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Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain 2021 - Rennen
Hamilton - Verstappen - Formel 1 - GP Bahrain 2021 - Rennen
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Vergleich Bahrain 2020-2021: Großer Ferrari-Sprung

Vier Teams verlieren zwei Sekunden Ferrari mit großem Fortschritt

Das angepasste Reglement hat die Autos in Bahrain im Schnitt um 1,6 Sekunden langsamer gemacht. Der Vergleich der Qualifikationen 2020 und 2021 zeigt die größten Gewinner und Verlierer. Ferrari büßte am wenigsten ein. Mercedes, Aston Martin, Williams und Haas am meisten.

Pirelli kann aufatmen. Die neuen Autos, die auf ihren Vorgängern aufbauen und durch veränderte Aerodynamik-Regeln eingebremst werden sollten, sind tatsächlich langsamer geworden. Im Schnitt der zehn Teams lagen die Rundenzeiten in der Qualifikation zum GP Bahrain um 1,6 Sekunden über denen aus dem Vorjahr.

Die Einschnitte an Unterboden, Diffusor und den Bremsbelüftungen raubten den Autos auf dem Papier um die zehn Prozent Abtrieb. Die Entwicklungsabteilungen haben den Schaden aber schon wieder auf drei bis fünf Prozent begrenzt. Doch kein Team hat mehr Anpressdruck als 2020.

Auch die Streckenverhältnisse trugen ihren Teil dazu bei, dass die Rundenzeiten kletterten. In der Qualifikation wehte der Wind mit 15 km/h. Die Sandkörner, die es auf die Strecke trug, verkrochen sich in den offenen Poren des Asphalt. Bei einem engmaschigeren Belag wären die Rundenzeiten noch langsamer ausgefallen. Weil der Sand sich dann auf die Oberfläche gelegt hätte.

Pirellis neu konstruierte Reifen sind robuster, dafür bieten sie weniger Haftung. An der Vorderachse fiel der Grip stärker als hinten. Gut so: Denn wegen der neuen Regeln brauchen die Autos gerade dort Haftung.

Formel 1 Bahrain: Vergleich Qualifikation 2020/2021

Team Quali 2020 Quali 2021 Differenz
Mercedes 1:27.264 min (Ham) 1:29.385 (Ham) + 2,121 Sek.
Red Bull 1:27.678 (Ves) 1:28.997 (Ves) + 1,319 Sek.
McLaren 1:28.542 (Nor) 1:29.927 (Ric) + 1,385 Sek.
Ferrari 1:29.137 (Lec) 1:29.678 (Lec) + 0,541 Sek.
Alpha Tauri 1:28.448 (Gas) 1:29.809 (Gas) + 1,361 Sek.
Aston Martin 1:28.322 (Per) 1:30.601 (Stroll) + 2,279 Sek.
Alfa Romeo 1:29.491 (Gio) 1:30.708 (Gio) + 1,217 Sek.
Alpine 1:28.417 (Ric) 1:30.249 (Alo) + 1,832 Sek.
Williams 1:29.294 (Rus) 1:31.316 (Rus)  + 2,022 Sek.
Haas 1:30.111 (Mag) 1:32.449 (MSC) + 2,338 Sek.

RB16B in Bahrain überall gut

Red Bull verfügt aktuell über das schnellste Auto. Im November 2020 hatten Max Verstappen in Bahrain noch vier Zehntelsekunden auf Lewis Hamilton gefehlt. Dieses Mal war es genau umgekehrt. "Mit zwei Zehnteln hatten wir gerechnet. Vier haben uns überrascht. Der Vorsprung ist aber auch auf eine außerirdische Runde von Max zurückzuführen", erklärte Red Bulls Sportchef Helmut Marko.

Die Entwicklungsmannschaft um Design-Guru Adrian Newey und Technikdirektor Pierre Wache hat über den Winter das Lastenheft abgearbeitet, das sie zusammen mit der Chefetage aufgestellt hatten. Der RB16B sollte berechenbarer werden. Ein Allrounder, der in allen Kurventypen funktioniert, und es auf allen Strecken mit dem Mercedes aufnehmen kann. Die Schwächen aus dem Vorjahr wurden konsequent angegangen.

