Sebastian Vettel - Ferrari - GP USA 2017 - Austin sutton-images.com
Sebastian Vettel - Ferrari - GP USA - Austin - Formel 1 - Freitag - 20.10.2017
Sebastian Vettel - Ferrari - GP USA - Austin - Formel 1 - Freitag - 20.10.2017
Marcus Ericsson - Sauber - GP USA - Austin - Formel 1 - Freitag - 20.10.2017
Marcus Ericsson - Sauber - GP USA - Austin - Formel 1 - Freitag - 20.10.2017 95 Bilder

Trainingsanalyse GP USA 2017

Mercedes im Himmel, Ferrari in der Hölle

So wird das nichts mit Sebastian Vettels Aufholjagd. Ein Dreher und Aufhängungsprobleme verkürzten seine Rennvorbereitung auf 11 Runden. Ferrari tauscht aus Sicherheitsgründen das Chassis. Schlimmer noch: Mercedes bestimmte das Tempo, und Red Bull lag knapp hinter den Silberpfeilen.

Lewis Hamilton macht ernst mit seiner Titel-Kampagne. Der fünffache USA-Sieger markierte in beiden Freitags-Sitzungen eine überlegene Bestzeit. Im ersten Training mit 0,593 Sekunden Vorsprung auf Sebastian Vettel, im zweiten 0,397 Sekunden vor Max Verstappen. Auch in den Longruns führten die Silberpfeile das Feld an. Auf den Soft-Reifen allerdings nur ganz knapp. Max Verstappen lag im Schnitt weniger als ein Zehntel zurück. Auf der Mischung Ultrasoft war der Unterschied größer. Der Vorsprung vom Hamilton zu Red Bull betrug 0,224 Sekunden. Valtteri Bottas lag deutlich hinter Lewis Hamilton. Am Mercedes des Finnen wurden die Vorderreifen zu heiß. Der schnellste Mann auf Supersoft-Reifen war Daniel Ricciardo. Sein Schnitt über 7 Runden betrug 1.39,954 Minuten. Bottas kam nur auf 1.40,632 Minuten im Mittelwert über 12 Runden.

Keine Zeit für Dauerläufe für Vettel

Mit Ferrari konnte sich Mercedes nicht vergleichen. Kimi Räikkönen lag mit Ultrasoft-Reifen sechs Zehntel zurück. Auf den Supersoft-Sohlen war der Finne noch langsamer. Auf Ricciardo fehlte ihm über eine Sekunde, auf Bottas vier Zehntel. Sebastian Vettels Möglichkeiten blieben im Dunkeln. Ein Dreher in Kurve 19 kostete ihn 25 Minuten Trainingszeit. Sein Ferrari musste erst wieder vom Kies gesäubert werden. Danach berichtete der WM-Zweite am Funk von Problemen mit der Aufhängung. Er vermutete darin auch den Grund für den Abflug. Gleich beim Einlenken überholte ihn das Heck.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP USA - Austin - Formel 1 - Freitag - 20.10.2017
Aktuell

Vettel fuhr am Freitag wieder die neue Vorderachse, die in Spa ihre Premiere feierte, in Suzuka aber aufgrund der Streckencharakteristik wieder ausgebaut wurde. Sie zieht das Auto beim Einlenken mehr in die Kurven hinein. Vettels Fazit. „Ich hatte heute kein gutes Gefühl im Auto.“ Die Mechaniker schraubten ein Mal 20, das andere Mal 15 Minuten an dem Ferrari mit der Startnummer 5. Für Dauerläufe blieb keine Zeit mehr. Vettel bedauerte: „Ich hatte nur eine freie Runde, und die war nicht gut.“ Sein Rückstand auf Hamilton belief sich auf 0,524 Sekunden. „Unter den Umständen gar nicht mal schlecht“, suchte Vettel Trost .

Eineinhalb Stunden nach dem Training entschied Ferrari aus Sicherheitsgründen, das Chassis zu tauschen. Und vermutlich die Vorderachse gleich mit. Der Verdacht ging um, dass ein weiches Chassis Vettels Probleme verursacht hat. Für die Ferrari-Mechaniker bricht eine lange Nacht an.

Verschiebt Red Bull Motorwechsel bei Verstappen?

