Esteban Ocon - Renault - Formel 1 - GP Sakhir - Bahrain - Freitag - 4.12.2020 Motorsport Images
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Sakhir - Bahrain - Freitag - 4.12.2020
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Sakhir - Bahrain - Freitag - 4.12.2020
Daniel Ricciardo - Renault - Formel 1 - GP Sakhir - Bahrain - Freitag - 4.12.2020
Sergio Perez - Racing Point - Formel 1 - GP Sakhir - Bahrain - Freitag - 4.12.2020 52 Bilder

Fahrer warnen vor Gefahren in GP Sakhir 2020

Verkehr als Hauptproblem Fahrer warnen vor Gefahren

Der Outer Track von Bahrain produziert Rundenzeiten von unter 55 Sekunden. Das wird das Qualifying und Rennen zu einem Strategiespiel machen. George Russell erwartet sogar ein Gemetzel. Manche seiner Kollegen warnen vor gefährlichen Situationen.

Sebastian Vettel scherzte über den Neuzugang im Rennkalender der Formel 1. "Du fängst die Runde an und schon ist sie wieder vorbei." Teamkollege Charles Leclerc fühlt sich zurückversetzt in seine Kart-Zeiten, wo kompakte Strecken mit engen Kurven normal sind. Der Outer Track von Bahrain ist keine gewöhnliche Rennstrecke. Manche sprechen von einem Mickey-Mouse-Kurs. Andere erinnert das Layout an ein Oval mit ein paar Ecken drin.

Für die Formel 1 ist es ein Experiment in einem Jahr voller Experimente. Bislang sind alle Versuchsreihen mit den neuen Strecken von Erfolg gekrönt gewesen. Die Piloten waren begeistert von Strecken wie Mugello, Portimao oder Imola und hätten sie gerne als Stammgäste im Rennkalender. Jetzt erwartet weniger die Fahrer, sondern mehr die Renningenieure und Strategen eine Herausforderung. Sie müssen den Überblick behalten und ihre Piloten durch den Verkehr lotsen.

Der Kurs ist gerade einmal 3.543 Meter lang. Bedeutet: Wenn alle Autos gleichzeitig auf der Strecke sind, was im ersten Quali-Teil der Fall sein dürfte, und sie sich optimal verteilen würden, wäre alle 177 Meter ein Auto. Wir alle wissen, dass die Teams mit ihren schlauen Strategieprogrammen eigentlich immer dasselbe machen. Sie wollen so spät wie möglich auf die Strecke, weil die in den letzten Sekunden eines Qualifikationsdurchgang in der Theorie am schnellsten ist. Weil dann der meiste Grip liegt. Das führt zwangsläufig zu einem Stau vor der letzten Kurve vor einer fliegenden Runde. Wir hören jetzt schon die Klagen der Fahrer, keine freie Runde erwischt zu haben und behindert worden zu sein.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Sakhir - Bahrain - Freitag - 4.12.2020
xpb
Im Mittelsektor gibt es nur eine Rennlinie und kaum Möglichkeiten, auszuweichen.

Blinde Stellen in Sektor zwei

Die Runde, die etwa 1,8 Kilometer kürzer ist als in der Vorwoche und auf dem Papier vier Kurven weniger hat, fordert die Reifen weniger. Sie nutzen nicht so stark ab als noch auf dem 5,412 Kilometer langen Sakhir-Kurs. Pirelli-Sportchef Mario Isola erklärt: "Das Layout geht weniger auf die Hinterreifen, weil es weniger Beschleunigungs- und Bremszonen gibt. Deshalb hält auch der Softreifen länger durch." In der Qualifikation sind dann mehrere schnelle Versuche auf einem Reifensatz möglich: Outlap – heiße Runde – eine Abkühlrunde vor dem nächsten Anlauf.

