Was haben die neuen Teile gebracht?

Kein Upgrade war schneller

Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2018 Foto: sutton-images.com 39 Bilder

Sieben Teams haben mehr oder weniger große Ausbaustufen ihrer Autos nach Barcelona gebracht. HaasF1, Toro Rosso und Sauber gönnten sich eine Pause im Entwicklungswettlauf. Trotzdem haben sie besser abgeschnitten als ihr Umfeld.

In Barcelona stellen sich die Ingenieure ins Schaufenster. Beim Europa-Auftakt beginnt die Saison gewissermaßen ein zweites Mal. Mit Ausnahme von HaasF1, Toro Rosso und Sauber brachten alle Teams mehr oder weniger große Ausbaustufen zum fünften Rennen der Saison. Bei Red Bull und McLaren kann man getrost von einer B-Version sprechen. Force India renovierte seinen VJM11 schon zum dritten Mal. Diesmal ziemlich massiv in den Bereichen Leitbleche, Unterboden, Aufhängung und Diffusor. Der neue Frontflügel dagegen kam erneut nicht zum Renneinsatz.

Red Bull investierte eine siebenstellige Summe in einen Umbau, der unter der Verkleidung dramatischer ist als im sichtbaren Bereich. Ein neues Kühlsystem und eine bessere Durchströmung der Seitenkästen sollten den Luftwiderstand senken. Modifizierte Leitbleche und ein neuer Unterboden den Abtrieb erhöhen. Im Team sprach man von einer halben Sekunde Fortschritt.

Am McLaren MCL33 waren 40 Prozent aller Teile neu. Eigentlich sollte das Auto mit seiner eigenwilligen Dreiloch-Nase schon in Melbourne bereitstehen. Doch schlechte Planung und Verzögerungen beim Crashtest warfen den Zeitplan über den Haufen. McLaren machte sich Hoffnung, mit seiner B-Version das Mittelfeld klar anzuführen. An den Anschluss an die Spitze glaubten selbst die größten Optimisten nicht.

Red Bull, McLaren und Force India treten auf der Stelle

McLaren - Technik - GP Spanien 2018 Technik-Upgrades GP Spanien Mehr als Spiegel und Nasen

Wenn man die 3 Teams mit den größten Änderungen befragt, dann sprachen alle von einem Fortschritt. Was sich im Resultat aber nicht wiederspiegelte. Die beiden Red Bull qualifizierten sich erneut nur für die dritte Startreihe. Dass sie im Rennen mindestens so stark wie Mercedes und Ferrari sind, wussten wir schon vorher.

Der Top-Speed war erneut bescheiden, obwohl der Luftwiderstand reduziert wurde. Red Bull landete nur im hinteren Drittel. „Uns fehlt einfach Power“, verzweifelte Max Verstappen. In engen Kurven bleibt der RB14 eine Macht. „Der hatte trotz 20 Runden älteren Reifen eine bessere Traktion als wir“, staunte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Schlussfolgerung: „Für Monte Carlo ist Red Bull Favorit.“

Auch McLaren lobte sein Upgrade: „Alles ist besser und schneller. Das Auto hat mehr Grip, fühlt sich deutlich besser an“, lobte Fernando Alonso. Seine erste Teilnahme im Q3 schien das Statement zu bestätigen. Trotzdem hatte er den HaasF1 von Kevin Magnussen vor der Nase. Im Rennen fehlten 40 Sekunden auf den Dänen. Ist das wirklich Fortschritt?

Am Ende gab es für Alonso zwar zum fünften Mal in Folge Punkte, aber wirklich überzeugen konnte der McLaren MCL33B nicht. Alonsos 8. Platz war die Bewahrung des Status Quo. Gegen HaasF1 und Renault blieb McLaren chancenlos. Man hofft jetzt auf weitere Upgrades. „Wir müssen das umgebaute Auto noch besser verstehen“, hieß es.

Force India war nach dem Erfolg von Baku zuversichtlich, dass sich der positive Trend fortsetzt. Auch wenn Barcelona nicht der Typ von Rennstrecke ist, auf der die Force India glänzen können. Trotz der Upgrades schaffte es kein Force India ins Q3. Die zwei Punkte im Rennen waren Schadensbegrenzung. Im letzten Jahr fuhr man mit 22 Zählern aus Spanien heim.

Sergio Perez schlug mit Müh und Not den Sauber von Charles Leclerc. „Das Fenster, in dem das Auto funktioniert, ist größer geworden“, protestierte Sportdirektor Otmar Szafnauer auf Kritik, man trete auf der Stelle. „Die Fahrer sind mit dem Auto jetzt viel glücklicher als bei den Testfahrten. Wir haben seitdem massive Schritte nach vorne gemacht“, bestätigte Technikchef Andy Green.

Mercedes und Ferrari neutralisieren sich

Ferrari - Technik - GP Spanien 2018 Foto: sutton-images.com
Die Spiegel muss Ferrari zum kommenden Rennen in Monaco wieder umbauen.