Mercedes absolvierte seine Rennsimulationen auf allen drei Reifentypen, wird sich aber wahrscheinlich auf die Mischungen Ultrasoft und Soft konzentrieren. Wegen der starken Reifenabnutzung erwartet der Titelverteidiger im Moment ein Zweistopp-Rennen. „Das kann sich morgen aber ändern, wenn mehr Grip auf die Bahn kommt“, erzählen die Ingenieure. Bei zwei Stopps sind zwei Varianten denkbar: Ultrasoft-ultrasoft-soft oder Ultrasoft-ultrasoft-supersoft.

Max Verstappen - Red Bull - GP USA - Austin - Formel 1 - Freitag - 20.10.2017
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Mercedes profitierte am ersten Trainingstag von drei günstigen Umständen. Die Asphalttemperatur blieb mit 31 bis 35 Grad relativ kühl. Nach dem morgendlichen Schauer war die Strecke noch relativ grün. „Und die Strecke hat heute mehr den Vorderreifen gefordert. Das kommt uns entgegen“, freute sich Teamchef Toto Wolff. Die Techniker warnen aber: „Das kann im Rennen ins Gegenteil umschlagen. Da erwarten wir, dass der Hinterreifen die limitierende Größe wird.“

Auf eine Runde werden die Silberpfeile wahrscheinlich wieder unschlagbar sein. Auch wenn Max Verstappen in seiner schnellsten Runde in Kurve 1 durch einen Fehler Zeit liegenließ. „Wenn wir von einer perfekten Runde von Max ausgehen, wären wir nah an Hamilton dran gewesen. Doch das wird Mercedes morgen wieder durch seinen Qualifikationsmodus vom Motor her kompensieren“, fürchtet Motorsportchef Helmut Marko. Ob Verstappen in den Genuss von extra Power mit der neuen Motorenspezifikation von Renault kommt, ist noch nicht entschieden. Red Bull will erst wissen, wie ernst die Motorprobleme im Auto von Nico Hülkenberg waren. Wenn der geringste Zweifel besteht, bleibt der alte Motor drin und Verstappen entgeht einer Strafversetzung.

Daniel Ricciardo braucht nach dem Aufhängungsexperiment am Morgen noch etwas Eingewöhnungszeit. Red Bull probierte ein ähnliches Konzept wie Ferrari im ersten Training am Auto von Ricciardo aus, baute aber wieder auf die Standard-Lösung zurück. „Daniel hat das Potenzial hier aufs Podium zu fahren“, stellte Marko fest. Die Longruns unterstreichen das. Angesehen von der Longrun-Bestzeit auf Supersoft-Reifen lag der Australier mit den Ultrasoft-Gummis auf dem Niveau von Verstappen. Nur mit der einen schnellen Runden wollte es noch nicht so recht klappen. Fürchtet Red Bull noch Ferrari? Marko zuckt mit den Schultern: „Sie haben schon oft am Samstag das Blatt drehen können, doch dann muss ihnen morgen schon viel einfallen. Im Augenblick liegen sie weit zurück.“

Lange Standzeiten für Hülkenberg und Grosjean

Im Mittelfeld machte auf eine Runde Fernando Alonso die beste Figur. Obwohl der Spanier am Morgen wegen eines Hydrauliklecks viel Trainingszeit verloren hatte. Die Rennsimulationen von Stoffel Vandoorne lassen jedoch wie im Vorjahr auf einen Punktesegen hoffen. In den Longruns überzeugten wieder einmal die Force India-Piloten. Sergio Perez lag mit den Ultrasoft-Reifen vor Esteban Ocon. Auf der Mischung Supersoft war es umgekehrt. Der neue Unterboden und Modifikationen am Heckflügel machen sich bezahlt. Ganz zufrieden war man im Lager des WM-Vierten trotzdem noch nicht. „Auf eine Runde fehlt uns noch Zeit“, bemängelte Sportdirektor Otmar Szafnauer. „Der Unterschied zwischen Soft und Ultrasoft betrug im Mittel heute 1,4 Sekunden. Wir haben aus dem Ultrasoft nur 1,1 Sekunden rausgeholt. Da ist noch Luft nach oben.“ Der Fehler lag darin, dass die Ingenieure beim Setup nicht ausreichend auf die höheren Temperaturen am Nachmittag reagiert hatten.

