. Die Gerüchteküche spricht von einem Problem mit dem Turbolader.

Mit den Soft-Reifen lag Verstappen 2 Zehntel vor Vettel, 3 vor Ricciardo und 7 vor Hamilton. Vettel war hier aber nur 6 Runden lang unterwegs. Hamilton fuhr mit dem Soft-Gummi 19 Runden am Stück. Deshalb sind die Mercedes-Ingenieure auch nicht beunruhigt. „Wenn wir uns unter gleichen Bedingungen mit der Konkurrenz vergleichen, liegen wir knapp hinter Red Bull, aber noch recht deutlich vor Ferrari.“

Ferrari verliert laut GPS-Messungen vor allem in den Kurven 4, 7 und 9 auf die Mitbewerber. Erwartet Red Bull noch den Angriff der Gegner? „Die werden am Samstag bestimmt wieder den Motor aufdrehen. Aber da hat Ferrari im Moment mehr Party-Time-Modus in der Hinterhand als Mercedes“, lächelt Marko. Angst, dass sich seine beiden Fahrer wieder ins Auto fahren, hat der Grazer nicht: „Hier ist es schwieriger einen Unfall zu bauen. Nur beim Start müssen sie aufpassen.“

Das größte Rätsel des ersten Trainingstages gab der Supersoft-Reifen auf. „Es ist nur ein schmales Fenster, in dem er optimalen Grip liefert. Du fällst ganz leicht daneben“, erzählen die Mercedes-Techniker. Ob das mit der um 0,4 Millimeter dünneren Lauffläche zu tun hat, wird noch analysiert.

Die starken Gripschwankungen führten dazu, dass sich nicht nur die Mercedes-Fahrer einige Male neben der Strecke wiederfanden. Valtteri Bottas musste seine beste Runde abbrechen. Der Wind spielte auch eine Rolle. „Uns hat es immer in den Kurven 4, 7 und 14 erwischt. Da kann nicht nur der Reifen schuld gewesen sein.“

Pirelli-Sportchef Isola hatte noch eine andere Theorie: „In den Bremszonen wurde der Bitumen aus der frisch asphaltierten Strecke schon mehr herausgefahren als am Scheitelpunkt. Deshalb haben die Piloten am Kurveneingang mehr Grip gespürt und wurden dann plötzlich überrascht.“

Renault klagt über Balanceprobleme

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Im Mittelfeld scheint McLaren das Upgrade-Wettrüsten gewonnen zu haben. Auch wenn Fernando Alonso und Stoffel Vandoorne bei den höheren Temperaturen am Nachmittag nicht mehr die beeindruckende Vorstellung vom Vormittag wiederholen konnten. Auf eine Runde schaffte es nur Vandoorne in die Top Ten. Alonso baute einen Fehler in seine schnellste Runde ein.

Der Spanier war trotzdem zufrieden: „Das war unser bislang bestes Freitagstraining. Das Upgrade ist ein Fortschritt. Ich spüre mehr Grip und fühle mich wohler im Auto. Über ein paar Teile davon sind wir uns noch nicht ganz sicher. Wie viel wir uns tatsächlich gesteigert haben, werden wir erst am Samstag wissen.“

Bei den Longruns lagen die zwei McLaren knapp hinter den HaasF1, die ohne neue Teile in Barcelona antreten. Das Upgrade des US-Teams kommt erst zum GP Kanada. Die gute Form der HaasF1 ist keine Überraschung. Die Autos waren schon bei den Wintertestfahrten groß in Form.

Force India war mit dem ersten Trainingstag zufrieden. „Die neuen Teile machen, was sie sollen. Die Fahrer fühlen sich viel wohler im Auto als bei den Testfahrten“, freute sich Technikchef Andy Green. Force India war mit Änderungen am Unterboden, dem Diffusor, den Seitenkästen, den Leitblechen und der Aufhängung nach Spanien gereist. Dazu kehrte der neue Frontflügel zurück, der in Bahrain nur ein kurzes Gastspiel gab.

Die Renault-Piloten klagten noch über Probleme mit der Fahrzeugbilanz. „Untersteuern, Übersteuern, ein bisschen von allem“, erzählte Einsatzleiter Alan Permane. Technikchef Bob Bell kritisierte: „Wir müssen die Balance für schnelle und langsame Kurven besser hinkriegen. Wir sind immer nur gut in einem Kurventyp.“

In der Galerie zeigen wir Ihnen die Bilder vom Trainingsfreitag in Barcelona.

Longrun-Analyse GP Spanien 2018

Fahrer Ø längster Longrun Runden Reifentyp
1. Verstappen 1.22,655 15 supersoft
2. Ricciardo 1.22,889 10 supersoft
3. Vettel 1.22,917 14 supersoft
4. Bottas 1.22,952 9 supersoft
5. Hamilton 1.23,350 9 supersoft
6. Grosjean 1.23,362 13 supersoft
7. Vandoorne 1.23,436 8 supersoft
8. Hülkenberg 1.23,631 6 supersoft
9. Magnussen 1.23,848 12 supersoft
10. Perez 1.24,242 10 supersoft
11. Gasly 1.24,463 10 supersoft
12. Ocon 1.24,465 10 supersoft
13. Sirotkin 1.25,386 13 supersoft
1. Verstappen 1.21,121 14 soft
2. Vettel 1.21,342 6 soft
3. Ricciardo 1.21,429 13 soft
4. Hamilton 1.21,827 19 soft
5. Magnussen 1.22,692 13 soft
6. Ocon 1.23,211 9 soft
7. Vandoorne 1.23,313 8 soft
8. Sainz 1.23,600 11 soft
9. Gasly 1.23,600 9 soft
10. Ericsson 1.25,275 19 soft
1. Bottas 1.21,765 18 medium
2. Hülkenberg 1.23,364 19 medium
3. Alonso 1.23,558 7 medium
4. Leclerc 1.23,889 9 medium
5. Hartley 1.24,523 15 medium
6. Stroll 1.24,678 14 medium
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Übrigens, kann mir mal einer erklären, was jetzt das fundamental Kolossale am RedBull-Update ist?

Dr. Brain? Anyone?

donington93 12. Mai 2018, 17:24 Uhr
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