Der Nachteil in langsamen Kurven ist ausradiert. In mittelschnellen macht dem Red Bull keiner was vor. "Und wirklich herausfordernd schnelle Ecken gibt es in Bahrain nicht. Da sind wir immer besonders gut. Deshalb glauben wir nicht, dass unsere Stärke nur mit der Strecke zu tun hatte", sagt Marko. Das Auto funktionierte am Rennwochenende ab dem ersten Meter. "Man sieht, wie entspannt Max ist. Wir mussten nur kleine Sachen anpassen."

Red Bull hat darauf verzichtet, den letzten Punkt Abtrieb zu gewinnen, und sich stattdessen auf die Fahrbarkeit konzentriert. Der RB16B unterliegt keinen Schwankungen beim Anpressdruck. Die Fahrer müssen nicht raten, wie sich das Auto von einer Kurve zur nächsten verändert. Verlässlichkeit fördert Vertrauen. Sergio Perez muss nur noch etwas an seiner Pace auf einer schnellen Runde arbeiten. In Bahrain verlor er hauptsächlich in der ersten Kurve Zeit gegenüber Verstappen. Über die Distanz passt das Verhältnis Fahrer und Auto schon. Perez raste aus der Box bis auf den fünften Rang.

Lewis Hamilton - GP Bahrain - 2021
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Mercedes hat gegenüber 2020 mehr als 2,1 Sekunden auf sich selbst verloren. Red Bull hat das schnellere Auto.

Mercedes-Steigerung in zwei Wochen

Red Bull verlor gegenüber 2020 in Summe 1,319 Sekunden. Der große Rivale verfehlte die selbst aufgestellte Pole-Position von vor vier Monaten um 2,121 Sekunden. Auch zwei der drei Mercedes-Kunden, Aston Martin und Williams, sowie Haas verloren über zwei Sekunden. Der neue Sechszylinder-Turbo aus Brixworth schüchtert die Rivalen nicht mehr ein. Honda hat noch einmal alles reingelegt, um die Lücke zu schließen. Mehr Leistung, bessere Fahrbarkeit, späteres Aufladen der Batterie am Ende der Geraden, kompakterer Bau, tieferer Schwerpunkt. Davon profitieren sowohl Red Bull als auch das Schwesterteam Alpha Tauri.

Dass mit Mercedes und Aston Martin die beiden Teams mit dem niedrigsten Heck überproportional an Rundenzeit verloren, nährt den Verdacht, dass die neuen Aero-Regeln dieses Fahrzeugkonzept härter treffen. Williams litt wie bei den Testfahrten unter dem Wind. Der FW43B ist sehr spitz zu fahren. Die Ingenieure machten im Winter das Gegenteil von Red Bull. Mehr Abtrieb (für Williams-Verhältnisse), dafür mehr Schwankungen. Man verspricht sich davon, auf ausgewählten Rennstrecken besser dazustehen und vielleicht doch irgendwann mal, den einen oder anderen Punkt abzuräumen. Dafür müssen aber viele andere schwächeln.

Mercedes hat das Heck des W12 im Vergleich zum Vorgänger leicht angehoben. Im Rahmen der Möglichkeiten. Eine Anstellung wie bei Red Bull oder Alpha Tauri würden weder das Aero-Konzept noch die Mechanik hergeben. An der Anstellung allein wird es nicht liegen, dass Mercedes und Aston Martin mehr leiden. Auch die Reifen spielen eine Rolle.

Mercedes gibt auch zu, dass man über den Winter nicht das von sich selbst gewohnte Entwicklungstempo angeschlagen hat. Dafür antworteten die Ingenieure innerhalb von zwei Wochen auf verkorkste Testfahrten. Neues Setup, neu zusammengestellte Aerodynamik-Komponenten. Im Rennen war Mercedes zur Stelle und nahm Red Bulls Strategie-Angebot dankend an. So antwortet ein Champion.

McLaren - GP Bahrain 2021
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McLaren sammelte 18 Zähler zum Auftakt. Ferrari kam auf 12.

