Verstappen & Leclerc - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019 xpb
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Charles Leclerc  - Ferrari - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019 42 Bilder

Verstappen belastet sich selbst: Pole-Setter muss drei Plätze zurück

Verstappen belastet sich selbst Pole-Setter muss drei Plätze zurück

Es dauerte 1.48 Stunden, bis eine Untersuchung gegen Max Verstappen eingeleitet wurde. Der Holländer selbst gab den Hinweis, dass er an der Unfallstelle von Valtteri Bottas nicht vom Gas gegangen sei. Das führte am Ende zur Strafe.

Max Verstappen konnte die zweite Pole Position in seiner Formel 1-Karriere nur dreieinhalb Stunden lang genießen. Dann wurde er um drei Startplätze zurückgestuft und bekam zwei Strafpunkte aufgebrummt. Somit startet der Holländer am Sonntag hinter den beiden Ferrari von Charles Leclerc und Sebastian Vettel sowie dem Mercedes von Lewis Hamilton an vierter Stelle.

Die Sportkommissare warfen dem Red Bull-Piloten vor, dass er an der Unfallstelle von Valtteri Bottas das Tempo nicht reduziert hatte, obwohl dort doppelt geschwenkte gelbe Flaggen gezeigt wurden. Damit war Artikel 12.1.1. des Sportgesetzes verletzt.

Verstappens Einlassung, dass er zwar den gecrashten Mercedes, nicht aber die Flagge gesehen habe, wurde von den Sportkommissaren nicht akzeptiert. Die Aufnahmen der Bordkamera zeigten, dass die Flagge klar zu erkennen war und dass Verstappen auch genug Zeit hatte, sie zu sehen. Der vorangegangene Fahrer (Vettel) habe sie wahrgenommen und entsprechend verlangsamt.

Das roch schon nach Ärger in dem Moment, in dem es passierte. In den letzten Sekunden des Q3 krachte Valtteri Bottas mit Tempo 160 in die Mauer der Zielkurve. Der Mercedes hakte schließlich in eine TecPro-Barriere ein und verstreute jede Menge Wrackteile und Trümmer der Bande auf der Strecke. Bottas konnte nicht sofort aussteigen, weil ihm bei dem Einschlag mit 17 g die Luft wegblieb.

Der erste Fahrer, der nach Bottas an der Unfallstelle auftauchte war Lewis Hamilton. Da waren ungefähr fünf Sekunden vergangen: „Ich sah Trümmer am Boden und wusste dass da ein Unfall gewesen sein musste. Deshalb habe ich gezögert, bis ich auf das Gas bin. Als ich realisiert habe, dass da Valtteri in der Mauer hängt, war ich an der Unfallstelle schon vorbei.“

Das Zögern kostete Hamilton eine Zehntelsekunde. Sebastian Vettel hatte als zweites Auto schon mehr Überblick. Er brach seinen Qualifikationsversuch ab. „Durch das Lupfen habe ich zweieinhalb Zehntel verloren.“ Es hätte gereicht, Max Verstappens erste Bestzeit zu unterbieten, nicht aber seine zweite.

Elf Sekunden nach Hamilton bog Verstappen in die Zielkurve ein. Da wurden am linken Streckenrand bereits doppelt gelbe Flaggen geschwenkt. Der Red Bull-Pilot meinte zu seiner Verteidigung, dass weder auf seinem Display noch auf den elektronischen Tafeln Gelb zu sehen war. Die Analyse der Mini-Sektoren ergab: Im vorletzten Abschnitt fuhr Verstappen absolute Bestzeit. Im letzten war er nicht schneller als vorher. Das schien der Rennleitung Indiz genug, erst einmal die Füße still zu halten.

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
Motorsport Images
Der Bottas-Crash war der Auslöser für ein langwieriges Nachspiel am Grünen FIA-Tisch.

Langes Warten auf eine Untersuchung

Im Fahrerlager wunderte man sich bereits, warum die Sportkommissare noch nicht einmal eine Untersuchung angekündigt hatten. Es sah so aus, als würde sich alles im Sande verlaufen. Man hätte wenigstens gerne gewusst, warum Verstappen unschuldig war, wenn er schon davon kommen sollte. Ferrari-Rennleiter Mattia Binotto lehnte sich an der Kaffee-Bar des Teams entspannt zurück. „Ich bin relaxt. Da muss etwas passieren. Das wäre sonst ein ernsthafter Präzedenzfall. Weil es in Zukunft alle so machen und sich auf diesen Fall berufen.“

Im Reglement steht, dass die Fahrer bei doppelt geschwenkten gelben Flaggen so weit vom Gas gehen müssen, dass sie jederzeit anhalten können. Der Holländer fuhr aber in dieser Runde und in diesem Sektor Bestzeit. Vettel und Hamilton, die nach Verstappen an die Unfallstelle kamen, haben deutlich stärker verlangsamt. Sie hätten den Schaden gehabt, wenn die Rennleitung sich auf dem Standpunkt versteift hätte, dass Verstappen im Recht ist.