Mercedes und Ferrari beschränkten sich auf Detailarbeit, jeweils an vier Stellen. Bei Mercedes am Frontflügel, dem vorderen Ende der Seitenkästen, in der Mitte der Seitenteile und am Diffusor. Ferrari änderte ebenfalls den Frontflügel, den Boden an mehreren Stellen und sorgte mit seinen am Halo montierten Spiegeln samt Winglet neben der McLaren-Nase für den größten Hingucker der Technikshow. Die sind in Monaco schon wieder Geschichte: Was Ferrari eine zusätzliche Befestigung nennt, ist aus Sicht der FIA ein illegaler Flügel.

Die beiden WM-Rivalen bezifferten den Zeitgewinn durch ihre Upgrades auf jeweils eine Zehntelsekunde. Sie neutralisierten sich also. Dass Mercedes trotzdem klar überlegen war, lag am Streckenlayout, den Reifen mit weniger Gummiauflage und geringerer Überhitzungsgefahr, den kühlen Temperaturen und einem gut gefüllten Datenspeicher für die Fahrzeugabstimmung. Die Silberpfeile waren von der ersten Runde an schnell. Bei den drei Rennen davor brauchte man jeweils drei Trainingssitzungen, um die Autos für die heiklen Pirelli-Sohlen zu trimmen.

Ein Mercedes-Ingenieur bestätigte uns: „Unsere gute Form hat nichts mit dem Upgrade zu tun. Wir haben einfach die Reifen besser genutzt. Ferrari war wie in Melbourne auf der falschen Seite des Fensters. Das ist die Krux. Auf unterschiedlichen Streckenlayouts, Temperaturen, Asphalttypen bewegt sich der eine vorwärts, der andere rückwärts. Ich zweifle nicht daran, dass Red Bull in Monaco eine Macht sein wird und dass Ferrari nicht weit weg davon ist.“

HaasF1 dominiert Mittelfeld

Romain Grosjean - Formel 1 - GP Spanien 2018 Foto: sutton-images.com
Der Grosjean-Crash kostete Haas sichere Punkte.

HaasF1, Toro Rosso und Sauber hatten an ihren Autos fast nichts geändert. Und alle drei schnitten überdurchschnittlich gut ab. HaasF1 war im Training und Rennen wie bei den Wintertestfahrten die klare Nummer 4 im Feld. 36 Sekunden Vorsprung auf Renault und 40 Sekunden auf McLaren sind ein Wort.

Pierre Gasly mit dem 12. Startplatz und Brendon Hartley mit einem für seine Verhältnisse ordentlichen Rennen zeigten, dass die Formkurve des Toro Rosso nach zwei Rennen Flaute wieder anstieg. Sauber überraschte sich mit dem Punktegewinn selbst. Barcelona zählte zu den Angststrecken der Eidgenossen. „Zu viele schnelle und mittelschnelle Kurven. Da fehlt uns der Abtrieb“, fürchtete Marcus Ericsson im Vorfeld. Trotzdem holte Leclerc einen Punkt.

Teamchef Eric Vasseur lobte sein Team: „Wir haben vor allem beim Thema Reifenmanagement und Arbeitsabläufe einen guten Job gemacht.“ Auch die Boxenstopps sind in diesem Jahr exzellent. Auch Teammanager Beat Zehnder führte den bereits überraschenden 14. Startplatz von Leclerc auf die Reifen zurück: „Wir haben das Fenster für die Supersoft-Reifen genau getroffen. Vielleicht hat es uns da geholfen, dass unserem Auto noch Abtrieb fehlt. Wer in den Sektoren 1 und 2 die Reifen überlastet, bezahlt im dritten Sektor dafür.“ Vasseur glaubt, dass Sauber davon profitiert hat, kein Upgrade nach Barcelona zu bringen. „Wir konnten uns voll auf die neuen Reifen konzentrieren. Die anderen haben sich durch ihre Upgrades zusätzliche Arbeit aufgehalst und möglicherweise selbst verwirrt.“

HaasF1-Teamchef Guenther Steiner ist der gleichen Meinung. „Wir hätten mit Hängen und Würgen ein Upgrade hingekriegt. Aber warum sollten wir das in Eile ans Auto schrauben bei einem Grand Prix, wo du mit anderen Reifen genug zu tun hast? Deshalb haben wir uns für das Aero-Paket mehr Zeit gelassen, um es ausgereift zu einem späteren Zeitpunkt zu bringen.“ Das Ergebnis gab Steiner Recht. Die HaasF1 waren im Mittelfeld so unantastbar wie die Mercedes an der Spitze. Ärgerlich nur, dass wieder nur ein Auto gepunktet hat. Da lag mehr drin als nur 8 Zähler.

Neuester Kommentar

@EffEll Abgang von Jörn Becker? Er ist Renningenieur von Charles Leclerc.

F1addict 24. Juni 2018, 13:53 Uhr
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