Sergio Perez - Racing Point - Max Verstappen - Red Bull - GP Italien 2020 - Monza xpb
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Verstappen-Perez: Red Bulls Traum-Duo für Titel?

Red Bulls Traum-Duo für F1-Titel? Telefonabsage an Hülkenberg

Red Bull verstärkt sich mit Sergio Perez, weil Alexander Albons Leistungen zu stark schwankten. Trotz Umbau des Fahrerkaders und trotz einer Technikoffensive hält sich die Teamführung mit forschen Ansagen für 2021 zurück.

Es ist gewissermaßen eine Abkehr von der bekannten Philosophie. Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren zieht Red Bull kein Talent aus dem eigenen Kader hoch, sondern deckt sich mit einem gestandenen Rennfahrer ein. Die Teamführung verpflichtete sechs Tage vor Heiligabend Sergio Perez – einen Piloten mit 191 Grands Prix in der Vita. "In unserem Kader hat sich keiner angeboten, bis auf Tsunoda. Und den brauchen wir für Alpha Tauri", merkt Sportchef Helmut Marko an. Der Japaner bekommt den Sitz neben Pierre Gasly anstelle von Daniil Kvyat.

Der Direktaufstieg zu Red Bull wäre für den Dritten der Formel 2 zu früh gekommen. Sonst wäre die Wahrscheinlichkeit zu hoch gewesen, dass sich der Nächste an der schweren Aufgabe verbrennt. So wie Kvyat 2015/Anfang 2016, Gasly 2019 und zuletzt Alexander Albon. Sebastian Vettel, Max Verstappen und Daniel Ricciardo widerfuhr das Gegenteil. Sie wurden bei Red Bull zu Stars des schnellen Sports.

Sergio Perez - Racing Point - GP Sakhir 2020 - Bahrain
Wilhelm
Perez verdiente sich den Platz neben Verstappen mit starken Leistungen - vor allem in der zweiten Saisonhälfte 2020.

Perez für die Strategie

Das Team wurde seit Spanien 2016, seit Verstappens Ankunft, nach und nach um ihn herum aufgebaut. Das trieb Ricciardo zu Renault. Sein Abgang schuf ein Vakuum, das Perez endlich schließen soll. Red Bull will nicht mehr abgelenkt sein durch die bohrenden Fragen nach dem zweiten Fahrer und dessen Eignung für das Topauto. Es soll keine Ausreden mehr geben. Red Bull will sich ausschließlich einer Mission widmen: Mercedes zu Fall zu bringen.

Ein Verstappen allein reicht auf Dauer nicht. Das führte den Teambossen ausgerechnet Albons beste Vorstellung vor Augen. "Kaum war Albon in Abu Dhabi knapp hinter den Mercedes, schon konnten sie uns nicht ausspielen. Ohne Albon wäre der Sieg von Max in dieser Form nicht möglich gewesen. Ohne ihn im Rückspiegel hätte Mercedes einen oder beide Fahrer noch einmal zum Reifenwechsel geholt. So wurde ihnen das unmöglich gemacht. Bottas hätte sonst den zweiten WM-Platz riskiert. Wir brauchen einen zweiten Aktivposten, der gegen die Mercedes antritt", sagt der Sportchef.

Genau dieser Eckpfeiler im Strategie-Konstrukt soll Perez werden. Es musste ein Fahrer her, der die Voraussetzungen mitbringt, dem Druck in einem Topteam standzuhalten. Einer mit großer Erfahrung. Einer, der gegen Verstappen nicht zu stark abfällt. Perez empfahl sich dafür. Doch im Endeffekt ließ Albon seinen Chefs keine andere Wahl. 0:17 in der Qualifikation. 2:11 nach Podestplätzen. 0:2 nach Siegen. 105:214 nach WM-Punkten.

Albon in die DTM

Der Thailänder muss auf die Ersatzbank. Rennen fährt er 2021 in der GT3-DTM, solange es sich nicht mit seinen Pflichten als Ersatzfahrer bei Red Bull überschneidet. Welcher Fahrer sich das Cockpit in der DTM mit Albon teilt, wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben – genauso wie das Team und die Sportwagen-Marke. Den Deal tütete Serienchef Gerhard Berger mit Marko ein. Er umfasst auch einen zweiten Red Bull-Fahrer. Nachwuchspilot Liam Lawson, der bislang in der Formel 3 unterwegs war, soll die komplette Saison fahren.

