Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020 Motorsport Images
Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020 36 Bilder

Verstappen ärgert Mercedes

Bottas hilft Red Bull in Reihe 1

Red Bull sah in Sotschi lange wie ein Mittelfeld-Team aus. Doch in der Qualifikation zum GP Russland konnte Max Verstappen sein Auto überraschend in die erste Reihe stellen. Dabei nutzte der Holländer die Hilfe von Valtteri Bottas clever aus.

Das Sochi Autodrom ist nicht gerade das bevorzugte Jagdgebiet von Red Bull. In den ersten sechs Russland-Rennen sprang für das Team aus Milton Keynes noch nicht ein einziger Podiumsplatz heraus. Von Siegen wagte man nicht einmal zu träumen. Und so reiste man in diesem Jahr mit bescheidenen Erwartungen an.

Die Leistungen im Freien Training schienen die Befürchtungen zu bestätigen. Max Verstappen und Alexander Albon fanden sich am Freitag mittendrin im Mittelfeld-Pulk. Mercedes schien an der Spitze komplett außer Reichweite seine Runden zu drehen. Stattdessen machten Renault, Mclaren und Racing Point Druck von hinten.

Doch im Qualifying lief es zumindest für Max Verstappen plötzlich wie geschmiert. In seinem letzten Anlauf im Q3 packte der 22-Jährige eine Runde aus, die seinen RB16 mitten ins Silberpfeil-Sandwich auf Startplatz zwei brachte. Es ist das erste Mal überhaupt, dass Verstappen in Sotschi aus der ersten Reihe losfahren darf. Selbst Teamchef Christian Horner hatte das vorher nicht für möglich gehalten. "Das war einfach eine phänomenale Leistung von Max. Er hat alles rausgeholt."

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
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Im dritten Quali-Abschnitt packte Verstappen seine beste Runde des Wochenendes aus.

Bottas spendet Windschatten

Möglich wurde die Verbesserung aber auch durch gütige Mithilfe von Valtteri Bottas. Der Finne machte den Weg nicht nur durch zwei mäßige Runden seinerseits frei, sondern spendete im entscheidenden Moment auch noch Windschatten: "Max war schlau. Er hat gewartet, bis Valtteri mit seiner Runde fertig war und ist ihm dann gefolgt. So konnte er auf der Geraden den Windschatten nutzen und war beim ersten Bremspunkt schon ein Zehntel schneller als in den Runden davor", lobte Horner.

Verstappen selbst hatte noch eine andere Erklärung für die überraschende Leistungsexplosion parat: "Der Wechsel der Windrichtung vor dem Qualifying hat dafür gesorgt, dass ich auf der Hinterachse plötzlich weniger Grip gespürt habe. Wir haben dann viel mit dem Setup gearbeitet, um die Balance zu verbessern. Vor dem zweiten Run im Q3 haben wir noch einmal was verstellt. Das hat mir dann den Extra-Grip am Kurveneingang gegeben, den ich brauche. Es war zwar keine Pole Position, aber es hat sich trotzdem gut angefühlt."

Im Rennen könnte es sogar noch besser laufen. Im Gegensatz zu Pole-Setter Hamilton kann Verstappen auf den Vorteil des Medium-Reifens am Start bauen. Das könnte bei der zu erwartenden Einstopp-Strategie zum Joker werden. "Im ersten Stint sollten wir damit hoffentlich einen Vorteil haben", analysierte Horner. "Es wäre für uns also nicht so schlimm, wenn Lewis nach der ersten Kurve noch führt. Die Fans können sich auf jeden Fall auf ein interessantes Rennen freuen."

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
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Verstappen will mit mehr Schwung ins Rennen starten als in Mugello, wo sein Honda-Motor die Leistungsabgabe verweigerte.

Start von der dreckigen Seite

Verstappen will seinen Anhängern aber lieber nicht zu viel Hoffnung machen: "Der Medium ist für uns auf jeden Fall die bessere Wahl am Start. Ich stehe aber leider auf der etwas dreckigeren Seite. Mal schauen, wie sich das auswirkt. Ich gebe auf jeden Fall mein Bestes, um Mercedes einen Kampf zu bieten, aber sie scheinen doch ein gutes Stück schneller zu sein in Sachen Rennpace."

Nach der Negativ-Serie bei den beiden Italien-Rennen wäre Verstappen auch schon mit kleinen Fortschritten zufrieden: "Ich hoffe vor allem, dass ich einen guten Start erwische. Es wäre schon schön, wenn ich mal wieder die volle Leistung abrufen kann, wenn ich auf das Gaspedal trete. Und wenn ich danach nicht gleich abgeschossen werde. Nach zwei Ausfällen, würde ich gerne mal wieder Punkte machen."

Noch kleinere Brötchen werden in Sotschi bei Teamkollege Alexander Albon gebacken. Nachdem die Formkurve des Thailänders zuletzt nach oben zeigte, gab es in Sotschi wieder einen kleinen Dämpfer. Auch wenn Verstappen eine super Runde gelang – 1,141 Sekunden Abstand im entscheidenden Quali-Abschnitt sind einfach zu viel. Auf Startplatz zehn muss sich Albon sogar hinter Pierre Gasly im Alpha Tauri anstellen.

"Ich weiß gar nicht genau, wo ich die Zeit verloren habe", gab der Youngster zu. "Im Q1 und Q2 sah es eigentlich noch ganz gut aus. Doch dann konnten sich die anderen verbessern und ich hatte nichts mehr zuzulegen. Dabei hat sich die Runde selbst gar nicht so schlecht angefühlt. Das Ganze ist etwas verwirrend. Ich muss jetzt erst einmal die Daten analysieren."

Alexander Albon - Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020
Red Bull
Alexander Albon konnte das Tempo von Max Verstappen wieder einmal nicht mitgehen.

Horner erwartet Albon-Show

Im Rennen dürfte die Schere zum Teamkollege noch weiter aufgehen. Im Gegensatz zum Schwesterauto ist Albons Red Bull am Start mit den Softs bestückt. Die Piloten außerhalb der Top Ten direkt dahinter haben freie Reifenwahl. "Mit den Softs wird das nicht so einfach. Jeder will natürlich mit einem Stopp über die Runden kommen. Das wird ein harter erster Stint."

Wenigstens suchte Albon keine Ausreden für den mangelnden Speed. "Max und ich sind beim Setup sehr ähnlich unterwegs. Er fährt etwas weniger Abtrieb. Aber ich habe mich nach dem dritten Training einigermaßen wohl gefühlt, da will man vor dem Qualifying nicht mehr viel ändern. Der Wechsel der Windrichtung über Mittag hat den Grip beim Anbremsen von Kurve 2 verschlechtert. Aber damit hatten alle zu kämpfen. Und spätestens im Q2 sollte sich jeder daran gewöhnt haben."

Teamchef Horner versuchte, seinen Piloten trotz der schwachen Vorstellung in Schutz zu nehmen. "Im Mittelfeld geht es so eng zur Sache. Ein paar Zehntel schneller hätte einen riesigen Unterschied gemacht. Nun befindet sich Alex leider am falschen Ende der Schlange. Aber wir sollten im Rennen ein gutes Auto haben. Und wir wissen, dass er überholen kann. Ich erwarte also fest, dass wir von ihm ordentlich Action geboten bekommen."

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