Traktionslos

Die Paranoia der Piloten

Foto: dpa

Die Angst vor Monte Carlo ohne Traktionskontrolle war unbegründet. Felipe Massa hatte vor vielen Unfällen schon im Trockenen gewarnt. Bei Regen, so der Brasilianer vor dem Rennen, sei es viel zu gefährlich - die übliche Paranoia der Formel 1 vor unbekannten Situationen.

Alles halb so wild, stellte sich später heraus. Im Training gab es sechs Leitplankenkontakte, auch nicht mehr als sonst. Der spektakulärste Abflug hatte nichts mit der fehlenden Traktionskontrolle zu tun. David Coulthard erwischte es im Qualifying beim Anbremsen der Hafenschikane aus 285 km/h. "Die Hinterräder blockierten. Als ich von der Bremse ging und versuchte gegenzulenken, stellte sich das Auto nicht mehr gerade."

Designchef Adrian Newey behauptete: "An den Daten lässt sich kein Schaden erkennen." Auch im Regen war das Fahren ohne elektronische Hilfestellung beherrschbar. Es ging ja 1996 und 1997 mit viel giftigeren Motoren und weniger perfekten Autos auch. Mark Webber meinte nach der Erfahrung seines ersten Regenrennens in Monte Carlo. "Man musste ständig auf der Hut sein. Einige Leute sind beim Ausloten des Limits ein bisschen zu weit gegangen, aber es blieb immer im Rahmen.

Piloten haben Spaß

Monte Carlo ist im Regen nicht so schlimm wie andere Strecken. Erstens gibt es wegen der geringen Geschwindigkeiten weniger Gischt, zweitens laufen keine Bäche über die Bahn. Die Drainage funktioniert gut." Sebastian Vettel fand sogar Gefallen an der rutschigen Fahrt: "Die Hinterräder haben bis in den vierten Gang durchgedreht. Wenn du zu früh aufs Gas bist, musstest du das Auto wieder einfangen. Fahren im Regen ohne Traktionskontrolle traf uns ja nicht ganz unvorbereitet. Wir hatten vorher schon ein paar Testfahrten im Nassen."

Sieger Lewis Hamilton schwärmte: "Die ersten Runden waren ein echter Eiertanz. Ich bin ganz easy gefahren, um nichts zu riskieren, und bin trotzdem leicht an der Leitplanke angeschlagen. Auch danach, mit viel Benzin an Bord musste ich unglaublich vorsichtig sein." Der Zweitplatzierte Robert Kubica erzählte: "Solange die Regenreifen nicht auf Temperatur waren, bin ich nur gerutscht. Ich stand in jeder Kurve quer. Danach war ausreichend Grip vorhanden und ich habe die Lücke zu Felipe schnell zugefahren."

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