V6 statt R4

Kompromissvorschlag im Motorenstreit

Cosworth F1-Motor Foto: Cosworth

Am Montag (30.5.) treffen sich die Motorenhersteller erneut mit FIA-Präsident Jean Todt. Es geht um das Motorenreglement für 2013. Die FIA und Renault wollen Vierzylinder-Turbos. Cosworth, Ferrari und Mercedes favorisieren den V8. Ferrari bringt jetzt den V6-Turbo als Kompromissvorschlag in die festgefahrenen Verhandlungen ein.

Es ist Fünf vor Zwölf. Am kommenden Freitag (3.6.) entscheidet der FIA-Weltrat endgültig über das Motorenreglement ab 2013. Geplant sind Vierzylinder-Turbos mit 1,6 Liter Hubraum, Direkteinspritzung und KERS. Cosworth hat mittlerweile festgestellt, dass die Entwicklungskosten so hoch sind, dass man von den Kunden einen höheren Preis verlangen müsste. Das kann sich aber keiner leisten.

Am Montag (30.5.) treffen sich FIA-Präsident Jean Todt und Vertreter von Mercedes, Ferrari, Renault und Cosworth in Paris ein letztes Mal vor der Weltratsitzung. Ganz oben auf der Agenda steht die Finanzierung der Vierzylinder-Motoren. Cosworth sieht nur eine Möglichkeit, ein Vierzylinder-Projekt kostengünstig auf die Beine zu stellen. "Man müsste bestimmte kostenintensive Entwicklungen gemeinsam bestreiten", überlegt Geschäftsführer Mark Gallagher. "Mercedes könnte den Turbolader für alle entwickeln. Wir könnten im Gegenzug Komponenten für alle Hersteller fertigen. Nur so wäre der Vierzylinder für uns refinanzierbar."

Zu viel Macht für die Hersteller

Ansonsten wäre Cosworth aus dem Geschäft. Für die Formel 1 käme das aus zwei Gründen einer Bankrotterklärung gleich. Ohne Cosworth wäre man komplett von Automobilherstellern abhängig. Mercedes und Ferrari können und wollen ihr Kontingent nicht ausweiten. Renault ist bereit, mehr Kunden zu beliefern, aber nicht das halbe Feld.

Mercedes-Vorstandschef Dieter Zetsche und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo haben Jean Todt in einem Brief unmissverständlich mitgeteilt, dass man auf einem Aufschub der neuen Motorenformel bis 2013 bestehe. Todt fürchtet, dass es dann nie dazu kommt. Deshalb will er seinen Plan durchziehen. Ein Rückzieher käme auch einem Gesichtsverlust gleich, weil Bernie Ecclestone seit langem gegen die von der FIA geplanten Schmalspurmotoren wettert.

Vierzylinder nicht automatisch umweltfreundlicher

Cosworth will aber nicht Opfer einer Schlacht verletzter Egos werden. Cosworth-Mann Gallagher versucht Todt eine Brücke zu bauen: "Die FIA kann ihre Ziele auch mit einem V8 realisieren. KERS und eine limitierte Benzindurchflussmenge sind mit jedem Motortyp möglich. Downsizing auf vier Zylinder bedeutet nicht automatisch Spritsparen und grüne Technologie. Das ist zunächst mal nur Kosmetik."

Um die festgefahrenen Positionen aufzuweichen, versucht es Ferrari jetzt mit einem Kompromissvorschlag. Maranello bringt den V6-Turbo ins Spiel. Das hört sich weniger schmalbrüstig an als ein Vierzylinder-Reihenmotor. Und es wird auch von den Chassisbauern favorisiert. Ein Vierzylinder-Reihenmotor bräuchte einen Hilfsrahmen. Der V6-Turbo ist ein quadratischer Motor und damit von seiner Grundstruktur verwindungssteif.

V6-Turbo als Kompromiss für beide Seiten

Da keiner der Motorhersteller in diese Richtung bis jetzt Vorleistung erbracht hat, könnte ein Sechszylinder frühestens 2015 Wirklichkeit werden. Das wiederum wird Todt nicht schmecken. Andererseits hat der FIA-Präsident sein bestes Argument für die neue Motorenformel verloren. Er erhoffte sich neue Hersteller für die Formel 1. Bis jetzt hat keiner angebissen.

Schlimmer noch: Der VW-Konzern hatte in Paris jahrelang Lobbyarbeit für dieses Triebwerkskonzept betrieben. "Jetzt wollen sie nichts von der Formel 1 wissen", klagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Tenor im Fahrerlager: "Wenn wir jetzt trotzdem dem Wunsch eines Herstellers folgen, der uns an der Nase herumgeführt hat, machen wir uns lächerlich."

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