Lewis Hamilton zeigte kein Verständnis dafür, dass der Kollege trotz der gelben Flaggen am Unfallort nicht verlangsamt hat: „Bei doppelt geschwenkten Flaggen gibt es keinen Pardon. Da könnten ja Streckenposten auf der Straße sein oder Valtteris Auto mitten auf der Strecke stehen. Es ist auch völlig egal, ob die Flagge geschwenkt wird oder im Cockpit am Display erscheint. Gelb ist gelb.“

Red Bull-Sportchef Helmut Marko dagegen verteidigte seinen Fahrer: „Wir reden hier über eine Qualifikationsrunde. Max kommt ums Eck, und da ist der Unfall. Das hat sich quasi überschnitten. Außerdem war bei ihm auf dem Lenkrad keine gelbe Flagge zu sehen. Also ist er auf dem Gas geblieben. Die Fahrer von heute schauen nur noch aufs Display und hören nur auf ihre Ingenieure.“

Vettel, so der Grazer, sei einfach schlau gewesen: „Seb war im ersten Teil der Runde zu langsam. Er wusste, dass er Max nicht mehr schlagen würde. Er konnte also ohne Schaden vom Gas gehen und dann gut dastehen.“

Das elektronische System versagte, weil die Signaltafel bei dem Unfall zerstört wurde. Und damit wurde auch in den Cockpits nichts angezeigt. Doch das ist irrelevant. „Wenn eine gelbe Flagge geschwenkt wird, gilt die. Egal was die digitalen Flaggen anzeigen“, erklärt Mercedes-Teammanager Ron Meadows. Diese Regel macht schon deshalb Sinn, weil elektronische Signale öfter mal streiken können. Der Mensch mit der Flagge in der Hand ist dann doch die verlässlichere Größe.

Leclerc, Verstappen & Vettel - Formel 1 - GP Mexiko - 26. Oktober 2019
xpb
In der FIA-Pressekonferenz gab Verstappen freimütig zu, dass er an der Unfallstelle nicht gelupft hat. Die Ehrlichkeit muss man ihm hoch anrechnen. Die gefährliche Fahrweise ist allerdings zu kritisieren.

Warum wurde nicht die rote Flagge gezeigt?

Am Ende führte eine Aussage von Max Verstappen selbst dazu, dass die Rennleitung und die Sportkommissare die Untersuchung doch noch aufnahmen. Verstappen hatte bei der Pressekonferenz auf Nachfrage um Kopf und Kragen geredet: „Mir war bewusst, dass Valtteri einen Unfall hatte. Es sieht nicht danach aus, dass ich gelupft habe. Habe ich auch nicht.“

Verstappen dachte in dem Moment noch, dass ihm schlimmstenfalls die schnellste Runde gestrichen würde. Auch seine zweitschnellste hätte zur Pole Position gereicht. Doch da war der 22-Jährige einem Irrtum aufgesessen. Auf Missachten der gelben Flaggen stehen Startplatzstrafen.

Verstappen machte die Sache noch schlimmer, in dem er auf Sicherheitsbedenken mürrisch antwortete: „Müssen wir hier wirklich über Sicherheit reden? Ich glaube, dass wir wissen, was wir tun. Sonst wären wir keine Formel 1-Fahrer. Es war Qualifikation. Da gibst du Vollgas. Wie gesagt: Wenn sie mir die Runde streichen wollen, sollen sie mir die Runde streichen.“

Das konnte die FIA so nicht stehen lassen. Zu frisch ist noch die Erinnerung an den tödlichen Unfall von Jules Bianchi beim GP Japan 2014. Der Franzose hatte trotz doppelt geschwenkter Flagge nicht ausreichend verzögert und war als Folge von der Strecke geflogen und mit einem Traktor kollidiert. Tenor im Fahrerlager: „Spätestens seit dem Unfall kannst du bei Verstößen gegen die gelben Flaggen nichts mehr durchgehen lassen.“

Eine Frage muss sich aber die Rennleitung gefallen lassen. Warum wurde nicht gleich die rote Flagge gezeigt? Die kommt in den Trainings wegen viel harmloserer Unfälle zum Einsatz. Und Bottas konnte wegen seiner Atemnot nicht sofort aussteigen. Sie wäre also mehr als gerechtfertigt gewesen. Dann hätte man sich auch alle Diskussionen danach erspart. Die Rundenzeiten von Hamilton, Vettel und Verstappen hätten nicht mehr gezählt. Keiner hätte mehr ein Risiko eingehen müssen. Und Verstappen würde immer noch auf der Pole Position stehen.

Mehr zum Thema Max Verstappen
Max Verstappen - GP Italien 2021 - Formel Schmidt Teaser
Aktuell
Daniel Ricciardo - GP Italien - Monza - 2021
Aktuell
Verstappen vs. Hamilton - GP Italien - Monza - 2021
Aktuell
Mehr anzeigen