Charles Leclerc - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 27. August 2021 xpb
Impressionen - Formel 1 - GP Belgien - 29. August 2021
Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Belgien - 29. August 2021
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Budget-Cap-Problem: Wer bezahl für Unfallschäden?

Crashkosten belasten Budget-Cap Wer bezahlt für Unfallschäden?

Der Highspeed-Unfall von Lando Norris in Spa-Francorchamps befeuerte erneut die Frage, ob Unfallschäden aus dem Budgetdeckel rausgerechnet werden sollen. McLaren war zwar der Leidtragende in Spa, doch Teamchef Andreas Seidl hält nichts davon.

So viele Schadensfälle gab es in der Formel 1 schon lange nicht mehr. In den ersten zwölf Rennen produzierten die Piloten acht Totalschäden. Weitere 17 Mal mussten die Mechaniker Überstunden schieben. Bagatellschäden gibt es nicht mehr. Eine Nase samt Frontflügel kostet 170.000, ein kompletter Unterboden 100.000, ein Getriebegehäuse 200.000 Dollar. Für eine Totalreparatur an der Vorderachse schlägt ähnlich zu Buche.

Die Unfall-Liste in diesem Jahr ist lang. Valtteri Bottas und George Russell in Imola, Mick Schumacher in Monte Carlo und Budapest, Lance Stroll und Max Verstappen in Baku, Sebastian Vettel in Spielberg, Max Verstappen in Silverstone und zuletzt Lando Norris in Spa lieferten ordentlich Kleinholz ab.

Aber auch Unfälle wie die von Yuki Tsunoda und Nicholas Latifi in Imola, die von Charles Leclerc in Monte Carlo und Spa, von Daniel Ricciardo in Baku und der Autofriedhof nach dem Start in Budapest belasten das Unfallkonto mit jeweils sechsstelligen Summen. Ferrari hat ausgerechnet, dass sein Unfallkonto bereits bei drei Millionen Dollar liegt.

Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Belgien - 29. August 2021
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Oft ist die Schadenssumme größer als es auf den ersten Blick scheint.

Mit 32 g in die Wand

Oft haben scheinbar harmlose Unfälle große Folgen. Ferrari musste nach dem Trainingsunfall von Leclerc am Freitag in Spa ein neues Chassis aufbauen, weil die Vorderradaufhängung die Karbonröhre beschädigt hatte.

Auch Sergio Perez richtete bei seinem Trip in die Leitplanken auf der Fahrt zum Startplatz mehr Schaden an als es von außen den Anschein hatte. "Der rechte untere Querlenker ist bei dem Stoß nach innen gedrückt worden und hat dabei auch die linke Aufhängung beschädigt. Dazu war noch die Lenksäule betroffen", berichtete Teamchef Christian Horner.

Lando Norris lieferte den bislang spektakulärsten Unfall des Jahres ab. Der Engländer verlor bei 262 km/h im Rechtsknick von Eau Rouge seinen McLaren und rasierte sich beim Kontakt mit dem Reifenstapel drei Räder ab. Dazu riss es das Getriebe halb aus dem Auto. Trotzdem blieb das Chassis heil.

"Der Aufprallwinkel war relativ flach und die Verzögerung nicht so hoch wie man meinen sollte. Wir haben so um die 32 g gemessen. Die Querlenker sind in Längsrichtung abgerissen und haben sich nicht ins Auto gebohrt", berichtet Teamchef Andreas Seidl.

Es war trotzdem ein teurer Tag für McLaren. Mit einer Million ist man da schnell dabei, wenn Red Bull den Schaden am Verstappen-Auto in Silverstone auf 1,8 Millionen Dollar und Mercedes den Unfallschaden von Bottas in Imola auf 1,4 Millionen Dollar taxiert.

Max Verstappen - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 27. August 2021
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Bei Red Bull hatten die Mechniker in Spa viel Arbeit.

Wer bestimmt, wer Schuld hat?

Bei solchen Summen wurden bei den Top-Teams schnell Stimmen laut, man solle Unfallschäden nicht in den Kostendeckel mit einrechnen. Grund: Es könnte zu einer Wettbewerbsverzerrung führen. Das führte bei den kleineren Teams zu Kopfschütteln. "Wir hatten schon immer einen natürlichen Kostendeckel. Das war das Geld, das vorhanden war. Da hat auch keiner gefragt, auf welches Konto wir Unfallschäden anrechnen", erklärt Haas-Teamchef Guenther Steiner. Andreas Seidl ruft den verwöhnten großen Teams zu: "Willkommen in der Wirklichkeit."

Unfälle sind nach Meinung von Seidl Teil des Motorsports. Und wenn die Schäden einmal die Summe übersteigen, die vorab aus Erfahrungswerten einkalkuliert wurde, dann muss man eben damit klarkommen und an anderer Stelle sparen. So wird es jetzt auch McLaren gehen.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto forderte nach der Startkarambolage von Budapest, dass Unfallschäden wenigstens dann ausgeklammert werden sollten, wenn die eigenen Fahrer unschuldig in eine Kollision verwickelt werden. Am besten wäre noch, der Gegner komme dafür auf. Seidl hält nichts davon: "Wo fängst du an, wo hörst du auf? Und wer bestimmt, wer wie viel Schuld hat?"

Hardliner Franz Tost von Alpha Tauri mahnt, dass man sich wenigstens Gedanken über dieses Problem machen sollte. "Wenn du auf allen Kosten sitzen bleibst, könnten absichtlich Unfälle herbeigeführt werden, und dann hätte der Kostendeckel das Ziel verfehlt." Honda-Einsatzleiter Toyoharu Tanabe wünscht sich eine Ausnahmeregelung für Motoren: "Wir unterstützen die Forderung der FIA nach langlebigen Motoren, finden aber dass man bei Unfallschäden bei den Motoren eine Ausnahme machen sollte."

Kollege Jost Capito von Williams fordert: "Das ist eine Frage, die die FIA klären muss. Prinzipiell halte ich nichts von zu vielen Ausnahmen im Budgetdeckel. Sonst verfehlt dieses Prinzip die beabsichtigte Wirkung."

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