Max Verstappen - Esteban Ocon - GP Brasilien 2018 sutton-images.com
Verstappen - Ocon - GP Brasilien 2018 - Rennen
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Verstappen greift Ocon an

Giftpfeile aus allen Richtungen

Ein Zusammenprall mit dem Überrundeten Esteban Ocon kostete Max Verstappen den Sieg in Brasilien. Der Niederländer griff den Franzosen deshalb nach dem Rennen an. Die Teams fetzten sich. Red Bulls Helmut Marko nannte Ocon einen Idiot.

Neun Mal erreichte Max Verstappen in seiner Karriere als Zweiter das Ziel. Nie war er darüber unglücklicher, frustrierter und wütender als nach dem GP Brasilien. Eigentlich hätte Verstappen das vorletzte Saisonrennen gewinnen müssen. Eigentlich hatte er den Sieg nach 43 von 71 Runden schon in der Tasche. Doch dann passierte etwas, dass es in der Formel 1-Geschichte noch nicht so häufig gab. Verstappen kollidierte mit einem Überrundeten. Mit Esteban Ocon im Force India. Es war nicht das einzige Treffen der beiden mit Austausch von Zärtlichkeiten.

Unfall im Senna-S

Der Zusammenstoß passierte in der 44. Runde im berühmten Senna-S. Die Vorgeschichte begann vier Umläufe früher. Da legte Ocon seine Softreifen ab und tauschte sie gegen die Supersofts. Ein Problem beim Reifenwechsel kostete den Franzosen fünf Sekunden. Das warf ihn hinter Verstappen zurück. Damit war er überrundet. Verstappen schnappte sich in derselben Runde die Spitze gegen Lewis Hamilton. Danach musste der Red Bull-Pilot eigentlich nur das Auto ins Ziel tragen, unnötige Risiken vermeiden und auf die Reifen aufpassen.

Ocon hingegen startete das praktisch aussichtslose Unterfangen, mit den weichsten Reifen doch noch in die Punkte zu fahren. „Ich blieb fast zwei Runden hinter ihm. Ich war schneller als er und fragte meine Jungs, ob ich mich zurückrunden darf.“ Der Force India-Kommandostand erteilte seinem Fahrer die Freigabe. „Esteban war viel schneller. Er hatte den Reifenvorteil und Verstappen musste nicht mehr machen, als sein Auto ins Ziel zu bringen. Er hätte Esteban vorbeiwinken können und es hätte nichts ausgemacht. Wir hätten hinter Verstappen zu viel Zeit verloren und haben deshalb Esteban erlaubt, zu überholen. Es gibt keine Regel die verbietet, den Führenden als Überrundeter zu überholen“, rechtfertigt Teamchef Otmar Szafnauer. „Das darf man, aber dabei muss man vorsichtig sein“, keift Verstappen.

Unfall kostet Verstappen den Sieg

Mit frischen Reifen, DRS und Windschatten saugte sich Ocon an den Red Bull heran, scherte nach rechts aus und bremste sich neben Verstappen. Seite an Seite bogen sie durch den ersten Teil des Senna-S. „Ich habe das gleiche mit Alonso und vielen anderen vorher gemacht. Nur Max hat mir keinen Platz gelassen“, beschreibt Ocon. Da der zweite Teil der S-Kurve nach rechts führt, befand sich Ocon auf der Innenspur. Verstappen lenkte ein, weil er Ocon nicht neben sich vermutete und das linke Vorderrad des Force India verhakte sich mit dem rechten Hinterrad des Red Bull. Beide drehten sich. Ocon auf die Innenseite, Verstappen nach außen. Der fünffache GP-Sieger berappte sich, war aber die Führung und damit den Sieg an Hamilton los.