Renault splittete seinen Tag. Nico Hülkenberg fuhr Testreihen mit neuen Aerodynamikkomponenten. Nachdem der Fortschritt in den letzten Rennen etwas ins Stocken gekommen war, misstrauten die Ingenieure ihren Windkanaldaten. Deshalb musste Hülkenberg Vergleichstests mit verschiedenen Aerodynamik-Konfigurationen fahren. Der neue Teamkollege Carlos Sainz fuhr ein normales Programm zum Eingewöhnen, was in einer Rundenzeit resultierte, die um fünf Tausendstel unter der von Hülkenberg lag. Der lange Rheinländer brachte es nur auf 18 Runden. Wegen eines Problems am neuen Motor stand er 37 Minuten an der Box. Ob es zu 100 Prozent gelöst ist, müssen die Ingenieure bei der Datenanalyse feststellen. „Es war sowieso nichts, was ich im Auto gespürt hätte. Die Ingenieure haben daten gesehen, die sie nicht sehen wollten“, erklärte Hülkenberg.

Auch Romain Grosjean verbrachte viel Zeit in der Box. Eine der Halterungen für die neuen Leitbleche war abgebrochen. Die Mechaniker reparierten in zwei Anläufen insgesamt 49 Minuten lang. „Vom Gefühl her war Grosjean so gut unterwegs wie Magnussen“, beruhigte Teammanager Dave O‘Neill. Was die Dauerläufe bestätigten. Toro Rosso-Debütant Brendon Hartley schlug sich wacker. Der Neuseeländer war im Longrun-Vergleich auf Ultrasoft-Reifen um zwei Zehntel schneller als Daniil Kvyat. „Für die eine schnelle Runde muss er die besten Sektorzeiten noch in eine Runde bringen. Für den Anfang war es eine ordentliche Vorstellung“, adelte Marko seinen neuen Fahrer. Hartley ist zuversichtlich, dass es am Samstag besser läuft: „Die Reifen sind völlig anders als das, was ich kenne. Ich muss noch lernen, den Grip frischer Reifen besser zu antizipieren. Mit viel Datenstudium heute Abend wird mir das schon gelingen.“

Trainingsanalyse GP USA 2017

Fahrer Ø längster Longrun Runden Reifentyp
1. Hamilton 1.40,282 7 ultrasoft
2. Verstappen 1.40,506 10 ultrasoft
3. Ricciardo 1.40,524 8 ultrasoft
4. Bottas 1.40,689 11 ultrasoft
5. Räikkönen 1.40,818 5 ultrasoft
6. Perez 1.41,352 9 ultrasoft
7. Ocon 1.41,609 11 ultrasoft
8. Vandoorne 1.41,720 8 ultrasoft
9. Massa 1.41,873 12 ultrasoft
10. Grosjean 1.41,910 9 ultrasoft
11. Magnussen 1.42,073 8 ultrasoft
12. Hartley 1.42,626 9 ultrasoft
13. Wehrlein 1.42,792 7 ultrasoft
14. Kvyat 1.42,813 13 ultrasoft
15. Alonso 1.42,888 4 ultrasoft
     
1. Ricciardo 1.39,954 7 supersoft
2. Bottas 1.40,632 6 supersoft
3. Ocon 1.41,056 10 supersoft
4. Räikkönen 1.41,075 9 supersoft
5. Perez 1.41,174 9 supersoft
6. Vandoorne 1.41,596 9 supersoft
7. Hartley 1.42,126 12 supersoft
8. Sainz 1.42,260 12 supersoft
9. Grosjean 1,42,378 4 supersoft
10. Stroll 1.42,641 13 supersoft
     
1. Hamilton 1.40,143 7 soft
2. Verstappen 1.40,234 9 soft
3. Alonso 1.41,618 5 soft
4. Massa 1.41,939 4 soft
5. Kvyat 1.42,301 7 soft
6. Wehrlein 1.43,330 5 soft
Motorsport Aktuell Lewis Hamilton - Mercedes - GP USA - Austin - Formel 1 - Samstag - 21.10.2017 GP USA 2017 (Ergebnis Training) Vettel rückt Hamilton näher

Sebastian Vettel hat sich am Samstagmorgen in Austin gesteigert.

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