Ferrari überall besser

Ferrari hat am wenigsten Rundenzeit verloren. Charles Leclerc war trotz langsamerer Reifen, trotz schlechterer Streckenverhältnisse, trotz beschnittener Aerodynamik nur um eine halbe Sekunde langsamer. Teamchef Mattia Binotto zählt auf, was besser geworden ist. Nämlich alles!: "Motor, Abtrieb, Effizienz, Korrelation, Werkzeuge: Wir haben überall zugelegt."

Ferraris Rennleiter gibt zu, dass die Italiener bei der Motorleistung zwar noch nicht auf Niveau von Mercedes und Honda liegen, aber der Nachteil auf ein erträgliches Maß geschrumpft ist. Es wäre vermessen gewesen, zu glauben, Ferrari hole einen Rückstand von mehr als 50 PS in einem Winter auf.

Der Windkanal liefert endlich zuverlässige Daten. "Wir haben im letzten Jahr stark an der Korrelation gearbeitet. Unser Auto macht nun auf der Strecke, was wir uns in der Fabrik ausgerechnet haben." Eine hundertprozentige Verlässlichkeit der Entwicklungswerkzeuge – Windkanal und CFD – ist schwer zu erreichen. Was in der Theorie gut funktioniert, muss es nicht auf der Rennstrecke. Labor und Wirklichkeit sind zwei Paar Stiefel.

Im Windkanal schrumpfen Auto und Reifen auf 60 Prozent Modelle. Die Reifen deformieren sich anders als auf der Rennstrecke unter Belastung. Das hat Auswirkungen auf die sensible Aerodynamik. Alpines Technikchef Marcin Budkowski schildert, was die Teams mit ihren Autos bei den Testfahrten zunächst trieben, und womit sie jetzt arbeiten.

"Deine Werkzeuge liefern dir Daten. Die Rennstrecke bringt die Wahrheit. Speziell der Bereich, der sich wegen der Regeln verändert hat, ist bei der Korrelation schwer zu erfassen. Zuerst vergleichst du deine Zahlen aus der Fabrik mit denen auf der Strecke. Dort fährst du deine tatsächlichen Abtriebswerte heraus. Und dann musst du herausfinden, wie weit du es treiben kannst, wo das Limit wirklich liegt. Bist du zu weit weg davon, verschenkst du Performance. Bist du zu aggressiv, gibt es Probleme mit der Stabilität." Red Bull fand offenbar genau das richtige Mittelmaß.

Sebastian Vettel - GP Bahrain - 2021
Wilhelm
Alpine und Aston Martin müssen dringend zulegen. Bahrain war ein Reinfall für beide Teams.

Zwickmühle für Top-Teams?

Ferrari ist mit seinem besseren Motor nicht mehr zu faulen Kompromissen bei Aerodynamik und Abstimmung gezwungen. Plötzlich hatte man in Bahrain zwei Autos in Q3. 2020 war für Charles Leclerc und Sebastian Vettel im zweiten Quali-Abschnitt vorzeitig Schluss. Es besteht dennoch weiter Verbesserungsbedarf. McLaren und Alpha Tauri scheinen noch einen kleinen Schritt voraus. In der Qualifikation überdeckte Leclerc die Schwächen mal wieder mit einer Zauberrunde. Im Rennen wurde er von den McLaren überholt und jeweils gegen Ende der Stints distanziert. Ferrari muss weiter am Reifenverschleiß arbeiten.

Von Podestplätzen will Teamchef Binotto noch nichts wissen. Dafür braucht Ferrari die Mithilfe der Spitzenteams. "Der Weg zurück auf das Podium ist ein langer. Es hängt sicher auch mit der Strecke zusammen, wie nah wir herankommen." Die Investitionen ins aktuelle Auto werden schon zurückgeschraubt. "Wir werden nicht mehr viel am diesjährigen Auto machen. Wir kümmern uns um das 2022er Projekt."

Die Konkurrenz wird ähnlich verfahren. McLaren will die ersten Rennen abwarten, und dann entscheiden, wann man den Schalter komplett für 2022 umlegt. Mercedes und Red Bull könnten bei einem engen WM-Duell in die Zwickmühle geraten. Ein Upgrade zu einem späteren Zeitpunkt der Saison könnte über Sieg und Niederlage in der WM entscheiden, würde sie aber um sechs bis acht Wochen in der 2022er Entwicklung zurückwerfen.