Die alten Hasen im Fahrerlager erinnerten sich sofort an drei Zwischenfälle aus der Vergangenheit mit anschließenden Reibereien: Ayrton Senna gegen Nigel Mansell 1987 in Spa-Francorchamps. Senna gegen Eddie Irvine in Suzuka 1993. Und Michael Schumacher gegen David Coulthard 1998 in Spa. Ferrari-Fahrer Schumacher wollte dem damaligen McLaren-Fahrer in der Box an den Kragen. Die Ferrari- und McLaren-Mechaniker stoppten ihn.

Verstappen greift Ocon an

Max Verstappen hingegen stoppte erst einmal keiner. Nach der Zieldurchfahrt funkte Verstappen. „Ich hoffe, ich treffe ihn nicht im Fahrerlager. Es wäre besser für ihn.“ Sie trafen sich um 16:46 Uhr Ortszeit beim Wiegen. In der Garage der FIA griff Verstappen Ocon an. Erst schupste er ihn zwei Mal mit dem linken Arm, dann noch einmal mit dem rechten. Ocon fiel sogar rückwärts von der Messvorrichtung, hielt sich aber auf den Beinen. „Ich will das nicht groß kommentieren, außer, dass er ein Weichei ist“, giftet Verstappen.

Max Verstappen - Red Bull - GP Brasilien 2018 - Rennen
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Eine Kollision mit Esteban Ocon kostete Max Verstappen den Sieg.

Das Handgemenge spielte sich vor den Augen eines sichtlich entsetzten FIA-Technikkommissars Jo Bauer ab. Es dauerte nicht lange, bis die Sportkommissare eine Untersuchung gegen Verstappen einleiteten. Sie prüften, ob der 21-Jährige gegen Artikel 12.1.1.C) des Sportgesetztes verstoßen hat, und die Interessen des Sports und des Motorsports im Speziellen verletzte. Gute zwei Stunden später stand das Ergebnis fest. Verstappen behält seinen zweiten Platz, muss aber für zwei Tage Sozialstunden im Dienste der FIA leisten.

„Er hat sich unprofessionell verhalten, war aggressiv, die FIA muss ihn stoppen“, hatte Ocon gefordert. Red Bulls Helmut Marko spottete. „Ocon kann froh sein, dass Jos nicht hier war.“ Gemeint ist Jos Verstappen, Vater von Max, der den Ruf eines Hitzkopfs hat und auch schon mal handgreiflich geworden sein soll.

Marko ätzt gegen Ocon

Ein aufgebrachter Helmut Marko schoss weitere Giftpfeile gegen Ocon und gegen Mercedes. „Ein Mercedes-Fahrer, der für 2020 einen Vertrag hat, haut uns raus. Es ist unglaublich. Man attackiert als Überrundeter nicht den Führenden. Das ist ein Ehrenkodex. Aber Ocon ist schon seit der Formel 3 ein Idiot. Auch da hat er Unfälle provoziert.” Antwort von Force India-Teamchef Otmar Szafnauer. “Er will mich wohl verarschen.„ Der US-Amerikaner zweifelt Verstappens Rennintelligenz an. “Warum ist Hamilton fünffacher Weltmeister? Weil er nicht nur schnell, sondern auch clever ist.„ Mercedes-Teamchef Toto Wolff: “Das ist Helmut Markos Weltansicht. Ich lasse mich nicht auf dieses Niveau herab.„

Wolff versuchte sich im diplomatischen Ansatz. “Esteban hatte das Recht, sich zurück zu runden. Ich bin sicher, er wollte den Zusammenprall vermeiden. Es war ein unglücklicher Zwischenfall.„ Den die Sportkommissare mit einer zehnsekündigen Stop-and-Go-Strafe für Ocon ahndeten. Weil es der Franzose vor Kurve 1 nicht vorbei geschafft hatte und danach hätte zurückziehen müsse, laut Ansicht der Stewards. Verstappen bringt das Urteil den Sieg nicht zurück. “Es macht für unser Rennen keinen Unterschied, ob er eine Durchfahrtsstrafe oder Stop-and-Go-Strafe bekommt oder disqualifiziert wird.„

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Das vorletzte Rennen der 2018er Saison war ein Hit.

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