Für das Formel 1-Team war es mehr eine Entscheidung gegen Albon als eine für Perez. "Die mangelnde Konstanz hat den Ausschlag gegeben. Manchmal war Albon bis zu sechs Zehntel weg von Verstappen. So kann man nicht um die WM fahren", urteilt Marko.

Und genau das will Red Bull. Um die WM kämpfen. Um beide Titel. Dafür braucht es zwei Konstanten. "Du brauchst zwei Fahrer für beide Weltmeisterschaften. Das eine geht ohne das andere nicht." Allein kann es Verstappen nicht mit Mercedes aufnehmen. Nicht einmal in der Fahrer-WM. Weil keiner das Spiel zwei gegen einen über eine Saison hinweg gewinnen kann.

Perez setzte sich gegen seinen Ex-Teamkollegen durch. "Hülkenberg habe ich am Telefon abgesagt. Albon hat es in der Fabrik erfahren", berichtet Marko. "Die Formkurve von Perez im zweiten Halbjahr hat steil nach oben gezeigt. Bei seinem Sieg in Bahrain haben wir gesehen, wie schnell er ist und wie gut er gleichzeitig die Reifen schont. Er bringt sich immer in eine gute Position, hat ein gutes Gespür für das Auto und das Rennen. Und Pérez konnte sich die ganze Saison beweisen. Das war bei Hülkenberg nicht der Fall." Der Ausputzer von Racing Point durfte nur drei Mal glänzen, als Pérez und Stroll wegen Corona passen mussten.

Max Verstappen - Red Bull - GP Abu Dhabi 2020
Wilhelm
Mit Verstappen und Perez will Red Bull Mercedes von Saisonbeginn an auf Augenhöhe begegnen.

Erfahrung mit Mercedes

Der Routinier erhält die gleichen Voraussetzungen. "Eine Nummer 1 oder 2 hatten wir noch nie." Aber Perez wird wissen, dass er in ein Verstappen-Team wechselt. Er wird zunächst einmal froh sein, erstmals in seiner Karriere in einem Topauto zu sitzen. Das war der McLaren 2013 nicht. Damals war der Traditionsrennstall schon auf dem absteigenden Ast.

Die Harmonie im Team dürfte nicht gestört sein. Verstappen selbst dürfte im Hintergrund darauf gedrängt haben, einen starken Piloten an seine Seite zu bekommen. Weil es in seinem Interesse ist – im Kampf gegen Mercedes. Vom Selbstverständnis her fürchtet der 23-Jährige sowieso keinen Fahrer.

Stark ins Gewicht fiel bei der Verpflichtung von Perez, der für eine Saison unterschrieb, seine Erfahrung mit dem Mercedes-Motor. "Leistung, Ansprechverhalten, Fahrbarkeit: Da kann er viel Input geben." Obendrein verschafft der 30-Jährige Red Bull noch besseren Zugang zum lateinamerikanischen Markt. "Die Tickets im Paddock Club für den GP Mexiko waren fünf Minuten nach der Bekanntgabe ausverkauft." Der ein oder andere Sponsor dürfte beim Team andocken.

Die Zeit nach dem Saisonfinale verbrachte Perez bei der Familie in seiner Heimat. Wann darf er im Simulator in Milton Keynes testen? Das bestimmt die Entwicklung rund um Corona und die englische Regierung. Sie entscheidet, wer ins Land darf. "Erst wenn er in unserem Auto sitzt, werden wir wissen, wie gut unsere Fahrerpaarung im Vergleich zu Hamilton-Bottas ist", sagt Marko.

Auto auf gutem Weg

Das Auto soll 2021 zu einem Allrounder für alle Streckentypen werden. Das hatte Mercedes dem Rivalen in den letzten Jahren immer voraus. "Wir glauben, den Abtriebsverlust wegen der neuen Regeln weitgehend auszugleichen. Das glaubt um diese Zeit aber jedes Team", sagt Marko.

"Wir sind sicher besser aufgestellt. Doch wir müssen abwarten, was von Mercedes kommt. Honda sendet positive Signale. Bis jetzt haben sie jede Ankündigung auch umgesetzt. Im Schnitt haben uns vom Motor drei Zehntel gefehlt. Wir hoffen, da näher ranzukommen. Mercedes hatte zuletzt Probleme mit der Zuverlässigkeit. Wir hoffen, dass sie mehr daran arbeiten müssen, als Leistung zu finden. Vielleicht erleben wir eine weitere Angleichung." Es macht den Eindruck, dass Red Bull sich dieses Mal in Zurückhaltung übt. Man will Mercedes nicht mit Worten, sondern auf der Strecke schlagen.

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