McLaren stark im Rennen

McLaren und Alpha Tauri erlitten praktisch denselben Verlust: der eine 1,385, der andere 1,361 Sekunden. Im Vergleich zu Red Bull ist der Rückstand dementsprechend stabil geblieben, zu Mercedes gesunken. Der MCL35M ist ein besseres Auto über die Distanz als auf eine schnelle Runde. So machte es in Bahrain zumindest den Anschein. Die Stärken des Vorgängers wurden konserviert. Schnell auf den Geraden, gut in schnellen Kurven, stark auf der Bremse. Die langsamen Kurven bleiben noch ein Manko. Da verzeichnen die Ingenieure zwar Fortschritte, wünschen sich aber mehr. Den Umbau auf den Mercedes-V6-Turbo haben sie bravourös gemeistert.

Alpha Tauri profitiert von einer immer engeren Kooperation mit Red Bull. "Wir bewegen uns im erlaubten Rahmen. Sie beziehen viele Teile. Der Anstellwinkel ist der gleiche, wenn nicht sogar ein höherer. Ich hatte schon erwartet, dass wir im Mittelfeld gut dabei sind, aber überrascht, dass wir so gut dabei sind", sagt Sportchef Marko. Die Fahrer loben die Balance und die Gutmütigkeit des Pakets. Man sieht es daran, wie schnell sich Super-Rookie Yuki Tsunoda im AT02 zurechtgefunden hat.

Vom Alpha Tauri wissen wir nicht, wie gut er tatsächlich im Rennen ist. Pierre Gasly beraubte sich früh aller Möglichkeiten. Tsunoda startete von zu zweit hinten, um McLaren und Ferrari zu gefährden. Dass der große Bruder seine Token in ein neues Getriebe investierte, und die Schwester lieber in eine neue Nase, hatte mit den Schwächen der jeweiligen 2020er Modelle zu tun.

Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - GP Bahrain 2021 - Rennen
Wilhelm
Die Haas-Rechnung: automatisch schneller mit mehr Erfahrung der Rookies.

Haas hofft auf seine Rookies

Alpine und Aston Martin waren die großen Verlierer im Mittelfeld. Alfa Romeo hat sich herangepirscht. Auf Alpine gewann das Team sechs Zehntel, auf Aston Martin eine Sekunde. Das neue Auto aus dem Schweizerischen Hinwil ist einfacher zu fahren und stabiler am Kurveneingang. Der neue Ferrari-Motor löst die Probleme auf den Geraden. Mit dem C41 hat sich Alfa-Sauber auch von den Hinterbänklern verabschiedet. Williams und Haas sind keine Gegner mehr.

In der Qualifikation lief es deutlich besser. Die Startplätze 12 und 14 stellen der Entwicklungsmannschaft ein gutes Zeugnis aus. Wer von dort startet, kann auch mal in die Punkte fahren. Kimi Räikkönen verfehlte sie am Ende um nur 2,151 Sekunden. Den letzten Zähler staubte in Bahrain Lance Stroll ab. Dem Aston Martin AMR21 fehlt Abtrieb. Deshalb strapaziert das Auto über die Distanz auch die Reifen zu stark. Alpine ergeht es mit dem A521 nicht anders. Aston Martin mault über die neuen Regeln. Ein Ingenieur aus dem Fahrerlager wirft ein. "Es saßen alle Teams am Tisch, als die Änderungen beschlossen wurden."

Noch ein Wort zu Haas. Mick Schumacher wird sich in seiner Debütsaison maximal mit den Williams, und da wohl nur mit Nicholas Latifi herumschlagen. George Russell dürfte außer Reichweite fahren. Dass Haas am meisten Rundenzeit gegenüber 2020 verloren hat, ist keine Überraschung. Kein Team hat so wenig in das Auto investiert. So etwas rächt sich in der Formel 1. Dafür will Haas ab 2022 zuschlagen. Mal sehen, ob die Rechnung aufgeht. In diesem Jahr liegt die Hoffnung auf den jungen Fahrern. "Wir werden automatisch schneller, je mehr Erfahrung sie sammeln und je mehr Selbstvertrauen sie tanken", ist sich Teamchef Guenther Steiner sicher.

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