Und genau darin sehen die Fahrer eine potenzielle Gefahr. "Es hilft nicht, dass wir so viel Gas rausnehmen müssen, um die Reifen wieder abzukühlen", sagt Sebastian Vettel. Weil es dann zu großen Geschwindigkeitsunterschieden zwischen den Fahrer kommt, die ihre Reifen abkühlen und denen, die auf einer schnellen Runde sind. "Die Deltas zwischen den Autos sind riesig. Die Ingenieure werden viel zu tun haben, um uns durch den Verkehr zu bringen" meint Red Bulls Alexander Albon.

Carlos Sainz und Max Verstappen warnen. "Der Verkehr war schon am Freitag am Limit. Das war am Rande, gefährlich zu sein", sagt Sainz. Sein ehemaliger Teamkollege erklärt, dass es besonders im zweiten Sektor, der in rund 20 Sekunden durchfahren wird, schwer sein wird, den Hintermann überhaupt zu sehen. "Da gibt es ein paar blinde Stellen. Du siehst den anderen gar nicht heranfliegen. Das könnte ziemlich gefährlich sein." Deshalb wird es umso mehr auf die Übersicht der Renningenieure ankommen. "Du bist auf der kurzen Runde dauerhaft am Funk. Du wirst die ganze Zeit über die Verkehrslage informiert", sagt Verstappen.

George Russell - Mercedes - Formel 1 - GP Sakhir - Bahrain - Freitag - 4.12.2020
xpb
In der Boxengasse verliert man bei einem Reifenwechsel im besten Fall um die 24 Sekunden.

Ein oder zwei Stopps?

Das Problem ist, dass es im engen und mit Bodenwellen übersäten Mittelabschnitt eigentlich nur eine Linie gibt. Daneben ist es staubig und sandig. Den Schmutz will keiner aufsammeln, weil man dafür später auf der schnellen Runde bezahlen könnte. Es bleibt ja ausgangs des zweiten Sektors nur noch ein Kilometer, eine Gerade und eine Kurve, um die Reifen wieder sauber zu fahren.

McLaren-Fahrer Lando Norris stellte schon am Freitag fest: "Manche Fahrer sind einfach nicht aus dem Weg gegangen. Wir müssen respektvoll miteinander umgehen. Dann sollte es in der Qualifikation auch kein Problem sein. Wenn doch, sollte die Rennleitung streng durchgreifen." Dann wird es Strafen hageln.

In der Theorie müsste sich die Gefahr von Staus auf der Strecke mit jedem Quali-Durchgang reduzieren. Weil nach Q1 und Q2 jeweils fünf Autos ausscheiden. Bei Renault haben sie schon am Freitag eine andere Erfahrung gemacht als viele Teams. "Der Verkehr war im Training nicht so schlimm, wie wir es befürchtet hatten. In der Quali wird die Strecke aber wohl vor allem in Q1 ziemlich vollgestopft sein", sagt Chefingenieur Ciaron Pilbeam.

Das Rennen könnte lustig werden. Mercedes-Aushilfsfahrer George Russell rechnet mit einem "Gemetzel". Für die Strategen wird es besonders schwer, Lücken im Feld zu finden, in die sie ihre Fahrer nach Boxenstopps bringen, um frei fahren zu können. Ein Reifenwechsel kostet im besten Fall rund 24 Sekunden. "Die Fahrer verlieren in der Box fast eine halbe Runde", rechnet Pirellis Mario Isola vor.

Der Italiener geht trotz der geringeren Belastung für die Reifen von einem Zweistopprennen aus. Aufgrund der Verkehrslage könnte ein Einstopprennen aber die bessere Lösung sein. Weil man sich dann ein Mal weniger der Gefahr aussetzt, trotz frischer Reifen hinter einem langsameren Auto festzustecken. In jedem Fall dürfte es zu vielen Überrundungen kommen. Es wird blaue Flaggen regnen. Das Experiment auf dem Outer Track könnte ein echtes Chaosrennen produzieren.

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