Max Verstappen - Red Bull - GP Mexiko 2017 - Qualifying sutton-images.com

Verstappen knapp hinter Vettel

Red Bulls verpasste Pole-Position

Bis in die letzte Runde hatte es gut ausgesehen für Red Bull. Dann brachte Sebastian Vettel alle Sektoren zusammen und knöpfte Max Verstappen den besten Startplatz ab. Im Team sprach man von einer verlorenen Pole und suchte die Schuld bei den Reifen.

Im zweiten Abschnitt der Qualifikation schockte Max Verstappen die Konkurrenz. Der Sieger des GP Malaysia lenkte seinen RB13 in 1:16.524 Minuten um die 16 Kurven des Autodromo Hermanos Rodriguez. Die Gegner staunten. Sebastian Vettel kam dem Wunderknaben mit über drei Zehnteln Rückstand noch am nächsten. Plötzlich war Verstappen der Favorit auf die Pole-Position. Mit ein paar Reserven in der Hinterhand.

Marko lobt Vettels unglaubliche Steigerung

Doch in Q3 konnte der WM-Sechste nicht mehr zulegen. In beiden Versuchen. Der bessere der beiden Runs war um eine halbe Zehntelsekunde langsamer als seine Q2-Zeit. „Plötzlich konnte ich die Reifen nicht mehr anzünden“, klagte Verstappen. Obwohl die Streckentemperaturen weiter geklettert waren. Force Indias Sportdirektor Otmar Szafnauer sprach von einem Unterschied von drei Grad zwischen dem zweiten und dritten Durchgang.

Ohne die letzten paar Grad in den Reifen vermisste Verstappen den Grip. „Man muss das Auto hier in die Kurve werfen. Zum Schluss hatte ich Untersteuern. Deshalb konnte ich nicht mehr fahren, wie ich wollte. Speziell der letzte Sektor war schwieriger.“ Red Bulls Motorsportlenker Helmut Marko sprach von einer verlorenen Pole-Position. „Eigentlich hätte Max zwei Zehntel schneller sein können. Das hätte für Vettel gereicht. Aber bei uns ging in Q3 nichts mehr vorwärts. Und dann hat Vettel sich im letzten Augenblick unglaublich gesteigert.“

Ricciardo rätselt über schwache Performance

Vettel reihte im letzten Schuss auf den Ultrasoftreifen seine drei besten Sektorzeiten des Qualifyings zusammen. Die Pole-Zeit von 1:16.488 Minuten entsprach auch seiner Idealzeit. Ganz anders bei Verstappen. Der zweifache GP-Sieger war im Qualifying der schnellste Mann im ersten und letzten Streckenteil. Und im Mittelabschnitt hinter Vettel der zweitschnellste. Hätte er seine besten Zwischenzeiten von 27,193, 29,450 und 19,689 Sekunden in eine Runde gepackt, wäre er bei einer Gesamtzeit von 1:16.332 Minuten gelandet. Das hätte für die Spitzenposition gereicht.

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Mexiko 2017 - Qualifying
xpb
Daniel Ricciardo kam im Qualifying nie in Schwung.

Verstappens Leid ist Klagen auf hohem Niveau. In deutlich größeren Reifenproblemen verhedderte sich Teamkollege Daniel Ricciardo. Eine Aufwärmrunden oder zwei, andere Frontflügeleinstellungen oder Reifendrücke: Egal, was der Australier auch versuchte, er fand einfach keine Haftung. „Ich habe keine Ahnung, warum“, stochert der Mann aus Perth im Dunkeln. „Wir haben zwischen dem dritten Training und Qualifying nichts umgebaut. Das Auto war dasselbe. Mein Setup und das von Max sind fast identisch. Es ist seltsam. Denn in der Früh war die Strecke noch deutlich kühler und ich habe die Reifen trotzdem angezündet. Am Nachmittag verlor ich mit jedem Meter Zeit.“ Das dritte Training hatte Ricciardo auf dem fünften Rang beendet. Keine zweieinhalb Zehntel hinter dem Teamkollegen. Im Qualifying fehlten ihm fast neun Zehntel.

Motorwechsel bei Ricciardo?

Christian Horner sprach vor dem Qualifying davon, dass Red Bull nur in die ersten zwei Startreihen kommen müsse, um Siegchancen zu haben. „Wir haben ein sehr gutes Rennauto.“ Mission erfüllt, trotz der verpassten Pole. Die erste Chance ergibt sich für Verstappen vielleicht bereits auf dem fast 900 Meter langen Weg in die erste Kurve. Wird es wie im Vorjahr zu wilden Szenen kommen? Verstappen glaubt nicht. „Wir kommen nicht mehr so schnell dort an. Die Autos haben mehr Anpressdruck. Und die Abweiser halten dich davon ab, verrückt spät auf die Bremse zu stehen.“ Verstappen bezieht sich damit auf die zwei Meter langen und 50 Millimeter hohen orangen Bremsschwellen, die die Piloten am Abkürzen hindern sollen. „Wenn wir es am Start nicht schaffen, dann später. Unsere Fahrer können überholen“, sagt Marko. Die Geschwindigkeit auf der Geraden stimmt. Verstappens Topspeed im Qualifying von 345,7 km/h lag um 2,3 km/h hinter dem von Vettel. Mit dem DRS-Effekt dürfte Verstappen seine Möglichkeiten haben. Sofern er sich im Fenster von einer Sekunde halten kann. Und sein Auto dabei nicht überhitzt.

Wie die anderen Teams musste auch Red Bull die Verkleidung der Kühlung wegen ein Stückweit öffnen. Seit Samstag passt alles. Renaults Sportchef Cyril Abiteboul lobt. „Kein Team hat eine effektivere innere Aerodynamik als Red Bull. Deshalb haben sie bei der Kühlung weniger Probleme als wir. Außerdem sind sie bei der Aero-Effizienz der Außenhaut bärenstark.“

Daniel Ricciardo steht womöglich eine größere Aufholjagd bevor. Red Bull zieht in Betracht, seinen Renault-V6 gegen ein frisches Aggregat zu tauschen. „Mein Herz sagt mir, dass ich Rennen fahren will. Mein Verstand sagt, dass wir vermutlich die Motorenstrafe hier absitzen sollten“, äußert sich der Australier. Es ist unwahrscheinlich, dass Ricciardo mit seinem Motorkontingent über die verbleibenden drei Rennen kommt. Vermutlich schafft es sein aktueller Motor nicht einmal über die 71 Runden. Deshalb liegt ein Tausch auf der Hand.

Motorsport Aktuell Max Verstappen - Red Bull - GP Mexiko 2017 - Qualifying Keine Strafe für Verstappen „Die beste Entscheidung der letzten 7 Tage“

Max Verstappen musste 89 Minuten lang zittern.

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